Spanische Hofreitschule: Skandal um Beritt eines Privatpferdes ohne Bezahlung

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Die Lipizzaner Hengste und ihre Bereiter vor dem Start zum Ausritt im Wiener Burggarten. (© Pauline von Hardenberg)

Erst der Ärger um die unzureichende Bewegung der Pferde, dann um das übermäßige Training und nun heißt es, dass der Aufsichtsratsvorsitzende einen Hengst für seine Tochter ausbilden lassen haben soll – auf Kosten der Wiener Hofreitschule.

Das berichtet der ORF, der im Zuge dessen auch Kontakt zu einem Mitarbeiter der Spanischen Hofreitschule in Wien hatte. Er berichtet, dass die Mitarbeiter der Spanischen Hofreitschule extrem unzufrieden mit der Situation seien. Denn eigentlich besagt die 455 Jahre alte Tradition der berühmten Hofreitschule in Wien, dass nur Reiter mit einer mindestens acht Jahre andauernden Ausbildung auf einem Lipizzaner Hengst der Hofreitschule Platz nehmen dürfen. Diese Richtlinie findet sich auch im Statut niedergeschrieben.

Doch für seine Tochter habe der Aufsichtsratsvorsitzende dies gekonnt ignoriert und tue das auch weiterhin. 2013 habe seine Tochter besagten Hengst zum Preis von circa 12.000 Euro erworben. Seitdem steht er in den Stallungen der Hofreitschule und wird dort von den professionellen Bereitern ausgebildet – während der Aufsichtvorsitzende lediglich für die Stallmiete in Höhe von 1.200 Euro aufkommt, heißt es im Artikel des ORF.

Auf Kosten des Staates

Der Mitarbeiter der Hofreitschule berichtet dort: „Er (der Aufsichtsratvorsitzende, Anm. d. Red.) mischt sich da schon ein und sagt: Wo sind die Bereiter für meine Tochter? Ich brauche jetzt jemanden am Heldenberg oder so. Die Bereiter und Bereiterinnen sind extrem unzufrieden mit der Situation, weil sie dafür nichts bezahlt bekommen. Und weil ja auch klar ist, dass auch die Hofreitschule nichts dafür bekommt“. Es werde zudem nicht nur das Pferd dort geschult, auch die Tochter erhalte kostenlose Reitstunden in der Hofreitschule. Und Klaus Kriszch, langjähriger Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule, macht seinem Unmut in einem Interview mit „Wien heute“ noch direkter Luft: „Es kann nicht sein, dass das Pferd in der Dienstzeit der Schule von einem Bereiter ausgebildet wird. Ein Privatpferd! Das ist ja schrecklich. So etwas hat es noch nie gegeben“.

Und nicht nur das: Der Aufsichtsratvorsitzende bezahle nicht nur Reitstunden und Beritt nicht, sondern habe darüber hinaus sämtliche Rechnungen von Tierarzt und Schmied der Hofreitschule überlassen. All diese Zustände bemängelte der Rechnungshof in seinem Bericht – rechtliche Schritte seien jedoch nicht eingeleitet worden. Das zuständige Landeswirtschaftsministerium sowie die Geschäftsführung der Hofreitschule ließen eine Stellungnahme zu der Angelegenheit laut ORF vermissen.

Experten schätzen die Höhe des Schadens für die Republik Österreichs auf rund 700.000 Euro – schließlich genoss der Hengst allerbesten Beritt, wodurch der Wert des Pferdes wohl enorm gesteigert wurde.

Von wegen Glanz und Gloria

Erst Ende Oktober hatte der Rechnungshof einen Bericht erstellt, in dem offen Haltung- sowie Trainingsbedingungen der Hofreitschule kritisiert wurden. Die bekannte Touristen-Attraktion plagen bereits seit 20 Jahren finanzielle Nöte. Um diese abzuwenden hätten die Bediensteten der Hofreitschule laut dem Rechnungshof-Bericht ihre Hengste zu oft hartem Training ausgesetzt. Das sei zu Lasten der Gesundheit der Pferde gegangen. Auch bemängelte der Rechnungshof die unzureichende Bewegung der berühmten Lipizzaner Hengste. Doch die Geschäftsführerin Sonja Klima wies die Vorwürfe in „Wien heute“ zurück und erklärte, dass die Pferde entgegen der Auffassung des Rechnungshofes sehr wohl genügend Bewegung bekommen würden mit zweimal täglich Schrittmaschine, Ausritten und weiterer, täglich stattfindender Bewegung.

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  1. Angelika Zimmermann

    Warum wird der Name von Herrn Johann Marihart, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Spanischen Hofreitschule, um dessen Verhalten es hier geht, nicht genannt?


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