Mega-Preis bei Hannoveraner Körung 2018: 2.010.000 Euro für Prämienhengst v. Vivaldi

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Der Zwei-Millionen-Hengst der Verdener Körung 2018 v. Vivaldi-Dancier. (© Tammo Ernst)

Das hat es bei einer Körung noch nie gegeben: Für über 2 Millionen Euro wurde einer der 19 Prämienhengste bei der Hannoveraner Körung 2018 mit großem Tamtam in der Verdener Niedersachsenhalle zugeschlagen. Er war einer von sehr auffallenden Vivaldi-Söhnen. Überzeugen konnten in Verden dieses Jahr aber auch noch einige andere.

46 Dressur- und 14 Springhengste wurden am Freitag nach Freilaufen und Freispringen beim Hannoveraner Verband gekört, 19 erhielten eine Prämie, zwölf Dressur- und sieben Springhengste.

Unter den prämierten war ein auffallend großrahmiger Fuchs, einer von fünf direkten Vivaldi-Söhnen, von denen drei prämiert und alle gekört wurden. Jener, von dem hier die Rede ist, stammt aus einer Dancier-Feinbrand-Tremezzo xx-Mutter, hat vier weiße Beine, aber keine Abzeichen am Kopf, kurz: ein super Typ! Züchterin ist Ulrike Buurman in Greifenstein, Aussteller war die Hengsthaltung Kemper in Heiden. Dort wird man dieses Wochenende in Verden nicht so schnell vergessen. Nicht nur, dass sie außer jenem Fuchs noch zwei weitere Prämienhengste stellen konnten, ihr Vivaldi-Sohn sorgte heute auf dem Hengstmarkt für eine absolute Preissensation. Der Hammer fiel bei auf einer Körung noch nie dagewesenen 2.010.000 Millionen Euro. Der neue Besitzer hat sich schon geoutet: Es ist das neue Team Helgstrand/Schockemöhle, die vor wenigen Tagen bekannt gegeben hatten, dass sie ihre Hengsthalteraktivitäten zusammenlegen wollen.

Doch jener noch namenlose Millionen-Fuchs war nur eines von vielen guten Pferden dieses Körlots. Das größte Kontingent der Dressurhengste stellte der einstige Vize-Bundeschampion Bon Coeur v. Benetton Dream, der inzwischen seinem Vater nach Schweden gefolgt ist. Er war mit neun Hengsten dabei. Davon wurden sieben gekört und zwei Hengste auch prämiert.

Die erste Prämie des Tages ging an die Katalognummer 38 v. Bon Coeur-Rohdiamant-Argentinus-Hill Hawk xx, gezogen von Altiene Schothorst, ausgestellt von Heinrich Gießelmann. In dunkelbrauner Jacke und mit großen Linien begeisterte er mit viel Antritt. „Er setzt die Energie seiner Bewegungsqualität hervorragend um“, urteilte Zuchtleiter Dr. Werner Schade stellvertretend für die Körkommission. Seinen neuen Besitzern war er 155.000 Euro wert.

Szenenapplaus erntete für seine Auftritte der Prämienhengst des zweiten Rings, ein unverkäuflicher Bon Coeur-Vivaldi-Sohn aus der Zucht und im Besitz von Dr. Christine Feichtinger in Liechtenstein und vorgestellt von Eckhart Wahlers. Mit unerschütterlichem Takt drehte der herrlich aufgemachte Dunkelfuchs seine Runden. „Ein Ausnahmetyp“, bestätigte Schade die Einschätzung des Publikums, „sehr gute Proportionen und eine in allen Belangen überzeugende Bewegungsqualität“, fuhr er fort. „In allen Belangen“, damit meinte er wohl, dass der Hengst sich sowohl im Antritt entfalten konnte, aber seinen Körper auch wieder klein machen konnte, wenn er zurückkommen musste. Alles immer getragen von einem super aktiven Hinterbein.

Von den vier Kindern des verstorbenen Landbeschälers Dancier wurden drei gekört und einer prämiert. Das war der Hengst mit der Passeranpaarung Dancier-Wolkenstein II im Pedigree, der bei Hans-Joachim und Gudrun Bohlmann zur Welt kam und inzwischen der BG Kemper und Klieber gehört. Der Rappe mit stattlichen 1,72 Meter Stockmaß bewegt sich hoch elastisch und stets von hinten herangeschlossen. Dabei hatte er auch noch einen sehr guten Schritt. Vielleicht wünschte man sich eine Idee mehr Winkelung aus der Schulter heraus. Trotzdem: „Ein Hengst mit allen sportlichen Möglichkeiten“, wie die Kommission es formulierte. Sein Zuschlagspreis: 120.000 Euro.

Eine 100 Prozent-Quote hatte der einstige Dressurpferde-Weltmeister Dimaggio: zwei Hengste, beide gekört, beide prämiert. Der erste stammt aus der Zucht von Dieter Hilz und befindet sich ebenfalls im Besitz der Hengsthaltung Kemper (die später noch einen dritten Prämienhengst hatte – was für ein Wochenende!), ein großliniger Fuchs aus einer Sir Donnerhall-Mutter, der begeistert, sobald er sich in Bewegung setzt – alles über den Rücken, stets durch den ganzen Körper arbeitend und dabei mit energischem Antritt. Auch wenn er heute beim Freilaufen etwas überfordert zu sein schien mit der Atmosphäre in der Niedersachsenhalle war seine Qualität unübersehbar. „Ein Pferd mit hervorragenden Möglichkeiten“, fasste der Kommentar zusammen. So brachte er denn auch satte 570.000 Euro, die ein norwegischer Hengsthalter investierte.

Sein Halbbruder ist ein unwahrscheinlich schöner Brauner aus einer Mutter v. Scolari-French Kiss-Rotspon aus der Zucht von Johann-Bernhard Tuitjer und im Besitz von Heinrich Gießelmann. „Im Moment des Antritts offenbart er seine Qualität“, so Dr. Werner Schade. Und diese Qualität brachte am Ende 80.000 Euro.

Lord Leatherdale-Boston lautet die Abstammung des Prämienhengstes im sechsten Ring. Der hochbeinige Rappe mit „masukliner Bedeutung“ (Dr. Werner Schade) der Zuchtgemeinschaft Pleines wurde von Sabine Rüben ausgestellt. Die Grand Prix Reiterin hätte da ein Pferd für die Zukunft: hoch beweglich, stets taktischer und mit ganz viel Abdruck. Seine Beweglichkeit verleiht dem Hengst ein hohes Maß an Flexibilität im Bewegungsablauf, so dass die Körkommission die hohe Versammlungsfähigkeit hervorhob. „Hätte gehabt“, weil auch dieser Hengst zum Verkauf stand – für 800.000 Euro. Auch er ging an das Duo Schockemöhle/Helgstrand zusammen mit dem niederländischen Hengsthater Joop van Uytert.

Der einstige Oldenburger Siegerhengst Morricone hatte nur einen Sohn im Körlot – wie sein Vater ein Rappe, gezogen von der Willem Klausing GbR aus einer Mutter v. Sir Donnerhall-Watzmann. Aber dieser eine Sohn rührte die Werbetrommel für seinen Vater. Ein großliniges Pferd, bedeutend im Habitus und mit drei sehr guten Grundgangarten. „Bewundernswerte Körperbeherrschung“, schwärmte die Körkommission. Und das alles aus einer großen Losgelassenheit heraus, was angesichts der Umgebung auch auf ein gutes Interieur schließen lassen dürfte. 110.000 Euro kostete er heute auf dem Hengstmarkt. Seine neue Heimat sind die Niederlande, wo er bei Theo Driessen wirken soll.

V-Power

Einen großen Auftritt hatten in Verden auch die Kinder des Veneno, jenes Vitalis-Sohnes, der einst unter Anna-Sophie Fiebelkorn die Hannoveraner Farben beim Bundeschampionatsfinale 2015 vertrat. Er war mit sechs Nachkommen bei der Körung 2018 dabei. Drei wurden gekört, zwei prämiert, beide aus Fidertanz-Müttern. Stolzer Züchter des einen Prämienhengstes aus einer Fidertanz-Sandro Hit-Liberty-Mutter ist Paul Paessens in Weeze. Würde er ihm nicht schon gehören, wäre dies vermutlich auch ein Hengst gewesen, der das Interesse von Luxuspferdehändler Andreas Helgstrand geweckt hätte. Aber dieser Hengst gehört ihm ja bereits. Und er war nicht verkäuflich. Zumindest im Moment nicht. Irgendwann könnte er sehr teuer werden. Warum, das sieht man erst, wenn der Braune sich in Bewegung setzt. In Sachen Typ gibt es attraktivere. Aber er bewegt sich in Trab und Galopp super elastisch, mit ganz aktivem Hinterbein und großer natürlicher Kadenz. Dabei hat er auch noch einen sehr guten Schritt. „Ich glaube, zu diesem Hengst muss ich nicht viel sagen“, lautete der dann doch viel sagende Kommentar Dr. Schades.

Bei dem zweiten Prämienhengst der Anpaarung Veneno-Fidertanz geht es im Pedigree weiter mit Pit-Landino. Roger Bellmann aus Belgien hatte die Anpaarung vorgenommen. Tobias Schult stellte den unverkäuflichen Braunen vor. Takt, große Elastizität und Bewegungen, die stets durch den Körper gehen zeichnen ihn aus.

Ein absolut überragendes Pferd ist der ebenfalls prämierte Vivaldi-Desperados-Sohn aus der Zucht der Schwedin Anna Genfors, der von Gerd Sosath in Verden vorgestellt wurde. Seine Mutter, Staatsprämiensstute Doris Day war einst Bundeschampionesse sowie Siegerstute der Herwart von der Decken-Schau. Diesen Vorschusslorbeeren wurde ihr Sohn gerecht: taktsicher, schwungvoll energisch und mit vorbildlicher Hinterhand aktivität ausgestattet, weckte er Begehrlichkeiten. Doch der Hengst kam nur zur Körung, nicht zum Verkauf.

Der dritte im Bunde der prämierten Vivaldis war die Katalognummer 99 aus einer Hohenstein-Mutter. Züchter ist die Hildmannschaft GbR, Aussteller waren Patricia und Thomas Rieke in Bad Oeynhausen. Aus dessen Holsteiner Mutterstamm waren etliche Hannoveraner Hengstgrößen hervorgegangen wie die Landbeschäler Don Crusador und auch dessen Vater Don Bosco sowie etwa Contendros Bube, Ramiro’s Son usw. Die Körkommission hob insbesondere die „groß angelegte und energische Galoppade“ des Hengstes hervor. Auch im Trab offenbart er große Beweglichkeit und Elastizität. Allerdings wünschte man ihm im Schritt mehr Raumgriff. Der Hammer fiel hier bei 100.000 Euro.

Springhengste

Die erste Prämie bei den Springpferden ging an ein ehemaliges Verdener Auktionsfohlen: die Katalognummer 12 v. Crumble-For Fashion aus der Zucht von Sven Völz und im Besitz von Hans Liebherr. Die Mutter des Braunen mit drei weißen Beinen und einer breiten Blesse hatte anlässlich ihres Stutenleistungstests eine glatte 10 fürs Freispringen bekommen. Ihr Sohn offenbarte ebenfalls einiges Talent an den Stangen. „Viel Übersicht am Srpung, Sicherheit, Leichtigkeit am Sprung durch sein gutes Vermögen“, waren die Worte der Körkommission. Zum Verkauf stand er nicht.

Schön und gut – so konnte man den Eindruck vom der Katalog-Nr. 15 zusammenfassen, einem edel aufgemachten Rappen v. Embassy I-Darco-Continue-Pilot, gezogen und ausgestellt von Jan Crome-Sperling. Und der Hengst sprang seiner Abstammung entsprechend: absolut mühelos und mit viel Luft zwischen den Stangen, ohne dabei verkrampft vorsichtig zu sein. „Überlegenes Springen, Vermögen im optimalen Bereich und einen maskulinen, ausdrucksvollen Typ“ bescheinigte Dr. Werner Schade ihm. Sein Preis bei der Versteigerung war dementsprechend: 135.000 Euro.

Noch am vergangenen Wochenende hatte Firth of Lorne mit seinem neuen Reiter Marcus Ehning den Großen Preis von Zwolle gewonnen. Auf den sportlichen Erfolg folgte gestern auch ein züchterischer: eine Prämie für seinen einzigen Sohn im Aufgebot, der seinen Vater und Großvater im Erscheinungsbild nicht leugnen kann, ein Fuchs mit breiter Blesse und nicht mal der Bauchfleck fehlt. Dr. Stephan Hinrichs war Züchter und Aussteller in Personalunion. Seine Stute Lolita v. Landjonker-Zeus-Bucephalos xx hatte aus einer Anpaarung mit Comme il faut schon einen gekörten Hengst. Dieser jetzt offenbarte seine Genetik am Sprung vor allem, als es hoch wurde. Da begann er sich zu konzentrieren und flog lässig über die dicksten Klamotten. „Eine hoch interessante Blutkombination für Zucht und Sport“, lobte die Körkommission die Anpaarung und beschrieb weiter: „Der Hengst macht am Sprung seine klare Einstellung deutlich, großzügig im Vermögen, Ablauf und Galopp genau das, was wir für schnelle Springen benötigen.“ Bei 40.000 Euro erfolgte der Zuschlag für ihn.

Auch ein direkter For Pleasure-Sohn war angetreten, auch er Fuchs mit Blesse. Günter Soltau hatte ihn aus der Stakkato Gold-Zeus-Tochter Symphonie gezogen, die einen Stamm repräsentiert, der sowohl internationale Spring- wie auch Dressurpferde fürs große Viereck hervorgebracht hat. Aussteller des Hengstes war der Niederländer Wiepke van de Lageweg, der ihn aber nicht verkaufen wollte. Bis zu vorletzten Runde sprang dieser leistungsbetont gezogene Fuchs absolut souverän. Dann folgte ein Durchgang, in dem er ordentlich abräumte. Das schien er sich gemerkt zu haben, denn als er zum letzten Mal über die Reihe flog, schaute er sehr genau hin und sprang dann großzügig mit viel Luft zu den Stangen.

Züchter Ulrich Heuer aus Bienenbüttel hatte gestern Geburtstag. Das wahrscheinlich schönste Geschenk machte ihm sein Hengst mit der Katalog-Nummer 23 v. Kannan-Stolzenberg-Lordanos-Calypso II, ein gut proportionierter Dunkelbrauner mit intelligentem, freundlichen Auge. Springpferdevererber Kannan hat hier einmal mehr gezeigt, warum so viele seiner Kinder im ganz großen Sport gehen. Dieser hier jedenfalls sprang so genial und mit so unvergleichlicher Lässigkeit über jede Abmessung, dass es laute Ausrufe des Erstaunens auf den Zuschauerrängen gab. „Ja, meine Damen und Herren, bei diesem Hengst gingen auch die Emotionen der Körkommission nach oben“, so Zuchtleiter Schade und prämierte den Dunkelbraunen, der für 150.000 Euro zugeschlagen wurde. Er geht in den Stall des Iren Cian O’Connor.

Das Gestüt Sprehe war mit zwei Kindern seines Stakkato Gold nach Verden gereist, beide wurden prämiert, beide stammen aus Müttern, die mit Josef-Jonas Sprehe in schweren Springen im Einsatz waren. Der erste war ein mit blitzsauberer Manier springender Beau aus einer Mutter v. Carthago-Cor de la Bryère-Ronald. Ihr Holsteiner Stutenstamm 018 B1 brachte z.B. auch Vielseitigkeitsweltmeister Mr. Bass hervor. Die Körkommission: „Wir freuen uns, dass wir endlich so gute Stakkato Gold hier auf der Körung haben! Dieser Hengst war in seiner Manier heute ein wahrer Perfektionist. Eine hervorragende Einstellung mit einer tollen Beintechnik.“ Den Käufern war er 45.000 Euro wert.

Sein Halbbruder hat eine Chin Chin-Raimond-Goldfalk-Mutter und begann zunächst etwas übereifrig. Dabei offenbarte er allerdings auch großes Geschick, sich aus jeder Situation zu retten und präsentierte sich blitzschnell auf den Füßen. „Ein Hengst mit Auftritt!“, so die Körkommission, „maskulin mit viel Körper und Energie, ein wahrer Kämpfer, der den Sprung regelrecht angreift und dabei mit seinem Vermögen spielt.“ Er kostete 40.000 Euro.

Im Durchschnitt kosteten die 50 gekörten und zur Versteigerung angeboten Hengste 130.960 Euro. Teuerster der nicht gekörten war die Katalog-Nummer 72 v. Le Vivaldi-Rotspon (Z.: Elizabeth Kapp, A.: Heiko Klausing). Er brachte 54.000 Euro. Möglicherweise ein relatives Schnäppchen, das eine Züchterin aus der Lüneburger Heide da gemacht hat, denn die Kommission hätte den Schwarzbraunen von seiner Qualität her gekört. Aber seine Hoden waren noch nicht weit genug entwickelt. Daher war er aktuell noch nicht körfähig.

Die Hannoveraner hatten dieses Jahr einen herausragenden Jahrgang. Kein Wunder, dass Zuchtleiter Dr. Werner Schade sich auf die Schulter klopft: „Diese Körung setzte neue Maßstäbe für die Zucht und für die Vermarktung und ist das Ergebnis der kontinuierlichen Entwicklungsarbeit im Hannoveraner Verband“, so sein Fazit. Dressur-Olympiasiegerin Heike Kemmer blieb da sachlicher: „Die Qualität war sehr hoch. Der Jahrgang präsentierte sich mit vielfältigen Blutlinien und sehr modernen Pferden.“

Hengst und Stute des Jahres

Zum Hengst des Jahres kürten die Hannoveraner einen Rheinländer: Belissimo M, Vater unter anderem von Isabell Werths Weltmeisterin Bella Rose, selbst erfolgreich bis Grand Prix und nun auf dem Gestüt Westfalenhof stationiert.

Hannoveraner Stute des Jahres wurde die Drosselklang II-Grannus-Tochter Dorina. Sie ist die Mutter mehrerer internationaler Springpferde. Ihr erstes Fohlen ist weltberühmt: Eric Lamazes kleines Springwunder Fine Lady. Die 18-jährige Stute gehört noch immer ihrem Züchter Wilhelm Leymann. Sie schenkte ihm 13 Fohlen.

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