Fliegenspray fürs Pferd: einfach abstoßend

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(© www.toffi-images.de)

Start frei für die Weide- und Ausreitzeit! Doch mit den warmen Tagen fallen bald wieder lästige Bremsen und Co. ein. Zecken sind bereits aktiv. Insekten-Abwehrmittel helfen mit unterschiedlichen Wirkstoffen

Manche kommen in der Dämmerung und fallen in Scharen ein, andere sitzen einsam im Gras und warten auf eine kurze Berührung, um sich festzuhalten – egal ob Pferdebremsen oder Zecken, die kleinen Biester sind nervig, ihre Andenken schmerzhaft. Und noch viel schlimmer: Manche lösen ernsthafte Krankheiten aus. Spezielles Fliegenspray Pferd, sogenannte Repellentien, sollen dies verhindern. „Wie die drei großen Repellentien (Icaridin, DEET, IR3535) genau wirken, ist nicht bekannt“, erklärt Parasitologe Dr. Ard Nijhof von der Freien Universität Berlin, „aber man vermutet, dass die Geruchswahrnehmung von den Insekten beeinflusst wird.“ Die Mittel hüllen das Pferd in eine Art Duftmantel ein, so dass die kleinen Blutsauger Aminosäuren, Ammoniakausdünstungen, Buttersäure aber auch ausgeatmetes Kohlendioxid nicht mehr richtig wahrnehmen können.

Wie lange der Duftmantel ein Pferd umhüllt, hängt zum einen von den Wirkstoffen ab, zum anderen spielen weitere Faktoren wie Regen oder starkes Schwitzen eine Rolle – hier stellen viele Reiter ihr Fliegenspray auf den Prüfstand. „Ich habe festgestellt, dass Sprays bei einem ruhigen Waldausritt gut helfen“, erklärt Tierärztin und Vielseitigkeitsreiterin Dr. Annette Wyrwoll. „Wenn ich aber zu einem Vielseitigkeitsturnier gefahren bin, habe ich mein Pferd bereits einen Tag vorher mit dem Mittel Wellcare einmassiert, damit der Wirkstoff gut in die Haut eindringt und sich durch das Schwitzen nicht so schnell verflüchtigt. Um auf Nummer sicher zu gehen, habe ich außerdem Schabracken und Fliegenohren zusätzlich mit einem Spray eingesprüht.“ Wellcare enthält den Wirkstoff Permethrin, der nicht mehr zu den Repellentien zählt, sondern zu den Insektiziden, d.h. es tötet die Insekten bei Berührung. „Bei unseren Weidepferden hält es bis zu 14 Tagen außer es gibt einen Platzregen“, so Dr. Wyrwoll.

Dunkelheit zieht Insekten an

Als Tierärztin kennt Dr. Annette Wyrwoll auch die Nebenwirkungen von Repellentien und Insektiziden, vor allem in Form von allergischen Reaktionen. „Keine Wirkung ohne Nebenwirkung“, gibt sie zu bedenken. Die Tierärztin weiß aus Erfahrung, dass helle Füchse oder Schimmel leichter zu allergischen Reaktionen neigen als Braune – diese haben die wenigsten Probleme. Rappen sind mittelmäßig empfindlich. Wie beim Menschen, so ist auch bei Pferden eines anfälliger als das andere, ohne dass es dafür eine plausible Erklärung gibt.

Helle Pferde haben zwar eine empfindlichere Haut, aber sie haben auch einen Vorteil: Forscher aus Budapest haben herausgefunden, dass Schimmel seltener von Bremsen angeflo­gen werden als Rappen. Die dunkle Farbe gibt polarisiertes Licht ab, das die Insekten magisch anzuziehen scheint. Helle Farben hingegen strahlen unpolarisiertes Licht ab. Neben Geruch und Wärme nutzen Insekten nämlich auch ihre Augen, um sich zu orientieren. Die Forscher gehen davon aus, dass dies u.a. der Grund dafür ist, warum Zebras ihre Streifen entwickelt haben: Sie wollen sich vor blutsaugenden Insekten schützen. Im Mutterleib sind Zebras lange schwarz, erst kurz vor der Geburt legen sie sich ihre weißen Streifen zu. Die Streifen werfen das Licht in Mustern zurück, was das Tier für Insekten unattraktiver macht. Entsprechend können weiße Streifen oder auch Punkte auch auf dunklen Pferden gegen Insekten helfen.

Prophylaxe: Kampf den Insekten

Um Mücken und Co. schon vor ihren Attacken in Schach zu halten, bietet der Markt auch spezielle Abwehrmittel für den Stall oder die Weide an. „Die Prophylaxe im Stall ist wichtig, um die Zahl der Mücken und die Belästigung gering zu halten“, erklärt Dr. Nijhof. „Auch das Abdecken von stehendem Wasser ist sinnvoll, um die Mücken an der Eiablage im Wasser zu hindern.“

Dass Insekten auf die Farbe schwarz fliegen, machen sich Fliegenfallen auf der Weide zunutze. Die Insekten werden angelockt und landen dann beim Abflug in einem Trichter, in dem sie hängen bleiben.

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