BuCha 2019: Zehner-Kandidat Escorial Q Bundeschampion der dreijährigen Reitpferde

Bundeschampionate, 3j. Reitpferde St+W

Escorial Q, Bundeschampion der dreijährigen Stuten und Wallache 2019, mit Bianca Nowag im Sattel. (© Wegener/Equitaris)

Mit der Höchstnote 10 war man sparsam auf dem Reitpferdeviereck beim diesjährigen Bundeschampionat. Heute gab es eine für Escorial Q, der die Schärpe bei den dreijährigen Stuten und Wallachen holte.

U25-Europameisterin Bianca Nowag reitet seit Jahren alles von der Remonte bis zum Grand Prix-Pferd. Wenn sie sagt, sie sei begeistert, wie rittig, stabil und von Natur aus balanciert ein dreijähriges Pferd ist, hat das also ein gewisses Gewicht. Gemeint hat sie damit den neuen Bundeschampion, der ihr heute die zweite Schärpe ihres Lebens auf dem Warendorfer Reitpferdeviereck bescherte: Escorial Q v. Escolar-Flanagan aus der Zucht und im Besitz von Leonhard Querdel, Sieger bereits in der Qualifikationsprüfung.

Der hoch gewachsene Hellfuchs, der seinen Urururgroßvater Ehrensold in Sachen Typ nicht verleugnen kann, hatte beim Westfalen-Championat Dispens, weil seine Reiterin am selben Wochenende für Deutschland bei den U25-Europameisterschaften am Start war. Die Fahrkarte fürs Bundeschampionat löste er beim Turnier der Sieger, wo er das traditionelle Reitpferdechampionat, das Westfalen-Wappen, überlegen für sich entschied.

Und auch in Warendorf zeigte er sich überlegen im Vergleich mit einem ohnehin starken Jahrgang. Die 10,0 erhielt Escorial Q im Trab. Groß und bedeutend kommt er daher geschwebt mit viel Abdruck, aber trotz seines wuchtigen Körpers einer gewissen Leichtigkeit. Allerdings wünschte man sich insbesondere bei einem Dreijährigen eine offenere Kopf-Hals-Einstellung. Dennoch: Das war kein Gestrampel, sondern natürliches energisches Abfußen. Dabei stets in einem Takt, egal ob in den Wendungen, auf der Geraden oder beim Tritte verlängern.

Der Galopp ist von ähnlicher Qualität (9,0) – kraftvoll abdrückend und rund über den Rücken ins Bergauf gesprungen. Wobei Bianca Nowag heute doch etwas zu tun hatte, um ihren  Kraftprotz an zweiter Stelle hinter der Tête zu halten, denn er war heute doch sehr „an“ und wenn er einen Galoppsprung machte, hatte man den Eindruck, andere Pferde brauchen drei.

Dass Escorial Q heute auf Empfang war, merkte man auch im Schritt. Da brauchte er ein bisschen, um herunter zu kommen. Doch wie die Richter sagten: „Auf der letzten Linie hat er uns überzeugt, dass er schreiten kann.“ Als Note ausgedrückt: 8,5.

Für „einen so toll gehenden Dreijährigen, den die Reiterin mit leichte Hilfen vorstellen konnte“, zückten die Richter auch im Bereich Erfüllung der Skala der Ausbildung ein Sehr gut, 9,0.

Für Typ und Qualität des Körperbaus gaben sie eine 8,5. Das ergab in Summe ebenfalls eine 9,0.

Wie es nun weiter geht mit Escorial Q ist noch nicht klar. Erst vor wenigen Monaten war der Züchter und Besitzer auf Bianca Nowag zugegangen und hatte sie gefragt, ob sie sein Pferd reiten wolle. „Ich habe ihn ausprobiert und war sofort verliebt“, so die Deutsche Bank Reitsport-Akademistin. Seitdem wird ihr ihr neuer Bundeschampion zweimal in der Woche zum Reiten an den Bundesstützpunkt hier in Warendorf gebracht, wo sie ja auch ihre Sportpferde untergebracht hat. Für ihn war es also gewissermaßen ein Heimspiel. Wenn es nach Nowag ginge, könnte Escorial Q jedenfalls ruhig weiter herkommen oder vielleicht sogar eines Tages mit auf ihrer Stallgasse einziehen.

Silber an Barcelona

Das Pferd, dem Escorial Q zwischenzeitlich ziemlich nah kam im Viereck, war die Hannoveraner Stute Barcelona v. Borsalino-Danone, ein echtes Familienprodukt – gezogen von und im Besitz der Familie Schenk, vorgestellt von deren Sohn Jacob.

Mit Barcelona und Escorial Q teilten sich zwei Pferde das Viereck, die unterschiedlicher kau, sein könnten und doch beide für sich begeisterten. Barcelona ist der Typ elegantes Püppchen. Eine Stute im modernen, weiblichen Typ mit hoch eleganten, elastischen und sehr aktiven, leichtfüßigen Bewegungen. Besonders die „sehenswerte Schulterfreiheit“ gefiel den Richtern, für die Gerd Wolfgang Sickinger die Kommentierung der Noten übernommen hatte. Diese veranlasste sie, sowohl für den Trab als auch für den Galopp eine 9,0 zu geben. Im Schritt entschieden sie sich für eine 8,5.

„Losgelassenheit, Takt und Anlehnung, alles, was die Skala der Ausbildung in der Gewöhnungsphase fordert, ist hier gegeben“, lobte Sickinger, als er zur Note für die altersgemäße Erfüllung der Aufgaben kam. Auch das „natürliche sich tragen“ trug dazu bei, dass es hier eine 9,0 gab – ebenso wie für Typ und Qualität des Körperbaus dieses Pferdes mit „herrlichem Seitenbild“. Summa summarum ging Barcelona also mit einer 8,9 aus dem Viereck.

Nochmal Hannover

Der Hannoveraner Verband hatte gleich drei Eisen im Feuer im Finale, zwei schafften es in die Medaillenränge. Neben Barcelona war das auch der ebenfalls sehr elegante L’Avion, ein dunkelbrauner Sohn des Livaldon aus einer Longchamp-Mutter, der bei Katharina Oltmann-Heemke zur Welt kam, Steffen Brunkhorst gehört und von Denise Christin Behr in Warendorf präsentiert wurde.

Im Trab lobten die Richter unter anderem das natürliche Schwingen vom Hinterbein aus. Der Galopp ist noch besser, auch wenn er hier heute einmal falsch ansprang und einmal Kreuzgalopp ging. „Da hat er ein bisschen herumgekaspert“, lautete der trockene Kommentar von Richter Wolfgang Egbers. Es sei einem Dreijährigen von Herzen gegönnt, aber in der Ausbildungsnote mussten die Richter das dennoch berücksichtigen: 8,0. Dafür gab es eine 9,0 im Galopp, wie auch für den großzügig raumgreifenden Schritt mit Fleiß und Takt. Im Trab gaben die Unparteiischen eine 8,5. Plus die 8,0 für Typ und Qualität des Körperbaus kam er auf eine 8,5 in Summe, die Bronzemedaille.

Die weiteren Plätze

Rang vier teilten sich zwei Pferde mit jeweils 8,4 als Endnote: zum einen der Rheinländer Divertido v. Don Romanov-Fürst Romancier (Z.: Heinrich Aarnink) mit Mareike Mimberg im Sattel, zum anderen die Siegerstute des Zuchtverbands Brandenburg-Anhalt, Frl. Susi v. Fürst William-Sir Gregory aus der Zucht und im Besitz von Julia Voigtländer, vorgestellt von Vanessa Siedentopf.

Divertido, eine beeindruckende Erscheinung, schwarz und hoch gewachsen, erhielt eine 8,5 in allen Teilkriterien, außer Typ und Qualität des Körperbaus, da gab es eine glatte Acht.

Für das leichtfüßige Frl. Susi zückte die Jury sogar die 9 im Trab. Im Galopp gaben sie eine 8, im Schritt die 8,5, ebenso wie für den Bereich Ausbildung. Typ und Qualität des Körperbaus wurden ebenfalls mit 8 bewertet.

An sechster, siebter und achter Stelle rangierten zwei Oldenburger und ein Hannoveraner. Die rundum solide Dunkelbraune Vive la Vie v. Honoré du Soir aus der Zucht von Bodo Willms kam unter Benjamin Mitter auf eine 8,3. 8,2 lautete die Endnote für den bunten Hannoveraner Fuchs Financial Times v. Floris Prince-Benetton Dream (Z.: Jürgen Strelow), den Heiko Klausing vorstellte. Und mit 7,9 wurde die sympathische Morricone-Donnerhall-Tochter Milka (Z.: Heinrich Gießelmann) bewertet.

St.GEORG NEWSLETTER

Schnell, aktuell und auf einen Blick wissen, was Sache ist!
Das bietet der St.GEORG Newsletter.