10 Dinge über den CHIO Aachen, die man kennen muss

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In Aachen hat sogar der Himmel eine besondere Farbe … (© Toffi)

Nur noch wenige Tage, dann ist es so weit: Am 14. Juli startet der CHIO Aachen 2017, das Weltfest des Pferdesports, DAS Reitturnier schlechthin. Zeit, für ein bisschen Hintergrundwissen.

Pferdestadt Aachen

CHIO Aachen Archiv

Na, wer war 2013 Partnerland des CHIO Aachen? (© CHIO Aachen Archiv)

Dass das Weltfest des Pferdesports ausgerechnet in Aachen beheimatet ist, war gewissermaßen Vorbestimmung. Denn es war einst das Pferd von Karl dem Großen, das der Legende nach mit seinem Vorderhuf eine der heißen Quellen freigescharrt hat, die die Badestadt berühmt gemacht haben.

Bis heute sind die Aachener den Pferden und ihrem „Tschio“ eng verbunden. Parallel zum Turnier tragen die Ladeninhaber der Stadt ihren ganz eigenen Wettkampf aus: Wer hat das schönste CHIO-mäßig dekorierte Schaufenster?

Zur aktuellen Abstimmung geht es übrigens hier.

Fast 200 Jahre Pferdesport in Aachen

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Mit Pferderennen fing alles an … (© CHIO Aachen Archiv)

1821 wurde das erste Pferderennen in Aachen-Brand auf der Heide ausgetragen. Das ist jedoch noch ein anderes Gelände als die Soers, die Heimat des CHIO. Aber schon damals war der Besuch der Pferderennen ein Vergnügen für alle – vom Tagelöhner bis zur feinen Gesellschaft traf sich alles auf der Brander Heide. „Und was machst Du so am Wochenende?“  „Vür fahre met de Modder noh dr Brand.“ Ah, ja!

1898 entstand durch diese beliebten Veranstaltungen der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV), der bis heute den CHIO ausrichtet – wobei man sich in der Namensgebung etwas schwer tat. Der Verein wurde ein paar mal umgetauft, ehe er 1926 seinen heutigen Namen erhielt.

Rennen, Reiten, Fahren

Trabrennen, Kaltblutrennen, Flachrennen, Hürdenrennen – Aachen bot für alle etwas! Die Reit- und Fahrprüfungen waren 1924 erst einmal Ergänzung zum Renngeschehen. Aber immerhin, nun wurde beim Aachener Turnier geritten und nicht mehr nur gerannt.

Geburtsstunde der Soers

Beinahe wäre das Turnier 1924 jedoch das letzte gewesen. Der Fiskus hatte zugeschlagen und eine „Lustbarkeitssteuer“ verlangt, die den Verein um ein Haar seine Existenz gekostet hätte. Aber dank der Unterstützung des Landkreises wurde am 1. August 1925 der „Rennplatz am Soerser Weg“ eröffnet. Schon das erste „Reit-, Spring- und Fahrturnier mit Geländeritt“ war ein voller Erfolg: 20.000 Zuschauer kamen in die Soers. Zu sehen gab es 19 Prüfungen, an denen damals 213 Pferde teilnahmen. Übrigens wurde auf einer neu angelegten drainierten Wiese geritten, dem heutigen Turnierplatz.

Erster Großer Preis von Aachen

Schon zwei Jahre nach dem ersten Turnier in der Soers wird die Ausschreibung international. Der Einladung an „Alle Pferdezucht und Pferdesport treibenden Nationen“ sind beim ersten Mal Reiter aus Dänemark, den Niederlanden, Ungarn, Österreich, Schweden, Italien und Bulgarien gefolgt. Sie trugen den ersten „Großen Preis von Aachen“ aus. Der Sieg blieb jedoch in Deutschland, bei Major R. Lotz und Olnad. Der erste Nationenpreis folgte zwei Jahre später, damals noch getrennt nach Männlein und Weiblein ausgetragen.

1921 wurde der Weltreiterverband FEI gegründet. Die FEI führte den Begriff Concours Hippique International Officiel, CHIO, ein. Der „Tschio“ ist geboren.

Fünf Disziplinen mit V-Power

Nach den Weltreiterspielen 2006 in Aachen – noch heute in den Augen vieler Aktiver und Beteiligter die besten WEG aller Zeiten – wurden aus den drei Disziplinen Dressur, Springen, Fahren fünf. Von nun an gehörten auch die Vielseitigkeit und das Voltigieren zum CHIO.

Perfekte Organisation + rheinische Herzlichkeit = CHIO

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Seit 1951 winken die Aachener den Reitern zum Abschied mit weißen Taschentüchern, begleitet vom Kassenhauer „Muss i denn“. (© CHIO Aachen Archiv)

Was als vergnügungssteuerpflichtiges Volksfest begann, ist inzwischen das wahrscheinlich professionellste Reitturnier der Welt.

Und doch auch immer noch dasjenige mit der warmherzigsten Atmosphäre, mit ehrenamtlichen Helfern (rund 1200 insgesamt), die seit Jahren zum Establishment des CHIO zählen und die man immer wieder trifft, mit Bräuchen, die seit Jahrzehnten unverändert Bestand haben – wie zum Beispiel die Verabschiedung der Reiter am letzten Tag, bei der die Taschentücher gezückt werden und es heißt „Muss i denn zum Städele hinaus“.

Um es mit Meredith Michaels-Beerbaum zu sagen: „Aachen ist Aachen.“ Es gibt auf der ganzen Welt kein Turnier, was dem Vergleich standhält.

Zahlen & Gänsehautmomente

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2006 wurde Isabell Werth mit Satchmo Weltmeisterin. Der Grand Prix Special der beiden im Hauptstadion rührte Zuschauer zu Tränen. Ganz zu schweigen von Satchmos Pflegerin, die am Ausritt auf ihren Schützling wartete und ihm weinend um den Hals fiel. (© Toffi)

Im Laufe der zehn Turniertage starten in Aachen 350 Pferdesportler aus 30 Nationen. Im Sport gehen 550 Pferde. Mit Show und Rahmenprogramm sind es 950.

Rund 350.000 Besucher kommen jedes Jahr zum CHIO Aachen. Allein das Hauptstadion fasst 40.000 Zuschauer. Die Aachener machen alljährlich einen großen und sehr sachkundigen Teil des Publikums aus. Um das Aachen-Feeling mal für Menschen zu beschreiben, die noch nie beim CHIO waren: Unter die „Öcher“ Mundart mischen sich die unterschiedlichsten Sprachen aus aller Herren Länder. Der Turnierplatz summt und brummt. So lange, bis es ernst wird. Und ernst wird es, sobald ein Reiter das Stadion betritt. Dann verstummt das Sprachenwirrwarr schlagartig. 40.000 Zuschauer im Hauptstadion, 6300 im Deutsche Bank-Stadion – sie alle werden so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Aber wenn dann eine Stange fällt oder ein fliegender Wechsel misslingt, dann geht ein enttäuschtes und mitfühlendes Raunen durch die Reihen. Und umgekehrt, wenn der Reiter fehlerfrei ins Ziel kommt oder bis zum letzten Gruß eine gute Prüfung gelingt, brandet kollektiver Jubel auf. Das ist Aachen. Das ist Reiten mit Gänsehautmomenten, nicht nur für die Akteure, sondern auch die Zuschauer. Hier sitzen Kenner des Sports, die alles quasi vom Sattel aus miterleben und mitfühlen.

Das kann auch schon mal zu Verwirrung führen. Als die dreifache Olympiasiegerin Charlotte Dujardin mit ihrem Paradeross Valegro 2014 ihren ersten Auftritt in der Soers hatte, lief es nicht rund für das erfolgsverwöhnte Paar. Dujardin meinte hinterher, es habe sie sehr irritiert, wenn sie an der Reaktion der Zuschauer auf den Tribünen im Deutsche Bank-Stadion ablesen konnte, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Aachen ist eben anders als andere Turniere.

Seriensieger

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Zweimal hintereinander haben Ludger Beerbaum und Goldfever den Großen Preis von Aachen gewonnen. 2009 ging der Olympiasieger beim CHIO auf seine letzte Ehrenrunde. Er ist nicht der einzige Große, der beim Weltfest des Pferdesports verabschiedet wurde. Auch Shutterfly hatte hier seinen letzten Großen Auftritt, den er mit dem Sieg im Preis von Europa krönte.

Sie ist die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt und auch die ungekrönte Königin Aachens: Isabell Werth. Auf ihrem Konto stehen insgesamt zehn Siege in Aachen, davon acht mit Gigolo hintereinander (von 1992 bis 1998) und zwei mit Satchmo (2007 und 2008).

Platz zwei in der Liste der ewig Besten teilen sich mit jeweils acht Siegen Josef Neckermann (1961 bis 1965, 1968, 1969 und 1971) und Dr. Reiner Klimke (1966, 1967, 1972, 1973, 1980 bis 1982 sowie 1984).

Erfolgreichster Springreiter ist Ludger Beerbaum, der 1996 auf Ratina den Jackpott knackte und 2002 und 2003 zweimal hintereinander mit Goldfever siegreich war.

EM 2015 – als Jeroen Dubbeldam mit HGW gleichzog

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Zenith mit Jeroen Dubbeldam auf dem Weg zum EM-Titel 2015. (© www.toffi-images.de)

Über Jahrzehnte hatten die besten Springreiter der Welt versucht, Hans Günter Winkler als erfolgreichsten Springreiter aller Zeiten zu überflügeln. Vergeblich. Aber dann ritt Hollands Jeroen Dubbeldam zum letzten Springen der EM 2015 in Aachen ein. Beziehungsweise er wollte. Aber wie bereits gesagt, Aachen hat seine eigenen Gesetze. Dubbeldams Zenith hatte sich ein paar Tage zuvor erschrocken als er nach Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci in den Parcours sollte, die Zuschauer jedoch noch die fantastische Nullrunde von Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci lautstark bejubelten. Das machte dem sensiblen Wallach Angst. Das wollte er sich kein zweites Mal antun. Dubbeldam brauchte all seine Überredungskünste, um Zenith am Finaltag noch einmal zu überreden, den Hexenkessel zu betreten. Er tat das mit der ihm eigenen Sensibilität und bewies damit an diesem Tag nicht nur, dass er der beste Springreiter Europas ist, sondern zudem noch ein echter Horseman: Gold, Europameister. Ein würdiger Meister in jeder Hinsicht!

Für das CHIO Magazin 2017 hat Holger Schupp den Europameister fotografiert. Die Aufgabe: Interviewfragen ohne Worte beantworten. Das ist das Ergebnis.

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Wie war das, zum ersten Mal in das Aachener Hauptstadion einzureiten?

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Wie fühlte es sich an, 2015 in Aachen Europameister zu werden? (© CHIO Magazin/Holger Schupp)

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Mit welchem Blick flößen Sie Ihrem Gegner Respekt ein? (Die zittern bestimmt! ;-)) (© CHIO Magazin/Holger Schupp)

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Was braucht ein Pferd für den Spitzensport? (© CHIO Magazin/Holger Schupp)

 

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Was raten Sie Nachwuchsreitern, die nach ganz oben wollen? (© CHIO Magazin/Holger Schupp)

Aber Logo!

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Das Aachen-Logo

2003 findet nicht nur das erste „Pferd & Sinfonie“ Konzert statt, das seitdem traditionell am ersten CHIO-Wochenende in der Deutsche Bank-Arena Hörerlebnis mit Augenschmaus zu einem Fest der Sinne vereint. 2003 war auch das Jahr, in dem das neue CHIO-Logo vorgestellt wurde, das seit den Weltreiterspielen 2006 zum CHIO gehört wie die Printen zu Aachen: der stilisierte Pferdekopf mit sieben Strichen in unterschiedlichen Farben. Jede Farbe steht für eine unter dem Dach des Weltreiterverbandes FEI geführte Pferdesportdisziplin, also Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahren, Voltigieren, Distanzreiten und Reining.

Walk of Fame? Gibt’s auch in Deutschland!

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Einer der größten Sterne der Reitsportgeschichte …

Wer braucht schon George Clooney, Will Smith & Co. wenn er Ahlerich, Gigolo und Rembrandt haben kann? Der CHIO Aachen hat seinen eigenen Walk of Fame, in dem jeweils ein Stern mit einem Hufeisen der 20 siegreichen Pferde der vergangenen Jahre eingelassen sind. Sie alle haben entweder den Großen Preis gewonnen, den Dressur-Preis oder die Vielseitigkeit. Und wer in Aachen gewinnt, der gehört sozusagen automatisch zur Weltspitze.

Museum – aber alles andere als verstaubt

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Das CHIO-Museum

2007 wurde das CHIO-Museum eröffnet. Hier kann man Reitstiefel von Springreiterlegende Hans Günter Winkler bewundern. Oder auch den Sattel, mit dem Nicole Uphoff und Rembrandt in den 1990er-Jahren die Dressurszene nach Belieben beherrschten. Geschichten und Anekdoten rund um die wechselvolle Geschichte des CHIO Aachen wird in diesem besonderen Museum greifbar gemacht. Eintritt und Führung (nach Vereinbarung) sind übrigens frei.

Shoppingparadies

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Brauchen Sie noch ein neues Auto? Beim CHIO werden Sie fündig! (© CHIO Aachen Archiv)

Wer mehrere Tage beim CHIO verbringen will, sollte sich darauf gefasst machen, dass er aus seinem Kleiderschrank für jede Witterungslage etwas gebrauchen kann. Mitte Juli ist alles möglich – brütende Hitze, Gewitter, eisiger Wind, der sich auf den hohen Tribünen besonders schneidend anfühlt, Starkregen. Man sollte also für alle Eventualitäten gewappnet sein. Aber selbst wenn etwas fehlen sollte, ist das kein Problem. 22.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit rund 200 Ständen sorgen dafür, dass alles, was fehlt, ersetzt werden kann, vom Regenmantel bis zur Sonnebrille. Und wer sich einen Zylinder handanfertigen lassen will, noch ein neues Auto braucht, oder sich eine Reitanlage planen lassen will, dem wird auch geholfen.

Sorry, keine Hunde

So tierlieb die Aachener auch sind, Hunde sind auf dem Turniergelände leider an allen Tagen auch an der Leine verboten.

Alle Infos zum Programm, Ticketshop usw. finden Sie auf www.chioaachen.de

PS: Oh my Deere!

Das Geheimnis für besten Boden in Aachen heißt seit diesem Jahr John Deere. Der Landmaschinenfabrikant stellt gewissermaßen Striegel und Kardätsche für die Aachener Reitplätze zur Verfügung.

 

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