Rente: Was man über Ingrid Klimkes Hale Bob wissen sollte

Noch einmal, weil’s so schön ist! Ingrid Klimke verkörpert das, um was es im Reitsport geht: Die Liebe zum Pferd!

Die Ohren immer gespitzt und auf der Suche nach dem nächsten Sprung – So kennt man Hale Bob alias Bobby! (© www.toffi-images.de)

Er war einmal ganz nah dran am Weltmeistertitel und hat vier Europameisterschaften mit vier Gold- und einer Silbermedaille abgeschlossen. Bei der WM 2018 hatte er Bronze gewonnen, in Rio bei den Olympischen Spielen Silber mit der deutschen Equipe. Jetzt ist Ingrid Klimkes Hale Bob in Rente. Ein Blick auf die Karriere eines außergewöhnlichen Pferdes.

Pauline von Hardenberg

Dreamteam: Ingrid Klimke und Hale Bob (© Pauline von Hardenberg)

 

 

Hale Bobs Anfänge

2004 erblickte Hale Bob auf dem Hof von Ulrich Focken in Nesshausen (Wangerland) das Licht der Welt. Züchter ist allerdings Rolf Lück, ansässig im baden-württembergischen Crailsheim. Vor rund 20 Jahren fanden die beiden Pferdemänner zueinander. Beide wollten damals einen neuen Weg in der Zucht einschlagen und teilten von Anfang an die Philosophie, sportliche erfolgreiche Stuten mit Vollblütern anzupaaren.

Julia Rau

Im Alter von fünf Jahren kam Bobby in den Stall von Ingrid Klimke. „Ich wurde auf ihn aufmerksam, weil er väterlicherseits von Helikon xx abstammt, wie Seacookie, mein früheres Vielseitigkeitspferd“, sagt sie. Ihr damaliger Ehemann Andreas Busacker war sofort von Hale Bobs Springvermögen beeindruckt. Eine Schönheit war Bobby allerdings nicht. „Er sah aus wie ein Ire mit großem Kopf und wenig Hals.“

Der Seacookie-Bruder als Jagdpferd

Wie viele der Pferde aus dem Stall Klimke musste auch Hale Bob zunächst einige Jagden gehen. „Die Pferde lernen das rhythmische Galoppieren, ziehen besser und werden trittsicher auf unterschiedlichen Böden“, erklärt die Münsteranerin ihre Philosophie. Mit einfachen Natursprüngen wie Gräben werden sie langsam an ihre bevorstehenden Aufgaben vorbereitet. Und auch Ingrid selbst hat Spaß daran, an Jagden teilzunehmen.

Sechsjährig wurde er unter Vanessa Bölting Sechster beim Bundeschampionat der Vielseitigkeitspferde. In dieser Saison 2010 war er auch unter Ingrid Klimke und Andreas Busacker auf Turnieren erfolgreich am Start.

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Bobby ist der Liebling der ganzen Familie!Weil Hale Bob anfangs sehr unrittig und stur war, hatte Ingrid Klimke sogar überlegt, ihn zu verkaufen. Ihre Pflegerin Carmen, Ex-Mann Andreas und der damalige Co-Bundestrainer Chris Bartle überredeten sie aber, ihn zu behalten. Trotzdem braucht sie lange noch einen sehr stabilen Sicherheitssitz, wenn mal wieder „die Pferde mit ihm durchgehen“.

In der Dressur von pfui bis hui

Pauline von Hardenberg

Weigert sich, am Zügel zu gehen, wenn er jemanden nicht mag? Nun ja, Ingrid Klimke mag Bobby ganz offensichtlich! (© Pauline von Hardenberg)

Wenn Bobby einen Reiter nicht mag, dann weigert er sich, am Zügel zu gehen. Erst wenn man sich mit ihm angefreundet hat, zeigt er, was er kann. Dann aber würde Bobby immer für seinen Reiter kämpfen und alles geben, hat Ingrid Klimke einmal über den Wallach gesagt. Sobald kleine Kinder auf seinem Rücken sitzen, würde er zum braven Schulpferd.

Cavalleti – was sonst?

Und ein Musterschüler war er auch. Cavalletis wurden auf den Abreiteplatz geschleppt, um Hale Bobs Trabtour bin zum letzten Moment vorm Start. Das zahlte sich aus. Seit 2018 hatte Bobby lediglich eine Dressur, die schlechter als 25 Minuspunkte war. Dafür aber mehrere im Drei- und Viersterne-Bereich mit weniger als 20 „Miesen“.

Schockmoment Kolik-OP

Julia Rau

2012 gewann Hale Bob das Indoor-Derby in der Stuttgarter Schleyerhalle. (© Julia Rau)

 

2012, im Alter von acht Jahren, wurde Hale Bob aufgrund einer Kolik operiert. Ein Schock für seine Reiterin, doch Bobby kämpfte sich zurück. Nur sechs Monate später gewann er in der Schleyerhalle in Stuttgart das Indoor Derby.

Springen in den Genen

Julia Rau

Von seinem Vater Helikon xx und seinem Muttervater Noble Champion v. Noble Roi xx hat er Ausdauer, Härte und Kampfgeist, in seinem Stammbaum finden sich außerdem die Spring-Gene von Goldlöwe v. Gotthard-Der Löwe xx und Efendi v. Agram.

Äpfel für Hale Bob? Nein danke!

Hale Bob auf der Weide

Sein Highlight: Hale Bob genießt die Auszeit auf der Weide. (Foto aus dem Buch „Reite zu deiner Freude“ von Ingrid Klimke)

 

Bobbys Training besteht aus Galopp-Einheiten am Berg, ausgelassene Bocksprünge inklusive, Cavaletti- und Springtraining sowie Dressurarbeit. Etwa alle fünf Tage steht ein Konditionstraining in Intervallen am Berg an. Eine große Freude macht man ihm, wenn er schwimmen darf. Anschließend eine Ladung Möhren und der Tag ist perfekt. Für Besucher, die ihm Äpfel mitbringen, hat er allerdings nur einen vernichtenden Blick übrig.

 

 

 

Der Sportler Hale Bob

Hale Bob verdankt Ingrid Klimke den ersten Einzeltitel ihrer Karriere. 2017 wurden die beiden Europameister im polnischen Strzegom. 2015 hatten die beiden in Blair Castle ihr Championatsdebüt gegeben: Gold mit der Mannschaft, Fünfte in der Einzelwertung in der Schlammschlacht in Schottland. Und in diesem Jahr hatten Hale Bob und Ingrid Klimke noch etwas geschafft, Zweite in Badminton mit fehlerfreiem Cross und Springen – ein Erfolg für die Ewigkeit.

Rio und EM-Doppelgold

2016 flogen beide nach Rio. Bei den Olympischen Spielen wurde es Platz 14 im Einzelklassement und eine Silbermedaille mit der deutschen Equipe um Michael Jung.Pauline v. Hardenberg

Da konnte sie sich das Grinsen nicht verkneifen. Keine Springfehler und in der Zeit, bedeutete die Führung für Ingrid Klimke mit Hale Bob in Strzegom bei der Europameisterschaft 2017.

2018 lag der nächste, noch größere Ziel zum Greifen nah: Nach der Geländestrecke bei den Weltmeisterschaften in Tryon (USA) lag das Paar in Führung. Erst ein Abwurf am letzten Hindernis im Stadion vereitelte den Weltmeisterschaftstitel. Die Bronzemedaille der beiden konnte über Platz fünf der Mannschaft ein bisschen hinwegtrösten.

Zweimal Gold gab es bei den Europameisterschaften in Luhmühlen im darauffolgenden Jahr. Was für ein Jahr 2019! Und 2021 sah es auch lange super aus bei den Europameisterschaften in Avenches. Ein Abwurf vereitelte die zum Greifen nahe Silbermedaille in der Einzelwertung. Die deutsche Mannschaft gewann Silber – Bobbys siebte und letzte Medaille.

Das Aus in Pratoni

19 internationalePrüfungen haben Ingrid Klimke und Bobby gewonnen, sieben davon auf 4*-Niveau. Mitte April hatten sie in Oudkarspel in den Niederlanden die CCI4*-S gewonnen. Beim Testevent für die Weltmeisterschaft im italienischen Pratoni del Vivaro verletzte sich der zähe Dreiviertelblüter auf der Geländestrecke. Das war das Ende der Karriere. Am 23. Mai 2022 verkündete Ingrid Klimke es offiziell auf ihrer Website: „Der Bobby wird jetzt eine längere Pause machen müssen, um dann hinterher noch richtig schön auf die Wiese zu können.“

 

 

 

  1. Anne

    Ich bin ganz erstaunt, dass Ingrid Klimke anscheinend mit ihrem Ehemann Andreas Busacker nicht mehr verheiratet ist?! Ich habe dazu keine Meldung gelesen – auch nicht mit der Google Suche. Stimmt das?

  2. Regine

    Bei der WM in Tryon gewann Ingrid Klimke Einzel-Bronze, die Mannschaft wurde Fünfte. Ein Fachmagazin sollte eigentlich nicht die einfachsten Fakten durcheinanderbringen…

  3. M. Bach

    Ja, ich war auch ganz überrascht, und dachte schon, es handelt sich bei dem „Ex“ um einen Druckfehler.

    Aber sie hat natürlich ein Recht darauf, selbst zu entscheiden, wie weit sie der Öffentlichkeit
    Einblick in ihr Privatleben gewährt. Schade, mir hat immer gefallen, wie Andreas Busacker
    und die beiden Töchter mit Ingrid zu den Turnieren gereist, und sich mit ihr gefreut haben.

    Da hat sie dann wohl eine ziemlich harte Zeit hinter sich: mit ihrer schwereren Verletzung
    in Polen, der Trennung von ihrem Mann – und nun auch noch den Verlust von Bobby.

  4. Dr. Monika Pothmann-Wirth, Tierärztin im Ruhestandstandmann-Wirth

    Ingrid Klimkes Art und ihre „Pferdephilosophie“, sowie früher die ihres Vaters waren mir in meinem ganzen „Leben mit Pferden“ , das immerhin schon über 55 Jahre andauert, ich werde dieses Jahr 70 Jahre, reite noch und betreue 10 Pferde, ein großes Vorbild! Auch, wenn man nicht das Können im Sattel hat, ist es mir ein großer Ansporn. Ich wünsche ihr und Bobby, so hieß mein erstes Pony, das mich 20 Jahre begleitete, alles Liebe und Gute, viel Spaß und Freude auf der Weide und ihr noch viele Erfolge und, wenn Mal weniger geritten wird, vielleicht noch viele tolle Bücher über ihre Erfahrungen. Danke für die Impulse!

    • M. Bach

      Ich habe mir Bobbys letzten Ritt im TV angesehen.

      Beim Start habe ich noch gedacht: „Unglaublich! 18 Jahre alt, und noch immer solch eine Energie, solch ein „Go“ – und solch eine Leistungsbereitschaft!“ Er galoppierte ganz gleichmäßig durch, war sehr eifrig und konzentriert bei der Sache. Er lief „wie am Schnürchen gezogen“. Es sah aus, als hätte er Spaß, wieder einmal draußen sein zu dürfen. Das Zuschauen hat Spaß gemacht.

      Und dann der Moment des Schreckens: wie aus dem Nichts. Urplötzlich lahmte er.
      Ingrid ist sofort aus dem Sattel gesprungen, „absitzen“ konnte man das nicht mehr nennen.
      Sie hat sofort gemerkt, was los war, hat auch gleich das richtige Bein abgetastet.
      (Manchen Reitern fällt sowas nicht einmal mehr auf, und sie reiten munter weiter.
      Ich denke da speziell an zwei Herrschaften aus dem „Großen Viereck“.)
      Bobby konnte da aber noch von Ingrid im Schritt aus der abgesteckten Geländestrecke geführt werden. Vielleicht ist die Sehne ja auch „nur“ angerissen? (WAs schon schlimm genug ist.)

      Es ist Ingrid kein Vorwurf zu machen, dass sie etwa den richtigen Moment verpasst hätte, Bobby völlig gesund in die Rente zu entlassen. Diesen Moment zu treffen, ist auch sehr schwierig, denke ich. Bobby hat jedenfalls mental oder physisch keine Anzeichen gezeigt, dass er keine Lust mehr hätte oder ihm alles zu viel wird. Er ist frisch und munter in seine letzte Geländestrecke gegangen, und es hat ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen.

      Traurig natürlich, dass er jetzt nicht noch die Chance hat, wie Braxxi kleine Geländestrecken oder zumindest Ausritte unter Jugendlichen oder Kindern zu mitzumachen. Schade!

      Muss nicht auch er eigentlich „abtrainiert“ werden? Ich stelle mir das schwierig vor, die Umstellung vom Kader- und Championats- zum Weidepferd so schnell problemlos zu schaffen. Ich wünsche ihm auch alles Gute, und nette Gesellschaft auf der Weide.


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