So wird in Deutschland künftig abgeritten

Drei Kategorien sind zukünftig für die aufsichtsführenden Richter auf
deutschen Abreiteplätzen relevant. Erarbeitet wurden sie von einem
Arbeitskreis unter Federführung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
(FN).

Mehrfach war der runde Tisch Dressur in Warendorf zusammengekommen, um zunächst einmal festzustellen: Es geht nicht nur um Dressur, es geht um die Vorbereitung ganz allgemein, sprich auch die Springabreiteplätze. Und: Die Richtlinien für Reiten und Fahren regeln eigentlich alles, zumindest beschreiben sie das Ideal. Was übrig bleibt ist der große Rest, der jenseits des Ideal angesiedelt ist. Es geht dabei allein um das Geschehen auf dem Abreiteplatz nationaler Turniere, für die internationalen Events ist das Regelwerk des Weltreiterverbands (FEI) zuständig. Thies Kaspareit, Leiter der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft der FN, trug die Ergebnisse des über 20-köpfigen Gremiums, das sich des Themas Abreiten angenommen hat vor. Die honorige Runde mit Trainern wie Klaus Balkenhol und Jo Hinnemann, Reitern (u.a. Isabell Werth, Hubertus Schmidt) und Vertretern der Berufsreiter (Burkhard Jung) und Richter (Klaus Ridder) sowie dem Tiermedizin-Professor Dr. Peter Stadler von der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat lange miteinander gerungen. Schon die Zusammensetzung der Runden sprach für kontroverse Debatten. Und so war es denn wohl auch.
Unterm Strich haben sich die Beteiligten auf ein Credo und einen Kriterienkatalog geeinigt. Man solle das Pferd in seiner Gesamtheit sehen, nicht nur mit einer Schablone auf die Hals-Kopf-Position starren, sagt Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR). Und auch nicht auf die Stoppuhr, fügt er mit Blick auf die berüchtigte 10-Minuten-Regel der FEI, wonach Reiten in aufgerollter Halsposition genau so lange auf Aufwärmplätzen nicht zu beanstanden sei. Ein Katalog wurde erarbeitet, der drei Kategorien beschreibt: Pferdegerechtes, auffälliges und nicht pferdegerechtes Abreiten. Dabei werden die unterschiedlichsten Körperbereiche von Kopf-Hals-Position über einen schwingenden, bzw. festgehaltenen Rücken bis zum Schweif (pendelnd oder schlagend) beschrieben. Alles, um den Gesamteindruck in Worte zu fassen. Es geht nicht um eine Checkliste, die abgearbeitet wird, betont Thies Kaspareit. Die Tabelle, die im Prinzip in Stichwörtern das wiedergibt, was in den Bänden eins und zwei der Richtlinien für Reiten und Fahren niedergeschrieben ist, soll den Richtern an die Hand gegeben werden. Das Prinzip lautet beraten vor verwarnen. Dezent soll man vorgehen, nicht gleich zur gelben oder roten Karte greifen, die das Reglement seit 2008 bereits als Maßnahme vorsieht, wenn ein Richter einschreiten will oder muss.
Ein Video erläutert darüberhinaus, was in Zukunft geht und was nicht. Nach Aussagen der FN hat auch der Weltreiterverband FEI großes Interesse signalisiert. Die erarbeiteten Unterlagen lägen bereits in der Geschäftsstelle in Lausanne vor.
Bleibt abzuwarten, ob das internationale Sportrecht (u.a. die 10-Minuten-Regel), das auch in Deutschland gilt, wenn ein internationales Turnier durchgeführt wird, in Richtung des deutschen Entwurfs verändert wird. Derzeit ist es so, dass lediglich Verstöße gegen deutsches Gesetze (Anti-Doping, Tierschutz) das FEI-Recht aushebeln können.

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