DM Balve: Dorothee Schneider Grand Prix Special-Meisterin mit klarem Abstand

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Dorothee Schneider und Showtime, DM Balve 2022 (© sportfotos-lafrentz.de)

Bei der DM Balve präsentiert sich an diesem Wochenende der beste Showtime aller Zeiten. Mit knapp vier Prozent Abstand gewann Dorothee Schneider ihren dritten deutschen Meistertitel. Silber ging an Frederic Wandres und Duke of Britain. Auf dem Bronzerang sahen die Richter Isabell Werth, deren Quantaz mehrere Fehler in der Prüfung hatte.

Die DM Balve ist zugleich die erste Sichtung für die Weltmeisterschaften im dänischen Herning. Wer Anfang August für Deutschland dort starten wird, entscheidet sich nach dem CHIO Aachen. Dann wird nominiert. Die Chancen stehen nach dem Grand Prix Special bei der DM Balve nun gut, dass es ein gemischtes Doppel in Herning sein wird. Zwei Damen und zwei Herren. Die Nominierung für das Aachen Team findet aber erst nach Abschluss der Meisterschaften statt, nach der Kür am Sonntag. „Da wird viel diskutiert, von vorne nach hinten und von hinten nach vorne“, so Bundestrainerin Monica Theodorescu zur Entscheidungsfindung des Dressurkomitees.

Gold: Dorothee Schneider und Showtime 83,686 Prozent

Souverän war das Auftreten von Dorothee Schneider und Showtime vom ersten bis zum letzten Moment. Ruhiges Stehen beim Gruß, schwungvoller versammelter Trab, kraftvoll abfußendes Hinterbein im starken Trab, eines jener Kriterien, die nicht immer unbedingt so wichtig zu sein scheinen. Das einzige, das sich in der Passage von Reiterseite bewegt: das federnde Fußgelenk von Dorothee Schneider. Dressur kann so schön sein! Im starken Schritt schnaubte Showi zweimal kurz ab., bei der ersten Piaffe drohte der Sprit auszugehen, die zweite war etwas lebhafter, dafür mit deutlich gesenkter Kruppe. Die Piaffe ist aber bleibt eine der schwächeren Lektionen im Portfolio des Paares. Perfekt eingeteilte Zweierwechsel, zwei sehr gute Pirouetten, die sichere neun fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung einrahmten, und dann noch einmal dieses herrliche Pferd, bei dem jede Bewegung durch den Körper fließt in den Trablektionen zum Ende der Prüfung. Die letzte Piaffe kostete ein paar Pünktchen, aber der Abstand war – vollkommen zu Recht riesengroß. Doro und Showi – eine Liga für sich!

Dorothee Schneider sagte es war, „hochemotional zu spüren, dass dieses Pferd wieder zurück ist, Motivation und Power ins Viereck bringt. Mit mir zusammen tanzen möchte, mir aber zuhört. Ich bin begeistert und dankbar für dieses Pferd. Jetzt ist er einfach stolz auf sich!“ In der Pause zwischen den Olympischen Spielen und der DM Balve war „Showi“ viel auf Weide und Paddock „und alles was dazu gehört“, er sei gymnastiziert worden und haben zwischenzeitlich auch eine kleine Verletzung gehabt, die man in Ruhe auskuriert habe. Nach München hatte Schneider den Wallach am Himmelfahrtswochenende mit zum Training genommen.

Bei der DM Balve sind die Gedanken auch schon bei der WM in Herning

Dr. Evi Eisenhardt, Chefrichterin dieses Grand Prix Specials, sagt, sie habe Dorothee in der Siegerehrung gesagt, „Mensch, der guckt so richtig stolz.“ Und zu Isabell Werth: „Lassen wir mal Herning kommen.“

Silber: Frederic Wandres und Duke of Britain 79,98 Prozent

Dieses Paar ist vor allem eines: beständig. In den Traversalen hätte der Dimaggio-Sohn noch etwas geschmeidiger in der Vorwärts-Seitwärts-Bewegung sein können. Losgelassen im starken, taktrein im versammelten Schritt. Die erste Piaffe hatte vielleicht sogar ein paar Tritte mehr als die Maximalzahl von 15. Ansonsten zogen die beiden die Prüfung souverän durch, Lektion für Lektion, präzise, konzentriert, fehlerfrei und in keinem Moment auch nur den Hauch einer Unsicherheit verspürend lassend.

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Frederic Wandres und Duke of Britain, DM Balve 2022 © www.sportfotos-lafrentz.de (© sportfotos-lafrentz.de)

Auch Wandres gibt zu, dass er Herning im Hinterkopf hat. „Natürlich gucken wir dahin. Aber erst einmal kommt das CHIO Aachen, da müssen wir uns alle neu beweisen. Danach schauen wir weiter.“

Bronze: Isabell Werth und Quantaz 78,215 Prozent

Isabell Werth und Quantaz erwischten heute nicht den besten Tag, In der Traversale nach links ging der Hengst deutlich verkantet im Genick, auch in der Traversale nach rechts war der Braune im Maul nicht ganz zufrieden. In den Passagen spielte Werth ihre ganze Routine aus und ließ den Quaterback-Sohn kadenziert schweben. Im starken Schritt kam der Braune nicht wirklich zum Schreiten, der versammelte Schritt war nicht lupenrein im Takt und die zweite Piaffe war in Sachen Lastaufnahme nicht von der Qualität, wie man sie von dem DSP-Hengst erwartet. Er schnaubte einmal ab, dann performte er wieder. In den Zweierwechseln gab es einen Fehler und auch in den 15 Einwechseln kamen Reiterin und Pferd nicht zusammen. Die Spannung zeigte sich dann auch in den Piroutten. Gestern war die Linkspirouette eine Glanzlektion des gesamten Prüfungsfeldes, heute war diese Qualität nicht da. Die neun fliegenden Wechsel von Sprung zu Sprung gelangen. Auch der letzten Piaffe fehlte die sonst eingepreiste Leichtigkeit und Bewegungsfreude von Quantaz. Die Richter-Beurteilungen bis zu 80 Prozent konnte nicht jeder im Publikum nachvollziehen. Zwei Richter sahen das Paar auf Platz fünf, drei aber auf der Position drei.

Isabell Werth erklärte die Fehler so: „Wir haben leider in der Galopptour keinen Rhythmus gefunden. Ich kam um die Kurve und er war nicht auf die Zweierwechsel eingestellt.“ Das sei ihr dann durch den Kopf gegangen. „Ich hätte die Aufgabe im Training ein paar Mal durchreiten sollen“. Seit einem Jahr sei Quantaz nur Küren gegangen. Auch in Compiègne, wo ein Start im Special geplant war, aber Einzelreiter konnten dort nicht im Special an den Start gehen.

Benjamin Werndl und Famoso OLD 76,45 Prozent

Nach den groben Patzern im Grand Prix zum Auftakt der DM Balve mussten Benjamin Werndl und Famoso heute liefern. Das Paar begann mit einer lockeren, durch den ruhigen Sitz des Reiters und die leichte und konstante Anlehnung des Pferdes bestechende Trabtour. Beim Verteilen der Hinterbein-Aktivität hat der Oldenburger nicht zu laut „hier“ geschrien, aber bei Geschmeidigkeit und in punkto Harmonie haben sich die beiden dann wieder vorgedrängelt, um das Manko auszugleichen. Ein ähnliches Bild bot auch die Galopptour: Sichere fliegende Galoppwechsel zu zwei und einem Tempi, die Pirouetten gelungen, die abschließende Piaffe bei X brauchte noch einmal Kraft und Energie. Das Publikum befand mit seinem Applaus: Das Duo aus Aubenhausen hat geliefert. Das sahen die Richter beinahe unisono so. Dabei variierten die Bewertungen zwischen 73,921 und 78,921 Prozent – das ist wohl diese 5-Prozenthürde.

Ingrid Klimke und Franziskus 76,372 Prozent

Schon gestern war es einer der harmonischsten Ritte gewesen und daran knüpften Ingrid Klimke und Franziskus an. Vor der zweiten Piaffe wirkte der Hengst für eine Millisekunde unwirsch, fing sich aber schnell und piaffierte dann willig. Der versammelte Schritt war in Sachen Takt der beste im Verlauf der Prüfung zum Zeitpunkt des Ritts. In der zweiten Pirouette gab es zum Ende ein Unsauberkeit. Die Galopptraversale nach links endete etwas spät, wie heißt das dann zumeist auf einem Streamingportal? „Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau.“ Insgesamt ging der Deckhengst sein Programm sicher und selbstverständlich.

Helen Langehanenberg und Annabelle 74,058 Prozent

Zum Auftakt des Grand Prix Specials führte Helen Langehanenberg die Holsteiner Conteur-Tochter mit sehr leichter, mitunter nahezu vorsichtiger Anlehnung durch die Passagen und Trabverstärkungen. Letzte zählen nicht zu den unbedingten Highlights von Mausi. Vorteil dieser Anlehnung: Die Stute kann sich in der Piaffe, die sie tendenziell auf zu kleinem Raum zeigt, besser selbst ausbalancieren. In der Galopptour wirkte die Stute, gerade in den 15 Einerwechseln nicht ganz locker in der Oberlinie. Bereits das Angaloppieren aus der Passage war etwas holperig gewesen.

Dorothee Schneider und Faustus 76,254 Prozent

Dorothee Schneiders Faustus wirkte heute etwas frischer als gestern im Grand Prix, der starke Trab war verhalten, die Traversalen schön, nicht im Mittel- sondern im versammelten Trab geritten. Der Schritt: schreitend, ein Pferd, das sich an das Gebiss herandehnt. Gut 75 Prozent nach der Trabtour. Im Galopp sichere Serienwechsel. Bei der Linkspirouette ging der Schwung zum Ende der Wendung verlustig. Rechtsherum gelang das besser.

Frederic Wandres und Bluetooth 75,392 Prozent

Der elegante Bordeaux-Sohn Bluetooth punktete zu Beginn der Aufgabe mit gleichmäßigen Passagen und fließenden Übergängen zwischen vorwärts und zurück. Der versammelte Schritt war nicht immer 100 Prozent taktrein. Die Piaffen legte Wandres im Vorwärts an, mitunter fußte der Oldenburger hinten links höher ab als rechts, hielt aber sehr sicher den Takt. Das Paar war vor allem eines: lektionssicher. In der ersten Pirouette hätte man sich mehr Energie gewünscht, die zweite legte Wandres größer an, was dem Takt und Galoppcharakter gerade im Hinterbein zugute kam.

Carina Scholz und Tarantino 73,254 Prozent

Der wuchtige KWPN-Wallach marschierte durch das erste Drittel des Grand Prix mit viel Takt und ohne nennenswerte Patzer. In der zweiten Piaffe gab es eine kleine Störung, die Galopparbeit war solide. Höhepunkte waren die beiden Pirouetten, klar gesprungen, mit tiefer Kruppe und den großen Gelenken gebeugt. Auch die letzte Linie mit Passage-Piaffe-Passage war ein Punktebringer.

Franz Trischberger und DSP James Bond 70,803 Prozent

Nicht zu viel Risiko, das schien sich Franz Trischberger bei seinem Debüt bei einer Deutschen Meisterschaft vorgenommen zu haben. Zu viel Power machte er am Anfang nicht, dabei hätte man dem Hinterbein etwas mehr Energie gewünscht. In der Traversale nach rechts ging der Wallach untaktmäßig bis ungleich. Es folgte eine gehorsame Runde, solide, ohne  ganz große Höhepunkte mit einem gut sitzenden und dezent einwirkendem Reiter.

Matthias Alexander Rath und Thiago GS 67,085 Prozent

Das Halten zum Gruß war unruhig, die Zunge teilweise deutlich sichtbar in der anfänglichen Passage/starker Trab-Tour. In den Passagen erinnert der Rappe teilweise im Seitenbild an seinen Vater Totilas, wenngleich er nicht ganz so viel Abdruck im Hinterbein hat, dafür aber geschmeidiger wirkt. Der Schritt vor der ersten Piaffe war nahezu eindeutig im Zweitakt, da deutet eisch die Spannung an, die sich in der zweiten Piaffe – zum wiederholten Mal – entlud. Kurz vorm Hufaschlag bei S piaffierte Rath dann und klopfte den Rappen. Dabei spielte der Sohn der Grand Prix-Stute Wahajama sein Talent für die Lektion voll aus. Die Anlehnung des Neunjährigen war durchgängig nicht konstant. In der letzten Piaffe bekam er dann noch etwas „Seitenwind“ von links – der Totilas-Sohn driftete mit der Hinterhand nach rechs gen B und galoppierte dann noch einmal in der Passage an.

Bundestrainerin Monica Theodorescu erläuterte: „Thiago war nicht geplant, ist auch noch gar nicht sicher, aber wir haben alle heute ein sehr talentiertes Pferd gesehen.“

Senta Kirchhoff und L’Arbuste 64,250 Prozent

Deutlicher vor den treibenden Hilfen als im gestrigen Grand Prix begann der ehemalige Lousidor-Sieger L’arbuste unter Senta Kirchhoff sein Programm. In der Traversale nach rechts tauchte der Wallach dann aber ab, was die Reiterin sichtbar zu kompensieren versuchte.

Dann aber kam die erste Piaffe, der Wallach verweigerte komplett den Dienst, stellte sich quer, stieg im Ansatz. Die zweite Piaffe war eine diagonale Trabbewegung auf der Stelle, bei der die Hinterbeine aber weiter herausgestellt und wenig aktiv abfußten.

In der Galopptour lief es dann wieder besser, auch wenn das Pferd beständig leicht hinter der Senkrechten mit der Nasenlinie ging. Die letzte Piaffe war gehorsam und die beste der drei geforderten.

Hier finden Sie die Ergebnisse der DM Balve.

  1. Harald

    Lustig ist hier gar nichts, das ist eher zum Weinen! Das ist also die Deutsche Meisterschaft? Traurig!

    Bis auf wenige Ausnahmen war in Wiesbaden das wesentlich interessantere und bessere Starterfeld.

    Ich sehe schwarz für die nächsten Jahre in der Dressur….


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