EM Rotterdam 2019: Liveticker Grand Prix Special

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Liveticker Grand Prix Special, EM Rotterdam 2019 (© www.st-georg.de)

Bei den Europameisterschaften in Rotterdam wird seit 16 Uhr in der Dressur um die Einzelmedaillen geritten. Im Liveticker vom Grand Prix Special gibt es nach jedem Ritt ein Update.

Ein erstes Fazit noch vor der Siegerehrung:

  1. Gold für Isabell Werth (das 19. EM-Gold!), Silber (die erste Einzelmedaille) für Reitmeisterin Dorothee Schneider, Bronze (erneut nach 2017) an Dänemarks Dreamteam Dufour und Cassidy.
  2. Isabell Werth liefert, wenn geliefert werden muss!
  3. Aber Dorothee Schneider ist mit Showtime gerade im Grand Prix Special eine ganz ernst zu nehmende Konkurrenz für Bella Rose!
  4. Die Einerwechsel sind wohl auch ohne Koeffizient die Lektion, die den Ausschlag gibt.
  5. Ein besch… Auftakt eines Championats kann ein gutes Ende nehmen, gell Jessi?
  6. Schönes Reiten zahlt sich aus. Trotzdem: Prominenz und Punkte haben wohl einen größeren Zusammenhang als nur den gemeinsamen Anfangsbuchstaben.
  7. Armer Sönke Rothenberger. Die Fehler waren teuer. Aber mit über 78 Prozent nicht mehr Kür reiten zu dürfen, ist bitter.
  8. Irland? Das war doch eigentlich die Nation der Busch- und Springreiter… Gratulation an Judy Reynolds und den so frischen Vancouver!
  9. Jetzt werden wir uns hier mit den Sportlern unterhalten, die Pressekonferenz abwarten und dann ausführlich in Wort und Bild berichten. Also
  10. SPÄTESTENS Morgen früh wieder st-georg.de anklicken. Danke für die Aufmersamkeit! 😉

 

22.00 Uhr

Daniel Bachmann Andersen (DEN) und Zack
Eben der Sohn, nun der Vater. Beide schon mit hoch erfolgreicher Nachzucht, wie die Ergebnisse der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde vor ein paar Wochen in Ermelo gezeigt haben. Dass der Vater, Zack, vorgestern hinter seinem Sprössling eingeordnet worden war, das konnte nicht jeder verstehen. Es war die Russin Irina Maknami, die mit ihrer Bewertung dafür gesorgt hatte. Heute sitzt die Richterin bei H. Mal sehen, wie sie diesmal entscheidet beim zweiten, diesmal direkten Aufeinandertreffen der beiden auch züchterischen weltweit begehrten Hengste.
Daniel Bachmann Andersen sitzt herrlich zu Pferd, der Rousseau-Sohn arbeitet gut über den Rücken. Kadenziert, aber nie schwebend absolviert er den versammelten Trab. Schnell sind die Noten bei 83 Prozent. Schön im Fluss und mit weitem Kreuzen beiden Trabtraversalen (8,2). 81,5 Prozent zeigt der Notenschnitt vorm Schritt. In die erste Piaffe stolpert der Hengst ein bisschen hinein, die zweite hat zu wenig Tritte (6,0). Nun steht eine 75 auf der Anzeigetafel mit der Zwischenwertung. Daniel muss jetzt im Galopp punkten! Zweierwechsel: 8,7, Einerwechsel: 8,6 – die Jagd hat begonnen! Starker Galopp: 8,4 Erste Pirouette etwas groß angelget (8,1), dann ein Fehler in den Einerwechseln (4,8). Die anschließende Pirouette wieder gut (8,1). Der Fehler in den neun Einerwechseln wiegt schwer! Da helfen auch die restlichen Lektionen nicht. 77,234 Prozent – Platz zehn.

 

21.55 Uhr

Edward Gal (NED) und Zonik

Der im Grand Prix überraschend an vierter Stelle rangierte kalibrige Hengst hatte die niederländische Volksseele besänftigt. In Rotterdam ohne Medaille, das hatten die Niederländer befürchten müssen. Die Mannschaftsmedaille verdankte das Oranje Team der Bewertung von Zonik, dass es die silberne wurde, Charlotte Dujardin.
Wie schon im Grand Prix fußt der Zack-Sohn hinten immer wieder ungleich. Der Dunkelbraune geht aber geschmeidiger als im Grand Prix. Die Passagen werden mit Noten um 7,0 bewertet. Vorm Durchparieren zum Schritt fußt ein Hinterbein deutlich stockend. Im starken Schritt (8,0) punktet Zonik. Der dänische Hengst ist im weiteren Verlauf der Prüfung immer häufiger ungleich im Hinterbein. In den Zweierwechseln springt der Hengst die fliegenden Wechsel nach links tendenziell kürzer. Die Pirouetten sind im guten Bereich (7,9 und 7,7). Am Ende des starken Trabs stockt der Zack-Sohn vor der Ecke, fällt beinahe in den Schritt. Auf der Mittellinie in der Piaffe bei X tritt das rechte Hinterbein deutlich höher bei jedem Tritt (7,5). 77,994 Prozent

 

22.40 Uhr

Isabell Werth (GER) und Bella Rose

Das Duell der Oylmpiasiegerinnen musste auf das kommende Jahr verlegt werden. Mal sehen, mit welchen Pferden Charlotte Dujardin (GBR) und Isabell Werth 2020 zu den Olympischen Spielen in die japanische Metropole reisen. Nach dem Ausfall von Freestyle ging die 15-jährige Westfalenstute v. Belissimo M-Cacir AA unter der Nummer eins der Welt als absolute Titelaspirantin ins Viereck.
Nach den ersten drei Lektionen ist Isabell Werth noch Zweite der Zwischenwertung. Im starken Trab zu Beginn der Aufgabe reicht sie nicht an Showtime heran, auch wenn die Passagen und die Traversalen deutlich über 9 beurteilt werden. Der Durchschnitt der Passage-Noten pendelt sich bei 9,4 ein. Vorm Schritt führt noch Dorothee Schneider mit ungefähr einem Prozentpunkt Vorsprung. Und auch starker Schritt (7,4) sowie versammelter Schritt (6,6) reichen nicht an Showtime heran. Dann die erste Piaffe 9,9! Passage (9,6), zweite Piaffe mit etwas höherer Kruppe (9,6) – jammern auf allerallerhöchstem Niveau … Übergang 10,0! Galopptraversalen gelingen gut (8,0 und 7,9) die Zweierwechsel (7,7) und die Eintempi-Galoppwechsel (7,7). Mal liegt Dorothee Schneider vorne, mal Isabell Werth. Es geht um die zweite Nach-Komma-Stelle. Dann die Pirouette nach links (7,8) und neun Einerwechsel: Bella Rose springt die Rechtspirouette auf kleinstem Kreis (7,9). Es ist immer noch ganz knapp. Dann der starke Trab, Vorteil Showtime! (7,5). Die letzte Linie entscheidet diese Europameisterschaft – Passage: 9,9, Piaffe 10, von allen Richtern.
Die bisherige persönliche Bestleistung von Bella Rose und Isabell Werth stammt von der WM in Tryon 2018. 86,246 Prozent. Jetzt sind es in Rotterdam 86,520, das ist der Titel.

 

22.30 Uhr

Sönke Rothenberger (GER) und Cosmo

Das Paar wirkt frischer als im Grand Prix. Passage-Bewertungen bis 8,5, aber in den Traversalen knapp an der Acht vorbei (7,9). Dann eine erste 8,6 für die Passage. Nach den ersten Lektionen und vorm Schritt liegt das Paar bei 81,875 Prozent. Im versammelten Schritt (6,9) muss Cosmo äppeln! Vor der Piaffe!! Die gelingt dafür noch gut. Höhepunkt der Prüfung ist die zweite Piaffe, sie besticht durch viel Gleichmaß (8,4). Die Noten nun knapp unterhalb der 80 Prozent für den zwölfjährigen Wallach. Dann Galopp: Nach X ein Fehler in den Zweierwechseln (4,4), dafür sind die Einerwechsl wieder gut (8,1). Aber dann: Nach dem starken Galopp, springt Cosmo zu früh um und in den Kreuzgalopp, fällt dann aus (3,6). Die anschließende Pirouette gelingt (7,7), dann Fehler in den Einerwechseln (5,4) und eine 7,8 für die Rechtspirouette. 78,115 Prozent insgesamt. Die Kür wird es wohl nicht mehr werden.

 

21.20 Uhr

Dorothee Schneider (GER) und Showtime

„Ho, ho, der junge Mann ist an“, das war der erste Eindruck, den Dorothee Schneider am Montag hatte, als Showtime ins Viereck kam. Und heute? Perfektes Halten (8,4) zum Gruß auf allen vier Füßen. Schwungvoller, nein schwungvollster Auftakt über die Diagonale starker Trab (8,9), genauso auch die Traversale nach links (8,8). Alles läuft nach Plan. Noten liegen bei 87 Prozent. Rechtstraversale im Gleichmaß, kreuzend, federnd, (8,4). Passage immer mindestens 8,5. Und dann bei F eine kleine Parade und „Showi“ marschiert großen Schrittes (8,4) über die Diagonale, auch der versammelte Schritt ist super (8,0) – das hatte noch niemand heute. Erste Piaffe viel besser (8,5) als im Grand Prix  und auch die zweite bis zum Ende der geforderten Trittzahl durchgehalten. Alle Übergänge über acht. Passage dann spitze (9,6)! Das Angaloppieren sicher genau bei X. Galopptraversale 8,4. Alles Lehrbuch-Reiten! Sichere bergauf gesprungene Zweierwechsel (7,9), Einerwechsel dann einmal kurz wie schon in Balve (7,1). Dafür dann Linkspirouette mit 8,5 zu Recht hoch bepunktet. In den Einerwechseln verlieren sie Punkte, 5,4. Aber dann die letzte Trabsequenz: Die letzte Passage wie mit Sprungfedern unter den Hufen – 9,7! und eine sehr gute letzte Piaffe (8,8), 85,456 Prozent ingesamt. Das war eine Vorlage, die erstmal geschlagen werden muss!

 

21.10 Uhr

Gareth Hughes (GBR) und Classic Briolinca

Mit dem Ritt seines Lebens hatte der Brite Gareth Hughes im Grand Prix alles getan für eine britische Mannschaftsmedaille. Doch dann kam der Freestyle-Vorfall. Team GB also plötzlich nur Vierter. Dass er den Grand Prix Special erreicht hat, ist aber schon eine Superleistung für den Engländer. Die 13-jährige KWPN Stute v. Trento B-Royal Dance ist zwar etwas klein für Hughes, der auch in einem Basketballteam Chancen hätte, aber harmonisch sind die beiden.
Die Grundgaloppade ist etwas knapp bei der braunen Stute. Hughes, der Vielseitigkeitsreiter Andrew Hoy Dressurtraining gibt, kann aber mit dem federnden Trabablauf in starken Tempi und Traversalen sowie mit genauso akzentuierten wie gleichmäßigen Passagen punkten. Auch die Übergänge sind geschmeidig (7,9). Er liegt bei 78 Prozent vorm Schritt (starker: 6,2 versammelter: 6,9). Die Piaffen sind eifrig, Hughes und die Stute sind ein eingespieltes Team – Energie: ja, Spannung: nein.
Der Galopp fällt im Vergleich zum Trab etwas ab, da dürfte die Stute mehr Ausdruck im Vorderbein haben. Den Zweier- (7,9) und auch den Einerwechseln (8,1) tut das keinen Abbruch. Eine praktische Galoppade, gerade auch für Pirouetten – beide werden mit 8,6 beurteilt. Die letzte Piaffe ist nicht ganz so rhythmisch wie die ersten beiden (7,8). Man möchte sagen „Klasse Briolinca“. Classic Briolinca und Hughes kommen auf 78,085 Prozent. Ungläubig zeigt er seinem Ground Personal die Beurteilung, die auf dem Bildschirm erscheint.

 

21.00 Uhr

Cathrine Dufour (DEN) und Atterupgaards Cassidy

Der Pechvogel aus dem Grand Prix: Dauerregen und dann untypische Fehler in den Serienwechseln und ein leerer Tank in der Piaffe. Dass die Dänin Cathrine Dufour aber konzentriert unterwegs sein kann, ist bekannt. Heute kein Regen. Kommt nun der erste 80-Prozent-Ritt? Schwungvoll mit gespitzten Ohren geht der Caprimond-Sohn den starken Trab an. Weit kreuzende Traversalen im Trab, federnde Passagen im Wechsel mit voll ausgerittenen Reprisen starker Trab. Die Bronzemedaillengewinner der EM von Göteborg sind anfangs konstant um 80-Prozent unterwegs. Der Ritt zeigt schon nach dem ersten Drittel: Skandinavien kann auch wunderschön reiten.
Der 16-jährige Däne ist entspannt, aber fleißig im starken Schritt (8,2), piaffiert mit vorbildlich arbeitenden Hanken an (8,2) und macht einfach genau so weiter. Die zweite Piaffe ist am Ende nicht ganz so taktsicher (7,4). Auch im Galopp steht die 80 weiter vor dem Komma in der Zwischenwertung. Und dann geht das Punkten erst richtig los! Erster Höhepunkt: die Zweierwechsel (8,6), dann tolle Einerwechsel (8,9). Pirouetten (8,5 und  8,2), Einerwechsel dazwischen: 8,7! Sichere Passage-Piaffe-Tour zum Abschluss, immer energisch, immer locker! Neue, verdiente Führung: 81,337 Prozent

 20.50 Uhr

Patrik Kittel (SWE) und Well Done de la Roche
Mit hoch eingestelltem Hals, der auch in Verstärkungen in dieser Position verharrt, reitet der Schwede Patrik Kittel auch heute die braune, in der Schweiz geborene Well Done de la Roche. Im starken Trab wird das Pferd eng und „hackig“ im Ablauf (6,6). In den Passagen zu Beginn der Prüfung punktete die elfjährige Stute v. Fürstentraum-Walt Disney erwartungsgemäß (8,1). Häufig steht der Kandarenzügel deutlicher an als der der Trense. In keiner Trabverstärkung arbeitet das Pferd ehrlich über den Rücken (7,0). Der starke Schritt (6,1) ist festgehalten, zum Ende der Diagonalen äppelt die Stute. Der versammelte Schritt ist von Spannung gezeichnet (6,6). In den Piaffen rutscht das Pferd hinter die Senkrechte mit der Nase. Galopptraversalen reitet Kittel deutlich gebogen. In den Zweierwechseln ist das Pferd abermals eng (7,0). In den Einerwechseln geschieht ein Fehler (3,9). Die neun Einerwechsel zwischen den Pirouetten gelingen dann – 8,5 und 7,7 für die Pirouetten. Die letzte Piaffe wird mit 8,1 beurteilt. 77,052 Prozent, viele Punkte.

 

20.40 Uhr

Judy Reynolds (IRL) und Vancouver K

Mit 76,351 Prozent, irischer Rekord, hatte Judy Reynolds mit ihrem 17-jährigen KWPN-Wallach Vancouver K Platz zehn im Grand Prix erreicht. Und mehr noch: Dieses Resultat machte es wahr, dass die Reiterinnen von der Grünen Insel, die allerdings eher in Deutschland anzutreffen sind, ein Dressurteam nach Tokio schicken können im Jahr 2020. Der Jazz-Sohn aus einer Ferro-Mutter kann mitunter eigene Ideen im Viereck entwickeln. Aber heute ist er folgsam. Passagen liegen ihm im Blut. Jazz und Ferro stehen für diese Lektionen in der internationalen Dressurpferdezucht. Alles im Gleichmaß, bis zum Schritt liegt das Paar bei 76,429 Prozent. Klitzekleiner Taktverlust in der ersten Piaffe (8,1) beim Herausreiten in die Passage aber fleißig und energisch beide Piaffen, (7,8). Seine 17 Jahe sieht man Vancouver nicht an. Schnurgerade sind die Serienwechsle zu zwei Tempi und von Sprung zu Sprung (7,9 und 7,6). Extrem klein gedrehte Pirouette links (8,1). Einerwechsel (7,9) und Rechtspirouette sogar noch besser (8,4). Die letzte Linie Passage, Piaffe, Passage – eine Augenweide! Am Ende 78,252 Prozent – es sind die Europameisterschaften von Judy Reynolds, die im Rheinland lebt und bei Jo Hinnemann Unterstützung findet!

 

20.32 Uhr

Carl Hester (GBR) und Hawtins Delicato

Charlotte Dujardin hätte heute einen „guten Tag“ gehabt, hat Carl Hester mir vor eineinhalb Stunden noch erzählt. Die Social Media-Aktivität, die ihr Ritt ausgelöst hat, ebbt ab. „Ganz unten, das ist neu für Charlotte“, sagt ihr Mentor.
Und dann hat er sich verabschiedet, Vorbereitungen auf seinen Ritt mit dem elfjährigen Britischen Hannoveraner-Wallach Hawtins Delicato. Der Diamond Hit-Regazzoni-Sohn hat sich seit der WM in Tryon in vielem weiterentwickelt. Er hat an Kraft gewonnen und hat vor Kurzem im britischen Harthill mit 78,936 Prozent seine bisherige Bestleistung geliefert. Nun soll sich der Wallach also auf dem Kontinent beweisen. Noch ist das ja in der Vor-Brexit-Phase kein größeres Problem.
Die Sonne ist jetzt verschwunden, das Flutlicht scheint aus den Scheinwerfern an den Metallmasten rund ums Stadion. Carl und Delicato sind da. Auf der Kruppe ein Muster gebürstet, die Schweifrübe oben frisiert – very British! So auch die Trense: Kein weißes Leder, kein Bling Bling. Understatement!
Die Trabtour, schwungvoll und stets im Takt, ist ein Highlight von Delicato. Er trabt nicht für eine Acht, aber es alles immer aus einem Guss. Auf eine kleine Gewichtsverlagerung des Reiters ändert sich der Raumgriff, der Takt bleibt erhalten. Hester zelebriert das Pferd im Rahmen seiner Möglichkeiten, ohne übertrieben einzuwirken oder zu überhasten. 78,316 Prozent sind der Lohn nach einem Drittel der Lektionen. Schritt 7,4 (stark) und 7,2 (versammelt). Aus der Piaffe heraus in die Passage wünscht man noch etwas mehr Energie. Passagen bis 8,3. Zu Beginn der Galopptour Noten um die 7,5 und höher. Die Zweierwechsel sind schnurgerade (8,4). In den Einerwechseln ein Fehler (4,1). Hesters Ruhe im Sitz begeistert. Die Linkspirouette gelingt kleiner als im Grand Prix (7,4). Kein Problem bei den folgenden Einerwechseln (7,6). Auch die Rechtspirouette, bei der Hester jeden Galoppsprung bestimmt (8,5) sieht gut aus. Der Kandarenzügel steht leicht an. Passage am ende gut, zur Piaffe etwas wenig Benzin im Tank Piaffe bei X gut raus, Passage 8,1, Piaffe 7,6, Übergang 7,7 Passage 8,1 77,58
20.12 Uhr Nachrichten aus der Pause

In der Pause sind Co-Bundestrainer Jonny Hilberath und Sönke Rothenberger noch einmal die gesamte Prüfung auf der Teilnehmertribüne durchgegangen. Mit Händen und Füßen. Dabei hat Sönke die Daumen dachförmig auf der Reiterfaust und steuert den imaginären Cosmo durch die 36 Lektionen des Grand Prix Special. Dann lässt er die Hand vor. Jonny und Sönke recken ihre Hälse nach vorne. Das soll wohl Rahmenerweiterung bedeuten. Die hatten wir ja heute auch noch nicht so oft. Wäre also ein schlaues Unterfangen.
Und auf der Tribüne wird nun erzählt, dass der Rapphengst Desperado schon beim Abreiteplatz die Piaffe-Versuche von Emmelie Scholtens mit hartnäckigen „Nein“ beantwortet haben soll. Das erklärt, warum die Niederländerin so cool durch die Prüfung geritten ist. Was ja vor Heimpublikum und bei einem Championat sicher anders geplant und erhofft war.

 

19.50 Uhr

Jessica von Bredow-Werndl (GER) und Dalera

Ein letztes Mal müssen noch fünf Buchstaben und drei Punkte herhalten – besch…–, um auf den durch Verdauung in die Hose gegangenen Grand Prix der dunkelbraunen Stute zu verweisen. Aber Jessica von Bredow-Werndl hatte für sich selbst die Devise ausgegeben: nach vorne! Die zwölfjährige Stute v. Easy Game-Handryk steht gut. Schwungvoll federt sie über die erste Diagonale im starken Trab (8,4). Gut in Stellung und Biegung die Trabtraversalen nach links (8,3). Man könnte ein Metronom stellen, so gleichmäßig ist der Takt in Passagen und Trabverstärkungen, auch in der Rechtstraversale. Was den Ritt bis hierhin auszeichnet: Super präzises Reiten immer an den geforderten Punkten, dort wo auch die geschmeidigen Übergänge von Passage in den starken Trab und andersherum stattfinden. Über 81 Prozent zeigt der Zwischenstand. Dann der starke Schritt und das versammelte Tempo. Hier verliert die Easy Game-Stute etwas. 6,4 gibt es für den versammelten Schritt, eine leichte Spannung vorm Anpiaffieren ist erkennbar. Die Piaffe ist dafür aber wieder gut, ein Taktfehler in der Passage, Daleras Vorzeigelektion – ärgerlich! Dafür in der zweiten Piaffe alles wieder im Lot, federnd, fleißig, schwingend (8,4). Konzentriert geht es in den Galopp: Traversalen auf der Linie (7,9 und 7,8). Gute Zweierwechsel. Dann in den Einerwechseln nach X – bis dahin sieht alles gut aus – ein Fehler (5,1). Schnell hat sich das Paar wieder gefunden: Pirouette links sicher und gut im Fluss (7,9, die nach rechts 8,1). Die neun Einerwechseln ohne Probleme (7,4). Zum Abschluss dann eine tänzerische Passage bis X, ein sicherer Übergang am Punkt in eine gut gesetzte und aktiv ausgeführte Piaffe. Es folgt ein flüssiger Übergang in die Passage. Die Noten: 8,4/ 8,4 und für den Übergang eine 8,8: 78,541 Prozent mit mehreren Patzern, das ist gut. Aber es kommt nicht ganz an die persönliche Bestleistung von Hagen a.T.W bei Horses and Dreams heran. Dort hatten Jessi und „die Queen“ 79,404 Prozent.

 

19.50 Uhr

Emmelie Scholtens (NED) und Desperado

Lange war Emmelie Scholtens als Hengstvorführungs- und Jung-Pferde-Spezialistin unterwegs. Mittlerweile ist sie im Championatskader der Niederlande etabliert. Sie grüßt bei C bereits im Schatten, die Sonne geht allmählich hinter den Bäumen des Kralingse Bos unter. 7,3 gibt es für den ersten starken Trab. Insgesamt wählt Scholtens ein etwas reduzierteres Tempo als noch im Grand Prix, hat man den Eindruck. Der Rappe ist elfjährig, ein Hengst. Die ungleichen Tritte, die schon im Grand Prix in der Trabverstärkung zu erkennen waren, schleichen sich auch jetzt ins Programm. Das Paar liegt vorm Schritt bei 75 Prozent. Die erste Piaffe misslingt komplett (0,9), Steigen, Widersetzlichkeit. Die zweite genauso. Augen zu und weiterreiten, scheint die Devise. Nach Lektion 20 ist das Paar bei 59,630 Prozent. Der Vivaldi-Havidoff-Sohn macht mit schwankenden Zweier- und Einerwechseln weiter, ziemlich gut findet man in den Richterhäuschen .7,2 für beide Lektionen. Fehlerunterlaufen auch nicht in den neun Einerwechseln. Die Galopppirouetten sind das Highlight der Prüfung. Die letzte Piaffe, vorsichtig und leicht vorwärts angelegt, gelingt (7,0), 65,365 Prozent.

 

19.39 Uhr

Juliette Ramel (SWE) und Buriel
Ihre Schwester Antonia liegt an Position sieben als Juliette Ramel in die Bahn kommt. Der 13-jährige Wallach ist ein „Einheimischer“, ein KWPN-Wallach v. Osmium-Krack C. Der erste starke Trab hat Ausdruck, ist aber etwas gelaufen (6,9). Rhythmisch sind sowohl starker Trab an den langen Seiten und auch die Passagen, aber auch hier wäre eine Veränderung der hohen Halsposition angesagt. Bei den Verstärkungen sind aber auch unsichere Tritte dabei. Akzentuierte Passagen erhalten Noten bis 8,0. Nach dem Schritt liegt das Paar an Position zehn. In der zweiten Piaffe tritt Buriel mehrfach deutlich nach hinten mit dem linken Hinterbein. Sehr sicher gelingen die Zweierwechsel (8,1), in den Einerwechseln dann ein Fehler.(5,9). Die Linkspirouette ist groß angelegt (7,8), die neun Einerwechsel auf der Mittellinie gelingen (7,9). Die Rechtspirouette ist etwas kleiner. Piaffe und Passage zum Abschluss heben die Bewertung: 76,003 Prozent. Damit sehen wir sie wohl in der Kür wieder.

 

19.30 Uhr

Therese Nilshagen (SWE) und Dante Weltino

Mit verpatzten Einerwechseln, über die sich Therese Nilshagen geärgert hatte, hatte die Schwedin eine Leistung unterhalb der Erwartungen im Grand Prix abgeliefert. Platz 14 mit 75,466 Prozent – vor zwei Jahren war sie in ihrer schwedischen Heimat Göteborg knapp an Podiumsplätzen vorbeigeschrammt. Und so ähnlich hatte sich die im südoldenburgischen Lodbergen beheimatete Nilshagen das auch diesmal erhofft. Der Rapphengst, züchterisch einer der erfolgreichsten Vererber in der deutschen Dressurzucht ist zwölfjährig. Damit ist der Danone-Welt Hit II-Sohn im besten Alter.
Das Halten zum Gruß ist vorbildlich (8,4). Im starken Trab „metert“ Dante Weltino über die Diagonale, den Hals hätte man sich da etwas länger gewünscht (8,6). Ein äußerst harmonisches Bild – im Vorwärts, im Seitwärts und in den Passagen. Nach elf Lektionen der Zwischenwert 80,408 Prozent. Dann der Schritt, hier verliert der Rappe: 5,9 für den starken Schritt, 7,1 für den versammelten. Die ersten Piaffen sind minimal im Vorwärts. Zu Beginn der Galopptour liegt das Paar bei 75,794 Prozent.

Dann ein Fehler in den sehr gut begonnenen Zweierwechseln (3,9). Wieder ein Wechsel-Thema? Die 15 Einerwechsel gelingen gut (7,4), der starke Galopp ist ausdrucksvoll. Doch nach einer guten ersten Pirouette dann ein erneuter Patzer in den neun Einerwechseln auf der Mittellinie (3,9). Die Rechtspirouette (8,1) hilft zu punkten, aber für ganz oben kann es nun natürlich nicht mehr reichen. Die letzte Piaffe (7,6) und Passage (7,6) sind ein versöhnlicher Abschluss. 75,365 Prozent.

 

19.20 Uhr

Hans Peter Minderhoud (NED) und Dream Boy

Ein bisschen hinterm Zeitplan ist man hier in Rotterdam. Dafür scheint die Sonne, es ist warm. Allerdings wirft die Tribüne hinter der kurzen Seite bei C einen ersten Schatten auf Teile des Prüfungsvierecks. Mal sehen, ob das zu Irritationen führt. Das Flutlicht ist zwar bereits an, aber die CO2-neutrale (oder neutralerere) Sonne ist – noch – kräftiger. Schon im Grand Prix war Minderhouds Hilfengebung deutlich sichtbar. Von den Richtern gemocht, 75,295, Platz 15. Reiten, wie man es nicht mehr so oft zu sehen bekommt. Aber auch nicht vermisst. Heute ging er beim Reiten ums Viereck „softer“ zu Werke. Für den ersten starken Trab (7,7), wobei kaum Rahmenerweiterung zu erkennen war. In der Trabtraversale nach rechts verkantete sich der Rappe im Genick (7,7). In den Passagen, zwischen 7,8 und 8,0 bewertet, wünschte man sich den Vivaldi-Sohn im Genick stabiler. Die Piaffen waren am Punkt, hätten aber selbstverständlicher sein dürfen (Noten bis 7,4). Die Zweierwechsel schwankten (7,1) die 15 Wechsel von Sprung zu Sprung waren gerader (6,9). Die Galopppirouetten waren aktiver im Hinterbein gesprungen als noch im Grand Prix, hohe Siebener-Noten gab es dafür. Am Ende kam Minderhoud auf 75,517 Prozent, ganz knapp besser als das Resultat von Ruoste

19.10 Uhr

Mit einem fehlerfreien Ritt auf seinem kleinen Fuchshengst Alcaide hat sich soeben der Spanier Claudio Castilla Ruiz unter großem Applaus in der Zwischenwertung auf Rang zwei gesetzt. Sein Resultat: 74,407 Prozent.

18.50 Uhr

30 Pferde hatten sich im Grand Prix, der Mannschaftsentscheidung, für den Grand Prix Special von Rotterdam qualifiziert. Hier sind noch alle Reiter der Nationen uneingeschränkt startberechtigt. Erst für die Kür, die am Samstag auf dem Zeitplan steht, gilt das Limit von drei Startern pro Nation. Chefrichterin bei C ist die Dänin Susanne Baarup. Auf den bei Championaten zusätzlichen Richterpositionen bei K und F haben die Damen Isabell Judet (FRA) und Dr. Evis Eisenhardt aus Deutschland Platz genommen.

Wer mischt noch mit in Rotterdam?

Niederländer, Dänen, Schweden und Team Deutschland sind noch komplett vertreten. Die Briten treten zu dritt an nach der Eliminierung von Charlotte Dujardin wegen des Bluts an der Flanke von Freestyle. Dazu sind noch Starter aus Spanien, Portugal, Irland, Russland, Finnland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Belgien mit von der Partie.

Und noch ein kurzer Blick auf die zweite Hälfte des Starterfelds. Etwas Statistik vorab: Sechs Wallache, vier Stuten und fünf Hengste finden sich hier. Unter den Zuchtgebieten, für die Zuchtenthusiasten unter den Dressurfreundinnen und -freunden: Sieben Pferde aus dem niederländischen KWPN sind dabei. Klarer Punkt für die Nachbarn. Aus Deutschland kommen ein Hannoveraner, eine westfälische und eine Trakehner Stute und ein Oldenburger Hengst: Außerdem werden zwei Dänen, ein Pferd aus der Schweiz und ein britischer Hannoveraner zu sehen sein.

Was bisher geschah in Rotterdam

Eine kleine Überraschung lieferte der in Deutschland lebende Finne Henri Ruoste ab. Im Sattel des eleganten und hochbeinigen Rosetti v. Romanov kam der gleichfalls hochaufgeschossene Ruoste auf 75,228 Prozent, derzeit führt er damit nach 15 Ritten. Zweite ist nach der Hälfte der Finalisten die Niederländerin Anne Meulendijks mit Avanti (73,663). Dahinter rangiert Britin Charlotte Fry mit dem in den Piaffen hinten stark schwankenden Dark Legend (73,???).

Delgado unter der Spanierin Beatriz Ferrer-Salat hat seinen Zenit überschritten, der Wallach ging in allen Trabverstärkungen vorne nicht ganz regelmäßig. Am Ende klingelte die dänische Chefrichterin Susanne Baarup. Das Ende einer Karriere, die so viele Highlights hatte, u.a bei der „Totilas-EM“ in Aachen im Jahr 2015.

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