DM Balve 2021: Tobias Meyer erstmals Deutscher Meister Springreiter

BALVE – Longines Balve Optimum 2021

Tobias Meyer, Deutscher Meister 2021 (© Balve Optimum/Thomas Hellmann)

Der 33-jährige Tobias Meyer ist auf dem zehnjährigen Greatest Boy v. Carrera-Great Pleasure (KWPN) neuer Deutscher Meister geworden. Beim Balve Optimum verwies er im Stechen (0/36,33) seinen einzigen Konkurrenten um die Goldmedaille, Maximilian Weishaupt (30) mit der zehnjährigen Levisonn-Candillo-Tochter Omerta Incipit (Bayern), auf den Silberplatz (0/37,17).

Nur diese beiden Reiter waren in zwei Wertungsprüfungen mit insgesamt vier Runden ohne Abwurf geblieben.

Auch als das obligatorische Bad im Wassergraben und die Champagnerdusche längst schon Geschichte waren, konnte Tobias Meyer sein Glück kaum fassen. „Das ist ein ganz besonderer Tag“, sagte er und wischte sich immer wieder die Tränen aus dem Gesicht. „Als ich hierher gefahren bin, habe mit allem möglichen gerechnet, aber nicht damit, dass ich Deutscher Meister werde.“

Tobias Meyer: Neuer Sponsor, neue Anlage

Sein Pferd Greatest Boy machte an diesem Samstag in Balve seinem Namen alle Ehre. „Wahnsinn, was dieses Pferd in fünf schweren Parcours geleistet hat“, so Tobias Meyer „Ich habe ihn erst seit sieben Monaten, er war sehr kompliziert, aber wir, meine Frau und mein Sponsor, haben immer an ihn geglaubt. Ich habe ihn die letzten Monate immer ein bisschen schwerer geritten, aber nie so schwer wie heute.“ Er dankte auch seinem Trainer Tjark Nagel, der ihn in Balve coachte. „Tjark hat vor dem Stechen gesagt, bleib ganz ruhig, Silber haben wir schon, aber jetzt wollen wir die Goldmedaille.“

Zur Zeit betreibt Meyer noch in Friesoythe einen eigenen Stall. In Johannes Heinrichs aus Heinsberg hat er einen neuen Sponsor gefunden, der ihm 36 Pferde zur Verfügung stellt und im niederländischen Weert eine neue Reitanlage für ihn baut.

Auch Maximilian Weishaupt, der jüngere Bruder des Beerbaum-Stalljockeys Philipp Weishaupt, war von seiner Silbermedaille ein wenig überrascht. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte der 31-Jährige. „Wenn meine Stute einen schnelleren Reiter gehabt hätte, hätten wir auch gewonnen.“ Die Levisonn-Candillo-Tochter Omerta Incipit sprang sicher und geschmeidig – egal, was da stand.

Stühlmeyer: „Habe EM noch auf dem Zettel“

Schon vor dem Stechen stand als Dritter der 31-jährige Patrick Stühlmeyer auf Carmina fest, für ihn die zweite Bronzemedaille nach 2013. Es standen am Ende vier Fehler zu Buche, den Ausschlag für den dritten Platz gab das bessere Ergebnis in der zweiten Wertung mit zwei fehlerfreien Umläufen. Die zehnjährige Casall-Tochter Carmina hat Stühlmeyer erst seit vier Monaten unter dem Sattel, vorher wurde sie von Laura Klaphake geritten. Stühlmeyer bestes Pferd, Varihoka du Temple, war nicht in Balve. Einen Start bei den Europameisterschaften in Riesenbeck kann sich der 31-Jährige aber durchaus vorstellen, „die Euro habe durchaus noch auf dem Zettel.“

Marcus Ehning, der einzige Springreiter aus dem Olympiakader, der den Weg nach Balve gefunden hatte, vergab einen Platz auf dem Podium mit einem Abwurf im letzten Umlauf, als der zehnjährige Plot Blue-Sohn Priam du Roset etwas unkonzentriert den ersten Sprung mitnahm. Er musste sich mit vier Fehlern den vierten Platz mit Cedric Wolf teilen (23), der auf dem mit viel Metall und Leder gezäumten elfjährigen Crossfire-Sohn Chicitito ebenfalls im letzten Umlauf zum ersten und einzigen Mal patzte.

Mit seinem zweiten Pferd Stargold wurde Ehning auch noch Sechster, gemeinsam mit Simone Blum auf Cool Hill, die ihre Chancen bereits im ersten Umlauf mit zwei Abwürfen verspielt hatte, und Philipp Schulze-Topphoff auf Concordess, alle drei mit acht Punkten.

Den 25-jährigen Guido Klatte auf dem 14-jährigen Qinghai – auch er bis dahin noch gut im Rennen – ereilte das Schicksal auf der letzten Linie des letzten Umlaufs. Der kleine Fuchs, von seinem kräftigen Reiter schon vorher mit deutlichen Hilfen über den Kurs geschoben, kam schlecht in die Dreifache. Am Aussprung, einem Oxer, war dann die Luft raus. Die Stangen flogen durch die Gegend und Klatte musste sein Pferd vor dem nächsten Sprung anhalten. Das kostete natürlich Zeit. Am Ende standen elf Punkte zu Buche. Das war dann nur noch Platz zehn, hinter Jana Wargers auf Limbridge. Wie schon am Donnerstag lieferte sie die stilistisch besten Runden ab. Es war ein Vergnügen, diesem Paar zuzuschauen, wie der zwölfjährige Limbus-Sohn, von seiner Reiterin mit feinen Hilfen unterstützt, bei jedem Sprung die Chance bekam, sich mit gespitzten Ohren und langem Hals fliegen zu lassen. Zeitfehler und je ein Abwurf in beiden Finalkursen verhinderten einen besseren Platz.