Carabas: Holsteiner Grand Prix-Hengst plötzlich verstorben

Carabas@GRecki

Im Alter von 22 Jahren ist der Holsteiner Siegerhengst Carabas gestern unerwartet verstorben. Unter strahlend blauem Himmel auf „seinem Paddock“ hat sich damit ein Grand Prix-Hengst verabschiedet, der züchterisch fortleben wird.

Carabas ist gestern auf seinem Paddock bei der Familie Schwiebert auf dem Helenenhof plötzlich tot zusammengebrochen. Holsteines Siegerhengst aus dem Jahr 2000 wurde 22 Jahre alt. Der Carnaby-Sohn kam 1998 bei Ernst Daufeldt in Winnert in Nordfriesland zur Welt. Seine Mutter Aboyn Star war eine Roberto-Mahmud-Tochter.

Die letzten zehn Jahre verbrachte der Hengst bei den Schwieberts, die sich so von Carabas verabschiedeten:

Wir hatten zehn tolle Jahre mit dem Hengst, sowohl sportlich, so lange Rainer ihn erfolgreich auf Turnieren geritten hat, als auch danach, als er auf seiner Wiese oder auf dem Paddock sein Leben genießen durfte. Er war, wie alle unsere Pferde, ein Familienmitglied.
Er war spezielle und charismatisch, das musste man wissen, und er hat schon ein bisschen unser Leben bestimmt.
Wir sind unendlich traurig und können es gar nicht fassen.
Eure Familie Schwiebert

Carabas: von Anfang an ein Sieger

Bei der Körung wurde Carabas als Siegerhengst herausgestellt. Auf der Auktion wechselte er zunächst in den Besitz des Gestüts Tannenhof. Dort wurde er von Oliver und Katrin Luze erfolgreich in Reitpferdeprüfungen vorgestellt. Sechsjährig nahm er am Finale der Weltmeisterschaft der Jungen Dressurpferde teil. Gerade siebenjährig siegte er unter Oliver Luze bereits in internationalen S-Prüfungen bis Intermédiaire I. Carabas wurde achtjährig Fünfter im Finale des Nürnberger Burg-Pokal 2006. Ab diesem Zeitpunkt half Rainer Schwiebert beim Training des Holsteiners. Carabas rückte ins Zentrum des Interesses.

Neunjährig gewann er Prüfungen auf Grand Prix-Niveau nahezu in Serie und krönte die Saison 2008 in Donaueschingen mit dem Sieg im „Mediencup“, dem Vorläufer des Louisdor Preises. Anschließend verkaufte das Gestüt Tannenhof den Holsteiner Hengst an Andreas Helgstrand. Unter ihm erschien Carabas beim CHIO Aachen 2009, das Ziel waren Championatsauftritte für Dänemark. Bei der „Totilas-EM“ in Windsor wurde das Paar 29. Die Chemie zwischen dem Dänen und dem Holsteiner wollte sich nie so recht einstellen. Die Harmonie auch nicht.

Familie Schwiebert erwirbt Carabas

Im Jahr 2010 kauften Jessica und Rainer Schwiebert den Carnaby-Sohn. Ab dem 30. Januar 2010 führte er das Leben eines Familienmitgliedes auf dem Helenenhof der Familie in Kattendorf nördlich von Hamburg. Es kam zunächst auch zu einer Wiedervereinigung zwischen Oliver Luze und Carabas. Er ritt den Hengst für die Schwieberts. Das Paar platzierte sich im Finale des Deutschen Dressur Derbys 2010 – eines der am stärksten besetzten Finals der vergangenen 25 Jahre. Neben Carabas gingen noch Desperados unter Falk Rosenbauer und Le Bo mit Carola Koppelmann. Nachdem sich die Wege von Ehepaar Luze und Familie Schwiebert trennten, übernahm Rainer Schwiebert den Hengst.

Dreißig Platzierungen in Grand Prix, GP Special und Kür konnte das Team gemeinsam erringen, darunter auch Siege. Carabas und Rainer Schwiebert waren international erfolgreich, in Wattens, im belgischen Kapellen und auf dem Hamburger Derby-Viereck. Die Motorradkür war ihr akustisches Markenzeichen. Im Mai 2015 verabschiedete sich der Holsteiner Hengst beim Turnier in Redefin mit einem vierten und einem fünften Platz aus dem Sport. Züchterisch war der braune Hengst mit dem charakteristischen Halsaufsatz da längst zu einer festen Größe geworden.

Volltreffer in der Zucht

Ein Holsteiner hat es als Dressurpferd nicht einfach im Land zwischen den Meeren. Die viel zitierte Weisheit, wonach ein Prophet nicht gilt im eigenen Land, traf auch Carabas. Unter seinen sieben gekörten Söhnen ist nur ein Holsteiner, Carantas, den Bianca Nowag aus der Deutschen Bank Reitsport Akademie erfolgreich vorstellt.

Mehr als 260.000 Euro haben seine Kinder, denen durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein nachgesagt wird, bislang verdient.

Vater einer Weltmeisterin

22 Nachkommen haben Erfolge in S-Dressurren aufzuweisen, sechs in S-Springen – das sind fast 15 Prozent aller seiner im deutschen Sport eingetragenen Nachkommen. 2007 machte die Stute Cayenne Schlagzeilen. Die von der ZG Wittig/Tiemann gezogene Braune Westfalen Stute gewann unter Susan Pape die Weltmeisterschaft der fünfjährigen Dressurpferde in Verden.

Zu den weiteren Highlights unter den Carabas-Kindern zählen der mehrfache Europameister Carlos von Hannah Erbe (über die und ihre Schwestern wir gerade in der aktuellen St.GEORG-Ausgabe eine große Homestory haben), der Grand Prix-Sieger Zinq Cabanas von Marcus Hermes, Cabernet Sauvignon, der unter Hobie Fischbach 18 S-Platzierungen verzeichnet, oder Collin Connor von Anna Casper.

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