Neumünster: Großer Preis an Mario Stevens – aber Nisse Lüneburg ist „Rider of the Year“

Neumünster – VR Classics 2020

Party auf dem Podium – Neumünster-Sieger Mario Stevens will Riders Tour-Gewinner Nisse Lüneburg und dem drittplatzierten Patrick Stühlmeyer eine erfrischende Champagner-Dusche verpassen. (© www.sportfotos-lafrentz.de)

Mario Stevens auf dem elfjährigen Oldenburger Landano v. Lord Pezi-C-Indoctro gewann den Großen Preis bei den VR Classics in Neumünster, während der Gesamtsieg der BEMER Riders Tour nach der letzten Etappe beim hochfavorisierten Nisse Lüneburg blieb.

„Dies ist ein Klassiker, den man mal gewonnen haben muss“, sagte Stevens nach seinem Sieg. „Mein Vater und ich haben lange überlegt, welches Pferd ich mitnehmen soll, aber im Stechen ist Landano einfach der Schnellste von meinen Pferden. Und auf einem selbst gezogenen Pferd zu gewinnen, ist noch mal was ganz Besonderes.“

33,93 Sekunden benötigte Stevens für seinen fehlerlosen Ritt in der Siegerrunde, drei Hundertstel Sekunde weniger als Marco Kutscher auf dem elfjährigen westfälischen Hengst Charco v. Chin Quin-Darco (0/33,96).

Kutscher hatte dem späteren Sieger am Ende den entscheidenden Tipp gegeben: Zum letzten Hindernis, einem Oxer, „durchzureiten“, also das Pferd nicht mehr zurückzunehmen. Springreiter sind ja nicht nur Konkurrenten, „sondern wir sind auch Kollegen“, sagte Stevens.

Kutscher wiegelte ab: „Mario ist heute einfach besser geritten, denn mein Pferd ist im Grunde schneller als seins. Aber ich glaube, er wäre auch von alleine darauf gekommen, dass man auf den letzten Sprung einen weniger machen kann.“

In der Gesamtwertung der Riders Tour arbeitete sich Mario Stevens damit auf Platz zwei und an das Steuer eines der drei Autos vor, die es zu gewinnen gab.

Dritter im Großen Preis wurde Patrick Stühlmeyer auf dem elfjährige Selle Francais-Hengst Varihoka de Temple (0/34,15). Er gehört seinem Arbeitgeber, Paul Schockemöhle, in dessen Besitz auch erst mal das Auto übergeht. „Ich würde den Wagen gerne selbst weiterfahren. Es ist ein sehr schönes Auto“, sagte Stühlmeyer.

Der Hengst, – sein Vater Luigu d’Amaray ist ein Sohn von Quidam de Revel, seine Mutter eine Tochter von Kannan – wurde Schockemöhle vom 78-jährigen französischen Vorbesitzer angeboten, der ihn bis dahin immer noch in Amateurprüfungen vorstellt hatte. Nach einer Probewoche in Mühlen war der Kauf perfekt.

Vierter im Großen Preis wurde Markus Renzel auf der erst neunjährigen Holsteiner Stute C-Steffra (34,59) vor Markus Brinkmann auf dem 13-jährigen Dylan, der sich mit einem besonnenen Stechritt nach dem Motto Safety First Platz vier in der Riders Tour sicherte.

Lüneburg nicht aufzuhalten

Das bis 1,60 Meter hohe Springen wurde mit einem Umlauf und Siegerrunde ausgetragen: die zehn besten bzw. alle Null-Fehlerritte kamen weiter. Am Ende waren es elf Reiter, die den Umlauf ohne Abwurf überstanden. Die Siegerrunde bot lange Galoppstrecken quer durch die Halle, dabei dennoch genügend technische Anforderungen, sodass es nicht in ein Flachrennen ausartete.

Nisse Lüneburg hätte schon herunterfallen müssen, um die Riders Tour nicht mehr zu gewinnen, aber den Gefallen tat der letzte Starter seinen Konkurrenten natürlich nicht. Nach dem Sieg am Vortag im Championat von Neumünster und einen weiteren am Abend endete sein Lauf in Neumünster erst mit einem Abwurf am allerletzten Hindernis der Siegerrunde.

„Ich musste alles riskieren“, sagte Lüneburg. „Ich hatte vorher schon nicht immer den besten Rhythmus, deswegen musste ich mich zum letzten Sprung sehr beeilen.“ Die Stange fiel, die Zeit hätte gereicht: 33,70 Sekunden, am Ende wurde Platz acht im Großen Preis draus.

Nach zwei Siegen beim Hamburger Derby und in Paderborn schloss Lüneburg die aus sechs Stationen bestehende Serie mit 50 Punkten als Sieger ab. Mario Stevens reichten zwei Starts, in Paderborn und Neumünster für Platz zwei, ein Sieg mehr als der zweimal als Dritter platzierte Patrick Stühlmeyer (beide 37 Punkte).

Vierter mit 32 Punkten wurde Markus Brinkmann (32) vor dem einziger Ausländer in der Siegerrunde von Neumünster, dem Franzosen Julien Anquetin (28).

Noch ein Bonus für die drei Podiumsreiter der Riders Tour: Sie sind für alle Großen Preise der Serie 2020 qualifiziert. „Das ist eine gute Nachricht“, sagt Mario Stevens, „da braucht man sich keine Sorgen zu machen, ob man am Sonntag dabei ist.“

Für Nisse Lüneburg wäre es jetzt Zeit, sich feiern zu lassen – wenn er denn Zeit hätte: „Muss verschoben werden“, sagt er, „ich fahre noch heute Abend mit zwei Freunden in den Skiurlaub.“ Aber da kann man es ja in der Regel auch gut krachen lassen.

Alle Ergebnisse aus Neumünster finden Sie hier.

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