BuCha 2018: Feingefühl ist Bundeschampionesse

Feingefühl-09-18-01-3064

Sandra Kötter und Feingefühl v. Fürstenball beim Bundeschampionat 2018. (© Kiki Beelitz)

Ein Durchmarsch war das Bundeschampionat 2018 für die dreijährige Hannoveraner Stute Feingefühl, die sich nach dem Sieg in der Qualifikation auch souverän den Titel sicherte.

„Ich habe noch nie so eine Dreijährige geritten“, schwärmte Sandra Kötter nach ihrem Auftritt mit der dreijährigen Hannoveraner Stute Feingefühl v. Fürstenball-Farewell III beim Reitpferde-Bundeschampionat 2018. Sie ist nicht die einzige, die sich für die Qualitäten dieser Braunen begeistern konnte.

Als Kötter den Platz mit der Stute an der Hand betrat, um sie den Richtern zum Vormustern vorzustellen, brandete schon der erste Applaus auf, so dass Kommentator Klaus Blässing um Ruhe bitten musste. Doch Richter Reinhard Richenhagen griff das bei seiner Beschreibung der Stute direkt auf: „Aber die Zuschauer haben doch Recht!“, schwärmte er und sprach von einem „wunderschönen Pferd“, einer „ganz tollen Sportlerin“ und begeisterte sich vor allem für die Einstellung, die dieses Pferd offensichtlich mitbringt: Hellwach war sie, aber gleichzeitig gelassen und vertrauensvoll genug, sich auch immer gleich beruhigen zu lassen.

Und die äußeren Qualitäten stehen den innerlichen bei Feingefühl in nichts nach. Die Stute ist mit einem natürlich kadenzierten Trab ausgestattet und bewegt sich in allen Grundgangarten stets mit der gewünschten Bergauftendenz. Hervorzuheben war dabei die stets gut herangeschlossene Hinterhand und die ganz feine Anlehnung. Wie Reinhard Richenhagen die 9,0 für den Trab übersetzte: „Sie bewegt sich mit feiner Losgelassenheit, vornehm, fließend und leise.“ Noch „bedeutender“ befand er die beiden weiteren Grundgangarten, 9,5 für Galopp und Schritt. „Ich habe selten ein dreijähriges Pferd gesehen, dass sich so toll nach oben öffnen lässt“, schwärmte Richenhagen und lobte die „ganz sichere Selbsthaltung“. Konsequenterweise gab es für die Durchlässigkeit dann auch die Idealnote 10,0. Verdient. Unter dem Strich wurde es eine 9,3 für Feingefühl und der verdiente Titel, den sie dieses Jahr zum ersten Mal nicht im Fremdreitertest verteidigen musste, da der für die Dreijährigen ja abgeschafft wurde.

Wie es nächstes Jahr für die Stute weitergeht, weiß Sandra Kötter noch nicht. Wohl aber, wie die nächsten Monate aussehen: „Sie geht jetzt erst einmal zurück zu den Züchtern und bekommt eine lange Pause auf der Weide.“ Die Züchterin, Gaby Heye-Hammerlage, konnte sich auch noch über die Bemerkung der Richter freuen: „Solche Pferde brauchen wir! Gratulation jetzt schon an die Züchter!“ Das „jetzt schon“ setzte er hinzu, weil die Prüfung zu dem Zeitpunkt noch nicht zu Ende war.

Silber nach Oldenburg

Hätte es einen extra Schönheitspreis gegeben, hätte ihn die Oldenburger Stute Venecia erhalten müssen. Die lackschwarze Van Vivaldi-Florencio-Tochter hatte die Oldenburger Elite-Schau in Rastede als Siegerin verlassen und war anschließend unter Pascal Kandziora zur Landeschampionesse avanciert. Auch hier in Warendorf konnte sie überzeugen.

„Bedeutend“ war heute ein viel genutztes Wort in den Richterkommentierungen. Aber es passte. Und wenn dann schon angekündigt wird, dass alle Grundgangarten „einfach sehr gut“ sind, dann ahnt man ja schon, was kommt: 9,0 für Trab und Galopp, 9,5 für den Schritt. Auch das verdient. Venecia ist nicht das Modell Lampenaustreter – vielleicht war sie nachvollziehbarerweise heute auch schon ein bisschen matt –, aber sie bewegt sich mit hohem Gleichmaß in allen Grundgangarten. Ein Tritt, ein Sprung ist wie der andere, wunderbar ausbalanciert und losgelassen. Reinhard Richenhagen drückte das so aus: „Vielleicht könnte sie noch eine Idee mehr Abdruck im Hinterbein zeigen. Aber diese Pferde sind ja auch erst drei und das ist eine Frage der zunehmenden Kraft im Zuge der Ausbildung.“ Und ein Ausbildungspferd ist diese Stute ganz sicher!

Man hätte sich die Stute vielleicht etwas offener im Genick gewünscht und beim zweiten Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen knirschte sie einmal hörbar mit den Zähnen. Das merkten die Richter auch an, stellten dem aber die Natürlichkeit und Losgelassenheit gegenüber und gaben eine 9,0 im Bereich Durchlässigkeit. Zusammen mit der Gebäudenote von 8,5 wurde es so insgesamt ein glattes Sehr Gut für Venecia, die bei Bernd Schlüter das Licht der Welt erblickt hatte.

Bronze für Daktari K

Beim Hannoveraner Championat – wo Feingefühl ebenfalls als Siegerin vom Platz getrabt war – hatte der Danciano-Belissimo M-Sohn Daktari K (Z.: Karin Hake) Rang vier belegt. Heute holte er Bundeschampionats-Bronze.

Der Fuchs präsentierte sich unter Tessa Frank losgelassen, schwungvoll und schon sehr gut ausbalanciert. Allerdings wurde er zeitweise etwas eng – vielleicht, weil ihm die Kraft schon etwas ausging, wie auch die Richter vermuteten.

Sie gaben ihm in allen drei Grundgangarten (Reinhard Richenhagen: „ausbalanciert, taktsicher und aktiv aus der Hinterhand in die Reiterhand liefernd“) eine 8,5. Dieselbe Note gab es auch für die Durchlässigkeit mit der Anmerkung, dass das „kleine Abstützen“ und das „zeitweise etwas eng werden“ mit der noch fehlenden Kraft aus der Hinterhand zusammenhängen.

Im Gebäude bemängelte das Gremium die noch etwas weiche Oberlinie, honorierte jedoch das gute Fundament. Und der Rücken kräftigt sich ja im Zuge der weiteren Ausbildung, 8,5. Das war dann auch die Gesamtnote.

Auch interessant

Die weiteren Platzierten

Rang vier ging an die Oldenburger Stute Feymar v. Fürstenball-Weltmeyer (Z.: Matthias Böckermann) mit Ariane Sander. 8,5 im Trab, 8,0 in Galopp und Schritt sowie 8,5 für die Durchlässigkeit und 9,0 fürs Gebäude summierten sich zu einer Gesamtnote von 8,4.

Ebenfalls für Oldenburg marschierte das Pferd auf Rang fünf: Best of Mount St. John v. Fürst Romacier-Bordeaux, gezogen von Emma Jane Blundell, der britischen Besitzerin des Gestüts Mount St. John, dem Charlotte Dujardins WM-Stute Mount St. John Freestyle gehört. Best of Mount St. John hat inzwischen neue Besitzer: HP Horses. Vorgestellt wurde sie von Maria Falkner Hansen für eine Gesamtnote von 8,3 – 8,0 für Trab und Ausbildung, je 8,5 für Galopp, Schritt und Gebäude.

Das Schlusslicht bildete heute der Westfale Embrace v. Escolar-Levantos (Z.: Dr. Axel Schürner), den Pascal Kandziora für das Gestüt Gut Neuenhof vorstellte. Trab und alopp waren den Richtern eine 8,5 wert. Im Schritt gab es die 7,0, für Durchlässigkeit und Gebäude eine 7,5. 7,8 lautete das Endergebnis.