60 Jahre John Whitaker

John Whitaker und Milton

Milton und John Whitaker - "das Pferd meines Lebens" (© Milton und John Whitaker - "das Pferd meines Lebens")

Heute feiert einer der größten Reiter aller Zeiten runden Geburtstag: Der Brite John Whitaker wird 60 Jahre alt. Der Meister über seine Pläne, seine Pferde und seine Motivation.

Fragt man international erfolgreiche Springreiter nach ihren Vorbildern, fällt sehr häufig der Name John Whitaker, allen voran Olympiasieger Steve Guerdat (SUI). Sein Instinkt, sein natürliche Art zu reiten, sein Siegeswille und seine Beziehung zu seinen Pferden sind vielen ein Vorbild. Ans Aufhören denkt der Mann aus Yorkshire noch lange nicht. Mit Argento hat er wieder ein Pferd unter dem Sattel, das die ganz großen Springen gewinnen kann. Das hat er beispielsweise im Februar dieses Jahres bei seinem Sieg im CSI5 Longines Grand Prix von Hongkong sowie bei diversen anderen Gelegenheiten bewiesen. Whitaker hat Argento selbst ausgebildet. Den Europameisterschaften in Aachen hat er allerdings eine Absage erteilt, weil der große Rasenplatz in der Soers dem Arko III-Sohn nicht liegen würde. Dafür peilt er Anfang Oktober die US-amerikanische Station der Longines Masters in Los Angeles an. Gewinnt er dort auch den Großen Preis, gibt es noch einmal einen 500.000 Euro Bonus.

Aber bei Longines ist man überzeugt, dass mehr als das Geld Johns Spielernatur und sein Sportsgeist seine größte Motivation sind. Zu seinem Ziel mit 60 sagte er: „Mein Ziel ist es, Spaß an meinem Sport zu haben. Es ist großartig, derartig in der Weltrangliste nach oben zu klettern (seit Juli ist er wieder unter den Top 20 der besten Springreiter der Welt), und ich möchte auf diesem Weg weitergehen, vielleicht sogar noch ein bisschen weiter und dort für ein paar Jahre bleiben. Anstatt mich auf einen speziellen Sieg zu konzentrieren – außer Los Angeles im Oktober – möchte ich lieber Woche für Woche konstante Leistungen zeigen. Ich will nicht auf Teufel komm raus gewinnen. Vor allem möchte ich auf diesem Niveau bleiben und Fortschritte machen. Es ist so schwierig heutzutage, weil da so viele sehr gute Reiter und Pferde sind. Das Niveau ist sehr hoch. Ich bin einfach glücklich, dass ich noch immer gegen diese Reiter antreten kann … und sie manchmal sogar schlagen kann. Ich liebe, was ich tue. Und zu gewinnen, ist ein extra Bonus. Aber so lange ich meine Rechnungen bezahlen und auf diesem Level bleiben kann, bin ich glücklich.“

Wenn die Rede von John Whitaker ist, muss zwangsläufig auch der Name Milton fallen. Dem Europameister von 1989 und zweifachen Weltcupsieger von 1990 und 1991 verdankt Whitaker einen Großteil seines Ruhms. Milton war in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Seine Schönheit, seine unvergleichliche Art zu springen und seine Ausstrahlung zogen jeden in seinen Bann. Es gibt Stimmen die sagen, ein Pferd wie Milton habe es seitdem nie wieder gegeben, eines das neben allem sportlichen Erfolg auch noch eine solch einzigartige Persönlichkeit darstellte. „Milton war einzigartig, das Pferd meines Lebens“, bestätigt John Whitaker. „Milton war ein Traumpferd – abgesehen von seinem Springstil, auch mit seiner Farbe und seinem Temperament. Er hatte alles und er war großzügig. Man musste ihn nie antreiben. Er reagierte immer auf seinen Reiter und versuchte alles, um zu helfen.“

Milton ist die Vergangenheit, Argento die Gegenwart. Ihn hat Whitaker Schritt für Schritt aufgebaut. Über ihn sagt der Altmeister: „Ein liebenswerter Hengst, der immer meint, er könnte machen was er will … er hat wirklich schlechte Manieren. Aber er ist eine echte Persönlichkeit. Zuhause und bei der Arbeit wird er schnell faul und nach ein paar Minuten ist es schwierig, ihn dazu zu bringen, sich zu bewegen. Aber auf Turnieren ist er ein anderes Pferd, sehr engagiert. Im Parcours macht er seinen Job und gibt alles. Da ist er konzentriert und hellwach und will alles richtig machen. Die übrige Zeit, das muss ich zugeben, macht er es einem nicht leicht.“

Dann kann er sich ja freuen, dass er in Los Angeles wieder Parcours reiten darf. Last but not least geht es dort ja auch um eine halbe Million Euro für ihn. John: „Natürlich komme ich. Das ist eigentlich das erste, was zu tun ist: Wenn ich den L.A. Longines Grand Prix gewinnen will, ist die Grundvoraussetzung, dass ich vor Ort bin.“ Für den wortkargen Briten ein auffallend langes Zitat. Eigentlich ist er bekannt für knappe Zwei-Wort-Sätze. Legendär auch seine Analyse, nachdem er einmal durch einen Abwurf am letzten Sprung den Weltcupsige verpasst hatte. Auf die Frage eines Reporters, was geschehen sei, antwortete Whitaker gewohnt trocken: „The horse didn’t jump high enough“, das Pferd ist nicht hoch genug gesprungen, und auch auf die Frage, was am schwierigsten im Parcours gewesen sei, nuschelte Whitaker in seinem Yorkshire-Dialekt die perfekte Antwort, „the fences“  – die Hindernisse.

Seiot 30 Jahren lebt John Whitaker mit seiner Frau Clare auf der Heyside Farm in Yorkshire, die beiden haben drei Kinder, die allesamt im Springsattel erfolgreich sind. Allen voran Sohn Robert Whitaker, der in Aachen bei der EM für sein Land an den Start gehen wird.

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