Ermelo: Global Player und Eva Möller sind Weltmeister der sechsjährigen Dressurpferde

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Global Player mit Eva Möller, Sieger der WM sechsjähriger Dressurpferde 2022. (© www.toffi-images.de)

Die Zuschauer in Ermelo mussten bis ganz zum Schluss warten, ehe sie heute den Weltmeister der sechsjährigen Dressurpferde zu Gesicht bekamen. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Letztes Jahr war es noch Rang vier für den einstigen Oldenburger Siegerhengst Global Player v. Grand Galaxy Win T-Don Schufro (Z.: Henrik Hansen) und seine ständige Reiterin Eva Möller. Heute setzte sich der imposante Rappe deutlich und völlig zu Recht an die Spitze des Feldes der Sechsjährigen bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde und verwies den Vorjahressieger Hesselhøj Down Town unter Jeanna Hogberg auf Rang zwei. Es ist damit ein Doppelerfolg für Stall Helgstrand, dem beide Hengste gehören, Global Player anteilig auch Paul Schockemöhle.

Global Player überzeugte vom ersten bis zum letzten Moment. Er begann mit einer schwungvollen Trabtour und war eines der Pferde, deren Verstärkungen von einem gut herangeschlossenen und unterschiebenden Hinterbein getragen wurden. Schwung und Takt blieben auch in den Seitengängen erhalten. Der starke Schritt war mit maximalem Raumgriff und Dehnung präsentiert. Der Galopp zeigte sich klar ins Bergauf gesprungen und ebenso waren auch die Wechsel, dabei alle vier gerade und sicher auf die Hilfen. Einziger Wackler war die letzte Galoppverstärkung, wo der Hengst kurz umsprang, aber das hatte die erfahrene Eva Möller sofort wieder korrigiert. Dass die Zuschauer es auch nach dem fünften Pferd, das sich erschrocken hat, noch nicht verstanden haben, dass es keine gute Idee ist, zu klatschen, bevor die Aufgabe zu Ende ist, haben die Richter offenbar akzeptiert und sahen es Global Player, wie auch seinen Kollegen nach, dass da Spannung aufkam. Aber da war er ja auch schon fast im Ziel. Alles in allem eine tolle Vorstellung, von Zeit zu Zeit vielleicht etwas stark in der Anlehnung, aber mit Abstand das Beste des heutigen Tages.

Für Durchlässigkeit wie auch für die Perspektive gab es eine glatte 10 für die beiden, für Trab und Galopp die 9,5, für den Schritt die 9,0. Weltmeister mit einer satten 9,76. Die Freude bei Eva Möller war riesig.

Zum Abschied Silber für Hogberg und Hesselhøj Down Town

Da die Schwedin Jeanna Hoberg Helgstrand Dressage bald verlassen wird, war das heute die Abschiedsvorstellung auf dem Weltmeister des Vorjahres, dem sympathischen Dänischen Warmbluthengst Hesselhøj Down Town v. Hesselhøj Donkey Boy-Zack (Z.: ZG Hoeck). So überzeugend wie bei ihrem Sieg in der Qualifikation waren die beiden heute nicht. Der Hengst ist elastisch, schwungvoll, aktiv in der Trabarbeit, alles gut. Aber in den Verstärkungen arbeitet er eher mit hohem Sprunggelenk nach hinten raus als unter den Körper. Das merkten die Richter zwar an, gaben ihm aber aufgrund der Leichtfüßigkeit und des Gleichmaßes dennoch eine 9,3. Dieselbe Note gab es auch im Schritt. Im Galopp springt der Hengst nach wie vor mit wunderbar repetierendem Hinterbein fleißig durch, könnte aber schon mehr Last aufnehmen und zum Teil sprang er mit hoher Kruppe auch das wurde angemerkt, Note 9,0. Für die Durchlässigkeit wurde es eine großzügige 9,5, für die Perspektive eine 9,8. Das ergab eine Endnote von 9,38.

Jeanna Hogberg erzählte später, sie sei sich alles andere als sicher gewesen, als sie einritt, weil Down Town sich auf dem Abreiteplatz noch an den Zuschauern gestört hatte, darum habe sie heute in der Prüfung auch nicht die letzte Kontrolle gehabt. Es war gleichzeitig ihr Abschiedsritt heute. Nächste Woche geht es zurück nach Schweden. Darauf angesprochen, kamen ihr die Tränen. „Ich bin so dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, ihn die letzten zwei Jahre zu reiten.“ Aber mehr wollte sie dazu auch nicht sagen, um nicht die Fassung zu verlieren.

Bronze an das Junioren-EM-Duo

17 Jahre jung ist die Niederländerin Jill Borgers, die ihren KWPN-Hengst Lennox U.S. – ebenfalls ein Grand Galaxy Win-Sohn (Mutter v. Rousseau, Z.: Bas Wilschut) vor wenigen Wochen schon auf Rang fünf bei den Europameisterschaften der Junioren geritten hatte. Fünfte waren sie auch am Freitag in der Qualifikation. Dass es heute für Bronze gereicht hat, machte Jill natürlich überglücklich.

Absolutes Highlight der Aufgabe waren bei den beiden heute die Lektionen, die sie ja aus der Klasse M gut kennen: die Wechsel alle vier sicher durch, auf die Hilfe und mit Ausdruck, die Schrittpirouetten sorgfältig vorbereitet und geritten. Die Seitengänge sicher. Auf der Wunschliste stünden – auch bei den Richtern, wie sie sagten – noch aktiver unterfußende Hinterbeine in den Verstärkungen. Überhaupt muss an der Selbsthaltung noch gearbeitet werden. Aber mit Gleichmaß konnte man im Trab heute einiges wieder gut machen: 8,7. Eine 7,9 für den eher knappen Schritt war ebenfalls großzügig. Der rhythmische Galopp erhielt eine 9,4. Die Richter mochten vor allem die Harmonie zwischen Jill und ihrem Hengst, die Partnerschaft, sie war ihnen eine 9,5 wert. Für die Perspektive gab es ein glattes Sehr gut. Machte eine 8,9 in Summe und die Bronzemedaille.

Weitere Platzierte

An vierter Stelle reihte sich ein weiterer KWPN-Hengst ein: der imposante Las Vegas v. Ferdeaux-Wynton (Z.: J. Deenen), der nun von Emmelie Scholtens geritten wird. Letztes Jahr wurde er noch von Franka Loos geritten. Die Trabtour begann gut mit den raumgreifenden, schwungvollen Bewegungen des Hengstes. Allerdings war schon hier immer wieder Bewegung im Schweif. Im Galopp kamen dann wirklich Spannungen auf. Der Hengst verkroch sich, legte die Ohren an und begann immer wieder mit dem Schweif zu pinseln. Darunter litten auch die fliegenden Wechsel. Die mangelnde Losgelassenheit merkten die Richter allerdings nur in Bezug auf den Schritt an (7,9), gingen aber auch in der Durchlässigkeitsnote runter: 7,9. Im Trab wurde es die 9,5, im Galopp die 9,6, in der Perspektive die 8,8.

Zweitbestes deutsches Paar waren die Sieger des kleinen Finales, Lena Waldmann und die sympathische Hannoveraner Fuchsstute Belinda v. Bon Coeur-Royal Blend. Sie zeigten eine sehr fließende Trabtour – vielleicht eine Idee zu fließend. Da hätte man sich schon etwas mehr Versammlung gewünscht. Auch waren die fliegenden Wechsel noch nicht ganz sicher, aber Belinda steigerte sich von Mal zu Mal und der letzte war der beste. Alles in allem eine wirklich schöne Runde, die mit einer Endnote von 8,58 bedacht wurde, was schließlich Rang sechs war.

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