Wie wirkt sich das Klima in Tokio auf Sportpferde aus? Die Auswertungen vom FEI-Testevent liegen vor!

Michael Jung (GER)_Tokyo test event

Michael Jung und Wild Wave während des Testevents in Tokio. (© FEI/Yusuke Nakanishi)

Nachdem die Marathonläufer und die Geher bei den Olympischen Spielen 2020 aller Wahrscheinlichkeit nach ins klimatisch besser geeignete Sapporo verlegt werden (die Veranstalter haben den Weg für die IOC-Pläne gerade frei gegeben), stellt sich umso dringender die Frage: Wie werden die Pferde mit den Bedingungen in Tokio fertig? Die FEI hat heute die Auswertungen der Untersuchungen beim Testevent veröffentlicht.

Eines steht jetzt schon fest: Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio werden heiß und feucht. Wie die Pferde damit fertig werden und wie man am besten in Training und Wettkampf damit umgeht, das sollte das Testevent im August zeigen.

Geritten wurde eine Drei-Sterne-Kurzvielseitigkeit, die Michael Jung mit Wild Wave gewinnen konnte. Deutschland hatte drei Paare nach Tokio geschickt, jeweils unterschiedliche Pferdetypen. Wild Wave zählte zu den blutgeprägten Kandidaten. Daneben gab ging der Trakehner Granulin v. Grafenstolz unter U25-Reiter Jan Mathias für Deutschland an den Start und der Holsteiner Cool Charly Blue v. Chacco-Blue.

Die Pferde wurden vor, während und nach dem Testevent überwacht und untersucht, auch daraufhin, wie sie sich an das Klima gewöhnt haben. Das Fazit der Untersuchungen lautet, dass die Pferde generell sehr gut mit den klimatischen Bedingungen zurecht kamen. Das hatten auch die Deutschen direkt nach der Veranstaltung zu Protokoll gegeben.

Alle Pferde seien während des Turniers, das ja im selben Zeitraum stattfand, wie die Olympischen Spiele im kommenden Jahr, gesund gewesen. Dabei bewegte sich der für solche Fälle herangezogene Wet Bulb Globe Thermometer Index (WBGT), der Hitze, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Windbewegungen erfasst, in Bereichen, die von der FEI als „challenging“ bezeichnet werden.

Herausforderung am Geländetag

Der Geländetag wartete mit einem hohen WBGT Index auf. Hinzu kam, dass die Strecke gleich zu Anfang einen steilen Anstieg hatte und diverse enge Wendungen. Das sei eine „signifikante Herausforderung“ gewesen die Pferde, so die FEI.

Die Herzfrequenz während der Prüfung sowie Laktatwerte, Körpertemperatur und Pulswerte danach zeigten, dass die Pferde kurz vor ihrer maximalen Leistungsfähigkeit gearbeitet haben.

Der Bericht der FEI betont, dass „alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, um die Auswirkungen der wahrscheinlich herrschenden klimatischen Bedingungen zu lindern“.

Dazu zähle auch die Verkürzung der Strecke entsprechend der äußeren Bedingungen, ein früher Start, um den höchsten WBGT Index zu vermeiden, der normalerweise zwischen spätem Vormittag und frühen Nachmittag zu erwarten sei.

FEI, IOC und die Organisatoren vor Ort haben sich nun darauf geeinigt, den Start auf 7.30 oder 8.00 Uhr am Geländetag (2. August) vorzuverlegen.

Von Seiten des FEI-Chefveterinärs Göran Akerström heißt es: „Wir haben sehr eng mit dem Organisationskomitee zusammengearbeitet, um die bestmöglichen Bedingungen für Reiter und Pferde in Tokio 2020 zu schaffen. Die Ergebnisse der Studie werden eine entscheidende Rolle spielen bei den noch zu treffenden Entscheidungen über angemessene Einrichtungen und Unterstützung. Die Berichte werden außerdem eine wertvolle Hilfestellung für Athleten und Verbände bei der Vorbereitung ihrer Pferde vor und während der Olympischen und Paralympischen Spiele sein.“

Einige Maßnahmen wurden schon ergriffen, um den Pferden den Aufenthalt trotz der Hitze so angenehm wie möglich zu machen. Dazu gehören klimatisierte Stallungen auf allen Veranstaltungsplätzen, frühmorgendliche und spätabendliche Trainingsmöglichkeiten unter Flutlicht, stetige Überwachung und Kontrolle durch ein Tierärzteteam von Weltrang und diverse Vorrichtungen zur Abkühlung wie schattenspendende Zelte, Ventilatoren, Eiswasser usw.

Weitere Infos finden Sie hier.

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  1. Müller

    „Die Herzfrequenz während der Prüfung sowie Laktatwerte, Körpertemperatur und Pulswerte danach zeigten, dass die Pferde kurz vor ihrer maximalen Leistungsfähigkeit gearbeitet haben“, so die FEI.

    Dann kann es im nächsten Jahr ja nur noch besser werden?

    Die Strecke wird auf jeden Fall länger als beim Testevent in diesem Jahr und das Tempo wird ebenfalls höher als beim Test sein!

    Wer braucht so etwas?

  2. Carmen Fischer

    Ich verstehe generell nicht warum man bei der Auswahl großer Sportereignisse (egal ob für Mensch oder Pferd) mehr Wert auf klimatische Verhältnisse legt.
    Wer will denn Hitzetote oder Erfrierungen sehen?


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