Europameisterschaften in Hagen: Auch Deutschlands U25-Reiter holen Gold

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Semmieke Rothenberger und Flanell bei den U25-Europameisterschaften in Hagen. (© von Korff)

Sowohl 2019 als auch 2020 hatten die niederländischen Dressurreiter die Nase vorn in der Mannschaftswertung der U25-Europameisterschaften. Jetzt in Hagen zogen die Deutschen wieder an ihnen vorbei. Und Semmieke Rothenberger schickt sich an, an eine Familientradition anzuknüpfen.

Das deutsche U25-Quartett holte mit 225,206 Punkten absolut überlegen Gold vor den Mannschaften aus den Niederlanden (218) und Schweden (207,264).

Fürs Team Oranje, die Titelverteidiger, ritten Devenda Dijsktra auf Hero (70,559), Febe van Zwambagt mit Edson (71,735), Jessica Poelman im Sattel von Chocolate Cookie (73,706) und Jasmien de Koeyer mit Esperanza (72,559).

Schweden wurde vertreten durch Nathalie Wahlund mit Cerano Gold (62,0), Jennifer Lindvall auf Midt West Casino (69,088), Elin Mattson und Beckham (66,294) und vor allem Lina Dolk und ihr 18-jähriger Westfale Languedoc, die mit 71,882 Prozent die Medaille sicherten.

Entscheidung nach Rothenbergers Ritt

Schon nachdem das jeweils dritte Paar der führenden Mannschaften am Start gewesen war, war Deutschland der Titel quasi nicht mehr zu nehmen gewesen. Und als die niederländische Schlussreiterin Jasmien de Koeyer mit ihrer Stute Esperanza trotz vieler Höhepunkte aber aufgrund einiger Patzer mit 72,559 Prozent unter ihren Möglichkeiten blieb, war die Sache klar.

Deutschlands vierte Reiterin, Ann-Kathrin Lindner mit Sunfire hätte theoretisch gar nicht mehr einreiten müssen. Auch ohne ihr Ergebnis war der Equipe das Mannschaftsgold sicher. Dafür hatten Ellen Richter auf Vinay (72,088), Raphael Netz mit Elastico (75,206) und allen voran Semmieke Rothenberger auf Flanell (77,059) gesorgt. Ann-Kathrin Lindner und Sunfire konnten das Ergebnis nur noch verbessern, was sie mit ihren 72,941 Prozent auch taten. Zu den Einzelheiten ihres Rittes – siehe unten.

Semmieke Rothenberger und Flanell hatten einen richtig guten Tag erwischt. Vor dem Einritt lobte die 22-Jährige ihre Apache-Tochter noch einmal, dann ging es los. Sie begannen mit einem beeindruckenden starken Trab. In den Zick-Zack-Traversalen, die in der Intermédiaire II im Trab geritten werden, bog Flanell sich nach rechts besser als nach links. In der Passage fußte die Stute kraftvoll ab, die Piaffen waren nicht ganz so gut weg vom Boden, aber sicher diagonal im Takt mit Lastaufnahme und auch die Übergänge gelangen.

Überhaupt, die versammelten Lektionen liegen Flanell. Das zeigt sie auch in den Pirouetten, die beide mit maximaler Lastaufnahme gelangen, allerdings war die erste dennoch zu groß, die zweite dann viel besser. Lediglich beim Ausreiten verlor die Stute einmal minimal die Balance.

Vor den Serienwechseln wurde Flanell etwas eng im Hals, aber danach schaffte Semmieke Rothenberger es wieder gut, die Stute vor die treibenden Hilfen zu bringen. Die Einerwechsel gelangen sicher und energisch nach vorne durchgesprungen. Der Übergang aus dem Galopp zum Trab war etwas spät – eine der wenigen Unsauberkeiten, die sich die zehnfache Nachwuchs-EM-Reiterin leistete, die bereits 21 FEI-Medaillen zuhause hat. Ansonsten ließ sie keinen Punkt liegen und kam so auf gut 77 Prozent. Das beste Ergebnis der Prüfung bei ihrer ersten U25-EM.

Semmieke könnte in den kommenden Tagen in die Fußstapfen ihrer großen Schwester Sanneke treten. Die gehörte 2016 zum Team bei der ersten U25 Europameisterschaft der Geschichte, die damals ebenfalls in Hagen stattfand und war sozusagen auch Gründungsmitglied der 2015 aus der Taufe gehobenen Deutsche Bank Reitsport-Akademie, zu der aus der aktuellen Mannschaft Raphael Netz und Ann-Kathrin Lindner gehören. Die deutsche Mannschaft um Sanneke piaffierte damals aufs oberste Treppchen, und Sanneke gewann beide Goldmedaillen in der Einzelwertung.

Die Platzierungen in der Einzelwertung

von Korff

Ann-Kathrin Lindner und Sunfire (© von Korff)

Damit haben Semmieke Rothenberger und Flanell sich auch in der Einzelwertung in die Liste der Favoriten eingereiht. Konkurrenz hat sie da zum einen durch Raphael Netz, der seinen zweiten Platz bis zum Schluss halten konnte.

An dritter Stelle in der Einzelwertung landete mit 73,708 Prozent die Neue im niederländischen Team, Jessica Poelman auf dem 14-jährigen KWPN-Wallach Chocolate Cookie. Ein toller Championatseinstand für die beiden, die vor Hagen überhaupt erst ein internationales Turnier zusammen bestritten haben.

Vierte wurde Deutschlands Schlussreiterin, Ann-Kathrin Lindner mit ihrem San Amour-Sohn Sunfire. Der elegante Württemberger Wallach ging in guter Selbsthaltung, aber ingesamt wirkte der Ritt etwas zögerlich, nicht so geschlossen, wie man es schon gesehen hat und sehr auf Sicherheit angelegt.

Die Passagen hatte man schon energischer erlebt und die Piaffen mehr auf der Stelle. In den Galopptraversalen hätte man sich mehr Stellung in Biegung gewünscht. In der ersten Pirouette verlor Sunfire den Durchsprung, die zweite war besser, aber zu groß.

Die Zweierwechsel waren ein Highlight. Die Einer begannen ähnlich gut, aber genau in der Mitte dann ein Patzer. Im anschließenden starken Trab blitzte dann wieder der Europameister in Sunfire durch, aber die Passage auf der Schlusslinie war wieder nicht so geschlossen und energisch, wie man es von „Fritz“ eigentlich kennt. Alles kein Drama, aber das Fazit: Da geht noch was!

Das vierte deutsche Paar, Ellen Richter mit Vinay, landete schlussendlich auf Rang sechs. Alle vier Paare werden am Freitag im Kampf um die U25 Einzelmedaillen an den Start gehen.

Startzeiten und Ergebnisse finden Sie hier.