Weltcup-Finale Leipzig: Martin Fuchs in Führung nach Zeitspringen

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Martin Fuchs (SUI) und Chaplin (© toffi-images.de)

Kalkuliertes Risiko: So beschreibt Martin Fuchs seinen ersten Auftritt mit seinem Hengst Chaplin beim Weltcup-Finale in Leipzig 2022. Das reichte zum Sieg in der 1. Wertungsprüfung, Zweiter wurde Max Kühner. Bester Deutscher war David Will mit C-Vier.

Der Schweizer Martin Fuchs  auf dem 15-jährigen KWPN-Wallach Chaplin v.  Verdi-Concorde übernahm nach dem Zeitspringen, der ersten von drei Wertungen im Springreiter-Weltcup, die Führung (65,11 Sekunden)  vor dem Österreicher Max Kühner auf dem elfjährigen Elektric Blue  v.  Eldorado-For Pleasure und dem Iren Conor Swail auf denm Hannoveraner Count Me In v. Count  Grannus-Sherlock Holmes (67,06 Sekunden). Vierter (67,48 Sekunden) und damit bester Deutscher ist zur Zeit David Will auf dem 14-jährigen Holsteiner C-Vier v. Cardento-Concorde.

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Bestes deutsches Paar im Parcours heute: David Will und C-Vier, fehlerfrei in einer guten Zeit. (© toffi-images.de)

Dieses erste Weltcup-Springen hat es in sich, ein Zeitspringen nach der Wertung – Abwürfe werden in  Strafsekunden umgerechnet – aber doch von Parcourschef Frank Rothenberger aufgebaut wie ein Großer Preis, mit Möglichkeiten abzukürzen und einigen Galoppierstrecken. „Der Parcours war delikat, nicht ganz rund“, sagte Marcus Ehning, der mit der 14-jährigen Schimmelstute Calanda v. Calido nach einem Abwurf am letzten Sprung auf Zwischenrang elf liegt (69,12). Vorher hatte es bereits ein paar Mal geklappert. Es ist sein 19. Weltcupfinale, Ehnings erstes Pferd Stargold musste zurückgezogen werden, nachdem er kurz vor der Abfahrt mit einem dicken Bein im Stall stand. „Er ist wieder ok, aber mir fehlen zwei Tage“, sagte Ehning.

Mehrere sehr luftige Hindernisse, vor allem der vorletzte Steilsprung auf den Ausgang zu, und trickige Distanzen zogen das Feld auseinander. Neun von 35 Startern blieben fehlerfrei, aber eine Nullrunde garantierte keinen Platz unter den ersten zehn. Denn die drei Punkte für einen Abwurf ließen sich durch schnelles Reiten kompensieren, das ist schließlich der Sinn des Zeitspringens. Dass sich beides vereinbaren lässt, null und schnell, zeigte Martin Fuchs. Er habe sich einen Plan gemacht und sei Risiken eingegangen. „Aber nicht das letzte Risiko“ sagte er, sein Pferd Chaplin sei eben ein Superstar. Trotzdem will er morgen für die zweite Wertung auf den ebenfalls 14-jährigen Oldenburger The Sinner setzen.

Der Zweitplatzierte Max Kühner hielt sich bedeckt: „Das hier ist ja erst der Anfang, wir haben noch zwei Tage und es wird mit Sicherheit nicht leichter werden. Ich bin in der glücklichen Lage, dass mein Pferd sehr viel springen kann, aber es sind ja auch noch andere gute Reiter hier.“

Optimismus strahlte der Ire Connor Swail aus nach der fehlerfreien Runde bei seinen ersten Auftritt in einem Springreiter-Weltcup aus: „Mein Pferd ist schnell, aber dabei sehr vorsichtig und es macht selten Fehler“. Also genau, was in den nächsten Tagen gebraucht wird.

Deutsche Reiter überzeugten

Für David Will begann der Weltcup mit einer kleinen Schrecksekunde. Beim letzten Probesprung auf dem Abreiteplatz riss sich sein Pferd C-Vier ein Eisen ab. Der Start musste um einige Plätze veschoben werden, bis das Missgeschick behoben und das Eisen wieder festgenagelt war. Dann legte der schwierige und nicht sehr rittig aussehende Braune eine fehlerlose Runde hin.

Die schnellste Zeit (64,94) gelang dem US-Amerikaner McLain Ward, allerdings mähte der 13-jährige Contagio-Sohn Contagious (DSP) einen Oxer komplett nieder, womit drei Strafpunkte addiert werden mussten. Bewundernswert immerhin, wie schnell sich der Fuchs wieder konzentrierte und die restlichen Stangen liegenließ. Contagious habe eine tolle Leistung abgeliefert, er selbst einen „kleinen Fehler“ gemacht, sagte Ward anschließend.  Eine umsichtige, dabei flotte Runde nur einem Abwurf lieferte Gerit Nieberg auf Ben bei seiner Weltcup-Premiere (68,63, Platz sechs). „Ich bin sehr glücklich über mein Pferd, der Fehler, ich kam zu dicht ans Hindernis, war komplett mein Fehler.“

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Toller Auftritt des 28-jährigen Gerrit Nieberg in seinem ersten Weltcup-Finale! Mit Ben bekam er einen Fehler, war aber trotzdem schnell genug für Rang sechs. (© toffi-images.de)

Auch Philipp Schulze-Topphoff mit Concordess (69,08 Sekunden, Platz zehn) erfüllte die Erwartungen des Bundestrainers, kassierte nur einen Fehler an der Triplebarre und sparte nicht.  „Ich kam zu dicht an die erste Stange, deswegen der Abwurf. Der Fehler war extrem ärgerlich, und er geht voll auf meine Kappe. Die Stute sprang super.“ Christian Kukuk auf Checker ließ sich viel Zeit für seine fehlerfreie Runde (70,88 Sekunden) , da blieb am Ende nur Rang 17 übrig.

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Auch für dieses Paar ist es die erste Teilnahme an einem Weltcup-Finale. Philipp Schulze Topphoff und Concordess. (© toffi-images.de)

Das alles kann sich schnell ändern. Morgen, nach der zweiten Wertung, einem Springen mit Stechen, werden die Karten neu gemischt. Die Platzierungspunkte der ersten beiden Springen werden dann in Strafpunkte umgerechnet. Zum Finalspringen am Sonntag startet der bis dahin beste Reiter mit null Punkten.

Das Starterfeld war etwas kleiner als in früheren Jahren, weil in einigen Ligen (Südostasien, China und Südamerika) pandemie-bedingt die Qualifikationen ausfielen, in anderen Ligen, wie Australien und Neuseeland die Reiter auf die Reise verzichteten. Die russische Reiterin, die sich qualifiziert hatte, durfte wegen der FEI-Sanktionen gegen das Putin-Regime nicht starten.

Die Ergebnisse vom Zeitspringen beim Weltcup-Finale Leipzig gibt es hier.