Werth-volle Dressur bei den German Masters in Stuttgart

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Gratulation an Isabell Werth, die nun zum 14. Mal die German Dressage Masters in Stuttgart gewann. (© www.stuttgart-german-masters.de)

Durch den vierten Sieg bei vier Starts, den im Grand Prix Special entschiedenen German Dressage Masters, fand das Isabell Werth-Festival in der Stuttgarter Schleyerhalle seinen Höhepunkt.

Weltcup-Grand Prix und -Kür auf Weihegold, Masters Grand Prix und -Special mit Don Johnson – die 48-jährige Multichampionesse Isabell Werth reitet derzeit auf einer Erfolgswelle, die auch in ihrer langen, mit Höhepunkten gespickten Karriere ihresgleichen sucht. Nach den Unterschieden zwischen beiden Pferden gefragt, sagte sie: „Auf Weihegold ist das Leben ganz ganz einfach. Jonny ist mehr mein Sparringspartner. Und wenn er beim Abreiten nicht wenigsten einmal den Kopf zwischen die Beine stecken würde, würde ich mir Sorgen machen.“

Der 15-jährige hannoversche Don-Frederico-Sohn Don Johnson, im Grand Prix noch eher wie ein mehr oder weniger mühsam kontrollierter Feuerstuhl, zeigte im Special, wie er gehen kann, wenn er vollen Herzens mitspielt: Wach ist er immer, aber diesmal war er auch konzentriert und gehorsam, mit einem tollen Seitenbild, das dem Betrachter das Gefühl vermittelte, die Reiterin hat mehr vor als hinter sich. In den Passagen und Piaffen saubere Hankenbeugung aller drei Hinterhandsgelenke. Die Traversalen in gewohnter Werth-Qualität, sehr gute Übergänge. Eine kleine Stockung in der zweiten Piaffe. Sichere Zweierwechsel, etwas hektische und nicht genügend nach vorne gesprungene Einerwechsel, eine etwas groß geratene Rechtspirouette – aber das sind Kleinigkeiten gegenüber der hohen reiterlichen Qualität des Rittes, die auch in der Sorgfalt im Detail lag. Nicht zuletzt in diesem Punkt können junge Reiter sich abgucken, wie’s geht. Mit 77,941 Prozent legte Werth zwischen sich und die Konkurrenz einen komfortablen Vorsprung von mehr als drei Prozent.

Daggis zweiter Frühling

Seine überragende Form vom Grand Prix tags zuvor setzte der Senior des Feldes, der 17-jährige D’Agostino v. De Niro (Hann.) unter Fabienne Lütkemeier, auch im Special fort. Fehlerlos, mit Höhepunkten in den Einer- und Zweierwechseln und knackigen Trabverstärkungen, dabei durch weg in schönem Rahmen kam das Paar, das sich seit nunmehr neun Jahren kennt, wieder auf den zweiten Platz. Abzüge gab es für den häufig etwas unruhigen Schweif. „Er ist ein Professor auf seinem Gebiet,“ sagte Fabienne Lütkemeier nach ihrem Ritt. „Man muss ihn nur bei Laune halten, die Lektionen kann er wahrscheinlich besser als ich.“ (74,843 Prozent)

Rang drei für den Quotenmann

Deutlich besser als im Grand Prix konnte sich der 14-jährige Trakehner Hengst Imperio v. Connery unter Hubertus Schmidt, dem einzigen Mann des Starterfeldes, präsentieren. Wenn der bildschöne, goldbraun glänzende Hengst im starken Trab übers Viereck fliegt, sein Reitmeister im Sattel mit einem vollendeten tiefen Sitz, wie man ihn sonst nur auf Riedinger-Stichen von den alten Meistern sieht, dann ist das eine Sternstunde der Dressur: Enorme Schulterfreiheit, gewaltiger Schwung, energischer Schub. Mit der Tragkraft tut sich der Hengst schwerer, aber die Passagen gelangen deutlich besser als am Vortag, die Piaffen am Platz, aber sie bleiben der Schwachpunkt. Dagegen stand eine sehr gute Galopptour mit fehlerlosen Serienwechseln und auf kleinem Kreis energisch gesprungenen Pirouetten. Mit 73,705 Prozent wurde Hubertus Schmidt Dritter.

Die weiteren Reiter in der Kurzkritik

Bernadette Brune auf Spirit of the Age v. Stedinger (Old.) 72,647, Platz vier.

Wie im Grand Prix imponierte der kalibrige Dunkelbraune durch die exakte Ausführung aller Lektionen. Beim starken Trab kam er häufig ins Laufen, in der Passage gab es immer mal ungleiche Tritte. Die Zweierwechsel gelangen wie an der Schnur gezogen, in den Einern gab es einen kleineren Patzer. Ein Höhepunkt war die erste Pirouette, die zweite gelang nicht ganz so sicher. Die Reiterin, die lange in Frankreich lebte und für das Dressurturnier in Vidauban verantwortlich zeichnete, ist vor nicht allzu langer Zeit nach Oldenburg in die Nähe von Westerstede gezogen und wird von Jonny Hilberath betreut. Das wird ihrer Karriere sicher noch einen Schub geben. In St.GEORG 12/2016 haben wir übrigens Bernadette Brune und ihren nicht ganz alltäglichen Trainingsmethoden mit ihren Pferden die große Reportage gewidmet.
Charlott-Maria Schürmann auf Burlington v. Breitling (Hann.) 71,686, Platz fünf

Auch dies ein Paar, das seit vielen Jahren zusammen gewachsen ist und einen fehlerlosen Ritt ablieferte. Der statiöse Fuchs gefiel durch energische Passagen-Starker Trab-Übergänge und gute Trabtraversalen. Die erste Piaffe etwas matt und trippelnd, die zweite zu sehr nach vorne. Eine sehr gute Galopptour mit sicheren Serienwechseln guten Galopptraversalen, und sehr schöne Pirouetten. Ausdrucksvolle Schlusslinie mit der besten der drei Piaffen.
Alexandra Stadelmeyer auf Lord Lichtenstein v. Lord Loxley (KWPN), 71,392, Platz sechs.

Mit 25 Jahren die jüngste im Feld, versuchte die Reiterin ihren großrahmigen bildschönen Hengst fehlerfrei durch alle Klippen zu steuern. Sie musste ordentlich zufassen, er wirkte manchmal etwas pomadig und müsse insgesamt „elektrischer“ gehen, mehr nach vorne ziehen, vor allem in der Hinterhand schneller werden und fleißiger abfußen. Das machte sich in den Passagen bemerkbar und in der häufig etwas unsteten Anlehnung.

Von Alexandra Stadelmeyer kam heute übrigens das Zitat des Tages. Moderator Carsten Sostmeier zuihr: „Wenn ich ein kleiner Junge wäre, würde ich davon träumen, drüben beim VFB Fußball zu spielen, wenn ich ein kleines Mädchen wäre, wäre mein Traum, einmal in der Schleyer-Halle zu reiten. Wie ist es für Sie hier als Lokalmatadorin?“ Antwort: „Auch als kleiner Junge dürften Sie davon träumen, in der Schleyer-Halle zu reiten …“
Tatyana Kosterina auf Diavolessa v. Don Frederico (Hann.) RUS 70,254, Platz sieben

Mit ihren neun Jahren war Diavolessa das jüngste Pferd des Feldes, das einzige mit „einstelliger“ Jahreszahl. Ein schönes elegantes, leichtfüßiges und dabei offensichtlich sehr gehorsames Pferd, das schon beim Deutschen Dressur-Derby in Hamburg gefiel. Die ganze Vorstellung wirkte etwas piano, obwohl die meisten Lektionen fehlerlos gelangen. Das zog sich durch die ganze Aufgabe.
Marie Emilie Bretenoux auf Quartz of Jazz v. Lawrence, FRA, (Selle Francais) 69,686, Platz acht

Ein hochsympathisches Pferd, das sich gleich zu Beginn der Aufgabe mit einer hervorragenden Passage-Starker Trab-Tour einführte. Dem starken Schritt mangelte es an Fleiß, die erste und zweite Piaffe gerieten etwas eilig, wenn auch sehr gut am Platz. Man hätte ihnen noch mehr Bergauftendenz gewünscht. Höhepunkte waren die guten Einerwechsel und energisch auf kleinem Kreis gesprungene Galopp-Pirouetten.
Victoria Michalke auf Novia v. Stedinger (Deutsches Sportpferd) 69,392, Platz neun

Eine elegante, sympathische, gehorsame Stute, der es insgesamt etwas an Bergauf-Tendenz und Dynamik mangelte. Das Paar zeigte saubere Übergänge, gute Trabtraversalen. Die Passagen waren nicht wirklich erhaben, die Piaffen taktmäßig, aber wenig ausdrucksvoll. Die Zweierwechsel gelangen gut, bei den Einerwechseln patzte die Stute in beiden Serien.
Lotte Skjaerbaek au Skovens Rafael v. Romanov (DWB), DEN, 68,882, Platz zehn

Ein feines kompaktes Hengstmodell, der viele gute Punkte hatte, vor allem in der Galopp-Tour: gesetzte sauber gesprungene Galopptraversale und gute Zweierwechsel, gut gelungene Linkspirouetten. Die Rechtspirouette geriet etwas groß. Den Piaffen fehlte es es an Energie, die Passagen wurden durch ungleiche Tritte gestört, verkorkste letzte Linie. Alles könnte fleißiger sein.
Anabel Balkenhol auf Heuberger v. Imperio v. Michelangelo, Trakehner, 67,058, Platz elf.

Dies war definitiv nicht das Turnier von Anabel Balkenhol und Heuberger. Dabei fing es gut an im Grand Prix Special: energischer Anfang mit sehr gutem starken Trab und ausdrucksvollen Trabtraversalen und Übergängen zwischen Starkem Trab und Passage.

Doch dann mehrten sich die Unstimmigkeiten. Deutlicher Widerstand vor der ersten Piaffe, anschließend zu wenig Tritte ohne Takt, desgleichen die zweite Piaffe. Es folgten sehr gute Galopptraversalen. Aber bei den Zweierwechseln schlug das Pferd zum ersten Mal nach dem Sporen, vor der Schlussaufstellung noch einmal deutlich und kräftig. Die ganze letzte Linie sah es aus, als ob die Reiterin das Pferd mit aller Kraft Richtung Richterhäuschen schieben müsste.
Kathrin Burger auf Salazar v. Sandro Hit (Old.) 67,039, Platz zwölf

Der elegante leichtfüßige Rappe machte fast alles richtig, aber hatte es in diesem Weltklassestarterfeld schwer. Insgesamt ging er etwas tief und eng, vor allem in den Piaffen, dazu mit leichter Rückwärtstendenz. Gute Galopptour mit sicheren Serienwechseln, deutliche Steigerung zum Ende der Aufgabe.

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