Andreas Ostholt: Der erste Verlierer im deutschen Team

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(© Pauline von Hardenberg)

Erst hieß es, alle fünf Vielseitigkeitspferde seien „fit to compete“ und wenige Minuten später wird der angeblich gesetzte Andreas Ostholt durch Julia Krajewski ersetzt. Nun weiß man, dass es zumindest für Andreas Ostholt keine Überraschung war.

Andreas Ostholt versucht, Haltung zu bewahren, aber die Enttäuschung ist in sein Gesicht gemeißelt, der Unterkiefer wie betonniert. Er beißt die Zähne zusammen, im wahrsten Sinne des Wortes. Seit einigen Stunden steht unumstößlich fest, was er drei Stunden nach seiner Ankunft in Rio erfuhr: dass er morgen nicht für das deutsche Vielseitigkeitsteam ins Dressurviereck reiten wird. Bis zuletzt hatte er gehofft, dass die Mannschaftsführung, das Trainer-Duo Hans Melzer und Chris Bartle, seine Meinung noch ändern würde, hatte fröhlich gelacht, als ob nichts sei. Wie es da drinnen aussah, hat er erfolgreich verborgen. „Das muss man dann wohl“, sagte er. „Aber es ist hart. Alle freuen sich mit mir einen Ast, dass ich es nach Olympia geschafft habe, dann muss man seine Freunde anlügen, auch die, die hier von der Bundeswehr da sind, das ist einfach schwierig.“ Milde ausgedrückt. „Bis zum Schluss habe ich geglaubt, die Trainer überlegen es sich anders“.

Der Grund für den Austausch war nach Auskunft der Mannschaftsführung ein Vordereisen, das So is et vor Antritt des Trainingslagers verloren hatte. Die Sohle sei empfindlich gewesen, das Pferd habe auch beim Vortraben getuckt, so Team-Vet Karsten Rohde. Er konnte sich allerdings nicht mehr erinnern, welches Bein es genau war. Wobei die Auswahl ja überschaubar ist. Es sei aber täglich besser geworden und das Pferd sei auch normal trainiert worden. „Es gibt keine Diagnose, das Pferd hat unterm Reiter keinen falschen Tritt gemacht“, hadert Andreas Ostholt. „Ich fühle mich nicht so unterstützt wie andere, ich hab auch nicht so eine große Auswahl an Pferden.“ Besonders bitter: Nächstes Jahr ist er als Bundestrainer für die Jungen Reiter und die U25-Reiter vorgesehen, dann hätte sich ein erfolgreicher Olympiastart als Einstand gut gemacht. Bleibt die Frage, warum man das Pferd überhaupt über den Ozean gekarrt hat. Oder zumindest den Tausch nicht sofort in Rio bekannt gegeben hat.  „Es ging um Risiko-Minimierung“, sagt Chris Bartle. „Das Pferd war zu Trainingsbeginn deutlich lahm, es war bei Abflug zwar wieder in Ordnung, aber ein Restrisiko ist geblieben. Wenn wir einen richtigen Ausfall gehabt hätten, hätte man den Einsatz des Pferdes riskieren können.“ Der Gesundheitsstatus hatte oberste Priorität, spätestens seit dem Einsatz des verletzten Totilas bei der EM 2015.

Nun werden morgen Sandra Auffarth mit Opgun Luovo, Michael Jung mit Sam und Sonntag Julia Krajewski mit Samourai du Thot und Ingrid Klimke mit Hale Bob an den Start gehen.