Doping: Körung von westfälischem Millionen-Siegerhengst vorerst aberkannt

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Dynamic Dream bei seiner Körung 2019 (© Screenshot Clip my Horse)

Bei einer Dopingprobe des Siegerhengstes der Westfalenkörung 2019 wurde der Entzündungshemmer Flunixin nachgewiesen. Der für 1,9 Millionen Euro an Helgstrand Dressage versteigerte Hengst verliert nun die Zuchtzulassung und die Prämie, heißt es in einer Pressemitteilung des Westfälischen Pferdestammbuchs. Aber einer erneuten Körung steht nichts im Weg.

Bei einer regulären Dopingprobe im Rahmen der Körung des Westfälischen Pferdestammbuchs in Münster im November 2019 wurde im Blut des Dressur-Siegerhengstes das Dopingmittel Flunixin nachgewiesen. Das hat der Zuchtverband aus Münster heute bekannt gegeben. Auf der Webseite heißt es zu dem Fall:

„Wie alle 56 gekörten Hengste wurde der Braune einer Untersuchung unterzogen – leider mit dem Ergebnis einer positiven Medikation. Im Blut des Hengstes wurde Flunixin nachgewiesen.
Andreas Helgstrand wurde umgehend informiert, der Beschicker kontaktiert. Heinrich Gießelmann war sich der Problematik nicht bewusst gewesen, räumte aber ein, dass der Hengst aufgrund von Hautproblemen im Vorfeld der Körung mit einem Präparat behandelt wurde, dass diesen Wirkstoff enthält. Helgstrand Dressage wird nicht vom Kauf zurücktreten, sondern begrüßte die Tatsache, dass alle Hengste beprobt wurden, ausdrücklich. „Ich bedanke mich für die Offenheit, mit der mit diesem Befund umgegangen wurde. Das Procedere tut meinem Vertrauen in das Westfälische Pferdestammbuch keinen Abbruch, sondern bestärkt mich darin eher noch. So stelle ich mir konstruktive Zusammenarbeit vor“, so der dänische Hengsthalter.“

Heinrich Gießelmann ist ein erfahrener Hengstaufzüchter. 2019 stellte er aus seiner Aufzucht sowohl den Dressursieger der Oldenburger Körung als auch den nun vorerst nicht mehr gekörten Dream Boy-Sohn. Der Braune war für 1,9 Millionen Euro im Versteigerungsring an Helgstrand Dressage zugeschlagen worden. Gießelmanns Sohn Jan-Dirk ist ein deutscher Kaderreiter.


Doping: Was ist Flunixin?

Flunixin ist ein „Klassiker“ unter den Präparaten, die Tierärzte bei Lahmheiten verwenden. Es zählt zu den nonsteroidalen Entzündungshemmern (NSAID) und wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Das gängigste Präparat mit diesem Wirkstoff, das Tierärzte in Deutschland zum Einsatz bringen, heißt Finadyne. Es wirkt länger als beispielsweise der Wirkstoff Meloxicam (bekannt als u.a. „Metacam“). Flunixin kommt nicht nur in der Therapie von Lahmheiten, sondern mitunter auch bei Koliken zum Einsatz.

Im deutschen Turniersport ist Flunixin nicht erlaubt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) führt es in der Liste Anhang II, „im Wettkampf verbotene Substanzen“.  Die Karenzzeit wird mit 18 Tagen angegeben. Der Weltreiterverband FEI geht von sechs Tagen Nachweisbarkeit aus. Auch international ist der Wirkstoff verboten als Prohibited Substances List – Controlled Medication.


Nicht der erste Dopingbefund bei Westfalenkörung

Der Dynamic Dream getaufte Hengst kann nun erneut der Körkommission vorgestellt werden. Laut Pressemitteilung des Westfälischen Pferdestammbuchs (hier finden Sie die gesamte Pressemitteilung) wird dies vermutlich Ende Februar geschehen. Dann wird auch erneut das Blut des Dream Boy-Sohns auf Dopingsubstanzen untersucht werden.

Bereits im vergangenen Jahr war nach der Körung bei dem Hengst Vaderland eine Dopingsubstanz gefunden worden. Das Prozedere verlief hier, wie auch für den aktuellen Fall bereits skizziert. Im Zeitraum zwischen Veröffentlichung des Dopingbefunds bis zur erneuten Vorstellung des Hengstes im Frühjahr 2019 war die Körung aberkannt. Nach Begutachtung der Körkommission wurde er dann aber „erneut“ gekört. Im April gab sich das westfälische Pferdestammbuch eigene Regeln zum Umgang mit dopingpositiven Hengsten.

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