Feine Bella erste Reitpferde-Bundeschampionesse 2021

Bundeschampionate 2021

Die neue Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache, Feine Bella v. Fürstenball (© Gesina Grömping/Equitaris)

Die Favoritin wurde ihrer Rolle beim Bundeschampionat der vierjährigen Reitpferde, Abteilung Stuten und Wallache. Feine Belle siegte überlegen. Kein Wunder bei ihrer Verwandtschaft.

Mit 0,7 Punkten Vorsprung ließ die Westfalen-Stute Feine Bella v. Fürstenball-Bordeaux die Konkurrenz im Reitpferde-Bundeschampionat der vierjährigen Stuten und Wallache hinter sich. Eine 9,6 stand am Ende auf der Anzeigentafel. Bei der Siegerehrung wurde es voll auf dem Warendorfer Reitpferdeviereck, denn die vierköpfige Zuchtgemeinschaft, bestehend aus Peter Artmeier, Wilfried Becker, Axel Delling, und Dirk Wibbecke, war entweder oder im Fall von Wibbecke vertreten durch die Ehefrau alle anwesend und nahmen die Gratulationen für ihre Ausnahmestute entgegen.

Dass sie eine solche ist, demonstrierte die athletische, hochbeinige Dunkelbraune bereits dreijährig, als sie in Westfalen zur Siegerstute ernannt worden war. Landes- und Bundeschampionat wollten ihre Züchter und Besitzer ihr damals aber noch ersparen und entließen sie stattdessen erstmal wieder auf die Weide. Dieses Jahr wurde die Stute überlegen Westfalen-Championesse, gewann die Qualifikation beim Bundeschampionat und hatte auch heute die Nase vorn. Im Sattel saß dabei stets Wibke Hartmann-Stommel, die schon auf dem Viereck das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam. Seit rund fünf Monaten hat sie die Stute nun in Ausbildung.

Feine Bella ist ein sehr elegantes Pferd mit leichtfüßigem, elastischen Bewegungsablauf, der insbesondere in Schritt und Galopp überzeugt. Für letzteren bekam sie verdient die 10,0, für den Schritt die 9,5. Im Trab könnte man sich vorstellen, dass sie noch mehr zum Schwingen kommt, wenn sie sich im Hals mehr öffnen und ihn aus dem Widerrist heraus flacher nach vorne bringen würde. Hier ging sie etwas hoch und eng (9,0). Die Richter gaben für die altersgemäße Erfüllung der Aufgaben dennoch eine 10,0 und begründeten ihre Entscheidung vor unter anderem mit dem Feedback von Fremdreiterin Bianca Nowag. Der gelang es mustergültig, die Finalisten strahlen zu lassen. Im Fall von Feine Bella habe sie gar nicht mehr absteigen wollen, so Sickinger. „Mit ihrer Reiterin wie auch mit der Fremdreiterin hat die Stute sich so präsentiert, dass der Reiter nur denken musste und sie tat es.“ Abgerundet wurde die Bewertung von einer 9,5 für Typ und Qualität des Körperbaus.

Ihre Einstellung, die sich in der Rittigkeit widerspiegelt, sei es in der Tat, was diese Stute zu so etwas besonderem mache, bestätigten auch die Züchter: „Sie will einfach immer alles richtig machen.“ Darum tue es ihnen besonders weh, dass Feine Bella dieses Jahr verkauft werden soll. Aber aus ihrer Mutter gibt es noch weitere Stutfohlen und schon am Mittwoch nach der Qualifikation klingelte das Telefon mit den ersten Angeboten. „Es klingt ja immer wie ein Klischee, aber es tut uns im Herzen weh! Aber man kann ja nicht alle behalten …“

Fakt ist: Wer auch immer Feine Bella bekommt, kann sich auf ein feines Pferd freuen. Das übrigens aus demselben Stamm kommt, wie Bella Rose. Feine Bellas Ururgroßmutter Franziska v. Frühlingsball ist zugleich die Großmutter von Isabell Werths Mannschaftsolympiasiegerin.

Silber für Bundeschampionats-Rookie

Die Silbermedaille sicherte sich die mit einer beeindruckenden Mechanik ausgestattete Oldenburger Stute Verona Diamond v. Vitalis-Don Diamond (Z.: Ann Christin Alberding) unter der U21 EM-Silber- und Bronzemedaillengewinnerin Luca Sophia Collin mit einer 8,9 in Summe.

Ganz elastisch und fleißig mit viel Abdruck aus dem Hinterbein zog die Stute ihre Bahnen und erhielt unter Fremdreiterin Bianca Nowag Szenenaplaus aus dem Publikum. Die Richter gaben ihr eine 9 im Trab, 8,5 für Galopp und Schritt, 9,5 im Bereich Ausbildung und eine weitere 9 fürs Exterieur. In Summe ergab das eine 8,9. Gerd Sickinger übersetzte die Notengebung: „Der Galopp könnte etwas großzügiger nach vorne angelegt sein, der Schritt war gelegentlich etwas schwankend.“ Was die Ausbildungsnote angeht: „Die Rittigkeit ist ein Highlight – ganz viel Ehrgeiz, immer ,an‘, dabei ein hohes Maß an Sensibilität und eine gute Kooperation und Einstellung.“

Dem kann die Reiterin Luca Sophia Collin nur beipflichten. Anfang des Jahres hat sie die Dunkelfuchsstute im Stall Helgstrand entdeckt. Dieses ist Collins erste Saison auf dem Reitpferdeviereck. „Beim Landeschampionat (wo es Silber für die beiden gab, Anm. d. Red.) bin ich das erste Mal eine Reitpferdeprüfung geritten. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas wie das Bundeschampionat gibt.“ Wer sich nun wundert – die heute 20-jährige Luca hat erst vor fünf Jahren mit dem Reiten begonnen. Ihre Eltern wollten ihr die Heimkehr vom Internat in England versüßen, wo sie lange zuhause war und versprachen ihr ein eigenes Pferd. 2017 ritt sie mit Lola ihre erste E-Dressur, 2018 bereits M und 2019 wagte sie ihren ersten S-Start mit einem Pferd, das sich zuvor unter Isabell Werth fürs Burg-Pokal Finale qualifiziert hatte: Descolari. Der war es auch, mit dem Collin bei ihren beiden Junge Reiter EM-Auftritten zwei Silber- und eine Bronzemedaille gewann.

Bronze an den Titelverteidiger

Joline Durand ist Züchterin, Besitzerin und Reiterin in Personalunion bei dem Bronzemedaillengewinner, dem bedeutend auftretenden Hannoveraner Rock Festival v. Rock Forever-Fürstenball, dem man bei aller von den Richtern zu Recht gelobten Schulterfreiheit heute allerdings im Trab mehr Gleichmaß und Fluss im Ablauf gewünscht hätte. An der überdurchschnittlichen Grundqualität des Vorjahres-Champions gibt es jedoch nichts zu rütteln. Die Richter gaben im Trab eine 8,5, in Galopp und Schritt die 9. Das war auch die Note für die Ausbildung. In Typ und Qualität des Körperbaus wurde es eine 8,5. Das machte in Summe eine 8,8.

Die Platzierten

Platz vier ging mit 8,7 an die Oldenburger Stute First Date v. For Dance-Weltmeyer aus der Zucht und in Besitz von Dr. Hans-Hermann Lagershausen unter ihrer ständigen Reiterin Veronika Steinhof, mit der First Date auch schon im Vorjahr in den Medaillenrängen war. Im Trab schob sie etwas auf die Hand, was im Aussitzen aber besser wurde. Highlight der Stute sind Schritt und vor allem der energisch abspringende Galopp mit herrlich repetierendem Hinterbein, für die es ein Sehr gut gab.

Platz fünf ging mit 8,6 an den Hannoveraner Final Dream v. Franziskus-Weltmeyer (Z.: Karin Storkamp, B.: Anke Dieckell) unter Kira Goerens-Ripphoff, der mit enormer Elastizität und natürlicher Kadenz im Trab beeindruckte (9,5), der sich aber leider immer etwas eng machte und noch nicht reell ans Gebiss heranzog. Da erschien eine 9,0 in Ausbildung doch recht großzügig.

Last but not least holte der Hannoveraner Lord Legend v. Libertad-Baroncelli (Z.: Rita Twiedy, B.: Firma Horsesale 24 GmbH/H. Brinkmann), ehemals Prämienhengst in Redefin und inzwischen als Wallach unterwegs, Rang fünf mit 8,5. Im Sattel saß Sabrina Geßmann, die für ihre reelle, gefühlvolle Reitweise mit dem BMEL-Tierschutzpreis ausgezeichnet worden war.