Happy Birthday, Martin Plewa! Von einem Leben für die pferdegerechte Ausbildung

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Stets mit Leib und Seele in Action für gute Ausbildung: Reitmeister Martin Plewa feiert 70. Geburtstag! (© Xenophon/Dawina von Dieken)

Er war selbst im Vielseitigkeitssattel hoch erfolgreich, seine Schüler holten Olympisches Gold und er ist bis heute Ausbilder mit Leib und Seele – Martin Plewa feiert 70. Geburtstag. Herzlichsten Glückwunsch an einen Mann, der die Reiterei prägt.

Wer Martin Plewa bei einem Lehrgang erlebt, kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass er eigentlich hinter seinen Schülern im Sattel sitzt. Sein Unterricht ist anschaulich, punktgenau und im Mittelpunkt steht immer: die korrekte Ausbildung im Sinne des Pferdes. Da kennt er kein Pardon und wird schon mal streng. Auf der anderen Seite lobt er jeden Schritt in die richtige Richtung überschwänglich. Schon das Zuschauen bei seinen Lehrstunden ist ein Erlebnis, und wer einmal dabei war, weiß: Hier ist ein Ausbilder am Werk, der sein Handwerk nicht nur versteht, sondern aus tiefstem Herzen liebt. Ja, man merkt, hier ist ein Pädagoge am Werk! Schließlich war Plewa früher Gymnasiallehrer.

Aber seine Leidenschaft gehörte immer schon den Pferden. Ein kleiner Überblick über das Leben eines Mannes, der schon so ziemlich alle Ämter bekleidet hat, die es im Reitsport gibt.

In allen Sättel zuhause

Martin Plewa wuchs mit seinen vier Geschwistern in Vreden, NRW, als Sohn eines Pferdemannes auf. Sein Vater war gebürtiger Ostpreuße und diente im Zweiten Weltkrieg bei der berittenen Artillerie. Den Pferdevirus gab er seinen Söhnen Martin und Dietrich weiter.

Martin Plewa lernte von seinem Vater, aber auch von Größen wie Hans Winkel, Hans Heinrich Brinkmann, den Generälen Graf Rothkirch und Viebig, Paul und Albert Stecken, Max Habel sowie Willi Schultheis, Siegfried Peilicke, Hans Günter Winkler, Dr. Reiner Klimke, Rosemarie Springer. Kurz: Vom Who is Who der deutschen Reitlehre.

Das Ergebnis: Bronzemedaillen bei Deutschen Jugendmeisterschaften in Dressur und Springen, später dann Konzentration auf die Vielseitigkeit mit der Teilnahme an diversen Deutschen Meisterschaften, zwei Europa- und zwei Weltmeisterschaften, wo es einmal Bronze mit der Mannschaft gab.

Glück gehabt!

Martin Plewa hatte mehrere Pferde, die seinen reiterlichen Werdegang geprägt haben – die Pluchino xx-Tochter Pergola, die Velten-Tochter Virginia, der Trakehner Habicht v. Burnus AA. Doch ein Pferd war dabei, das hätte Plewa beinahe das Leben gekostet, ein irischer Vollblüter, dem es große Angst machte, wenn der Reiter auf seinem Rücken nicht kerzengerade und ruhig im Sattel saß. Plewa ritt ihn trotzdem in Vielseitigkeiten und als er eines Tages während einer Geländeprüfung etwas aus dem Gleichgewicht kam, stürmte das Pferd los. Plewa stürzte und schlug mit dem Kopf auf einem Baumstumpf auf. Er wurde ein halbes Jahr in ein Gipskorsett gezwängt, wurde aber wieder ganz gesund und konnte auch wieder reiten.

Grand Prix – das letzte Meisterstück

Das letzte Pferd, das Martin Plewa ausgebildet hat, war der Trakehner Hengst Grand Prix, der Ingrid Klimke den Weg in den Vielseitigkeitssport ebnete.

16 Jahre Bundestrainer

Nachdem er jahrelang Pferde ausgebildet hatte, wurde es zu seiner Passion, Reiter zu begleiten – und zwar vom Anfänger bis zum Spitzensportler. 16 Jahre lang begleitete Martin Plewa die deutschen Vielseitigkeitsreiter als Bundestrainer zusammen mit Horst Karsten. Unter anderem holten die deutsche Equipe unter seiner Ägide olympisches Mannschaftsgold 1988 in Seoul. Hinzu kommen Mannschaftsbronze und Einzelsilber bei den Olympischen Spielen 1992 (Herbert Blöcker) zwei Mannschaftsbronzemedaillen bei den Weltreiterspielen 1990 und 1994 sowie eine Silber- und eine Bronzemedaille mit dem Team und eine weitere in der Einzelwertung bei den Europameisterschaften 1985 und 1987.

Einmal Ausbilder, immer Ausbilder

Nachdem er das Amt des Bundestrainers an den Nagel gehängt hatte, wurde Martin Plewa 2001 Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster, dort, wo er einst selbst von Paul Stecken lernen durfte. Bis heute ist er ständig auf Achse für Lehrgänge und Fortbildungen.

Außerdem ist er seit 2009 Dozent an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen, Fachbereich Pferdewirtschaft.

Diverse Funktionen, viele Auszeichnungen

Chefrichter bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften auf der einen Seite, der Vorstand des Westfälischen Pferdemuseums auf der anderen Seite – Martin Plewa bringt sich ein, wo er nur kann in der Pferdewelt.

Er war vertreten in verschiedenen Gremien des Deutschen Sportbundes (DSB), des Nationalen Olympischen Komitees, der FN und des Landesverbandes sowie engagiert im Fachausschuss Vielseitigkeit der Deutschen Richtervereinigung. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat bei Xenophon, Stützpunkttrainer Westfalen und Mitautor der FN-Richtlinien.

Für sein großes Engagement und seine Verdienste wurde Martin Plewa mehrfach ausgezeichnet und geehrt. So darf er sich seit 2006 Reitmeister nennen und ist Träger des Deutschen Reiterkreuzes in Gold.

Familienbande

Der Name Plewa ist nicht nur in Verbindung mit dem Vornamen Martin ein Begriff im internationalen Pferdesport. Der drei Jahre ältere Bruder Dietrich war ein weltweit gefragter Fünf-Sterne-Richter und saß bei mehreren Championaten am Viereck, ehe er im vergangenen Jahr beschloss, sich künftig auf das Richten nationaler Prüfungen sowie von Jungpferden zu konzentrieren.

Martin Plewa selbst denkt indes noch lange nicht ans Aufhören. Jetzt, wo aufgrund der Corona-Pandemie keine Lehrgänge stattfinden dürfen, setzt er sich eben daheim in Warendorf, wo er mit seiner Frau Gabriele lebt und das Paar seine vier Kinder großgezogen hat, an den Schreibtisch und setzt sich in schriftlicher Form für gute Ausbildung und korrektes Reiten ein – das Ergebnis lesen Sie übrigens in den kommenden St.GEORG-Ausgaben auf den Xenophon-Seiten.

Wir gratulieren dem Reitmeister und Meisterausbilder aufs Allerherzlichste!