Muskulatur und Muskelaufbau des Pferdes

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Kraftvoll, glänzend im Lack und insgesamt fit. So sind solche ausgelassenen Bocksprünge möglich. (© www.slawik.com)

Arnold Schwarzenegger hat sie, Nils Schumann hat sie auch und Gold-Franzi sowieso. Gemeint sind keine hochdotierten Sponsorenverträge, sondern eine ausgeprägte und gut trainierte Muskulatur durch gezielten Muskelaufbau. Sie ist der Garant für hohe sport­liche Leistung.

Das gilt nicht nur für zweibeinige Sportler, sondern auch für den vierbeinigen Athle­ten Pferd. Das muskuläre System des Pfer­des ist hoch entwickelt. Es ist ver­antwortlich für die explosive Kraft des Spring- und Westernpferdes, für das Tempo eines Galoppers, die Ausdauer eines Distanzpferdes oder die Fein-Motorik des Dressurpferdes.

Dass ein Dressurpferd rund und kräftig wie Arnie, und ein Dis­tanzpferd dürr und sehnig wie Nils Schumann aussieht, liegt daran, dass verschiedene Muskel­gruppen beansprucht und anders trainiert werden.

Verglichen mit dem Menschen kann man sagen: Das Distanz­pferd ist ein Marathonläufer und das Dressurpferd ein Bodybuilder, das Galoppferd ein Sprinter, etc.

Zusammenarbeit der Muskelketten

Damit das zusätzliche Reitergewicht getragen werden kann, müssen komplexe Abläufe im Pferdekörper ablaufen. Vor allem aber braucht das Pferd Kraft. Dreh- und Angelpunkt sind die Muskeln, präziser die Muskelketten. Kraft erreicht man durch Training. Hauptaufgabe aller Muskelketten ist die Umformung des Pferdes in ein Reitpferd.

Das Reiten des Pferdes, ohne es an Körper und Geist zu schädigen, bedeutet aus funktionaler Sicht die Entwicklung von für den Reiter mit feinen Hilfen zu organisierenden Steuerungs- und Federungssystemen des Pferdes. Dies ist nur mit Muskelketten möglich, die das Pferd gegen die Schwerkraft nach oben und vorne vom Boden abdrücken, es abfedern lassen. Nichts anderes ist Bewegung.

Steht das Pferd in perfekter Versammlung korrekt an den Hilfen und der Reiter fühlt nur noch ein Schweben und Fließen unter sich, so ist dies das Ergebnis einer perfekten Symbiose von zwei talentierten Sportlern, die der Gesundheit des Pferdes zugute kommt.

Wer Pferde effizient trainieren und den Muskelaufbau fördern will, muss verstehen, wie die einzelnen Muskelgruppen zusammenarbeiten und warum es nichts bringt, die eine zu stärken und die andere zu vernachlässigen.

Denn: Wenn die Glieder der Muskelfunktionskette nicht gleich stark sind, wird das schwächste Glied der Kette überlastet. Dann laufen koordinative Notfallprogramme im Organismus ab. Es kommt zu Muskelverkrampfungen und langfristig zu Überlastungssymptomen. Beim Pferd sind diese aufgrund seiner Konstruktion als Vierbeiner besonders fatal.

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Das Galopptraining im Gelände macht Spaß, und fördert eine kräftige Muskulatur. (© www.toffi-images.de)

Die Muskelarten

Egal ob im Spring-, Dressur oder Galoppsport: Die Muskulatur ist für das Pferd ein lebenswichtiges Organ. Um den Vierbeiner sinnvoll auf zukünftige Aufgaben vorzuberei­ten, muss niemand die lateini­schen Namen jedes Muskels aus­wendig lernen. Viel wichtiger ist es zu verstehen, wie der Muskel­apparat arbeitet und welcher Mus­kelgruppe im Training besondere Beachtung geschenkt werden muss, damit ein guter Muskelaufbau des Pferdes erreicht werden kann.

Grundsätzlich werden drei Muskelarten unterschieden:

  • Herzmuskulatur: Der Herzmuskel ist der Motor des Kreislaufes.
  • Glatte Muskulatur: Die glatte Muskulatur ist zustän­dig für die inneren Organe (zum Beispiel Verdauungsapparat und Gefäßsystem).
  • Skelettmuskulatur: Diese Muskeln sind zuständig für die Motorik (quer gestreifte Mus­keln).

Die Skelettmuskulatur – von Slow twitch und Fast twitch

Alle Skelettmuskeln haben drei Dinge gemeinsam: Sie haben ei­nen Ursprung, einen Bauch und einen Ansatz. Der Ursprung des Muskels liegt proximal, das heißt der Kör­permitte zugewandt, und der An­satz distal, also der Körpermitte abgewandt. Den Ursprung und den Ansatz des Muskels bilden Sehnen, die ihn am Skelett fixieren. Sie sind im Gegensatz zum Muskelbauch weniger elastisch und durchblutet, der um ein vielfaches dehnbarer ist und von einer Vielzahl von Blutgefäßen gut versorgt wird.

Die empfindlichste Schwachstelle, die unter Überbelastung am häufigsten leidet, ist der Übergang des Muskels zur Sehne oder der Übergang der Sehne zum Skelett. Bei extremer Belastung, der die Muskulatur noch nicht gewachsen ist, kommt es daher häufig zu Verletzungen in diesem Bereich.

Der Muskelaufbau

Durch die Lupe betrachtet ist zu erkennen, dass jeder Muskel aus Faserbündeln besteht, die aus vielen Millionen Muskelfasern zusammengesetzt sind. Wer noch genauer hinschaut, durch das Elektronenmikroskop, erkennt vielleicht die große Anzahl von Fibrillen. Sie sind die kleinsten Bausteine der Muskulatur und be­stehen hauptsächlich aus zwei Eiweißarten, dem Myosin und Aktin.

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Im Detail besteht ein Muskelstrang aus verschiedenen Schichten mit kleinsten Bausteinen. (© 7activestudio - Fotolia)

Das Geheimnis der Fasern

Pferde verfügen, genau wie der Mensch, über einen genetischen Bauplan. Über ein besonders an­mutig erscheinendes kleines Mäd­chen mag man behaupten, dass es eines Tages Balletttänzerin wird und Arnies Eltern haben ihm viel­leicht schon zum fünften Geburts­tag das erste Paar Hanteln ge­schenkt. Auch Pferde verfügen genetisch bedingt über einen un­terschiedlichen Muskelfaserauf­bau, der sie für bestimmte Diszi­plinen prädestiniert.

Typ 1: Die „Ausdauernden“ – Slow twitch

„Slow twitch“-Muskelfasern wer­den sie im Fachjargon genannt. Diese Muskelfasern sind langsam in der Kontraktion. Wenn sie bei gleichbleibender Belastung über einen längeren Zeitraum trainiert werden (Ausdauertraining) und eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff stattfinden kann, kön­nen diese Muskelfasern sehr langearbeiten. „Slow twitch“-Muskelfaseern findet man z.B. ver­mehrt bei Distanzpferden.

Typ 2A: Die „Kraftvollen“ – Fast twitch

Diese Muskelfasern, in der Fach­sprache „Fast twitch“-Muskelfasern genannt, sind aufgrund des hohen Gehalts an rotem Blutfarb­stoff (Myoglobin) dunkelrot. Myoglobin besitzt die Fähigkeit, viel Sauerstoff aufzunehmen, was für kraftvolle und ausdauernde Leistungen notwendig ist. Diese hoch-oxidativen Fasern findet man bei Pferden, die über eine längere Zeit maximale Leistung erbringen müssen (z.B. Military­pferde).

Typ 2B: Die „Explosiven“

Ein Wechsel von „Slow Twitch“ in „Fast Twitch“ ist allerdings nicht möglich. Ein Quarter Horse oder ein Galopper kann ein gu­tes Distanzpferd, aber ein schwe­rer Warmblüter kann nie ein gutes Rennpferd werden.

Auch das Geschlecht kann die Anzahl der Muskelfasern beein­flussen. Bei Hengsten und Pfer­den, die mit Anabolika behandelt werden, findet man häufiger Tiere vom Typ 2A und weniger von Typ 2B. Jeder Muskel des Pferdes be­steht aus einer Mischung aller drei Muskelfasern.

Dynamische und statische Muskeln

Die Muskeln des Pferdes werden in dynamische und statische Mus­keln unterteilt. Die dynamischen Muskeln sind eher lang und ober­flächlich und flexibel in der Kon­traktion und Dehnung. Es sind die Muskeln, die die Gliedmaßen in Bewegung setzen.

Die statischen Muskeln sind für die Stabilität und Haltung zustän­dig. Es sind eher kürzere Mus­keln, die nahe am Gelenk liegen. Diese Muskeln sind nicht beson­ders kontraktions- bzw. deh­nungsfähig und arbeiten haupt­sächlich isometrisch (bei gleich­bleibender Belastung). Diese Muskeln liegen in den tieferlie­genden Schichten am Hals und im Rumpfbereich.

Abwechslung im Training hilft die unterschiedlichen Muskelgruppen zu fördern und zu stärken.

Gesamte Fitness des Pferdes

Muskelkraft und Ausdauer stehen in enger Verbindung mit der Fitness anderer Systeme wie z.B. Herzkreislauf und Lungenkapazi­tät. Um effektiv zu arbeiten, müs­sen notwendige Stoffe (z.B. Sau­erstoff) möglichst schnell zum Muskel gelangen. Verwertete Substanzen müssen ebenso schnell aus dem Muskel abtransportiert werden, da es sonst zu einer Übersäuerung des Muskels kommen kann.

Nur durch das Zusammenspiel aller Körpersysteme kann der muskuläre Stoffwechsel funktio­nieren. Fehlt einer der wichtigen Faktoren (z.B. Sauerstoff), wird der Muskel müde und die Kraft deutlich geringer. Hier entsteht dann die Gefahr einer Muskel- und Sehnenverletzung.

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Abwechslung im Training hilft die unterschiedlichen Muskelgruppen zu fördern und zu stärken. (© www.toffi-images.de)

Teamwork in der Pferdemuskulatur

Die Muskeln sind außerdem in verschiedene Tätigkeitsgruppen aufgeteilt (Beuger, Strecker und Rotatoren). Bei jeder Gelenk­bewegung müssen die Muskeln Zusammenarbeiten. Bei der Ellen­bogenbeugung z.B. ist der Bizeps der ausübende Muskel (Agonist). Gleichzeitig muss der streckende Muskel (Trizeps) sich entspan­nen, um die Bewegung nicht zu hemmen. Diese Muskeln werden Antago­nisten genannt. Sie kontrollieren das Bewegungsausmaß, indem sie einer übermäßigen Beugung ent­gegenwirken.

Beim Strecken des Ellenbogens werden die Rollen getauscht. Dann ist der Bizeps der Antago­nist und der Trizeps der Agonist. Über das Nervensystem bekommt der Muskel (der Agonist) die In­formation, sich zusammenzuzie­hen.

Der Antagonist erhält die umge­kehrte Information: Er soll sich dehnen. Im Agonisten wird eine Reaktion ausgelöst, bei der Aktin und Myosin (Eiweiße) ineinander gleiten. Dadurch verkürzt sich der Muskel, beziehungsweise die Mus­kelspannung steigt. Kalzium und Magnesium werden benötigt, um die Verbindung von Aktin und Myosin wieder zu lösen, um so die Muskulatur in ihre ursprüngliche Position zu­rückzuführen.

Darum ist es wichtig, dass das Futter ausreichend viel Kalzium und Magnesium enthält, denn sonst können sich die Muskeln nicht entspannen und es entstehen sehr schnell Krämpfe und Ver­spannungen.

Falsche Muskulatur macht krank

Der Pferderücken bildet eine hori­zontale Wirbelbrücke, die zwi­schen Schultergürtel und Becken­gürtel liegt. Sie ist das Schlüssel­organ der Biomechanik des Pfer­des und im Training für den Muskelaufbau besonders zu berücksichtigen. Damit das Pferd die ge­wünschten Leistungen erbringen kann, muss es in der Lage sein, sich im Rücken zu stabilisieren. Das heißt es muss gleichzeitig steif, dehnfähig und beweglich sein.

Wie ein Speerwerfer, der seinen Rumpf beim Werfen stabilisiert und trotzdem in der Wirbelsäule geschmeidig bleibt. Benötigt er mehr Kraft als die Rumpfmuskulatur (Stabilisato­ren) bieten kann, bekommt er eine ungünstige Verschiebung im Len­denbereich und eine Rückenver­letzung ist programmiert.

Ähnlich ist es beim Pferd: Begin­nt man mit hohen Lektionen, ob­wohl das Pferd nicht in der Lage ist, sich selber zu tragen und zu stabilisieren, sind Ausweichbe­wegungen und Verletzungen die Folge. Das kann z.B. bei zu hoher Versammlung oder beim übermä­ßigen Beugen der Extremitäten der Fall sein.

Ist die Rumpfmuskulatur nicht genügend ausgebildet, kann das ein Grund für besonders häufige Verletzungen der Gliedmaßen sein. Durch die vertikalen Kräfte an der Wirbelbrücke, ausgelöst durch eine Trächtigkeit bei der Stute und/oder sehen Störungen kommen. Ist das Pferd nicht in der Lage, diesen Bereich zu stabilisieren, werden die Gliedmaßen überlastet. Der häufigste Grund für Verletzungen ist eine falsch trainierte, schwache Muskulatur des Pferdes.

Vorwärts-Abwärts-Reiten für die Muskelketten

Bevor Arnold Schwarzenegger eine 100-Kilo Hantel stemmt, wird er seine Muskulatur aufwärmen. Vielleicht läuft er ein paar Runden, hebt einige leichte Gewichte und streckt und dehnt sich. Das Vorwärts-Abwärts-Reiten entspricht diesem Aufwärmtraining und ist daher Pflicht vor jeder Reitstunde. Es bereitet das Pferd physisch und psychisch auf die kommenden Lektionen vor.

Vorwärts-Abwärts-Reiten ist ein gutes Basistraining, denn es trainiert alle Muskelgruppen und ist damit wichtig für den gesamten Muskelaufbau beim Pferd. Allerdings sollte diese Arbeit nie zu lange andauern, da sie zu einer Überbelastung der Vorhand führen kann.

Ganz besonders Pferde mit Sehnenverletzungen oder Gelenkerkrankungcn an den vorderen Extremitäten sollten nie zu lange in dieser Haltung gearbeitet werden. Bei übertriebenem Vorwärts-Abwärts-Training kann es zu einem erhöhten Dehnungsreiz auf die Bänder der Oberlinie kom­men, was für das Pferd äußerst schmerzhaft ist.

Muskelarbeit von Hals und Vorhand

Beim Vorwärts-Abwärts-Reiten wird die Hinterhand ent- und die Vorhand belastet. Die Belastung der Vorhand bedeutet eine Verbes­serung der Brustmuskulatur. Das ist wichtig für die tragende Ver­bindung zwischen Rumpf und Gliedmaßen. Außerdem unter­stützt eine gut trainierte Brust­muskulatur die Vorhand und trägt somit auch zur späteren Ver­sammlung bei. Durch das Vorwärts-Abwärts-Reiten neigt sich die Kopf-Hals-Balancierstange abwärts, und der isometrisch und exzentrische ar­beitende Halsmuskel wird schnell und richtig aufgebaut.

Die Muskelarbeit im Pferderumpf

Durch das Senken des Halses wölbt sich der Brustwirbelbe­reich nach oben und die Ober­linie entspannt und dehnt sich. Die Unterlinie (Bauchmuskel) wird aktiviert und es kommt zu einer höheren Muskelspannung in diesem Bereich. Das harmonische und effiziente Zusammenarbeiten zwischen der Bauch- und Rückenmuskulatur führt zu Losgelassenheit, verbes­sertem Gleichgewicht und Be­weglichkeit. Somit erreicht man mit gezieltem und überlegtem Muskelaufbau des Pferdes auch Verbesserungen in anderen Bereichen.

Wenn das Pferd vorwärts-abwärts geht, bewegen sich die Dornfortsätze auseinan­der. Das ist besonders für Pferde mit Kissing Spines eine wichtige Rehabilitationsmaßnahme und kann auch ohne das Reitergewicht beim longieren gezielt gefördert werden. Die Aufwölbung des Rückens findet meist di­rekt im Bereich unter dem Sattel statt, und hilft dem Pferd, den Reiter zu tragen.

Wieviel Spannung die Bauch­muskulatur aufbaut, ist abhängig von der Aktivität, die die Hinter­hand aufbringt. Je höher die Hinterhandaktivität, desto besser ist die Beweglichkeit im Rumpf. Das wiederum hat einen großen Vorteil: Der Bauchmuskel wird gestärkt, wodurch das Pferd eher zur Aufwölbung der Wirbelsäule bereit ist. Die positive Folge ist eine Besserung der Beweglichkeit auf allen Ebenen.

Die Arbeit der Muskeln in der Hinterhand

Wird die Hinterhand vermehrt aktiviert, kommt das Hüftgelenk in eine erhöhte Beugeposition. Dadurch dehnt sich die Kruppenmuskulatur und das Kniegelenk wird gestreckt. Das hat wiederum eine positive Wirkung auf die Oberschenkelmuskulatur, die für den Vorwärtsschub verantwortlich ist. Durch das Vorwärts-Abwärts-Reiten erreicht man eine Dehnung der Oberlinie, wodurch die Unter­linie kräftiger wird.

Auch für andere Sportarten, wo Versammlung nicht gefragt ist, beispielsweise im Galopp- und Distanzsport, sollte das Vorwärts-Abwärts-Reiten Teil der Grund­ausbildung sein, da es für den Muskelaufbau des Pferdes elementar wichtig ist. Leider ist das sel­ten der Fall, obwohl alle Pferde dadurch geschmeidiger werden und die Belastung besser verteilen können. Außerdem entwickeln sie dadurch mehr Kraft und die Ver­letzungsgefahr wird deutlich ge­ringer.

Muskelaufbau durch Versammlung

Die Verbesserung der Beweglich­keit und des Muskelaufbaus sind Grundvoraussetzungen für die Versammlung. Ohne diese werden die Pferde nicht in der Lage sein, sich für eine längere Zeit zu versammeln. Es ist sinnvoll, das Pferd immer nur für kurze Zeit in leichter Versammlung zu reiten. Erst wenn die Rumpfmuskulatur kräftig genug ist, sollte man das Pensum steigern.

Beginnt man zu früh mit der Versammlung und der damit einhergehenden Aufrichtung, kann das Pferd nicht lange über den Rücken arbeiten, da ihm die nötige Bauchmuskulatur zum Aufwölben der Oberlinie fehlt.

Nur ein Pferd, das physisch und psychisch entspannt ist, und das gleichzeitig gewillt ist, seine Muskeln auf gesunde Weise anzuspannen, kann seine volle Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit entfalten.

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Klettern am Berg hat sich besonders für die Stärkung der Hinterhand und Rumpfmuskulatur bewährt. (© www.toffi-images.de)

Das Muskeltraining zum Muskelaufbau

Ein abwechslungsreicher Trai­ningsplan zum Muskelaufbau ist die halbe Miete für ein gut durchtrainiertes Pferd. Klettern, Bergsteigen oder Galopptraining, lassen längst eingeschlafene Mus­kelgruppen wieder zum Le­ben erwachen und helfen beim gezielten Muskelaufbau des Pferdes. Ist die Basis geschaffen, kön­nen auf einzelne Übungen Schwerpunkte gelegt werden und so bestimmte Muskeln gefördert werden.

Verkürzter Muskel

Ansatz und Urspung der Mus­keln nähern sich (konzentri­sche Kontraktion). Es kommt zu einer Ver­kürzung der Muskeln. Zu die­ser konzentrischen Bewe­gung kommt es beim Men­schen z.B. beim Treppenstei­gen. Der Oberschenkelmuskel (Quadriceps) verkürzt sich. Klettern, Springen sowie Galoppieren (bergauf) sind ein sinnvolles Training für die gesamte Muskulatur des Vierbeiners.

Verlängerter Muskel

Hierbei verlän­gern sich Ur­sprung und An­satz der Mus­keln (z.B. wenn wir Treppen hinunter ge­hen). Diese soge­nannte exzen­trische Kontraktion ist am schwierigsten für den Muskel und führt am schnellsten zu Muskelkater. Möchte man die Muskelkraft schnell kräftigen, ist die exzentrische Kontrak­tion das Richtige.

Exzentrisch arbeiten die Muskeln des Pferdes z.B. nach dem Sprung, wenn das Pferd kurzzeitig beide Vorderbeine, d.h. die Beugemuskulatur, extrem belastet. Auch das Bergabreiten ist eine weitere sinnvolle Trainingsmethode für diese Muskelgruppen. Es ist nicht das Verkürzen, sondern das langsame und kontrollierte Nachgeben ge­gen Gewicht und Schwer­kraft, das die Muskeln trai­niert.

Angespannter Muskel

Wenn der Muskel isometrisch arbeitet, steht er unter gleich­mäßiger Spannung. Ansatz und Bauch des Muskels blei­ben für einen längeren Zeit­raum in der gleichen Position (Dauerspannung). Während der isometrischen Kontrak­tion wird der Muskel nicht mehr ausreichend durchblu­tet, da sich durch die Kontrak­tion auch die Blutgefäße zu­sammenziehen. Der Muskel wird schnell müde.

Beispiel: Versuchen Sie einmal, die Arme in 90- Grad-Stellung zur Seite zu strecken und in dieser Posi­tion zu halten. Nun arbeiten Ihre Oberarmmuskeln isome­trisch. Sie werden merken, dass Sie diese Haltung nicht sehr lange aushalten und die Muskeln anfangen zu schmer­zen. Diese Form der Kontrak­tion müssen Pferde in der Versammlung (Hals, Rumpf und Hinter­handmuskeln) leisten.

Je höher der Versammlungsgrad umso mehr muss die Mus­kulatur isometrisch arbeiten. Daher ist es wichtig, dass Pferde, die in versammelten Lektionen gearbeitet werden, über genügend Kraft verfü­gen. Ist das nicht der Fall, wird das Pferd versuchen, sich zu entziehen. Typische Ausweichbewegungen sind nickende Bewegungen des Kop­fes oder der Versuch des Pferdes vor der Versamm­lung wegzulaufen.

Es gibt auch pathologische isometri­sche Muskelspannungen, z.B. eine verspannte Rücken­muskulatur, deren Stoffwech­sel durch die Dauerspannung gehemmt ist. Ist ausreichend Muskelkraft vorhanden, kann der Muskel lange in isometri­scher Spannung arbeiten.

Innerhalb des Muskels wech­seln sich die verschiedenen Muskelfasern ab: In dem nicht angespannten findet der Stoffwechsel statt. Ein Muskel kann nur über eine längere Zeit optimal arbeiten, wenn keine Dauerspannung entsteht und er im rhythmischen Zusammenspiel mit an­deren Muskeln arbeiten kann.

© Texte St.GEORG

Zum Weiterlesen:

Was man alles über richtiges Training erreichen kann, wie gezielter Muskelaufbau aussieht und was er bewirken kann, wird in diesem bewährten Büchlein mittlerweile schon in der 5. Auflage von Udo Bürger und Otto Zietschmann anschaulich beschrieben.

 

 

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