Der Fall Mclain Ward und Sapphire: Die FEI knickt ein

Beim Weltcupfinale in Genf wollte die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) ein Zeichen setzen im Kampf gegen Manipulationen im Sport. Jetzt musste sie zurückrudern, um einen zeit- und kostenträchtigen Rechtsstreit abzuwenden. Für den Schutz von Pferden im Wettkampf  hat dies womöglich weitreichende Folgen.

 

Das Pferd Sapphire des US-Reiters McLain Ward sei beim Weltcupfinale in Genf zu Unrecht wegen erhöhter Schmerzempfindlichkeit an einem Vorderbein disqualifiziert worden. Dies gab der Weltreiterverband FEI in einer Pressemeldung bekannt. Die Disqualifikation bleibt zwar bestehen, aber der Reiter erhält nachträglich die Weltranglistenpunkte und das Preisgeld, das ihm für die zweite von drei Weltcupwertungen zusteht. Die Platzierung der übrigen Reiter bleibt davon unberührt. McLain Ward hatte in der dritten entscheidenden Wertung Sapphire nicht mehr starten dürfen, bis dahin lag er in Führung.

Das ist das Ergebnis eines Vergleichs zwischen der FEI, dem US-Reiterverband, dem Reiter und dem US-Teamveterinär Tim Ober. Sie verzichten im Gegenzug darauf, den Fall gerichtlich weiterzuverfolgen.

Für die FEI und insbesondere Präsidentin Haya ist dieses Ergebnis eine Schlappe, die einmal mehr die Effizienz der Doping- und Manipulationskontrollen der FEI in Frage stellt. Sapphire hatte nach Aussagen von drei unabhängigen FEI-Tierärzten, wie auch von Zeugen, wiederholt deutlichen Schmerz bei Berührung einer kleinen Stelle oberhalb des linken Kronrandes gezeigt. Hier hat ein Pferd Schmerzen und es ist unsere Pflicht, es zu schützen, hatte Prinzessin Haya vollmundig verkündet. Die Präsidentin, die sich im Herbst zur Wiederwahl stellen will, hatte damit in weiten Kreisen, auch bei den Reiterkollegen von Ward, Beifall erhalten. Zu keiner Zeit war Ward unterstellt worden, er habe manipuliert, dafür gab es keine Beweise. Auch die Dopingkontrollen, die auf Wunsch des Reiters genommen worden waren, blieben negativ. Die Fuchsstute war lediglich als not fit to compete, also nicht wettkampffähig eingestuft worden, da eine mögliche Stangenberührung erhebliche Schmerzen verursacht hätte.Pferde aus dem Wettbewerb zu nehmen, weil sie schmerzempfindlich sind, dürfte also in Zukunft noch schwieriger werden als bisher.

Die FEI hat unterdes angekündigt, genaue Richtlinien zur Feststellung von Hypersensibilisierung, also künstlich herbeigeführter Überempfindlichkeit, zu formulieren. Das soll noch vor dem CHIO Aachen geschehen. 

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