Wiesbaden: Totilas und Matthias Rath sowie Dorothee Schneider sahnen ab, Haßmann siegt im Großen Preis

Totilas und Matthias Rath

(© Julia Rau)

Im Viereck eine One-Man-Show, im Springen die zweite Reihe ganz vorn – der Pfingstmontag in Wiesbaden.

Wie nach ihrem Grand Prix-Sieg mit über 82 Prozent zu erwarten war, siegten Matthias Rath und Totilas bei ihrem Comeback im Biebricher Schlosspark auch im Grand Prix Special am Nachmittag des Pfingstmontags. Mit 83,169 Prozent erzielte das Paar international sogar seine höchste Bewertung in einem Special, die es je erreicht hatte. „Die höchste Wertzahl, die ich je hatte und das trotz einiger Patzer, das freut mich natürlich besonders, dass wir so gut ankommen. Ich bin super zufrieden.“
Totilas machte einen entspannten, gelassenen Eindruck, ging taktrein und weitgehend fehlerfrei durch die Prüfung so auch in den Serien-Galoppwechseln. Es waren eher Kleinigkeiten und der Eindruck von Matthias Rath, dass er eine gute Prüfung hatte, aber in einigen Lektionen, die sonst zu Totilas Stärken zählen, habe er Punkte liegen gelassen. Das trifft genau ins Schwarze. So zeigte Totilas in den ersten beiden Piaffen etwas wenig Tritte und zum Schluss viel Vorwärtstendenz, dennoch erhielt er bis zur Zehn als Benotung.
Der mittlerweile 14-Jährige zeigte weniger verspannte, spektakuläre Tritte in den Trabverstärkungen und ging mit besser schwingendem Rücken. Was energischen Antritt und Übertritt sowie Rahmenerweiterung anbelangt, ließ der Rapphengst allerdings noch Wünsche offen. Insgesamt, so stellte Matthias Rath fest, habe er im Special etwas frischer reiten können, aber da fehle ihnen auch die Turniererfahrung. „Zuhause im Training ist immer alles anders, als hier vor den vielen Zuschauern und der Kulisse.“ – Totilas lockte auch in Wiesbaden nach zwei Jahren Abstinenz vom Turniersport Tausende Menschen ans Viereck, auch diejenigen, die sonst nur beim Springen verweilten. Während seines Special-Rittes hätte man eine Stecknadel trotz der Menschenmassen fallen hören können. Insbesondere, da außer einem kurzen Zwischenintermezzo die Musik völlig ausfiel. Etwas, was der Reiter gar nicht bemerkte: „Ich könnte gar nicht sagen, ob Musik spielte oder nicht.“
Ende Juni beim Turnier auf dem Gestüt Peterhof in Perl-Borg wird sich zeigen, was seine Wertzahlen von seinem ersten Comeback im belgischen Kapellen und nun von Wiesbaden wirklich im innerdeutschen Vergleich Wert sind. „Bundestrainerin Monica Theodorescu hat mich zum Sichtungsturnier nach Perl gebeten, dort werden wir in der Special-Tour starten. Erst danach werden wir uns auch wieder auf die Kür konzentrieren“, so Matthias Alexander Rath.

Zum zweitplatzierten Schweden Kristian von Krusenstierna mit Biggles (69,902) und dem drittplatzierten Matthias Kempkes mit Riccoletto (69,098) hatte Rath gut 13 Prozentpunkte Vorsprung, allerdings waren die Paare, die im Grand Prix punktemäßig in seine Nähe gekommen waren, auch alle am Sonntagabend in der Grand Prix Kür gestartet.
Gewonnen wurde diese von den Vierten des Grand Prix Dorothee Schneider und Silvano mit 77,725 Prozent vor den Grand Prix-Zweiten Isabell Werth und Harmonie (77,325) und den Dritten des Grand Prix Jenny Lang und Loverboy v. Lorentin (75,475), die allesamt sehr ansprechende Ritte boten. Für Dorothee Schneider war es eine Rückkehr nach Wiesbaden, für dessen veranstalteten Reit- und Fahr-Club Wiesbaden e.V. sie ursprünglich gestartet war, nach rund fünf Jahren. Damals hatte man ihr seitens ihres eigenen Vereins keine Startgenehmigung erteilen wollen, was zu ihrem Austritt führte und sie fortan für die Frankfurter Turniergemeinschaft Schwarz-Gelb e.V., die auf Ann Kathrin Linsenhoffs Schafhof in Kronberg beheimatet ist, starten ließ. Nach ihren Erfolgen der vergangenen Jahre, darunter Team-Silber bei den Olympischen Spielen in London, hatte der Club seine damalige Entscheidung längst bedauert. Nun wurde der alte Zwist beigelegt und Dorothee Schneider sorgte mit den Peterhof-Pferden für eine glanzvolle Rückkehr nach Wiesbaden und freute sich, Das war eine Superleistung von Silvano. Er hat sich trotz Flutlicht und den vielen Zuschauern super konzentriert. E ist schon ein tolles Gefühl vor dem Schloss zu reiten. Auch Isabell Werth war überaus zufrieden mit der zwölfjährigen Hannoveraner Stute Harmonie, einer Hohenstein-Tochter, für die es erst das zweite internationale Turnier nach s-Hertogenbosch war, wo sie Grand Prix und Kür gewonnen hatten, Harmonie ist wirklich ein super rittiges Pferd mit einem total einfachen Charakter und großer Veranlagung zur Piaffe und Passage.

Kleine Tour

Dorothee Schneider siegte jedoch nicht nur mit Silvano in der CDI-Grand Prix Kür sondern gewann mit dem neunjährigen Hannoveraner De Niro-Wallach Derano, mit dem sie im Nürnberger Burg-Pokal-Finale 2013 Zweite geworden war, sowohl den Prix St. Georges als auch die Intermediaire I, letztere mit 76,026 Prozent. Eine Prozentzahl, die die Framersheimerin mit Freude erfüllte, Das war schon extrem gut. Etwas spannig präsentierte sich zeitweise noch der zweitplatzierte Bretton Woods (71,342) ihres Vereinskameraden Matthias Rath. Bretton Woods ist jetzt achtjährig und kann noch besser gehen, als er das heute gezeigt hat. So hatten wir u.a. einen Fehler in den Fliegenden Galoppwechseln. Er war heute sehr aufgeregt. Er ist Hengst und nimmt so etwas, wie die vielen Zuschauer und die Kulisse schon etwas mit. Aber es macht wahnsinnig viel Spaß ihn zu reiten und er ist sehr veranlagt für Piaffe und Passage. Von meinen recht zahlreichen Nachwuchspferden ist er sicherlich der nächste für den Grand Prix Sport.

Großer Preis an Toni Haßmann
Der Große Preis, die wichtigste Springprüfung, ausgeschrieben mit 75.000 Euro und zweite Wertung der diesjährigen Riders Tour, wurde in der Spitze einmal mehr zu einem Cornet Obolensky-Treffen. Es siegte Toni Haßmann mit Classic Man als Schnellster der vier fehlerfreien Ritte im zweiten Umlauf (0/43,63 Sekunden) vor Gerrit Schepers mit Czerny v. Cassini (0/44,52) und Angelina Herröder mit einem weiteren Cornet Obolensky-Sohn, Cornwall (0/48,93). Beste ausländische Starterin war die US-Amazone Catherine Pesmore mit Bonanza van Paemel (0/51,48). Das Starterfeld war anders als noch 2013, als die Global Champions Tour in Wiesbaden Station machte, eher national geprägt. Die internationalen Reiter zog es entweder zur Global Champions Tour Etappe nach Shanghai oder an die Cote dAzur, wo Anthina Onassis in St. Tropez zum Fünf-Sterne-Turnier eingeladen hatte.
Birgit Popp

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