Positive Dopingprobe bei CSI Vilamoura: Kontaminiertes Heu war Schuld

Heu

Archivbild Heu (© st-georg.de)

Beim internationalen Springturnier in Vilamoura (Portugal) sind im Februar und März letzten Jahres zwei Reiter disqualifiziert worden, nachdem die Dopingproben ihrer Pferde positiv ausgefallen waren. Nun hat sich herausgestellt, dass beide Pferde während des Turniers verunreinigtes Heu zu fressen bekommen hatten, gekauft beim Veranstalter.

Die Sonne Portugals war vergessen, als die Dopingproben von gleich zwei Springreitern aus Vilamoura positiv ausfielen. Gefunden wurde der Wirkstoff Spartein. Dieses Alkaloid, also eine organische Verbindung,  wirkt anregend auf Herz-Kreislauf-System und Darmtätigkeit, kann allerdings auch einen tödlichen Kreislaufkollaps verursachen. Sowohl bei der Stute Sirene De La Motte des brasilianischen Springreiters Marlon Modolo Zanotelli sowie bei Blaze of Glory II, der von dem Briten Henry Turrell vorgestellt worden war, fanden sich Spuren der Substanz. Spartein wird vom Weltreiterverband (FEI) noch auf der Liste der „Banned Substances“ geführt. Hier sind Substanzen gelistet, die zu keiner Zeit im Körper des Pferdes etwas zu suchen haben. Die Fälle wurden vor dem FEI-Tribunal verhandelt. Hätte das Gremium bei dieser „Banned Substance“ die Schuld bei den Reitern, die als verantwortliche Personen erklären müssen, wie der Wirkstoff in den Kreislauf des Pferdes gelangen, gesehen, hätte dies eine längere Turniersperre zur Folge gehabt. Bei einer Anhörung Mitte vergangenen Jahres hatte die FEI aber bereits angedacht, Spartein zukünftig als „Specified Substance“ einordnen zu wollen. Die Mitglieder des Tribunals folgten den Ausführungen der Reitern, die darlegen konnten, dass si ihre Futtermittel mit zum Turnier bringen und lediglich während der Wochen in Vilamaoura (dort finden mehrere Turniere an aufeinanderfolgenden Wochenenden statt) Heu vom Veranstalter zugekauft hatten. Im Falle des Brasilianers Zanotelli knapp 300 Ballen.

Entscheidung der FEI zu den Dopingfällen

Das FEI-Tribunal ist bei seiner Linie vom Sommer 2017 geblieben, als die Dopingsperren ausgesetzt wurden. Schon damals war eine Verunreinigung durch Lupinensamen als Argument angeführt worden: „Spartein kann vor allem in Ginster, Besenginster und Lupinen gefunden werden. Keine dieser Pflanzen zählt zu den üblichen Inhaltsstoffen bei Pferdefutter, könnte aber durch eine Verunreinigung ins Futter gelangen. Besonders hoch ist die Gefahr in Ländern, wo Lupinen wachsen. Beide Pferde sind auf dem gleichen Turnier in Portugal gestartet, wo in vielen Landesteilen Lupinen vorkommen. Die Samen der Pflanze werden in Portugal gerne als Snack gegessen. Daher geht die FEI davon aus, dass die positiven Dopingproben mit großer Wahrscheinlichkeit durch eine Verunreinigung des Futters während der Veranstaltung ausgelöst worden sind.“

Der betroffene Brite Henry Turrel hatte zudem bei der FEI angegeben, dass er seinem Pferd während des Turniers ausschließlich Heu gefüttert habe, welches er beim Veranstalter erworben habe. Turrel betreibt in Großbritannien einen privaten Zucht- und Sportstall, in dem die Pferde laut Angaben des Reiters wie ein Teil der Familie behandelt würden. Er könne sich daher nicht vorstellen, dass Blaze of Glory II die verbotene Substanz in seinem Heimatstall zugeführt bekommen habe. Auch der Brasilianer Modolo Zanotelli gab an, dass er sich als Profi-Reiter sehr sorgfältig mit den Anti-Doping-Regularien auseinandersetze und genau darauf achte, seinen Pferden keine verbotenen Substanzen zu verabreichen. Auch er hatte seiner Stute das Heu des Veranstalters gefüttert.

Reiter nicht schuldig

Daher hat die FEI nun in beiden Fällen entschieden, dass die positiven Dopingproben vermutlich durch kontaminiertes Heu verursacht worden sind. Beide Reiter wurden von jeder Schuld freigesprochen. Zudem habe man auch bei fünf weiteren Pferden, welche mit demselben Heu gefüttert worden waren, Spuren von Spartein festgestellt.

Weder Turrel noch Zanotelli hatten eine Strafe erhalten, beide waren jedoch automatisch von dem Turnier disqualifiziert worden und mussten die Rechtskosten für das Verfahren jeweils selbst tragen.

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