Nationenpreis EM-Springen: Blum und Deußer ohne Fehler, Deutschland Zweiter in Zwischenwertung

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Simone Blum und DSP Alice, EM Rotterdam 2019 (© Pauline von Hardenberg)

Zweimal null, aber auch zweimal acht Fehler – nach dem ersten Umlauf des Nationenpreises bei der Europameisterschaft der Springreiter in Rotterdam liegt Team Deutschland auf dem zweiten Rang. Dank fehlerfreier Runden haben sich Daniel Deußer und Simone Blum auf die Plätze vier und sechs in der Einzelwertung vorarbeiten können.

Die vier Nullrunden vom Zeitspringen am Mittwoch sind Geschichte, die Führung der deutschen Springreiter bei der Europameisterschaft in Rotterdam ist weg. Jedenfalls für heute nach der ersten Nationenpreis-Runde. Zwei Nullrunden von Simone Blum und Daniel Deußer, jeweils acht Fehler von Christian Ahlmann und Clintrexo und Marcus Ehning mit Comme il faut kosteten den Spitzenplatz.

Entscheidung im Nationenpreis am Freitag

Doch erst morgen, nach dem zweiten Nationenpreis-Umlauf, wird abgerechnet und für die Reiter von Bundestrainer Otto Becker ist der Traum vom Mannschaftsgold noch nicht ausgeträumt. In Führung gingen mit 11,4 Strafpunkten die Belgier mit dem Idealergebnis von drei Nullfehler-Ritten. Der Abstand zu den nunmehr auf Platz zwei zurückgedrängten Deutschen (12,22) beträgt etwas mehr als einen Zeitfehler, weniger als einen Springfehler.

Gleichfalls sehr knapp ist die Differenz zu den Briten (13,42), vorläufig auf Platz drei. Sowohl Belgier als auch Briten kämpfen noch um ihre Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Außer ihnen haben auch die Franzosen (4.) und die Italiener (6.) Chancen auf einen der drei noch freien Plätze. Deutschland und Schweden haben sich bereits bei der WM in Tryon 2018 qualifiziert.

In der Einzelwertung hat sich der Brite Ben Maher auf Explosion mit einer fehlerfreien Runde an die Spitze vorgearbeitet (0,62). Ihm folgen der Schweizer Weltranglistenerste Steve Guerdat auf Bianca (1,31) und der Franzose Alexis Deroubaix  auf Timon d’Aure, 1,40.

Bester Deutscher ist Daniel Deußer auf Tobago, Platz vier (1,47). Simone Blum liegt mit Alice auf Platz sechs (2,21). Christian Ahlmann auf Clintrexo ist 20. (9,19). Marcus Ehning auf Comme Il Faut 24.(9,56).

Anforderungen deutlich höher – in jeder Hinsicht

Der Parcours war im Gegensatz zum Vorwärtskurs im Zeitspringen am Mittwoch nicht nur bis zu zehn Zentimeter höher, die Pferde mussten auch immer wieder deutlich zurückgenommen werden. Einige schmale Steilsprünge mit ganz dünnen Stangen, provozierten mehr Fehler als zunächst vermutet.

Mit einer sicheren Nullrunde legte als erste deutsche Starterin Simone Blum mit Alice vor, da schauten alle noch sehr zufrieden. „Das war der Plan “, sagte Simone Blum nach ihrem Ritt. „Aber im Nachhinein habe ich gestern gedacht, ich wäre doch besser unter den ersten zehn gewesen.“ Sie war bis dahin 13. Womöglich entscheidet am Ende die bessere Zeit im ersten Springen über Titel und Medaillen. Christian Ahlmann konnte die Glanzrunde von Mittwoch nicht wiederholen. Der ansonsten sicher springende Clintrexo patzte am Steilsprung hinter dem Wassergraben, einer der häufigsten Fehlerquellen, und am Steilsprung Nummer elf aus weißen Planken, dessen oberstes Element eigentlich nur eine dünne Latte war, die bei leisester Berührung fiel. Die Umstellung vom Vorwärtskurs am Mittwoch zum heutigen Parcours, bei dem die Pferde immer wieder zurückgenommen werden mussten, hatte der Schimmelhengst offenbar noch nicht verinnerlicht.

„Commie“ mit untypischen Fehlern

So ging es auch Comme il Faut. „Eigentlich sprang mein Pferd besser als gestern“, sagte Marcus Ehning, „und ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals zwei Fehler an Steilsprüngen hatte.“ Außer der weißen Planke fiel die Stange an einem weiteren, schmalen luftigen Steilsprung gleich nach einer Linkswendung. „Ich kam zu dicht dran, ich hätte einfach besser reiten müssen,“ erklärte er. Dabei gab sich der kleine braune Hengst wieder alle Mühe, schnellte mit ganzer Kraft über die Oxer und tat, was er konnte. Die Hoffnungen der Mannschaft, noch im Medaillenbereich zu bleiben, ruhten nun auf dem letzten Starter der Prüfung, Daniel Deußer mit Tobago. Der rettete mit einer mühelosen Nullrunde vorläufig Platz zwei im Teamwettbewerb der Europameisterschaft. „Als ich den Parcours abging, da dachte ich, was würde mehr Nuller geben“, sagte Deußer. Am Ende blieben elf von 68 Paaren ohne Abwurf.

Die Parcoursgestaltung war wie schon im Zeitspringen äußerst zurückhaltend. „Keine neuen Hindernisse, die man noch nicht gesehen hat, wie sonst auf Championaten“, sagte Daniel Deußer. „Das sind Hindernisse, die wir in den letzten Jahren auch schon gesprungen sind.  Wenn die Pferde neue Hindernisse sehen oder Riesenständer, dann gucken die schon mehr.“ So denken die Pferde womöglich, ist ja wie zuhause. Wozu also der Stress? Bundestrainer Otto Becker klopfte Deußer nach seinem Ritt erleichtert auf die Schulter. Noch ist nichts verloren, weder Medaille noch Titel.

Auch in den anderen Teams tat sich noch einiges. Zunächst kämpften sich die Belgier, die sich quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zogen, vom Platz acht auf die Pole Position. Pieter Devos auf Claire Z, Jos Verlooy auf Igor und Gregory Wathelet auf Nevados fanden endlich zu der Klasse, die man von ihnen kennt. Jerome Guery lieferte mit acht Punkten das Streichergebnis.

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Auch die Briten zeigten, wozu sie nach Rotterdam gekommen sind. Ben Maher auf Explosion, Dritter im Großen Preis von Aachen, blieb wieder souverän ohne Fehler. „Der Name ist Programm“, sagte der als Zuschauer gekommene Ludger Beerbaum anerkennend. Maher muss „nur“ noch ohne Fehler bleiben bis zum Ende des Turniers, dann ist der Titel seiner. Und der zehnjährige Chacco Blue-Sohn sah nicht  so aus, als hätte er vor, eine Stange niederzutreten.

Der schwedische Titelverteidiger Peder Fredericson auf All In fiel durch einen Abwurf auf Platz acht zurück. Für ihn wird es schwer werden, den Sieg von Göteborg 2017 zu wiederholen. Aber noch kann viel passieren, denn: Die Messe ist noch nicht gesungen!

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