Nach dem Tod ihres Toppferdes Billy the Red verabschiedet sich Kristina Cook aus dem Topsport

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Kristina Cook (GBR), hier mit Billy the Red im EM-Cross von Strzegom. (© Pauline v. Hardenberg)

Die britische Vielseitigkeitsreiterin Kristina, Tina, Cook hatte in den letzten Tagen schwierige Entscheidungen zu treffen, wobei die eine die andere bedingte.

Eigentlich sollte der 15-jährige Württemberger Wallach Billy the Red in Badminton an den Start gehen. Doch in der Vorbereitung zeigte sich ein gesundheitliches Problem. Tina Cook und die Besitzer des Fuchses, Elisabeth Murdoch und Keith Tyson, beschlossen, dass es an der Zeit wäre, den hoch erfolgreichen Wallach in den Ruhestand zu schicken. Doch der Versuch scheiterte. Nach einigen Wochen Weide zeigte sich jedoch, dass das auf Dauer keine „praktikable oder glückliche Lösung“ für den „ruhelosen Geist dieses schlauen Pferdchens“, wie Tina Cook es gegenüber Horse & Hound ausdrückte. Was also tun? Schlussendlich musste die Entscheidung getroffen werden, Billy the Red einzuschläfern.

Tina Cook beschloss daraufhin ebenfalls ihre Karriere im großen Sport an den Nagel zu hängen. Sie will weiterhin Pferde bis Drei-Sterne-Niveau ausbilden. Aber Starts auf Vier- und Fünf-Sterne-Niveau soll es für sie nicht mehr geben. „Ich habe die Entscheidung getroffen, die für das Pferd die richtige war“, sagte Cook weiter. „Die Pferde wachsen mir so ans Herz. Ich war so traurig, aber wenn man ihnen keine glückliche Rente ermöglichen kann, muss man tun was das Richtige für das Pferd ist.“

Tina Cook will sich nun auf die jungen Pferde und ihre beiden Kinder konzentrieren. Ihr 15-jähriger Sohn Harry ist begeisterter Rugby-Spieler, die Tochter Isabelle (17) eifert ihrer Mutter nach. Isabelle hat dieses Jahr Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den Europameisterschaften der Junioren im Sattel der selbstgezogenen Stute Mexican Law gewonnen.

Billy the Red – eine Erfolgsgeschichte

Billy the Red ist ein Sohn von Springvererber Balou du Rouet aus einer Stan the Man xx-Mutter. Gezogen wurde er von der Tierärztin und Journalistin Dr. Michaela Weber-Herrmann, die auch für St.GEORG schreibt.

Die Grundausbildung des Wallachs hatte Julia Schmid in Baden-Württemberg übernommen, die zum Beispiel auch Michael Jungs Rocana und Wild Wave in den Sport gebracht hat.

Auf internationaler Ebene saß zunächst die Kanadierin Cathryn Robinson im Sattel von Billy the Red, ab 2014 dann Kristina Cook. Noch im selben Jahr nahmen die beiden an den Weltmeisterschaften der junge Vielseitigkeitspferde teil, wo sie fehlerfrei im Gelände waren, aber mit acht Fehlern im Parcours am Ende 24. wurden. Doch schon im Jahr darauf waren sie Dritte beim Nationenpreisturnier in Boekelo.

2016 ging Billy the Red in Pau seine erste Vier-Sterne-Vielseitigkeit und wurde auf Anhieb Neunter. Im Jahr darauf war er Zehnter in Badminton und belegte bei den Europameisterschaften in Strzegom Rang vier in der Einzelwertung und holte Gold mit der Mannschaft. 2018 waren die beiden als Einzelpaar bei den Weltreiterspielen in Tryon am Start und wurden Neunte. Das letzte gemeinsame Championat waren die Europameisterschaften in Luhmühlen, wo es Silber mit der Mannschaft wurde.

2019 war Billy the Red zudem Siebter beim CCI5* in Badminton. Sein letzter Start war die Fünf-Sterne-Vielseitigkeit in Pau, fünf Jahre nachdem er am selben Ort sein Debüt in der Königsklasse gegeben hatte. Zum Abschluss wurde es Rang 16.

Tina Cook – eine Erfolgsgeschichte

Nicht nur Billy the Red hat Kristina Cooks Karriere maßgeblich geprägt. Ein anderes unvergessenes Pferd ist Miners Frolic, mit dem die 52-Jährige ebenfalls riesengroße Erfolge gefeiert hat. Mit ihm holte sie bei den Europameisterschaften 2009 in Fontainebleau Doppelgold und ritt ihn außerdem bei der EM 2013 in Malmö, allerdings ohne Medaille.

Bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky gehörten die beiden zum siegreichen Team, und zweimal vertraten sie das Vereinigte Königreich bei Olympischen Spielen. 2008 in Hongkong gewannen sie zwei Bronzemedaillen. Bei den Spielen in London wurde es Silber mit der Mannschaft und Platz sechs in der Einzelwertung.

Ihre erste WM war Cook jedoch auf Captain Cristy 2002 in Jerez geritten. Damals wurde sie 22. Ein Jahr später starteten die beiden auch als Einzelpaar bei der EM in Punchestown und belegten Rang 37.

  1. Andreas

    Finde ich jetzt etwas komisch, ein erst 15-jähriges Pferd einzuschläfern… Was soll das bedeuten – „für den ruhelosen Geist dieses schlauen Pferdchens“? Deswegen könnte man das Pferd doch halt ein bißchen weiter reiten, wenn es auf der Koppel alleine zu langweilig ist?

  2. Martina

    ja, ich finde es ebenfalls stark irritierend, dass einem schlauen Pferd kein angemessener Lebensabend (mit 15!) gestaltet werden kann. Woran liegt es? Keine Zeit, weil neue Aufgaben warten? Keine Kreativität, um einem Hochleistungspferd neue Aufgaben zu stellen? Fehlendes Vertrauen in die Kompetenzen anderer Menschen, so dass das Pferd eher getötet, als abgegeben wird? Ich verstehe es nicht. Fühlt sich irgendwie schäbig an.

  3. Angelika

    Wie ? Das Pferd wurde eingeschläfert weil es „ruhelos“ war und sich evtl erst an sein Rentnerleben gewöhnen musste???? Was ist das denn für eine Entscheidung? Und welcher Tierarzt macht sowas?
    Ich verstehe das grad nicht

  4. Claudia R.

    Ich kenne die Hintergründe nicht, finde die Entscheidung aber auch seltsam. Vermutlich gab es noch ein gesundheitliches Problem, sonst hätte ein TA doch kaum zugestimmt .

  5. Sylvia

    Ich würde es ebenfalls begrüßen, wenn hier die genaueren Umstände recherchiert und hinterfragt werden. Hat man hier ein gesundes Pferd, 15jähriges Pferd – und damit im besten Alter – nach ein paar Wochen „Weidetest“ eingeschläfert? Das wäre ein größerer Skandal als jedes verunfallte Pferd in der Vielseitigkeit.

  6. ursula machner

    …das hat mich auch sehr gewundert, so was habe ich noch nie gehört. ein ehemaliges sportpferd kommt auf der koppel nicht zurecht oder was? wäre schön, wenn das von seiten st . georg näher erläutert wird. warum konnte der arme billy seinen wohlverdienten ruhestand nicht genießen?

  7. Barbara

    Ich kenne die Hintergründe auch nicht, denke aber, dass man sich als Besitzerin es doch lange überlegt, das Pferd diesen letzten Weg gehen zu lassen.
    Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass es durchaus Pferde gibt, die ihre Probleme mit der Koppel haben. Ich besitze eine Stute, seit sie 4-jährig ist. Direkt von der Koppel gekauft. Die hatte 9-jährig (auf L-Niveau ausgebildet) eine Verletzung, so dass sie ein halbes Jahr Auszeit bekommen musste. Ich dachte, ich tue ihr etwas Gutes und stelle sie auf eine 24/7-Koppel in eine ruhige Herde. Dort habe ich auch einen Rentner von mir stehen.
    Die Gute war dort tod-unglücklich. Obwohl sie auch bei uns am Stall regelmäßig in der Gruppe auf die Koppel gekommen ist. Der Rentner hat mich erst mal mit dem A…. nicht mehr angeschaut, wenn ich dort war. Die Stute dagegen stand am Zaun und wollte mir definitiv hinterher. Sie musste da zwar durch, aber ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn sie eigentlich in Rente soll.
    Und wir haben eine uralte Stute bei uns am Stall, die so aggressiv gegen andere Pferde ist, dass man sie auch nicht mit anderen zusammenstellen kann.

  8. Sarah Proksch

    Ich finde es eine absolute Schande so etwas zu machen nur weil es nach kurzer Zeit nicht gelingt ein solches Pferd umzugewöhnen. Natürlich braucht das Zeit und manchmal einfach Geduld. Kenne viele Beispiele wo es schwierig war, aber schlussendlich gelungen ist. Ich hatte selbst einen 12 jährigen Wallach aus dem Hochleistungssport übernommen. Sollte auch eingeschläfert werden. Der kannte bis dato nie Wiese. Wollte ihm gleich was Gutes tun und dachte Offenstall mit kleiner Herde wäre perfekt. Nach 3 Monaten brachen wir Versuch ab. Der war totunglücklich und baute ab. Er brauchte und wollte einfach Abends alleine in eine Box. Also haben wir solange geschaut und probiert (mussten ja auch erst mal wissen was der braucht und will), sodass wir nach weiteren 3 Monaten den perfekten Stall für ihn hatten und er super glücklich dort war und uns ging es auch super damit. Dort verbrachte er noch viele schöne Jahre und wurde freizeitmäßig geritten.
    Also nicht gleich alle Pferde aus dem Sport töten lassen!!! Sondern nehmt euch gefälligst die Zeit, die jedes einzelne Charakterpferd benötigt!!! Sie haben es sich schließlich verdient. Ansonsten sucht euch andere Hobbys ohne Lebewesen.

  9. Lena

    Ich hab mir im ersten Moment die gleichen Gedanken gemacht, wie die meisten Kommentatoren vor mir. Dann habe ich überlegt, dass keiner von uns – ich am aller Wenigsten – weiß, was überhaupt passiert ist. Nur mal als Denkanstoß: das Pferd könnte sich auch einen Sehnenschaden zugezogen haben, bei dem es selbst auf der Koppel in Rente tagein tagaus nur Schmerzen hätte, vor allem wenn es ruhelos ist? Ich lehne mich damit vielleicht sehr weit aus dem Fenster, aber ich glaube einfach sehr fest daran, dass kein verantwortungsvoller Reiter und Pferdebesitzer sein Tier einschläfern lässt, nur weil es nicht mehr „brauchbar“ ist. Und ich hoffe von Herzen, dass kein Tierarzt sowas durchführen würde.

    • Anja Sieg

      Ich glaube nicht, dass Sie sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Sie bringen die Diskussion nur wieder von dem hysterischen Level runter, dass einige Beiträger hier hochgezogen haben. Kristina Cook und die Besitzer haben Billy the Red kaum ohne Grund aus gesundheitlichen Gründen vor Badminton zurückgezogen und ihn in den Ruhestand geschickt. Das war Ende Mai und eine Entscheidung pro Pferd. Billy the Red hatte also fast ein halbes Jahr auf der Weide und scheint sich nicht daran gewöhnt zu haben. Das gibt es. Leider.

  10. ChrisPa

    Leider gibt es auch gerade im Pferdehochleistungssport so viele entsetzliche Fälle von Tierquälerei, dass ich persönlich NICHT ausschließen könnte, dass Billy the Red getötet wurde, OHNE dass wirklich versucht wurde, eine Lösung zu finden, die für ihn funktioniert.
    Ich denke, dass es durchaus plausibel ist, dass er mit der „Rente“ nicht klar kam. Und anstatt nach etwas zu suchen, dass für ihn funktioniert, wurde er halt „erlöst“. Spart ja Zeit und Mühe.
    Ein Pferd aus gesundheitlichen Gründen aus dem Sport zu nehmen, und in Ruhestand zu schicken, ist im Übrigen auch nur bedingt „pro Pferd“. Ein verletztes Pferd kann ja auch kein gutes Resultat liefern…bringt also auch kein Preisgeld ein…

    Wie gesagt, mich haben die doch sehr große Anzahl der schrecklichen und immer wieder neu auftretenden Tiermissbrauchsfälle insbesondere im Reithochleistungssport sehr desillusioniert. So dass ich nicht mehr gewillt bin, den Besitzern und Reitern zu vertrauen, dass sie z.B. ein Pferd wie Billy the Red nicht einfach nur deshalb töten würden, weil jede andere Alternative zuviel Zeit und Mühe kosten würde.


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