Balve: Julie Mynou Diederichsmeier ist Deutsche Meisterin der Springreiterinnen 2019

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Julie Mynou Diederichsmeier und Carlucci, Balve Deutsche Meisterschaften 2019 (© von Korff)

Mit dem Idealergebnis von null Fehlern nach drei schweren Parcours hat Julie Mynou Diederichsmeier die Deutsche Meisterschaft der Springreiterinnen gewonnen. Sophie Hinners, die mittlerweile in den Niederlanden reitet, gewann Silber vor Lokalmatadorin Kathrin Müller.

Mit dem 13-jährigen Schimmelwallach Carlucci blieb Julie Mynou Diederichsmeier dreimal ohne Abwurf. Der 36-jährigen aus Ahlen gelang dieses Kunststück als einziger Reiterin in beiden Wertungsprüfungen der Meisterschaften mit insgesamt drei Umläufen. Mit ihrem Meistertitel zog sie mit ihrer Schwester Mylene, der Meisterin von 2002. Mylene kann außerdem zweimal Bronze bei Deutschen Meisterschaften vorweisen. Zusätzlich hat die ältere Schwester der neuen Deutschen Meisterin 2004 das Kunststück fertiggebracht, sowohl bei den Reiterinnen als auch in der Offenen Deutschen Meisterschaft (also mit den Herren) auf dem Treppchen zu stehen.

Julie Mynou Diederichsmeier: zwei Tage Geburtstag, beinahe …

„Die Deutschen Meisterschaften stehen für mich jedes Jahr im Fokus. Ich habe schon oft teilgenommen, habe mir eine Medaille so sehr gewünscht! Dass es jetzt sogar die Goldmedaille geworden ist, macht mich überglücklich“, sagt Julie Mynou, die jahrelang die „kleine Schwester“ der älteren Mylene Diederichsmeier war, und kann die Freudentränen, die schon nach dem Ritt auf dem Abreiteplatz reichlich geflossen waren, nicht unterdrücken.

Der Holsteiner Carlucci v. Calido-Accord II steht seit zweieinhalb Jahren in ihrem Stall, zunächst als Berittpferd. „Ich hatte noch nie ein Pferd, das so gut zu reiten ist wie Carlucci. Deshalb habe ich meinen Vater überredet ihn zu kaufen. Ich bin so froh, dass er das getan hat“! Gestern feierte die Reiterin ihren 36. Geburtstag, „da hat Carlucci mir den Sieg in der ersten Wertungsprüfung geschenkt. Heute habe ich zu ihm gesagt ich habe immer noch ein bisschen Geburtstag, das hat er wohl geglaubt und mir diesen Titel geschenkt“.

Silber-Sophie und Captain Canada

Ebenfalls ohne einen Abwurf, aber mit einem Strafpunkt für Zeitüberschreitung aus dem ersten Umlauf der zweiten Wertungsprüfung gewann Sophie Hinners mit dem 11-jährigen Valentino-Sohn Vittorio die Silbermedaille. Die erst 21-Jährige stammt aus Sittensen in Niedersachsen und hat schon als Juniorin und Junge Reiterin durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Ihre Ausbildung machte sie bei Hergen Forckert um danach in den Handels- und Ausbildungsstall Hendrix in den Niederlanden zu wechseln. Dort arbeitet sie seit Juli 2018 und ist „sehr, sehr glücklich“, berichtet die junge Frau.

von Korff

Sophie Hinners und Vittorio, Silbermedaille Deutsche Meisterschaft Balve 2019

Bei den Deutschen Meisterschaften hatte sie lediglich gehofft ins Finalspringen zu kommen, „dass es dann zur Silbermedaille gereicht hat, hat meine Erwartungen weit übertroffen“. Vittorio, der Hannoveraner Wallach, der ihr zu diesem überraschenden Erfolg verholfen hat, hat berühmte Vorreiter. Zunächst war er bei Max Kühner, danach für ein Jahr bei Ian Miller, alias „Captain Canada“, in Kanada. Von dort kam er in den Stall Hendrix, just eine Woche nachdem Sophie Hinners dort angefangen hatte. „Ich finde wir sind ein tolles Team“.

Local Hero Kathrin Müller mit Bronze

Den größten Jubel des Publikums aber bekam die Gewinnerin der Bronzemedaille, Lokalmatadorin Kathrin Müller aus Arnsberg mit Felitia. 2012 stand sie schon einmal bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Treppchen, als sie mit Shakespeare die Silbermedaille gewann. Die Sauerländerin, 32, hatte mit Felitia und Cannon gleich zwei Eisen im Feuer, lag auch vor dem letzten Umlauf mit Canon an aussichtsreicher dritter Position. „Bei dem Wallach war dann wohl aber die Luft raus“, meinte Müller, nachdem sie im Parcours drei Abwürfe hatte.

von Korff

Kathrin Müller und Felicita, Bronzemedaillengewinnerin Deutsche Meisterschaft Balve 2019 (© von Korff)

Viel besser machte es Felitia, die sich lediglich in der ersten Wertungsprüfung einen Abwurf leistete, sonst aber strafpunktfrei blieb. So verhalf sie ihrer Reiterin nicht nur zur Bronzemedaille, sondern auch noch zum Sieg in der zweiten Wertungsprüfung mit null Strafpunkten, 70,05 Sekunden im zweiten Umlauf vor Julie Mynou Diedrichsmeier (0/70,65). „Felitia ist eigentlich mein Erstpferd. Wir hatten schon oft Verletzungspech, umso mehr freue ich mich heute über die Bronzemedaille und den Sieg in der Prüfung“, beschreibt sie die Karriere der belgischen Stute v. Querlybet Hero, die im Besitz ihres Vaters Bernd Müller steht. „Ich bin superglücklich. Deutsche Meisterschaften sind immer ein Highlight, hier in Balve besonders. Der große Fanclub, der mich hier unterstützt, ist Fluch und Segen zugleich. Die Erwartungen setzen mich natürlich noch mehr unter Druck, aber es ist natürlich auch toll, wenn sich so viele mitfreuen“.

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Das Nachsehen hatte Tina Deuerer aus Baden-Württemberg. Neben Kathrin Müller war Deuerer mit Clueso die einzige Reiterin, die ebenfalls nur vier Strafpunkte in der Meisterschaftswertung auf dem Konto hatte. Da sie den Abwurf jedoch in der höher bewerteten zweiten Wertungsprüfung hatte, blieb ihr nur der undankbare vierte Platz.

Hohe Erwartungen hatte das Publikum an Weltmeisterin Simone Blum mit Cool Hill gestellt. Ein Fehler am Wassergraben und ein Abwurf am Einsprung der Kombination machte alle Hoffnungen zunichte. Dazu kam in jedem Umlauf je ein Strafpunkt für Zeitüberschreitung, da reichte es am Ende nur zum zehnten Platz in der Meisterschaftswertung.

Co-Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann lobte die Konkurrenzen der Springreiterinnen. „Das war hier Super-Sport, alles andere als alltäglich, was die Damen hier geleistet haben. Die erste Prüfung war schon ansprechend, heute der erste Umlauf echt knackig, technisch sehr anspruchsvoll“, beschreibt er den gesamten Wettbewerb. „Sophie hat vielleicht heute im ersten Umlauf etwas gebummelt, aber sie ist ja auch noch jung. Glückwunsch an Mynou, sie hat wirklich sensationell die Nerven behalten. Als letzte Starterin war das gar nicht so einfach“. Engemann attestierte den Springreiterinnen „ein hohes Niveau, auf dem diese Meisterschaft ausgetragen wurde“.

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