Pochhammers Pratoni Post 3: Aufstieg, aber noch nicht am Gipfel

Pochhammer-Pratoni-Post

St.GEORG Herausgeberin Gabriele Pochhammer meldet sich aus Pratoni (© st-georg.de)

Das hätte Donnerstag, nach dem ersten Dressurtag, keiner gedacht, als die deutschen Reiter auf Platz sieben dümpelten. Jetzt liegen sie in Führung, aber knapp. Fast noch wichtiger: die Vielseitigkeit präsentierte sich dem IOC-Präsidenten von ihrer guten Seite. Und davon hängt schließlich einiges ab.

Der Geländetag ist vorbei, die Strecke in den Hügeln und Wiesen rund um Pratoni liegt wieder einsam und verlassen da und wir im Pressezentrum versuchen, an ein gültiges Endergebnis zu kommen. Was nicht so einfach ist, über dem Resultat des dritten britischen Reiters Tom McEwen lag zunächst noch ein Fragezeichen, Flagge mitgenommen oder nicht. Den Unterschied machen 15 Minuspunkte, was aber die Führung der Deutschen zur Zeit nicht gefährdet, aber die Briten hinter USA wieder ins Medaillenspiel brachte.

Alle deutschen Rothemden, die am Donnerstagabend nach dem ersten Dressurtag noch betreten geschaut haben, konnten wieder strahlen, am meisten FN-Präsident Hans-Joachim Erbel, für den Pratoni quasi die Busch-Feuertaufe ist (Zum Glück ohne Buschfeuer). Alle fünf deutschen Reiter haben sich bestens präsentiert, drei Teamreiter in der Zeit, Sandra, Julia und Michi. Christoph Wahler als sicherer Pathfinder, allererster Starter des Tages, hat auch einen Superjob gemacht und auch das „Küken“, die jüngste Starterin Alina Dibowski hat eine tolle Runde hingelegt, trotz der „Missed Flag“, die ihr die Jury an Sprung 19, dem Coffin, angekreidet hatte.

Ein paar bange Momente gab es auch, die Prüfung wurde nach dem Sturz von Nicolas Touzaint am Nachmittag für ca. 25 Minuten unterbrochen. Für alle, die dabei sind, sind das immer die schlimmsten Momente an einem Geländetag. Die Fernseher, derer es hier zum Glück viele gibt, zeigen Zuschauer oder auch nur Landschaft, der Sprecher sagt gar nichts, redet vom Wetter oder erzählt irgendwelche Histörchen und man selbst guckt bange dem Krankenwagen hinterher, der auf die Strecke fährt. Am Ende gab es Entwarnung, Touzaint hatte sich bald von seinem Schreck erholt und musste nicht mal ins Krankenhaus, auch der Spanier Carlos Diaz Fernandez, der kurz darauf stürzte, war glimpflich davon gekommen, nur zur Sicherheit wurden im Krankenhaus ein paar Röntgenaufnahmen gemacht.

Schon am Vormittag, vor Beginn der Prüfung, wurde IOC-Präsident Thomas Bach im VIP-Bereich gesichtet, mit blauer Windjacke und festem Schuhwerk bestens gerüstet für einen Ausflug an der frischen Luft. Begleitet wurde er von FEI-Oberen, wie dem ebenfalls sehr zünftig gekleideten Präsidenten Ingmar de Vos und dem Vorsitzenden des Vielseitigkeitsausschusses, David O‘Connor, die ihm jedes MIM-Sicherheitssystem zeigten, jedes Blümchen und jeden Busch, der ein Hindernis fürs Pferd optisch verständlicher machten. Das hat dem IOC-Boss gefallen, auch dass sich der Aufbauer Giuseppe della Chiesa mit dem Kus kein Denkmal setzen wollte, sondern die Kosten im Auge behalten hatte. Die neue Bescheidenheit steht dem Eventing gut zu Gesicht, auch mit einfacheren Mitteln lassen sich championatswürdige Kurse bauen. Obwohl natürlich die vielen Löcher, von denen Michi Jung sprach, in einem WM-Kurs nichts zu suchen haben.

Auch interessant

Ich hatte mich auf einem der Hügel platziert, von wo aus ich nicht nur mehrere Sprünge verfolgen konnte, sondern auch den Tross aus geschätzten 30 Personen, die angeführt von dem Herrn in hellblau strammen Schrittes die Strecke durchmaßen. Ich konnte mich kurz mit Bach unterhalten und er schien sich über das gute Abschneiden seiner Landsleute besonders zu freuen. Er traf auch ein paar alte Bekannte wieder, wie Bettina Hoy und Hinrich Romeike, beide vor Ort, Hinni als Zuschauer, Bettina als Trainerin für den Schweizer Felix Vogg, der nach zeitfehlerloser Runde auf Platz 15 liegt. Ob Bach die Unterbrechung wegen Touzaints Sturz mitgekriegt hat, weiß ich nicht, er war jedenfalls noch vor Ort. Aber die Entwarnung kam ja schnell.

Dann stand auf einmal Theo Steinle im Zielbereich, vielen noch als die Seele der Vielseitigkeit Achselschwang in Erinnerung, der sich noch gut an die EM 2007 erinnerte. Damals ritt seine Tochter Marie-Jeanette im deutschen Pratoni-Aufgebot mit. Heute ist die dreifache Mutter mit Tochter Ava auf Nachwuchschampionaten unterwegs, während Schauspieler-Ehemann Heino Ferch zuhause auf Haus und Hof aufpasst. Ansonsten springt auch gerne Großvater Theo ein.

Die deutschen Reiter halten sich mit ihrem Jubel heute Abend noch bedeckt. „Wir haben noch zwei Teilprüfungen vor uns“, sagt Peter Thomsen. Morgen früh die Verfassung und dann das Springen. „Aber alles sieht gut aus, alle Pferde sind super gut drauf“, fügt er noch schnell hinzu. Nicht etwa, dass es schon wieder Gerüchte gibt…