BuCha – Finale vierjährige Hengste: Zu erwartender Sieg durch Fürsten-Look

Fürsten-Look beim Bundeschampionat 2015, wo er unter Isabel Freese den Titel der vierjährigen Hengste holte. (© Beelitz)

Veni, vidi, vici – auf kein Pferd der Reitpferdebundeschampionate 2015 trifft dieser viel zitierte Ausspruch Julius Cäsars so zu wie auf den lackschwarzen Beau Fürsten-Look bei den vierjährigen Hengsten. Und auf seinen Vater Fürstenball bei diesem Bundeschampionat.

Mit einer 9,2 hatte der Hannoveraner v. Fürstenball-Londonderry aus der Zucht von Johannes Sabel sich für das Finale qualifiziert, mit einer 9,2 war er in den Fremdreitertest gegangen. Dabei hatte der Oldenburger Sattelkörungssieger von 2014, der anschließend für 350.000 Euro an Paul Schockemöhle verkauft wurde, seiner Reiterin Isabel Bache morgens im Finale Teil A ganz schön was zu tun gegeben. Die Zuschauer freuten sich schon auf die zweite Galoppverstärkung des gewaltig bergauf springenden Hengstes, da erschrak er wohl vor den vielen Regenschirmen und Plastikjacken, die angesichts einsetzenden Starregens aufgespannt und ausgebreitet wurden. Jedenfalls suchte er mit einer Art Blitztraversale auf die andere Seite des Vierecks kurzfristig sein Heil in der Flucht. Isabel Bache konnte ihn aber schnell wieder auf Kurs bringen und in die Abteilung einreihen. Das gab minimale Abzüge in der Ausbildungsnote, wobei Dr. Dietrich Plewa, der wie immer abgestellt war, um die Richternoten zu erläutern, betonte, dass man einem vierjährigen Pferd so einen Seitensprung angesichts der schwierigen Bedingungen verzeihen könne. Hinsichtlich der Qualität der Grundgangarten ist der Hengst über jeden Zweifel erhaben – Im Trab mit einer Schwungentfaltung „nahe am Optimum und dabei immer locker durch den Körper“ (9,5), im Galopp „ganz sicher im Takt mit klarer Bergauftendenz“ (9,5) und im Schritt „fleißig und mit viel Raumgriff“ (9,5). Komplettiert wurde die Notensammlung mit einer 9,0 für dieses „Spitzenmodell mit sehr guten Reitpferdepoints und einer Hinterhand, die es ihm erlaubt, sowohl Last aufzunehmen als auch Schub zu entwickeln.“

Die Fremdreiter bestätigten den Eindruck der Richter. Man hatte ein bisschen den Eindruck, dass Miriam Becher und Kim Pfeiffer am liebsten gar nicht mehr abgestiegen wären von dem Schwarzen. Aber auch der schönste Ritt muss mal ein Ende haben und was bleibt ist die Erinnerung. In diesem Fall zwei Erinnerungen, die 19,50 Punkte wert waren, also dem Optimum waren.

Silber ging an eine weitere schwarze Schönheit: den Hannoveraner Don Monet v. Don Nobless-Rascalino (Z. u. B.: Herbert Kruse) unter Sandra Frieling. Der Hengst besticht vor allem mit einem herrlich elastischen Trab, dem die Richter in den Verstärkungen eine „etwas ausgeprägtere Schwebephase“ gewünscht hätten, 8,5. Der Galopp könnte etwas mehr bergauf angelegt sein, 8,5. Der Schritt ist geregelt und mit ausreichend Raumgriff ausgestattet, 8,5. Der „herrlich modellierte“ Körperbau des Hengstes wurde ebenfalls mit einer 8,5 bedacht, genau wie die altersgemäße Erfüllung der Skala der Ausbildung. Diese Einschätzung konnte Don Monet im Fremdreitertest nur bestätigen. 19 Punkte sprechen für sich.

Ein wenig glanzlos war heute der Auftritt des Oldenburger Bronzemedaillengewinners, des zweiten von drei Fürstenball-Söhnen (!) im sechsköpfigen Feld mit Namen Fior aus einer Mutter v. Sandro Hit, geboren und aufgewachsen auf Gestüt Lewitz, im Besitz des Hofes Kasselmann. Zum letzten Mal wurde der nobel aufgemachte Schwarzbraune von dem Spanier Borja Carrascosa Martinez präsentiert, der demnächst in die Selbstständigkeit wechselt und den Platz bei Kasselmanns frei macht für Steffen Frahm. Zwar trabt der Hengst elastisch und mit klarer Bergauftendenz, jedoch wirkte er ein wenig matt. Die Richter gaben eine 8,5 und erklärten das damit, dass der Hengst in den Verstärkungen dazu neigt, hinten breit zu werden. Im Schritt hätten sie sich mehr Vortritt gewünscht, 7,5. Insgesamt wollten sie mehr Selbsthaltung sehen, 8,0. Und der Eindruck für Typ und Exterieur ergab schließlich noch einmal eine glatte 8,0. Machte unter dem Strich eine 8,1, zu der dann noch 18 Punkte aus dem Fremdreitertest kamen.

Das Finale verpasst haben jeweils mit einer 8,0 insgesamt der Hannoveraner Florenz v. Florencio-Sandro Hit unter Lukas Fischer und der Westfale Fürst Magic, der dritte Fürstenball-Sohn aus einer Mutter v. Sir Donnerhall. Florenz, der von Dr. Rolf-Peter Schulze gezogen wurde und inzwischen im Besitz von Gerd Sosath steht, präsentierte sich hoch elastisch und schwungvoll im Trab. Die Richter bemängelten ein etwas hohes Sprunggelenk und hätten sich den Hengst noch besser von hinten heran geschlossen gewünscht. Andererseits muss man sagen, dass der Hengst eben auch wirklich abfußt 8,5 gab es für Trab und Galopp. Im Schritt machte sich dann wohl doch eine gewisse Anspannung bei dem Hengst bemerkbar, die zu einer Phasenverschiebung führte, die die Richter mit einer 7,0 ahndeten. Das war doppelt fatal, denn es wirkte sich auch auf die Ausbildungsnote aus, 7,5. Das Publikum quittierte die Bekanntgabe der Noten mit lauten Buhrufen, und aus einer Ecke war ein empörtes „Mann!“ zu hören. Ein nicht geringer Trost dürfte für Lukas Fischer der Tierschutzpreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gewesen sein, der ihm während der Siegerehrung verliehen wurde. Eine Jury, der auch Uwe Kröll vom Verein Xenophon e.V. zum Erhalt und zur Förderung der klassischen Reitkultur angehörte, hatte Fischer unter anderem wegen seiner beispielhaft feinen Handeinwirkung ausgewählt.

Ebenfalls ein glattes Gut erhielt auch der Westfale Fürst Magic aus der Zucht von Bernhard Ilting-Reuke und im Besitz von Fürst Fohlenhof. Vorgestellt wurde er von Laura Strobel. Wenn der Braune lostrabt, bewegt sich wirklich der ganze Körper (8,5). Begeisterung weckt aber vor allem der Galopp (9,0). Auch bei Fürst Magic machten die Richter Taktfehler aus und ein nicht gleichmäßiges Übertreten, das sie mit 6,0 ahndeten. So überließ Fürst Magic den Platz im Fremdreitertest Fior als Drittplatziertem.

Die Segel gestrichen ehe es eine Wertung geben konnte, hatte Anna-Sophie Fiebelkorn mit dem Westfalen Veneno. Der Vitalis-Sohn aus einer Diamond Hit-Mutter trabte gewaltig los, ließ sich heute von der Regenschirmkulisse aber doch arg beeindrucken. Von Anfang an sah er aus als sei er kurz vom Explodieren. Und genau das tat er dann noch. Man konnte förmlich eine Denkblase an seinem Kopf sehen: „Für kein Geld in der Welt gehe ich noch einmal in diese Ecke da hinten!“ So hob Fiebelkorn die Hand und verließ den Ort des Geschehens vorzeitig.

Überragender Bundeschampion: Fürsten-Look unter Isabell Bache. Foto: Beelitz

Überragender Bundeschampion: Fürsten-Look unter Isabell Bache. Foto: Beelitz

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