Horses & Dreams: Einlaufprüfung für die Burgpokal-Qualifikation an Isabell Bache

Strohsonnenschirme, knallblauer Himmel und Sonne, die tatsächlich an Brasilien, das diesjährige Gastland bei Horses v& Dreams, erinnert. In Hagen gingen heute in der Einlaufprüfung zur Qualifikation für den Nürnberger Burgpokal 37 Pferde an den Start. Ein starkes Starterfeld und ein Gewinner, der den anderen das Siegen schwer macht.

Es ist wie ein Klassentreffen, aber das einer Eliteschule. Unter den 37 Pferden auf der Startliste der Einlaufprüfung zur morgigen Qualifikation für den Nürnberger Burgpokal, einem Prix St.Georges für sieben- bis neunjährige Pferde, fand sich kaum ein Pferd, das nicht schon länger in der Öffentlichkeit steht. So zu sagen ein Red Carpet-Stelldichein der Nachwuchs-Prominenz.

Mit dem achtjährigen Hannoveraner Riverdance v. Rascalino war Isabell Bache bereits letztes Jahr in der Festhalle in Frankfurt Dritte im Finale des Nürnberger Burgpokals und gewann dann außerdem die abendliche Showwertung. Die Norwegerin, die seit einem knappen halben Jahr auf den Gestüt Bonhomme in der Nähe von Potsdam zuhause ist, ritt die Stärken des Fuchses routiniert aus: Trabtraversalen, Galoppverstärkungen das sucht der Hannoveraner Seinesgleichen. Auch der Schritt gelang ziemlich gut, zu Beginn der Prüfung zeigte das Trendbarometer am Viereckrand, dass die Richter Noten im Bereich von 77,96 Prozent vergaben. Und sie waren derart begeistert von den enorm bergauf gesprungenen fliegenden Galoppwechseln zu vier Sprüngen, dass sie nur teilweise mitbekamen, dass der Fuchs auf die erste Hilfe nicht reagiert hatte und die Norwegerin deswegen auf der Diagonalen nicht die geforderten fünf Wechsel zeigen konnte. Noten von 3 bis 8,5 gab es dafür. 76,951 Prozent waren der deutliche Sieg.

37 Pferde am Start, deswegen wurde in zwei Abteilungen platziert. Siegerin in der zweiten Abteilung wurde Lokalmatadorin Eva Möller, die Frau, die in Hagen auf dem Hof Kasselmann für die Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde (Sa Coeur) und Bundeschampionate zuständig ist. Am Morgen war sie noch etwas unsicher, wie sich ihr United-Sohn Bordeaux, 2012 Vierter bei der WM junger Dressurpferde und einer der meistfrequentierten Hengste Deutschlands, zeigen würde. Im Gegensatz zu vielen anderen sei sie gestern Abend früh ins Bett gegangen. Das hat sich ausgezahlt. Der Braune, der seine zweite S-Dressur ging, begann mit guter Trabtour, den starken Schritt absolvierte er in sehr guter Fußfolge mit einem Huf Übertritt. Im Galopp muss der Hengst noch reifen, die halben Galopppirouetten gerieten reichlich groß, um nicht zu sagen übergroß, Kehrtvolten. Da muss einfach noch mehr Versammlung entwickelt werden. Allerdings ist der Hengst auch erst seit Anfang des Jahres wieder im Training, von August bis Dezember stand er im Stall Schockemöhle, um Tiefgefriersamen zu gewinnen. Die fliegenden Wechsel sind sicher, könnten aber noch mehr Ausdruck im Vorderbein haben. Das Rückwärtsrichten war eines der besten der Prüfung. Was der Hengst noch ablegen muss: das Schweifschlagen. Chefrichterin Ute von Platen sah diese Punkte kritischer als ihre Kollegen, bei ihr landete das Paar auf Rang acht, die anderen sahen das Duo auf Platz zwei bzw. drei.

72,317 Prozent hatten lange Zeit die Führung bedeutet für Susan Pape und den Rappen Don Nobless. Der Dancier-Sohn kennt sich aus in Hagen, er wurde über die PSI-Auktion für eine siebenstellige Summe an Amerikaner verkauft, die den Hannoveraner dann bei Susan Pape in Ausbildung gegeben haben. Parallel wirkt der hochbeinige De Niro-Enkel auch als Deckhengst auf der Station Pape im Hemmoor bei Stade. Der Rappe ging sehr gleichmäßig, mit konstanter Anlehnung. Nur bei den Viererwechseln reagierte zu spät, das kostete Punkte. Auf Platz drei in dersten Abteilung folgte der Fuchs Hightime, der Alexandra Stich gehört, der Frau des ehemaligen Tennisstars Michael Stich. Während der Gatte zwei weiße Hunde bändigte, konzentrierte sich Frau Stich auf Hartwig Burfeind, der Hightime reitet. Seit einigen Wochen trainiert die ambitionierte Hamburgerin beim mehrfachen Champion der Berufsreiter, der seit Anfang des Jahres in Pinneberg, westlich von Hamburg zuhause ist. Der Hannoveraner ging eine konstante Runde mit Höhepunkt in den Galopptraversalen, 71,789 Prozent.

Vierte wurde Brigitte Wittig mit dem achtjährigen Bolghieri v. Breitling-Donnerhall. Der Fuchswallach ist ein Bruder zu Blind Date, die unter Brigitte Wittig den Nürnberger Burgpokal gewonnen hat und jetzt im internationalen Grand Prix-Sport unter Victoria Max-Theurer geht. Blind ist er aber beileibe nicht! Zu Beginn der Prüfung guckte er sich alles sehr genau an. In den fliegenden Galoppwechseln zählte er zu den Besten des Feldes (71,220). Der dahinter platzierte Holga Finken dürfte sich das Protokoll so genau angeschaut haben, wie kein anderer, um daraus schlau zu werden. Die drei Richter sahen seinen Ritt mit dem His Highness-Sohn Haydn recht unterschiedlich: Platzziffern zwei, sieben und 27. (71,057). Sechster wurde Henrik Lochthowe mit Boston, einem Sohn des Weltcup-Achten Johnson (69,675).

Die zweite Abteilung

Der gekörte Fürst Nymphenburg v. Florencio überzeugte unter Tessa Frank mit einer guten Runde und dynamischen Verstärkungen (72,195) Prozent, einzig getrübt durch einen Fehler in der Galopptour. Das Paar wurde Zweiter der zweiten Abteilung vor Depardieu v. Don Frederico unter Christoph Niemann (71,301), der die exakt selbe Notensumme wie Helen Langehanenberg auf Damons Delorange erhielt. Die frischgebackene Weltcupzweite hatte starke und weniger starke Momente in der Aufgabe: Punkten konnten die beiden im Schritt und in den Pirouetten, dem gegenüber standen aber noch viele Dinge, die die siebenjährige Westfalenstute v. Damon Hill noch besser zeigen muss: Das Rückwärtsrichten und die Dreierwechsel zum Beispiel. Insgesamt muss die hochelegante Dunkelfuchsstute aber konstanter in der Anlehnung werden, sie ging immer wieder deutlich zu eng.

Mit der von ihrem Vater Klaus gezogenen Rosalie v. Rubin Royal kam Anabel Balkenhol nach starker Trabtour (Zwischenwertung bis 79,07 Prozent) in der dritten S-Dressur, die die Stute bislang gegangen ist, auf Rang fünf. Im Galopp misslang eine halbe Pirouette, insgesamt wünscht man der Stute in dieser Gangart mehr Tragkraft (70,203). Die Platzierung komplettierte Juliana Brunkhorst mit dem ehemaligen Oldenburger Siegerhengst Siegerhit v. Sandro Hit, der mittlerweile ein Wallach ist und auf 69,512 Prozent kam.

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St. Georges international

Gestern hatte Victoria Michalke den regulären, international ausgeschriebenen Grand Prix gewonnen. Mit der achtjährigen Novia v. Stedinger setzte sie sich mit 73,388 Prozent klar vor die Australierin Mary Hanna und Boogie Woogie v. Du Moulin (72,336). Dritte wurde Charlott Maria Schürmann mit dem Celler Landbeschäler Edward v. Embassy und 71,974 Prozent vor dem ebenfalls gekörten Füchtels Floriscount, der unter Oliver Oelrich drei Punkte weniger (71,776) bekommen hatte. Fünfte wurde die Schwedin Sofie Lexner mit Highlander v. Hohenstein (71,678).

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