Olympia Blog: Die Eröffnungsfeier – Olympia hat begonnen, das Feuer brennt

Opening ceremony – Olympic Games Tokyo 2020

Olympiastadion Tokio 2021: Feuerwerk bei der Eröffnungsfeier (© hippofoto.be)

Die Eröffnungsfeier – bei ihren zehnten Olympischen Spielen hat St.GEORG-Herausgeberin Gabriele Pochhammer sie live im Olympiastadion in Tokio miterlebt. Eine ganz besondere Eröffnungsfeier, zurückgenommen, feierlich und würdig und mit einigen bewegenden Momenten.

Die Bilder gingen mir die ganze Eröffnungsfeier hindurch und noch bis heute nicht aus dem Kopf: die Menschen hinter einem übermannshohen Drahtzaun, die unseren Weg vom Medienbus zum Olympiastadion säumten. Sie hielten Plakate hoch „Welcome in Tokio“, sie riefen uns zu: „Schön, dass ihr gekommen seid“, lachten und winkten, machten Fotos von uns und mit uns, soweit das durch den Zaun möglich war. Man wusste nicht, ob man lachen oder weinen sollte. Nichts war zu spüren von Feindseligkeit gegenüber den Gästen, die womöglich außer Kameras und Laptops auch die Seuche im Gepäck mitgebracht haben.

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Covid allgegenwärtig

Immerhin wurden am Freitag innerhalb der so genannten Olympic Family 19 positive Fälle herausgefischt, darunter drei Athleten. Auch der DOSB meldet den ersten Coronafall, den Radsportler Simon Geschke, für den Olympia nun erstmal vorbei ist. Sein Zimmerkollege muss zur Stunde noch bangen, ist er negativ, kann er heute mit dem Wettkampf beginnen, ansonsten war’s das. Ich nehme mal an, die Reiter sind heilfroh, dass sie in ihrer eigenen Blase fernab vom olympischen Dorf im Hotel wohnen.

Die wahren Helden

Die, die draußen bleiben mussten bei der Eröffnung der olympischen Megashow, sind für mich die wahren Helden dieser Spiele. Mit ihren Steuergeldern wurde ein großer Teil des Sportspektakels finanziert, auch die wirklich phantastisch schönen Sportstätten. Sie müssen ertragen, dass ihre Stadt mit Barrikaden und Zäunen vollgestellt und mit gelben Streifen durchzogen wird, den Markierungen, die die Eingereisten benutzen müssen, zumindest die ersten 14 Tage. Und dann dürfen sie noch nicht mal dabei sein! Während trotz allem auch japanische Fußballstadien abseits von Olympia rappelvoll sind, blieben die Ränge im Olympiastadion zur Eröffnungsfeier leer. Das versteht ja kein Mensch! Nur 2500 Journalisten, Fotografen und Fernsehreporter, ein paar hundert Freiwillige und 600 Ehrengästen, waren dabei. Die konnten mit ihrem mageren Klatschen auch keine olympische Jubelstimmung herbeizaubern.

Es begann mit  einigen eleganten japanischen Tanzeinlagen, einem bunten Reigen japanischer musikalischer Evergreens, und hübschen Videoclips, unter anderem  Pictogrammen, in denen die einzelnen Sportarten dargestellt wurden, Reiten gleich dreimal mit einem piaffierenden, einem über ein Hindernis und einem abwärts ins Wasser springenden Pferd, ganz witzig.

Endlich  marschierten die Athleten ins Stadion, mit deutlich kleineren Delegationen als sonst, so schien es jedenfalls. Man hatte den Eindruck, es kamen immer mehr Sportler ins hellerleuchtete Innenfeld, aber irgendwie wurden es nicht mehr Menschen. Genauso viele wie reinkamen, gingen nämlich auch sofort wieder raus. Die Sportler konnten selbst entscheiden. Gerade der Einmarsch der Nationen funktioniert eigentlich nur mit Zuschauern.  Wenn das Publikum mit den Athleten flirtet, man sich zuwinkt und lacht, dass sind immer die olympischen Momente, bei denen die Illusion zum Leben erwacht, dass es doch so etwas wie Völkerfreundschaft geben könnte.

Viele Athleten huschten diesmal ganz diskret und ganz schnell durch den verdunkelten Außenring wieder davon, weil es ihnen zu lange dauerte, weil sie schon heute Wettkämpfe hatten oder sie keine unnötigen Corona-Risiken eingehen wollten. Sie verabschiedeten sich von der Party, die keine war, noch bevor der olympischen Eid gesprochen war, IOC-Präsident Thomas Bach seine Allgemeinplätze verbreitet und der Tenno, der japanische Kaiser, die Spiele feierlich eröffnet hatte.

Die deutsche Delegation war immer noch recht stattlich, allerdings waren, wie schon beschrieben, die deutschen Reiter nicht dabei. Die meisten Athleten trugen brav die vorgeschriebenen Masken, aber nicht alle. Zum Beispiel die pakistanischen Flaggenträger, der Pistolenschütze Khalil Akhtar und der Badminton-Spieler Mahoor Shahzad. Sie wurden sofort vom IOC verwarnt, angesichts steigender Zahlen auch in Japan wohl mehr als angebracht.

Bis dahin war die Eröffnungsshow elegant und würdig, aber nicht besonders emotionsgeladen. Dann kam doch noch ein Gänsehaut-Moment, als das olympische Feuer hereingetragen wurde. Auf der letzten Etappe, vor dem Stadion und ins Stadion hinein wurde es begleitet von den Fernsehkameras.

Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, was  die Pyramide mitten im Stadion sollte, jetzt wusste ich es. Die letzte Läuferin, die japanische Tennisspielerin Naomi Osaka, wie immer ein streng gehütetes Geheimnis,  trug die Fackel die Treppe hinauf, die sich wie von Zauberhand entfaltet hatte. Oben öffnete sich eine goldene Kugel und dann schoss die Flamme empor. Jetzt hat Olympia wirklich begonnen. Das Feuer wird übrigens nicht im Stadion bleiben,  sondern am Hafen leuchten. So können es wenigstens die Menschen von Tokio auch sehen, wenn ihnen schon die Stadion verschlossen bleiben.