Pferdeosteopathie – Schmerzen lindern und Blockaden lösen

Pferdeosteopathie-behandlung

Mit den Händen fühlen wo es klemmt: Pferdeosteopathen ertasten die Probleme des Pferdes und lösen mögliche Blockaden. (© www.toffiimages.de)

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zu Störungen im Bewegungsapparat des Pferdes führen können. Denn Unrittigkeit, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen entstehen meistens durch blockierte Gelenke und verspannte Muskulatur. Das Ziel der Pferdeosteopathie ist es, die Funktionsfähigkeit des Gewebes zu verbessern, Selbstheilungskräfte zu aktivieren und Blockaden zu lösen.

Die Pferdeosteopathie zählt zu den ganzheitlichen Bewegungstherapien und ist eine rein manuelle Therapieform. Das heißt, der Osteopath untersucht und behandelt den gesamten Körper des Pferdes nur mit Hilfe seiner Hände. Das Wort Osteopathie setzt sich zusammen aus den griechischen Worten „Osteon“, bedeutet Knochen, und dem Wort Pathos, welches „Leiden“ bedeutet. Nicht nur das Leiden der Knochen wird bei der Pferdeosteopathie behandelt, auch die Muskeln und Sehnen gehören dazu. Der Osteopath fokussiert dabei Körperstrukturen, die an Beweglichkeit verloren haben und dadurch in ihrer eigentlichen, naturgemäßen Funktion gehemmt sind.

Wann ist Osteopathie für Pferde sinnvoll?

Bei vielen Reitern stellt sich die Frage, wann muss mein Pferd überhaupt zum Osteopathen? Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten, denn jedes Pferd ist eine eigenständige Persönlichkeit und reagiert individuell, wenn ihm etwas weh tut. Human- und Pferdeosteotherapeutin, Gründerin und Leitern des Deutschen Instituts für Pferdeosteopathie (DIPO) Beatrix Schulte Wien erklärt dazu, dass man aufmerksam werden sollte, wenn sich das Pferd heute bei bestimmten Lektionen schwer tut, die bisher problemlos liefen. Ein Pferd hat meistens nicht einfach einen schlechten Tag, wenn es die geforderten Aufgaben nicht erfüllen kann, oft steckt viel mehr dahinter.

Als Beispiel nennt Beatrix Schulte Wien: „Möchte man eine Traversale nach rechts reiten und das Pferd mag sich weder stellen noch biegen, hat das nichts mit der Laune zu tun.“ Für die Therapeutin aus dem Münsterland ist es ein Zeichen dafür, dass Blockierungen vorliegen können. Hält dieser Zustand über mehrere Tage an, ist die helfende Hand eines Osteopathen gefragt.

„Richtig reiten reicht“ – Nicht!

Der Satz „Richtig reiten reicht“ von Ausbilderlegende Paul Stecken sorgt immer wieder für Diskussionsanstoß, so auch beim Thema „Manuelle Therapien“. Pferde-Physiotherapeutin Helle Kleven sagt dazu: „Das mag sein, doch Reiter sind nun mal nicht von Anfang an Profis, jeder macht Fehler und muss nach und nach lernen, was gutes Reiten heißt.“

Außerdem verändern sich die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten. Früher sind Kinder noch durch den Wald gerannt, heute verbringen sie ihre Kindheit vor Monitoren. Kein Wunder also, dass selbst Kinder bereits deutliche Bewegungsstörungen haben können. Diese Entwicklung kann den Reiter zum Problem fürs Pferd machen. Aufgrund seiner schlechten Motorik ist er schlicht nicht in der Lage, den Bewegungen des Pferdes zu folgen und provoziert damit Verspannungen.

„Ich beobachte oft Menschen beim Joggen, die völlig asynchron laufen, ihre Arme ganz unterschiedlich schwingen oder in anderem Takt als die Beine bewegen. Da Pferde Vierfüßler sind, finden sie schneller wieder ihren Takt. Dadurch sind bei ihnen Bewegungsmuster auch leichter zu ändern.“

Helle Kleven sieht zudem die historische Entwicklung als entscheidenden Aspekt an: „Die Pferde werden heute mit mehr Vollbut-Anteil gezüchtet, sind dadurch zwar leichtrittiger, aber auch viel sensibler als ein schwerer Holsteiner vom alten Schlag. Diese Pferde reagieren viel schneller auf einen unausbalancierten Sitz des Reiters.“ Auch das Exterieur spielt eine Rolle, Unfälle können passieren und die hohe Anforderung als Sportpferd belastet den Körper.

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Um eine Blockade zu erfühlen, setzt Stefan Stammer seinen gesamten Körper ein. „So fühle ich, wo es klemmt.“ (© www.toffiimages.de)

Was genau ist eine Blockade?

„Eine Blockade ist eine reversible, also auflösbare Funktionsstörung eines Gelenks, bei der die Beweglichkeit eingeschränkt ist“, fasst Pferde-Physiotherapeut und -Osteopath Stefan Stammer zusammen. Dies sind einmal leichte arthrotische Veränderungen, die von der Gelenkkapsel ausgehen, oder sie entstehen in den Bändern, die die Gelenke sichern. Dort gibt es vor allem zwei Rezeptoren, die bei einem Überdehnen mit einer Kontraktion, und damit mit einem Bewegungsverlust, reagieren. „Es gibt aber auch Funktionsstörungen, die eine vermehrte Beweglichkeit zur Folge haben und diese sind häufig die schmerzhafteren“, fügt er hinzu.

Ursachen für Blockaden beim Pferd

Beatrix Schulte Wien spricht vor allem von Traumata als Auslöser: „Das Pferd kann zum Beispiel auf der Weide oder dem Paddock ausgerutscht und gestürzt sein, sich ins Halfter gehängt haben, beim Hochschlagen des Kopfes gegen Balken geschlagen sein, sich in der Box festgelegt oder durch einen Sattel mit unpassendem Kopfeisen oder fehlerhaftem Sitz des Reiters Druck erfahren haben.“ Diese verursachen Muskelverspannungen, die ihrerseits Fehlzüge auf die Gelenke der Wirbelsäule ausüben, die sich dadurch regelrecht verstellen. Diese sogenannten Dysfunktionen führen zu weiteren Schonhaltungen, die sich letzten Endes über den gesamten Körper erstrecken können und zum Beispiel als Hinterhand-Lahmheit erstmals für den Reiter sichtbar werden.

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Ob schon ungestümes Bocken zu Blockaden führt? Da scheiden sich die Geister. (© www.slawik.com)

Ursache-Folge-Kette

Dieser Entwicklungszyklus wird in der Pferdeosteopathie als Ursache-Folge-Kette bezeichnet, erklärt Expertin Schulte Wien. Jeder Reiter sollte sich bewusst sein, dass Muskelverspannungen auch dem Pferd Schmerzen verursachen. Schmerz bedeutet Stress, der neben körperlichen auch psychische Störungen verursacht.

„Nicht zu vergessen ist auch der Umstand, dass verkrampfte Muskulatur die kleinen Blutgefäße abdrückt und damit Sauerstoffmangel in der Versorgung der Muskelzellen entsteht. Das schränkt die Funktion der Muskulatur ein. Dadurch wird wiederum die Bewegung der Gelenke beeinträchtigt, denn Muskeln sind Beweger der Gelenke“, erklärt Schulte Wien. Dieser Zustand hält an, bis die Blockade gelöst und die einschränkenden Faktoren wie zum Beispiel ein drückender Sattel eliminiert wurden.

Auslöser: Überforderung!

Aufgrund der modernen Pferdezucht leiden schon junge Pferde häufig unter Blockaden. „Inzwischen werden hochelastische Pferde gezüchtet, die oft spektakuläre Bewegungen haben. Doch die körperlichen Strukturen sind dafür noch gar nicht gegeben.

Natürlich kann ein Vierjähriger bereits über 1,60 Meter springen. Das Problem liegt dabei selten in den Strukturen der Hinterbeine beim Absprung, sondern vielmehr in den Strukturen der Vorderbeine bei der Landung. Hochspringen könnte er also, er sollte nur nicht mehr runterkommen“, meint Osteopath Stefan Stammer. Denn der Körper des jungen Pferdes sei noch gar nicht in der Lage, diese Belastung muskulär abzustabilisieren.

Blockaden als SOS-Signal – Was uns die Störung im Bewegungsapparat sagen will

„Die Blockade hat die Aufgabe, ein Bewegungssegment zu stabilisieren und ist aus der Sicht des Pferdes ein Lösungsweg, um den Körper kurzfristig zu schützen. So verkrampft sich ein schwach bemuskeltes Pferd zum Beispiel im Rücken, schränkt dadurch die Beweglichkeit ein, verhindert so aber auch, dass der sowieso schon schwache Rücken durch den Reiter noch mehr belastet wird“, erklärt Stefan Stammer. Diese Reaktion des Pferdes ist ein Urinstinkt. „In der Natur muss das Pferd sofort eine Lösung parat haben, um jederzeit zur Flucht bereit zu sein. Welche langfristigen Folgen das haben kann, interessiert das Pferd in diesem Moment nicht“, erläutert Stammer. Schließlich ginge es schlicht ums Überleben.

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Hier klappt offensichtlich nichts. Wenn sich das Pferd dermaßen heftig wehrt, sollte man untersuchen lassen, woran es liegen könnte. (© www.toffiimages.de)

So sieht eine osteopathische Behandlung beim Pferd aus

Zuallererst erfolgt die Anamnese, erklärt Barbara Welter-Böller, Pferdephysiotherapeutin und Leiterin der Fachschule für osteopathische Pferde- und Hundetherapie. „Dabei frage ich ab, ob das Pferd Krankheiten oder Vorschäden hat, zum Beispiel gestürzt ist. Wichtig zu wissen ist auch, welche Aufgaben das Pferd erfüllen soll, ob es im Sport geht oder nur gemütlich ins Gelände.“ Nach der Anamnese beginnt die Adspektion in der sich die Osteopathin das Pferd in aller Ruhe anschaut. Rasse, Typ, Trainingszustand, Alter, Sattellage sind Indizien, um den Allgemeinzustand festzustellen aber auch schon erste Anzeichen und mögliche Ursachen für Probleme zu erkennen.

Ob Bewegungsstörungen vorliegen, prüft Welter-Böller, indem sie sich das Pferd im Schritt vorführen lässt. „Wir können nicht mehr als 16 Bilder pro Sekunde wahrnehmen“, erklärt sie. „Deshalb ist der Schritt am besten für die Analyse geeignet.“ Wichtig ist, dass keine Lahmheit aufgrund einer schmerzhaften Schonhaltung vorliegt. „Wenn das der Fall wäre, dürfte ich das Pferd nicht behandeln, da ich nicht weiß, ob eine schwerwiegende Verletzung wie eine Fraktur vorliegt“, erklärt die Therapeutin.

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Blockaden sind Einschränkungen in der Beweglichkeit eines oder mehrerer Gelenke (© www.toffiimages.de)

Probleme ertasten

Sind alle Grundfragen geklärt, beginnt Barbara Welter-Böller, das Pferd am ganzen Körper abzutasten. Sie erfühlt Schwellungen, Wärme und Empfindlichkeiten. „Ein Problem kann viele Ursachen haben. Die anatomischen Hintergründe sind sehr komplex, deshalb muss man die Ursache finden, die nicht unbedingt an derselben Stelle liegt wie das Symptom.“ Deshalb wird jedes Körperteil des Pferdes mit dem prüfenden Blick der Therapeutin bedacht. Von den Hinterbeinen über Hüfte, Kreuzbein, Wirbelsäule, Hals und Genick checkt sie das Pferd auf Einschränkungen in der Beweglichkeit.

Erst dann stellt Barbara Welter-Böller bewusst alles in Zusammenhang, um das eigentliche Problem zu benennen und einen Behandlungsplan zu erstellen, und entscheidet dann, welche Griffe und Techniken sie anwendet.

Handgriffe und Techniken der Pferdeosteopathie

Pferdeosteopathie setzt auf spezielle manuelle Techniken, um Blockaden zu lösen. Stefan Stammer betont, wie wichtig es ist, gefühlvoll zu arbeiten: „Ich löse die Blockade mithilfe von langsamer und weicher Mobilisation innerhalb einer Funktionskette. Die Reihenfolge ist immer: Muskulatur, Bindegewebe, Gelenk.“ Dadurch gehe die manuell-therapeutische Mobilisation manchmal eher einen Umweg durch die verschiedenen Strukturen. Trotz allem ist manchmal etwas mehr Power gefragt. „Natürlich kann auch mit direkten Impulsen gearbeitet werden. Diese sollten auf minimalem Weg mit maximaler Geschwindigkeit erfolgen.“

Nicht nur die Körperarbeit des Patienten ist entscheidend für die erfolgreiche Therapie. Stefan Stammer braucht auch seinen eigenen Körper dabei: „Bei der Behandlung setze ich meinen ganzen Körper sowohl zum Bewegen als auch zum Fühlen ein und lasse die Bewegung der Hände durch ihn hindurchgleiten. Stockt es irgendwo, weiß ich, dass an dieser Stelle ein Problem besteht.“

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Bei einem Sturz können sowohl beim Reiter als auch beim Pferd Blockaden entstehen. (© www.toffiimages.de)

Blockaden richtig lösen

Von der groben Manipulation der „Knochenbrecher“ raten Osteopathen dringend ab. Pferde-Physiotherapeutin Helle Kleven lehnt es ab, mit „dem langen Hebel“ zu manipulieren. „Früher wurde uns das in der Ausbildung noch so beigebracht. Doch inzwischen weiß man, dass diese Methode viel zu viel Schaden anrichten kann.“

Generell sind Manipulationen ohne vorliegende Befunde oder Röntgenbilder mit Vorsicht zu betrachten. „Wenn zum Beispiel eine Fissur besteht, kann man ganz schnell viel Schaden anrichten“, warnt Barbara Welter-Böller. Sie greift lieber auf sanfte Kapseldehnung, Massage, Vibration oder Wiegen der Muskulatur zurück. „Ich will die Pferde mitnehmen und sie sollen sich entspannen. Das Pferd zeigt mir, was ich machen darf.“

Keine Einmal-Behandlung

Aber auch, wenn das Pferd gut mitarbeitet, ist die Therapie selten nach einer Behandlung abgeschlossen. „Viele Besitzer hoffen, dass ein Handgriff ausreicht und alles wieder im Lot ist“, sagt die Osteopathin. Das sei allerdings kaum der Fall. „Meist bedarf die Therapie mehrerer Sitzungen, weil sich das Problem durch unterschiedliche Faktoren manifestiert hat.“ Um das Problem nachhaltig lösen zu können, ist es wichtig, dass das Pferd nicht mehr in diese Situation kommt.

Zudem erhält der Reiter Trainingstipps, wie zum Beispiel Stangenarbeit oder Vorwärts-Abwärts-Reiten. Diese Übungen unterstützen den Heilungsprozess. Die Longierarbeit empfiehlt Barbara Welter-Böller dabei ganz besonders, allerdings longiert sie ausschließlich mit Kappzaum, um auf den sowieso schon verspannten Körper nicht noch mehr Druck auszulösen.

Den richtigen Pferdeosteopath finden

Die Bezeichnung Osteopath ist nicht geschützt. Seit der immer größer werdenden Nachfrage und Beliebtheit der manuellen Therapeuten, lassen sich auch immer mehr Menschen dazu ausbilden. Beatrix Schulte Wien betont, dass eine medizinische Vorbildung zwingend notwendig ist, denn nur so könne man das Pferd in seinen ganzheitlichen Funktionen verstehen.

Wichtig ist, dass der Therapeut Zeit mitgebracht hat, bedeutet bei der ersten Untersuchung mindestens 60 bis 90 Minuten. Stefan Stammer betont: „Der Eingriff am Tier muss unbedingt verantwortungsvoll erfolgen.“ Dafür muss der Therapeut sich ein Gesamtbild über den funktionalen und klinischen Zustand der Gelenke machen können. Dies ist nur durch umfangreiche medizinische Kenntnisse möglich. Kenntnisse, die nicht in wenigen Tagen erlernt werden können.

„Osteopathie ist eine professionelle Therapie und eine hochspezifische Behandlungstechnik“, sagt Stammer. Dabei gibt es Regeln, nach denen eine Behandlung abläuft. Die Pferdeosteopathie sieht sich als einen mechanischen Baustein in der Therapie des Pferdes. Es gilt das Motto für jeden Behandler: „Therapieren nicht traumatisieren.“ Eine Behandlung soll keinen Tierarzt ersetzen und auch keinen Hufschmied, Physiotherapeuten oder Sattler.

DIPO – Deutsches Institut für Pferdeosteopathie

Das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie, kurz DIPO, wurde 1997 von Beatrix Schulte Wien gegründet und gilt als das Fachzentrum für Pferdeosteopathie in Deutschland. Auf der Suche nach einem passenden Therapeuten für Pferdeosteopatie in der Nähe lohnt sich ein Besuch auf der Website der DIPO. Das Institut stellt eine ausführliche Liste qualifizierter Therapeuten zu Verfügung.

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Mit speziellen Griffen können die Faszien am Hals des Pferdes mobilisiert werden. (© www.toffiimages.de)

Was bedeutet EPOS in der Pferdeosteopathie?

Hinter der Abkürzung EPOS versteckt sich das ganzheitliche Behandlungskonzept der energetischen Pferdeosteopathie nach Salmon. Dabei wird das Pferd neben der Osteopathie auch mit angewandter Kinesiologie, Akupunkt- und Meridianmassage nach Penzel (APM), verschiedene Muskeltechniken sowie Homöopathie und Phytotherapie behandelt. Die energetische Pferdeosteopathie beim Pferd ermöglicht eine vielseitige und wirkungsvolle Behandlung, da das Pferd aus mehreren Gesichtspunkten betrachtet und behandelt werden kann.

Viszerale Osteopathie am Pferd

Oft werden bei der Osteopathie nur Knochen und Muskeln behandelt, jedoch können Problem auch in den Bereichen der Organe auftreten. Hier setzt die Viszerale Osteopathie an, welche mit sanften und energetischen Techniken das Pferd in diesen Bereichen untersucht. Diese Behandlungsmethode erfordert viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen von Seiten des Therapeuten.

Do it yourself – der Pferdehalter als Hobbytherapeut?

Hier gehen die Meinungen auseinander. Stefan Stammer rät von eigenmächtigen Therapieähnlichen Übungen ab. Helle Kleven hingegen sieht vor allem in der Massage eine tolle Methode, Nähe zu seinem Pferd aufzubauen und ihm wohltuende Entspannung zu bereiten. Doch auch gegen Dehnung und Stabilisation durch den Reiter hat sie nicht grundsätzlich Einwände, betont aber, dass die Übungen vorsichtig ausgeführt werden müssen und das Pferd aufgewärmt sein muss. Natürlich müsse jede Übung vorsichtig und mit Gefühl durchgeführt werden. Wenn das Pferd Unbehagen aufzeigt oder anschließend Probleme auftauchen wie Unwilligkeit beim Reiten, sollte es unbedingt untersucht werden. „Die Karottenübung zum Beispiel für die Dehnung des Halses empfehle ich vielen meiner Kunden. Und bisher hat es dadurch noch nie Verletzungen gegeben.“

Stefan Stammer hingegen lehnt selbst diese Übung ab. „Fälschlicherweise halten viele die Übung für eine reine muskuläre Dehnung. Eigentlich wurde sie aber ursprünglich entwickelt, um die kurzen wirbelsäulenstabilisierenden Muskeln zu kräftigen, indem das Pferd in dieser Position eine kurze Zeit aktiv hält. Pferde, die diese Übungen machen, müssen aber immer vorher von einem Profi untersucht werden. Was wie eine harmlose Dehnungsübung aussieht, kann dem Pferd schaden, wenn unbekannte Arthrosen oder Instabilitäten in der Halswirbelsäule vorhanden sind“, warnt Stammer.