BuCha – vierjährige Stuten und Wallache: Die Fremdreiter haben es entschieden

Die neue Bundeschampionesse Victoria’s Secret

Victoria's Secret 2015 beim Bundeschampionat der Reitpferde unter Beatrice Buchwald. (© Beelitz)

Platz vier, Platz zwei und Sieg – aller guten Dinge sind bekanntlich drei und so war es der dritte Anlauf auf dem Reitpferdeviereck, bei dem Victoria’s Secret mit Beatrice Buchwald den Titel bei den vierjährigen Stuten und Wallachen holte.

Ein tolles Pferd! Diesen Gedanken hatte man schon am Donnerstag in der Qualifikation nach dem Auftritt von Victoria’s Secret. Auch wenn die imposante rheinische Dunkelfuchsstute v. Vitalis-Fidermark aus der Zucht von Walther Schulte-Böcker und im Besitz der Rhenania Pferde GmbH optisch so gar nichts von den gazellenhaften Laufstegschönheiten hat, die sonst dieses Label zur Schau tragen. Aber die großrahmige Dunkelfuchsstute ist „bei aller Größe harmonisch konstruiert“, wie Kommentator Dr. Dietrich Plewa es ausdrückte, weshalb sie für Typ und Gebäude eine 8,5 von den Richtern erhielt. Und sie hält was sie ohne Sattel verspricht, sobald sie sich in Bewegung setzt. Allerdings war sie heute nicht ganz spannungsfrei, was sich im Trab in einer nicht gleichmäßigen Vorderbeinaktion äußerte, die man sowohl in den Verstärkungen als auch den Arbeitstempi erkennen konnte. Am schönsten trabte sie beim Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen. Die Richter bewerteten den Trab mit 9,0 und begründeten dies mit der gleichmäßigen Bergauftendenz und der Ergiebigkeit. Eine höhere Note wäre möglich gewesen, wäre die Stute nicht minimal breit geworden beim Zulegen. Ihr ganzes Potenzial spielt sie im Galopp aus. Da springt sie gewaltig los und bietet ein beeindruckendes Bild, 9,5. Der Schritt ist taktmäßig und geregelt, könnte allerdings etwas mehr Raumgriff vertragen, 8,0. Im Bereich Ausbildung wurde bemängelt, dass die Stute gelegentlich eng wurde. Andererseits stand sie die ganze Zeit gut an den Hilfen, 9,0. Mit 44 Punkten ging sie ins Finale. Da war sie noch auf Rang zwei.

Unbeeindruckt von strömendem Regen und entsprechend beschirmter Kulisse: der Vize-Champion Lordswood Dancing Diamond. Foto: Beelitz

Unbeeindruckt von strömendem Regen und entsprechend beschirmter Kulisse: der Vize-Champion Lordswood Dancing Diamond. Foto: Beelitz

Einen halben Punkt Vorsprung hatte der Sieger der ersten Qualifikation und der Führende des morgendlichen ersten Finalteils auf dem Konto: Lordswood Dancing Diamond v. Dancier-Wolkenstein II (Z.: Heinrich Ebeling, B.: BG Whitefield & Stack). Ein Körper der Marke „Hühnchen“, ein Kopf der Sorte Kladruber – nein, einen Schönheitspreis würde der Hannoveraner nicht gewinnen. Oder wie Dr. Dietrich Plewa sich ausdrückte: „Kein Pferd für Leute, die ausschließlich auf Schönheit achten.“ Andererseits mag es dem Rappen noch ein wenig an Fleisch und Muskulatur fehlen, aber wenn das alles da ist, könnte man sich vielleicht noch ein wenig über den nicht zu edel geratenen Kopf mokieren, aber ansonsten …. Darum gab es in diesem Bereich auch eine 8,0. Und wenn der Wallach sich mit Anne-Kathrin Pohlmeier im Sattel in Bewegung setzt, sind diese Dinge ohnehin vergessen. Ein Trab, der „an Kadenz und natürlicher Erhabenheit nicht zu wünschen übrig lässt“, 9,5; der „bergauf angelegte Galopp mit ergiebigen Verstärkungen“, 9,0; der Schritt „ganz sicher im Takt und mit viel Schulterfreiheit, 9,0“ waren die Zutaten, die Lordswood Dancing Diamond beinahe zum Bundeschampion gemacht hätten. Seine Ausbildungsnote: ebenfalls 9,0, wie Victoria’s Secret. Das konnten die Fremdreiter Miriam Becher und Kim Pfeiffer nicht ganz bestätigen. Sie gaben Lordswood Dancing Diamond 17,50 Punkte und Victoria’s Secret 19 Punkte. Damit war es entschieden: Victoria’s Secret ist neue Bundeschampionesse.

Platz drei ging wie schon im Vorjahr an den supersympathischen Oldenburger Wallach Quel Filou v. Quaterback-Stedinger aus der Zucht von Aloys und Christian Hinxlage und inzwischen im Besitz des Luxemburger Dressurstalls Grand-Ducal. Dahin war der Wallach im vergangenen Jahr für eine Million Euro über die PSI-Auktion verkauft worden. Im Sattel saß hier aber immer noch Eva Möller, Bereiterin auf dem Hof Kasselmann. Sie stellte Quel Filou locker-flockig und und entspannt vor, erhielt eine glatte 9 im Trab und ansonsten für alle Teilnoten eine 8,5. Das machte unter dem Strich eine 8,6 oder anders ausgedrückt 43 Punkte, die er in den Fremdreitertest mitbrachte. Becher und Pfeiffer fühlten sich auf ihm ähnlich wohl wie auf der späteren Siegerin, gaben 18,50 Punkten und hätten Quel Filou beinahe noch zum Vize-Champion gemacht, denn er hatte nur einen halben Punkt Abstand zum Silbermedaillengewinner.

Platz vier ging an den Hannoveraner Champion Blickfang v. Belissimo M-Brentano II, den Theodor Linnenbäumer also zweimal auf den großen Bolero ingezogen hat. Der bunte Dunkelfuchs ist in der Tat ein Blickfang. Er wäre es allerdings noch mehr, wenn er nicht während der gesamten Prüfung unter Wibke Hartmann-Stummel deutlich hinter der Senkrechten und zu eng einegestellt gewesen wäre. Darunter litt die gesamte Vorstellung des aktuellen Hannoveraner Champions. Schade, denn seine Grundgangarten sind allesamt im mindestens sehr guten Bereich. Die enge Kopf-Hals-Einstellung ahndeten die Richter konsequent mit einer 7,5 im Bereich altersgerechte Ausbildung und zogen auch im Trab etwas ab, 8,5. Man kann sich gut vorstellen, wo der Wallach ohne das Problem gelandet wäre, wenn man die 9,0 für den Galopp und die 9,5 für den Schritt in Betracht zieht. Zusammen mit der Gebäudenote von 8,0 ergab das eine Gesamtnote von 8,5.

Miriam Becher war in dieser Prüfung nicht nur Fremdreiterin, sie hatte auch selbst ein Eisen im Feuer: die zweite Vitalis-Tochter im Feld, die Rheinländerin Venecia aus der Zucht und dem Besitz von Gerhard Kieffer. Der hat aus Venecias Mutter Farah auch schon den gekörten Imperius v. Imperio gezogen. Venecia ist ein grundreelles Pferd, erhielt in allen Teilkriterien eine 8,5, bis auf den Bereich Typ und Gebäude, da gab es eine 8,0. Machte total eine 8,4 und Platz fünf.

Dieselbe Note und damit auch dieselbe Platzierung erhielt Nadine Plasters Liss La Belle v. Lissaro-Laurentianer aus der Zucht von Josef Ulmker. Auch Liss La Belle ist nicht gerade ein Modell, das man sich einfach in den Garten stellen und anschauen wollte. Aber sie besticht durch solides Gerittensein und gute Grundgangarten, erhielt im Schritte eine 9,0 und für Trab, Galopp und den Bereich Ausbildung je eine 8,5.

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