Gold für Deutschland bei den Europameisterschaften der Dressurreiter 2021, Silber für Großbritannien, Bronze für Dänemark

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Jessica von Bredow-Werndl und Dalera BB haben das EM Mannschaftsgold für Deutschland perfekt gemacht. (© von Korff)

Spannend wie selten war die Mannschaftsentscheidung der Europameisterschaften der Dressurreiter in Hagen. Doch am Ende haben die Olympiasiegerinnen Jessica von Bredow-Werndl und Dalera die Träume aller Konkurrenten zum Platzen gebracht.

Über einige Bewertungen bei den Europameisterschaften der Dressurreiter kann und muss man diskutieren. Aber in einem Punkt dürften sich alle einig sein: An den Olympiasiegerinnen Jessica von Bredow-Werndl und Dalera BB führte kein Weg vorbei. Sie zeigten sich in Hagen in einer eigenen Liga.

Von der ersten bis zur letzten Grußaufstellung war die Vorstellung der Bayerin und ihrer Trakehner Stute fehlerfrei, leicht und mühelos. Die Stute stets vor den treibenden Hilfen mit dem Genick bis auf wenige Momente immer als höchstem Punkt und zufrieden kauend. Ein Highlight der Prüfung des Paares waren heute die zentrierten und absolut ausbalancierten Pirouetten. Aber auch die gesamte Piaffe-Passage-Arbeit, die Verstärkungen und überhaupt das exakte Reiten und die offenkundige Lust der Stute auf das, was sie tut. Die Richter gaben dafür 84,099 Prozent. Das ist das zweitbeste internationale Grand Prix-Ergebnis des Paares. Nur bei Olympia in Tokio hatten sie mehr erhalten (84,379).

Wie Jessica von Bredow-Werndl später sagte: „Sie war von der ersten bis zur letzten Minute zu 100 Prozent bei mir. Sie hat mir vor allen Dingen das Gefühl von richtig Kraft und Power gegeben. Das ist das, was ich mir gewünscht hatte nach Tokio. (…) Ich freue mich, dass ich hier sein kann. Ich freue mich, dass Dalera mir wirklich nach wenigen Tagen schon gezeigt hat, dass sie wieder was tun will, also nix länger Urlaub machen. Und das hat sie eben heute auch gezeigt. Sie hat WIRKLICH Druck drauf. Und das ist das Schönste, was ich erleben kann, denn ich liebe das, was ich tue und Dalera offensichtlich auch. Sie zeigt’s mir immer wieder. Und wenn wir dann Turnier reiten dürfen, egal, ob Europameisterschaft oder Olympische Spiele oder Aachen oder Deutsche Meisterschaft, es macht uns einfach unheimlich viel Spaß.“

Dujardin beste Britin

Mit dieser Runde hatten Jessica von Bredow-Werndl und Dalera BB die Europameisterschaften so gut wie entschieden. Die Britin Charlotte Dujardin und ihr KWPN-Wallach Gio kamen zwar noch, aber hätten schon gut 86 Prozent erreichen müssen, um aufs oberste Treppchen zu kommen. Es wurden 79,860 Prozent, ein Hauch weniger als Isabell Werth und Weihegold. Für die Einzelwertung hieß das: von Bredow-Werndl vorn, Werth dahinter und dann Dujardin.

Dujardins sympathischer Fuchs, mit seinen zehn Jahren eines der jüngsten Pferde und was Turniereinsätze angeht, ganz sicher auch eines der unerfahrensten, machte einen aufmerksamen, aber entspannten Eindruck, war stets vor seiner Reiterin und stabil in der Anlehnung. Höhepunkte hatte das Paar besonders in der Galopparbeit mit geraden und sicher nach vorne durchgesprungenen Einerwechseln, einem durchaus mit Risiko gerittenem starken Galopp und sicherer Rückführung, sehr kleinen Pirouetten und einem schnurgeraden Wechsel dazwischen.

In der Trabtour hätte man sich eine ausgeprägtere Schwebephase in den Verstärkungen und einen schwingenderen Rücken in den Piaffen gewünscht. Besonders die erste schien recht hektisch. Doch in Summe reichte das Ergebnis, um das stärkste dänische Paar auf Abstand zu halten.

Dufour in Topform

von Korff

Cathrine Dufour und Bohemian (© von Korff)

Erwartungsgemäß kam das beste dänische Resultat von Cathrine Dufour und Bohemian, der sich in Hagen noch einen ganzen Tick besser präsentierten als in Tokio. Der elfjährige Westfale v. Bordeaux ist ja ein sehr sensibles Pferd, bei dem auch schon mal Spannungen aufkommen können. Das passierte auch heute. Aber erst ganz zum Schluss. Bis dahin hatte das Paar ausgesehen wie ein sicherer Einzelmedaillenkandidat. Und wären ihnen nicht zwei dicke Patzer ausgerechnet in Lektionen passiert, die mal zwei gehen, hätten sie wohl mehr als 80 Prozent erhalten.

Das Paar begann mit einer super Grußaufstellung. Im starken Trab hätte die Schwebephase länger sein können, aber die Verbindung von hinten nach vorne war gegeben. Bohemian kann sich ja schon mal etwas hinter dem Gebiss verkriechen. Das war heute kaum zu sehen. Dufour hatte eine Verbindung von hinten nach vorne, die Stirn-Nasen-Linie war über weite Teile der Aufgabe mindestens an der Senkrechten.

Das Paar zeigte schöne Traversalen und ein gutes Halten mit willigem Rückwärtsrichten. Die zweite Verstärkung war besser als die erste. In der Passage kippte Bohemian minimal ab im Genick, aber Takt, Hinterhandaktivität und Lastaufnahme waren überragend. Und genauso kam der Dunkelfuchs dann auch in die Piaffe und wieder heraus. Ein Highlight!

Es folgte ein losgelassener starker Schritt, nicht mit dem größten aber durchaus ausreichendem Raumgriff. Beim Anpassagieren kam ganz leichte Spannung auf, aber Dufour ließ sich nicht beirren und die nächsten Meter waren wieder ein Erlebnis in Sachen Piaffe und Passage.

Willig und spannungsfrei galoppierte Bohemian dann an und zeigte wunderschöne Zweierwechsel. Der erste Fehler passierte beim zweiten Umstellen in den Zick-Zack-Traversalen, wo der Galoppsprung und der fliegende Wechsel stockten. Die flüssigen und sicher nach vorne durchgesprungenen Einerwechsel dann wieder richtig sehenswert. Die erste Pirouette fing sehr gut an. Aber beim Rausreiten erschrak Bohemian und blockierte für einen Moment. Dufour hatte ihn schnell wieder bei sich, aber nun war in der Tat Spannung im Pferd, was auch auf der Schlusslinie deutlich wurde. Trotzdem: Geht der Fuchs in den nächsten Tagen so, wie heute zu Anfang, haben die beiden bei der Vergabe der Einzelmedaillen ganz sicher ein Wort mitzureden.

Die Mannschaftsergebnisse im Überblick

Mit der Mannschaft wurde es die Bronzemedaille. Wie spannend diese erste EM-Entscheidung in Hagen war, lässt sich auch an den Gesamtergebnissen der Mannschaften ablesen.

Deutschland mit Dorothee Schneider auf Faustus (74,985), Helen Langehanenberg auf Annabelle (73,960), Isabell Werth mit Weihegold (79,860) sowie Jessica von Bredow-Werndl auf Dalera (84,099) kamen auf insgesamt 238,944 Punkte. Das viertbeste Ergebnis, in diesem Fall also von Langehanenberg, wurde gestrichen.

Die Briten hatten insgesamt 232,345 Prozent dank Gareth Hughes mit Sintano van Hof Olympia (74,394), Charlotte Fry und Everdale (77,671), Carl Hester mit En Vogue (74,845) und Charlotte Dujardin auf Gio (79,829) .

Mit nur etwas mehr als einem Punkt Abstand (231,165) wurde es Bronze für Dänemark. Charlotte Heering und Bufranco hatten mit 70,699 Prozent das Streichergebnis gebildet. Nanna Skodborg Merrald auf Orthilia (75,078), Daniel Bachmann Andersen im Sattel des erst neunjährigen Marshall-Bell (76,366) und Cathrine Dufour auf Bohemian (79,721) lieferten drei absolut überzeugende Vorstellungen.

An vierter Stelle reihten sich die Schweden ein (225,389), deren Schlussreiterin Juliette Ramel mit ihrem Buriel eine echte Sternstunde hatte, die mit 76,196 Prozent belohnt worden war – das zweitbeste Ergebnis hinter dem ebenfalls in Bestform auftretenden Dante Weltino von Therese Nilshagen (76,041).

Die Niederländer belegten mit 221,242 Prozent Platz fünf. Bestes Paar waren hier Hans Peter Minderhoud und Dream Boy mit 74,503 Prozent. 74,208 wurden es für Dinja van Liere auf Haute Couture, 72,531 für Marlies van Baalen auf Go Legend und mit 72,484 Prozent Adelinde Cornelissen und Governor.

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