Mit gezieltem Training den Pferderücken stärken

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Nur ein gesunder, starker Pferderücken ermöglicht die volle Beweglichkeit. (© www.toffiimages.de)

Falsches Reiten kann den Pferderücken und damit die empfindliche und komplexe Wirbelsäule des Pferdes langfristig schädigen. Richtiges Reiten hin­gegen kräftigt den Rücken.

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Was für den Menschen Glück bedeutet, ist für manche Pferde jedoch eine Höllenqual – denn Schäden und Verletzungen des empfindlichen Pferderückens haben in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Dieses Problem rückt immer mehr in das Blickfeld von Reitern und Tierärzten.

 

Teil I : Der Aufbau des Pferderückens

Teil II: Rückenprobleme und Rückentraining

Kern des Pferderückens: Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule des Pferdes setzt sich aus der Hals-, der Brust-, der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein zusammen. Das wichtigste Band ist das lange Nackenband – ein fes­ter elastischer Muskelstrang, der vom Hinterkopf bis zu den Dornfortsätzen der Brustwirbelsäule verläuft. Dieser Muskelstrang spielt zusammen mit Kopf und Hals eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Span­nung im Pferderücken.

Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln, von denen der erste als Atlas be­zeichnet wird. Er ist mit dem Hinterhauptsbein, dem oberen Teil des Schädels ver­bunden. Die Wirbelkörper sind durch die Bandscheiben und verschiedene Bandstrukturen miteinander ver­bunden.

Brustwirbelsäule

Die Brustwirbelsäule besteht aus 18 Wirbeln. An der oberen Sei­te der Wirbel liegen die Dornfortsätze, die vom letzten Halswirbel bis zum fünften Brustwirbel sehr lang sind. Im vorderen Bereich sind die Dornfortsätze nach hinten geneigt. Zum Ende der Brustwirbelsäule zeigen die Dornfortsätze bis zum Kreuzbein nach vorne.

Zwischen den Wirbeln liegen kleine Gelenke, die im vor­deren Bereich der Brustwirbelsäule so angelegt sind, dass das Pferd diesen Abschnitt seitlich und auf und ab bewegen kann. Im hinteren Bereich lassen diese Gelenke nur das Aufwölben und Durchbiegen zu.

Lendenwirbelsäule

Die Lendenwirbelsäule besteht aus sechs Wir­beln, die eng miteinander verbunden und nicht sehr beweglich sind. Das ist von großem Vorteil, denn hier wird die Schubkraft der Hinterhand auf den gesam­ten Pferderücken übertragen, weshalb dieses „Kraftzentrum“ besonders stabil sein muss.

Das Kreuzbein besteht aus den fünf Wirbeln, die miteinander verwachsen und nicht beweglich sind. Hier zeigen die Dornfortsätze wieder nach hinten. Das Pferd besitzt 15 bis 22 Schwanzwirbel, die hinter dem Kreuzdarmbein liegen.

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Alles im Lot? Bei Rückenproblemen aufmerksam hinschauen. (© www.slawik.com)

Funktionsweise des Pferderückens

Die Wirbelsäule des Pferdes erfüllt viele wichtige Aufgaben: Sie trägt und schützt in ihrem Wirbelkanal das empfindliche Rückenmark und überträgt die von der Hinter­hand ausgehende Kraft auf die Vor­hand des Pferdes.

Die Wirbelsäule des Pferdes lässt sich mit einer Brückenkonstruktion vergleichen, bei der die Vor- und Hinterhand den Brückenpfeilern gleichen. Die eigentliche Brücke wird von der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur des Pferdes gebildet. Stabil wird diese Brücke erst, wenn sich durch das Anspannen der Bauch­muskulatur der Pferderücken nach oben wölbt. Die Bauchmuskulatur stützt also die Wirbelbrücke zwi­schen den zwei Pfeilern und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich die Domfortsätze an den Wirbelkörpern voneinander entfernen.

Die wichtigen Bänder im Pferderücken

Die dazwischen liegenden Bänder schützen die Wirbelsäule vor einer zu starken Aufwölbung. Diesen gilt ein besonderes Augenmerk. Die Bän­der sind faserige Verbindungen zwischen zwei Knochen, die sehr zäh, aber auch elastisch sind.

Die Brustwirbelsäule schließt vorne an den Brustkorb an, der mit Bändern am Schulterblatt aufgehängt ist. Am Kreuzbein, also hinten, ist die Wirbelsäule durch das so genann­te Kreuzdarmbeingelenk mit dem Becken verbunden. Dort verbin­den ebenfalls Bänder das Kreuz­bein und die Dornfortsätze mit dem Darmbein (oberer Teil des Beckens).

Aufbau des Wirbelkörpers

Um die Funktion der Bänder besser zu verstehen, hilft es, sich den einzelnen Wirbel nä­her anzuschauen: Der Wirbelkör­per ist nach vorne gewölbt und scheint nach hinten hohl. Zwischen den Wirbeln liegen die Band­scheiben. Oberhalb des Wirbel­körpers ist der Wirbelbogen, der das dort durchlaufende Rücken­mark schützt. Auf diesem Wirbelbo­gen sitzen vier kleine Fortsätze: zwei vorne und zwei hinten, von denen jeweils einer rechts und links liegt. Diese Gelenkfortsätze verbinden die Wirbel miteinander. Ganz oben sitzen dann die Dornfortsätze.

Lange und kurze Bänder im Pferderücken

Im Pferderücken unterscheidet man zwischen kur­zen und langen Bändern an der Wirbelsäule. Die Zwischenbogenbänder sind kurze Bänder, liegen zwischen den Wirbelbögen und sind sehr elastisch. Die Zwischendornenbänder sind ebenfalls kur­ze Bänder und verbinden die Dornfortsätze der Wirbel mitein­ander.

Das Rückenband verläuft vom zweiten Halswirbel bis zum Kreuzbein innerhalb der Wirbel­bögen und ist an den Wirbelkörpern und den Bandscheiben befes­tigt. Das untere Längsband zieht sich von der Mitte der Brustwir­belsäule bis zum Kreuzbein und ist ebenfalls an den Wirbelkörpern und den Bandscheiben befestigt.

Das Nackenband ist besonders stark und elastisch und beginnt rechts und links am Hinterhaupts­bein, wo der erste Halswirbel, aufgehängt ist. Von dort geht es bis zum Widerrist, wo es sich mit dem Rückenband vereinigt.

Auf der Höhe des dritten Hals­wirbels ist das Nackenband mit der so genannten Nackenplatte verbunden. Die Nackenplatte ist an den Dornfortsätzen der Halswirbel befestigt und spannt sich ganz flach nach oben bis zum Nackenband.

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Mit Massagetechniken kann man die Rückenmuskulatur des Pferdes unterstützen. (© www.slawik.com)

Die Rückenmuskulatur des Pferdes

Bei der Muskulatur im Pferderücken, unterscheidet man wie bei den Bändern zwischen kurzen und langen Muskeln. Gemeinsam sor­gen sie für Stabilität und spielen für die Tragfähigkeit der Wirbel­säule eine entscheidende Rolle. Besondere Beachtung sollte dem langen Rückenmuskel (dem längsten Muskel im Pferdekörper) zukommen, den man in drei Ab­schnitte unterteilt:

Im ersten Ab­schnitt (Kopfteil) beginnt er am letzten Hals- und ersten Brustwir­bel und endet im Bereich des ers­ten Halswirbels (Atlas). Dieser Teil dient zum Heben des Halses und Kopfes. Bei einseitiger An­spannung dreht sich der Kopf und der Hals biegt sich.

Im Halsteil setzt der lange Rückenmuskel am fünften und achten Brustwirbel an und geht bis zum dritten Hals­wirbel. Hier dient er zur Auf­richtung des Vorderkörpers und dem Feststellen und Strecken der Wirbelsäule.

Im Brustteil ist er an den Dornfortsätzen des Kreuz­beins, der Lenden- und Brust­wirbel und am Darmbein befes­tigt und zieht sich über die ge­samte mittlere Wirbelsäule bis zu den Rippen, an denen er seitlich ansetzt. Auch in diesem Teil dient der lange Rückenmuskel der Stre­ckung und Feststellung der Wir­belsäule und der Aufrichtung.

Gut gerittene Pferde erkennt man an einem gut ausgebildeten langen Rückenmuskel, der sich, richtig geformt, über die Domfortsätze erhebt und eine schöne, bemuskelte Oberlinie ergibt. Hinzu kommen eine ganze Reihe von langen Rückenmuskeln, die im Zusammenspiel mit der Becken- und Kruppenmuskulatur und den Lenden- und Bauchmuskeln für Stabilität sorgen und die Kräfte der Hinterhand auf das gesamte Pferd übertragen.

Stabilisator: Langer Rückenmuskel

Der lange Rückenmuskel ist der we­sentlichste Stabilisator der „Wirbel­brücke“ im Pferderücken. Dieser Muskel ist paarig ausgebildet, das heißt, er befindet sich auf beiden Seiten des Pferderückens an den Dornfortsätzen. Allein die Ausprägung des langen Rücken­muskels kann dem Tierarzt in vie­len Fällen Hinweise auf ein Rü­ckenproblem des Pferdes geben.

Dabei gilt: Je stärker dieser Muskel ausgebildet ist, umso besser kann er die emp­findlichen Wirbelkörper schützen und stützen.

Die gesamte Rückenmuskulatur des Pferdes hat eine stoßdämpfende Funktion, denn die Wirbelsäule des Pferdes wird bei jedem Tritt oder Sprung einer Erschütterung ausgesetzt.

 

Teil I : Der Aufbau des Pferderückens

Teil II: Rückenprobleme und Rückentraining

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