Trakehner Siegerhengst Rheinglanz für 305.000 Euro verkauft

Neumünster – 58. Int. Trakehner Hengstmarkt 2020

Rheinglanz v. Helium-Couracius dominierte das Geschehen des Trakehner Hengstmarkts 2020. (© www.sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz)

Der Trakehner Siegerhengst Rheinglanz v. Helium stand an der Spitze eines Lots von zwölf gekörten Hengsten. Fünf davon wurden prämiert.

Teuerste Stute, teuerstes Fohlen und nun auch noch der zweite Siegerhengst in Folge – der Millennium-Sohn Helium vom Trakehner Gestüt Gut Staffelde hat dem Trakehner Hengstmarkt 2020 wahrlich seinen Stempel aufgedrückt. Und was für ein Siegerhengst er geschickt hat. Schon auf dem Pflaster war ziemlich klar: An der Katalognummer zwölf, Rheinglanz v. Helium-Couracius aus der Zucht des Gestüts Bönnighardt von Werner Heitfeld und im Besitz von Jill Mieleszko-Vekens musste der Rest erst einmal vorbeikommen. Der Dunkelbraune begeisterte mit gutem Grundschwung, viel Abdruck und Fleiß, einer praktischen bergauf angelegten und immer fleißigen Galoppade sowie raumgreifendem Schreiten durch den Körper.

Der stellvertretende Zuchtleiter Neel-Heinrich Schoof, der heute in Vertretung des erkrankten Lars Gehrmann der Körkommission vorstand, schwärmte in seinem Kommentar: „Ein Sympathieträger besonderer Machart, der sofort die Herzen erobert und auch heute noch einmal mit einer überzeugenden Darstellung hinsichtlich der Grundgangarten, die von allererster Güte sind. Ein herrlicher Typ, der immer wach und immer bei der Sache ist. Ein Hengst, der uns und Sie begeistern konnte.“

Das konnte er in der Tat – auch wenn er zunächst mal verantwortlich für einen Ehestreit seiner Besitzer war. Frederik Vekens, ehemals zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Westfälischen Pferdestammbuchs, berichtete in der heutigen Pressekonferenz freimütig, dass er eher wenig begeistert war von der Idee seiner dressurreitenden Frau, im Juni 2018 zum Trakehner Bundesturnier nach Hannover zu fahren, wo ja alljährlich auch eine Fohlen-Auktion stattfindet. „Es war Fußball-Weltmeisterschaft und ich hatte Grillfleisch gekauft.“ Also fuhr Jill Mieleszko-Vekens allein mit einer Freundin und der Ansage ihres Mannes nach Hannover, sie solle „bloß kein weiteres Fohlen“ mitbringen. Vekens: „Es wurden zwei. Da war ich sauer!“

Aber an dem Hengst habe sie nicht vorbeigekonnt, sagt Jill Mieleszko-Vekens. Und als ihr Mann Rheinglanz das erste Mal an der Longe hatte, habe auch er ihre Begeisterung geteilt, wie er im Pressegespräch versicherte. „Ich habe gerade den Siegerhengst longiert“, soll damals sein Kommentar gewesen sein.

Ein prophetischer Spruch, aber dennoch darf Rheinglanz nicht bleiben. Zwar hat die Familie in Paderborn eine Hengststation, aber „das Rad muss sich weiterdrehen“, wie Vekens die Sache mit der Wirtschaftlichkeit zusammenfasst. So ging Rheinglanz zur Auktion und erzielte wenig überraschend den Spitzenpreis von 305.000 Euro.

Rheinglanz wird also nicht der erste Trakehner auf der Station Mieleszko-Vekens sein, aber wer weiß, vielleicht bezieht eines Tages ein Bruder seine Box in Paderborn. Züchter Werner Heitfeld versichert jedenfalls: „Die Anpaarung wird nun wiederholt!“

Reservesieger zum Geburtstag

Doppelten Grund zum Feiern gibt es heute auf Gestüt Panker – zum einen, weil Donatus von Hessen, der Chef der Hessischen Hausstiftung Gestüt Panker, heute 54 Jahre alt geworden ist, zum anderen, weil Panker den Reservesieger stellte, der später für 79.000 Euro ein neues Zuhause in Hamburg fand: Tanzkönig v. Fairmont Hill-Herbstkönig-Grafenstolz. Der elegante Hengst überzeugte mit elastischen Bewegungen, natürlichem Bergauf und gutem Gleichgewicht bei viel Übersicht und Ruhe. Hinzu kam ein überragender Schritt – wobei gesagt werden muss, dass das Gros des Lots sich im Schritt überzeugend präsentierte.

„Ein imponierender Hengst“, schwärmte Neel-Heinrich Schoof, „großliniert mit drei hervorragenden Grundgangarten, herausragendem Schritt, akzentuierten Bewegungen und deutlich männlichem Habitus.“

Die Prämien

Noch drei weitere Hengste erhielten eine Prämie. Das war zum einen Dameron v. Helium-Lauries Crusador xx (Z. u. B. Klosterhof Medingen/Familie Wahler), ein enger Verwandter von Damaschino, der dem Klosterhof Medingen in den vergangenen beiden Jahren Bundeschampionatsgold und Silber bescherte. Die Großmütter der beiden Hengste waren Schwestern. Dameron ist also so etwas wie ein Großcousin von Damaschino. Und wie dieser bewegt sich auch Dameron mit gutem Grundschwung, viel Abdruck und Fleiß in Trab und Galopp sowie gutem Raumgriff im Schritt. Auch hier fiel das Wort „imponierend“ bei der Körkommission, die außerdem die „beeindruckende Körperharmonie“ lobte und befand, dass Gleichgewicht und Tragkraft von „herausragender Qualität“ seien.

Einen „Sportsmann für die Zukunft“ sehen Schoof und Kollegen in dem bildschönen Gaspard v. His Moment-Imperio (Z.: Dr. Angelica Lauritzen, B.: Christian Röhl). Der Spross aus dem ersten Jahrgang des Trakehner Siegerhengstes von 2016 bewegte sich ansprechend über den Rücken, recht elastisch und sicher im Takt. Auch bei ihm: Großzügiges, gelassenes Schreiten. „Er weiß, wie er sich darstellen muss und kann“, fasste Schoof den Eindruck des Kollegiums zusammen.“ Sicherlich stehe der Hengst eher im mittleren Rahmen, aber: „In der Bewegung wächst er über sich selbst hinaus.“ Er kostete auf der anschließenden Auktion 70.000 Euro und soll auf der Station Hoffrogge in Dorsten sein Vererberdebüt geben.

Schließlich erhielt mit Hallifax auch einer der fünf Schwarzgold-Söhne eine Prämie (Mutter v. Aston Martin). „Ein Bewegungspferd par excellence“, schwärmte Schoof, und weiter: „Dieses Pferd kann das Hinterbein effektiv einsetzen!“ Zu seinen Pluspunkten zählten „schwungvoll vorgetragene Trab- und Galoppbewegungen“ und auch hier der taktsichere, deutlich übertretende Schritt. Fazit: „Ein Pferd mit hervorragender Perspektive!“ Züchterin und Besitzerin in Personalunion ist übrigens Anne Lyngbye Melsen aus Dänemark.

Die Gekörten

Bester Springhengst und zugleich bester Halbblüter wurde die Katalognummer eins, Osterwunder v. Pagur OX-Lichtblick, gezogen von Jana Scheffel und im Besitz von Norbert Wallochny. Seiner Abstammung entsprechend, präsentierte der Braune sich hochedel aufgemacht, hat von seinen arabischen Vorfahren allerdings auch die Kruppenformation geerbt. Am Sprung jedoch überzeugte er. „Ein vom Araber deutlich geprägter Sohn, der mütterlicherseits interessant gezogen ist über den S-erfolgreichen Lichtblick. Gute Manier immer über den Widerrist springend, mit guter Vorderbeintechnik und hinten gut öffnend“, so die Zusammenfassung der Eindrücke der Körkommission.

Halcon v. Millennium-Münchhausen (Z. u. B.: Dr. Atossa Südhoff) ist vor allem optisch ein typischer Sohn seines Vaters. Die Kommission lobte hier: „Ein Hengst mit großem Rahmen, großem Ablauf, gewünschter Mechanik, Tragkraft und immer bergauf. Ein Hengst, der hinsichtlich der Konstruktion der Schulter und Kruppe Großes erwarten lässt.“

Hollister v. Freiherr von Stein-Insterburg (Z. u. B.: Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse) hat zwar einen etwas tief angesetzten Hals mit schmalem Ansatz, ist aber elastisch im Ablauf. Vielleicht präsentiert er sich ein wenig zu stolz in der Bewegung. Die Körkommission sieht es so: „Ein Sympathieträger auf den ersten Blick, vom ersten Tritt an wird er groß und bewegt sich stets bergauf mit viel Kadenz und mit viel Zug zum Sprung mit guter Einstellung.“ Fazit: „Ein herrliches Gesamtpaket mit herrlicher Typausprägung und herrlichem Interieur.“

Bei Sinatra v. Honoré du Soir-Herbstruf (Z. u. B. Andreas Weiß, Österreich) befand die Kommission, er komme zwar „noch etwas jugendlich daher“, verfüge aber über „Taktsicherheit und Mechanik“ bei „überlegtem Interieur“.

Iniesta v. Impetus-Montafon (Z.: Tim Vester, B.: Trakehner Gestüt Gut Staffelde) ist ein elegantes, aber noch recht schmales Pferd, das aber mit langen Linien, gewünschter Vorderbeinmechanik, guter Elastizität und viel Raumgriff überzeugt.

Quasi der Gegenentwurf dazu ist Hanke v. Ivanhoe-Freudenfest (Z.: Björn Hanke, B.: Pascal Kandziora), der bereits sehr fertig daherkommt. Er bewegt sich auch gut über den Rücken und durch den Körper, locker-elastisch mit gutem Raumgriff und viel Takt. Vielleicht könnte er etwas mehr aus der Schulter herauskommen. „Ein unheimlich typvoller, formschöner Hengst. Herrliche Halsung, taktbeflissener Bewegungsablauf, mit Höhepunkten auf der Dreiecksbahn. Ein Hengst, der ein Hengst ist, mit männlichem Habitus“, so der Kommentar.

Und schließlich erteilte die Kommission auch dem „kompakten Sportsmann“ Onyx v. Kentucky-Millennium (Z. u. B. Rob de Wijs, Niederlande) die Zuchtzulassung. Hier habe ihnen besonders das kraftvoll abfußende Hinterbein gefallen und nicht zu vergessen die interessante Abstammung, ist die Mutter doch eine Vollschwester zum Prämienhengst Octavian.

Statistik und Fazit

Von ursprünglich 36 Hengsten, haben 29 das Körprocedere durchlaufen. Die dominante Hengstlinie war mit 18 Hengsten die des Kostolany über Gribaldi. Elf Hengste stammen aus den ursprünglichen Trakehner Stutenfamilien. Die sieben gekörten und zum Teil prämierten Hengste der Auktion kosteten durchschnittlich 83.000 Euro.

Dr. Norbert Camp, der Verbandsvorsitzende, sowie sein Vize, Dr. Hans-Peter Karp, waren voll des Lobes für den Jahrgang. In Sachen Dressurveranlagung sei er dem 2019er Jahrgang sogar überlegen gewesen. Wie Dr. Camp sagte: „Ich glaube, dass wir einen sehr guten Jahrgang hatten, würde behaupten, deutlich besser als voriges Jahr.“ Allerdings monierte er auch: „Aus der Ecke der Vielseitigkeitszucht hätte ich gerne den einen oder anderen mehr gesehen.“ Und Dr. Karp räumte ein: „Das Freispringen war auch schon mal noch überzeugender.“ Die Kommission sieht das allerdings weniger der Qualität der Pferde geschuldet, als vielmehr der Art des Aufbaus. Die Reihe stand dieses Jahr nämlich in Richtung Ausgang, so dass da etwas Übereifer bei den Hengsten im Spiel war.

Wer sich übrigens gewundert hat, wieso der Schwarzgold-Sohn Speedmaster mit der Katalognummer 31 auf dem letzten Ring nicht mehr auftauchte, obwohl er beim Freilaufen noch dabei war (anders als beispielsweise die Katalognummer 15, Schäplitzer, der ein Hufgeschwür entwickelt hatte): Der Hengst habe „sich verletzungsbedingt nicht so gezeigt“, darum sei beschlossen worden ihn zu seinem eigenen Wohl auf dem letzten Ring nicht mehr gehen zu lassen.

Anm. d. Red. In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, der Siegerhengst Rheinglanz sei an den Stall Helgstrand verkauft worden. Der Eindruck war nach dem Zuschlag des Hengstes in der Holstenhalle entstanden. Die später vom Trakehner Verband veröffentlichte Statistik schreibt aber, Rheinglanz sei nach Deutschland verkauft worden. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Wir bitte das Versehen zu entschuldigen.

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