Weltcup, Werth und Weihegold – auch in Stuttgart 2017 ein klarer Fall

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Isabell Werth und Weihegold, Sieger der Weltcup Qualifikation bei den Stuttgart German Masters 2017. (© www.stuttgart-german-masters.de)

Sieg Nummer drei in zwei Tagen für Isabell Werth – auch das war keine Überraschung in der Weltcup-Qualifikation in der Stuttgarter Schleyerhalle. Überraschend war eher der sehr deutliche Abstand zu der auch nicht schlechten Konkurrenz.

87,575 Prozent für Weihegold, 82,805 für Sammy Davis Jr. unter Dorothee Schneider und 79,615 für Damsey unter Helen Langehanenberg.

In der bekannten Kür zu einem „italienischen Potpourri“, die Weihegolds Karriere von Anfang an begleitet hat, trabte und galoppierte die zwölfjährige Stute in gewohnter Harmonie und Sicherheit durchs Viereck. Chefrichter Dietrich Plewa lobte die stetige, bilderbuchmäßige Anlehnung, die klassisch mit gesenkter Hinterhand und reeller Versammlung gerittenen Piaffen und Pirouetten, die Harmonie zwischen Reiterin und Pferd und die Souveränität, mit der beide die schwierigsten Lektionen spielerisch absolvierten. Abgesehen von einem Fehler in den Zweierwechseln gelang alles in gewohnter Perfektion.

Super-Sammy

Aber dennoch: Es wird eng für Weihegold. Es tanzten heute ein paar Pferde durch die Schleyerhalle, die an Talent für Piaffe und Passage der Oldenburger Weltcupsiegerin 2017 kaum nachstehen und ihr an großräumigen, schwungvollen Bewegungen einiges voraus haben. Da ist zunächst Sammy Davis Jr., der sich in der Kür gegenüber dem Grand Prix eine ganze Klasse verbesserte. Der hochelegante Rappe, der ja immer noch seine ersten internationale Saison geht, imponierte durch elastische raumgreifende Trabverstärkungen mit energisch abfußender Hinterhand, durch eine deutlich verbesserte Lastaufnahme in den Piaffen und Passagen, eingebettet in ein Programm mit hohem Schwierigkeitsgrad, was hohe Bonuspunkte einbrachte, etwa die „Fächerpirouette“, eine Piaffe-Pirouette erst mindestens 45 Grad zur einen Seite, dann zur anderen. Er ist immer noch guckig und leicht abzulenken, was seiner Unerfahrenheit geschuldet sein mag.

Damsey auf Drei

Auch Damsey unter Helen Langehanenberg brillierte mit Schwung und Leichtfüßigkeit, aber der 15-jährige Dunkelbraune, der in der Vergangenheit schon mal ausgetestet hat, wer Herr im Hause ist, zeigte sich geradezu überehrgeizig, was zu einigen Fehlern führte, etwa bei den doppelten Galopppirouetten. Auch gab es in den Passagen immer mal ungleiche Tritte.

Die Platzierten

Die Schwedin Tinne Vilhelmson auf dem 14-jährigen Don Primero-Sohn Paridon Magi wurde mit 78,280 Prozent Vierte. Der ausdrucksstarke Dunkelbraune gab ein schönes Gesamtbild ab, aber die Galopp-Pirouetten gerieten in Zeitlupentempo und im Laufe der Aufgabe ging der Schwung etwas verloren und die Hinterhand wurde zunehmend schleppender.

Auf Platz fünf fand sich Fabienne Lütkemeier auf dem Florestano-Sohn Fabregaz mit 78,190 Prozentpunkten wieder. Man hätte sich das Paar auch weiter vorne vorstellen können. Der großrahmige Dunkelbraune konnte sich gegenüber dem Grand Prix enorm steigern, vor allem in den Piaffen. Mit Siebenmeilen-Stiefeln durchmaß er in den Trab- und Galoppverstärkungen das Viereck. Die Reiterin riskierte einiges – starker Galopp mit anschließender Doppelpirouette. Fazit: Dieses Paar hat noch ganz viel Luft nach oben.

Jessica von Bredow-Werndl musste sich in Stuttgart die Zeit zwischen der 13-jährigen Zaire-E und ihrem Säuglingssohn Moritz teilen, was ihr offenbar glänzend gelang. Die Stute ging spritzig und frisch, imponierte in den dynamischen Verstärkungen und zeigte einige tolle Piaffen und Passagen. Insgesamt litt die Vorstellung etwas unter der Spannung der Stute, die manchmal fast zu explodieren schien, aber die Reiterin behielt alles im Griff.

Die drei führenden Reiterinnen aus Stuttgart werden die Weltcup-Saison mit Ziel Finale in Paris fortsetzen, in Amsterdam im Februar wieder einsteigen. Isabell Werth ist als Titelverteidigerin automatisch qualifiziert, die anderen müssen noch ein paar Punkte draufpacken. Angeführt wird die Zwischenwertung nach den drei Qualifikationen in Helsinki, Lyon und Stuttgart vom Schweden Patrick Kittel mit 54 Punkten. Dorothee Schneider ist zur Zeit Vierte mit 35 Punkten, Fabienne Lütkemeier und Jessica von Bredow-Werndl gemeinsam mit Tinne Vilhelmson-Silfven Sechste (25 Punkte).

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