Vorstand des Hannoveraner Verbandes nach hitziger Diskussion entlastet

Stimmzettel-Hannoveraner-Verband

Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes im April 2019. (© www.st-georg.de)

Bei der Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes hat der Rechnungsprüfer das Ergebnis seiner Prüfung des Geschäftsjahres 2018 mit dem Antrag beendet, den Vorstand nicht zu entlasten. Ungereimtheiten wurden diskutiert – unter anderem war das Ergebnis der Rechnungsprüfung dem geschäftsführenden Vorstand erst gestern um kurz vor Mitternacht zugestellt worden.

Nach einer noch harmonisch verlaufenden ersten Hälfte der Delegiertenversammlung beim Hannoveraner Verband, schlugen die Wogen beim Bericht der Rechnungsprüfer hoch. Schon im Vorfeld war klar, dass dieser Punkt auf der Agenda nicht nur durchgewunken werden würde. Einer der Rechnungsprüfer war im Vorfeld vom Amt zurückgetreten. Der verbliebene Prüfer, Eberhard vom Brocke, berichtete von seiner gut siebenstündigen Prüfung.

Strittige Auktionsbedingungen beim Hannoveraner Verband?

Der Mann aus Iserlohn hatte mehrere Dinge zu monieren, vor allem die Ausstände aus Auktionsgeschäften. Konkret störte er sich daran, dass Auktionspferde, die nicht oder nicht vollständig bezahlt sind, bereits an die Käufer herausgegeben wurden. Das verstoße klar „gegen die Auktionsbedingungen“. Auch das Iran-Geschäft hatte diese Problematik aufgezeigt. Diese „bilanzielle Risikoposition“ sei schon in den Prüfungsberichten der Jahre 2016 und 2017 gerügt worden. Unbezahlte Pferde seien aber, ohne Änderung der Auktionsbedingungen, auch in 2018 herausgegeben worden.

Außerdem gäbe es zwar zwei Konten des Verbandes, aber keines, das ausschließlich den Geldern vorbehalten wäre, die vom Auktionskäufer zunächst an den Verband bezahlt werden. Von diesem Konto wiederum erhalten dann die Verkäufer, also die Aussteller der Auktionspferde, ihr Geld. „Fremdvermögen ist strikt vom eigenen Vermögen zu trennen“, zitierte Eberhard vom Brocke die seiner Meinung nach gültige Gesetzeslage. Seine Forderung: ein eigenes Konto für die Bezahlung der Kaufpreise sollte eingerichtet werden, das diene auch dem Schutz der Kundengelder.

Auch der Posten „Beratungskosten“ waren dem Prüfer aufgestoßen: 89.0000 Euro in 2107, in 2018: 62.0000. In dieser Summe würden Kosten für den Jahresabschluss (14.000 Euro) und Justiziarkosten (ca. 48.000 Euro für projektbezogene Beratung) aufgeführt.

Kein leichter Job

In seinem Fazit führte Eberhard vom Brocke an, unter welchen Bedingungen die Kassenprüfung stattgefunden hatte: Er habe den ausführlichen Geschäftsbericht nicht rechtzeitig bekommen, sondern erst am Tag der Prüfung erhalten. So seien in ihm „Zweifel an vollumfänglicher Unterstützung“ durch den Vorstand aufgekommen. Ein weiterer Punkt: Für die Jahre 2015 bis 2018 empfehle er, dass eine bislang nicht involvierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine Nachprüfung durchführe. Aufgrund der vorgetragenen Kritikpunkte schlage er vor, Vorstand und der Geschäftsführung nicht die Entlastung zu erteilen. Und ergänzte: „Auch eine Teilentlastung sollte ebenfalls nicht stattfinden.“

Persönlich fügte er noch hinzu: Er habe 14 Tage seiner Freizeit geopfert, sich sogar einen Rechtsbeistand organisieren müssen. „Wenn einer ein harmonisches Familienleben hat und es satt ist, dann sollte er sich um den Job des Rechnungsprüfers bewerben.“

Vorstand hatte keine Chance, Rechnungsprüfung vorher einzusehen

Applaus brandete auf, als der Rechnungsprüfer seinen Redebeitrag beendet hatte. Dann trat der erste Vorsitzende, Hans-Henning von der Decken, ans Mikrofon: Gestern habe ihn seine Frau angerufen, weil er um 23.45 Uhr eine E-Mail bekommen habe – der Kassenprüfungsbericht von Herrn von der Brocke. „Nachdem ich um halb zehn vom Hof gefahren bin“, so von der Decken, habe er keine Zeit mehr gehabt, die Unterlagen ausführlich zu lesen. „Ich kenne es so, dass bei einer Kassenprüfung die Unterlagen zehn Tage vorher dem Vorstand zugesandt werden.“ Am heutigen Morgen habe man im geschäftsführenden Vorstand über die Ausführungen des Rechnungsprüfers noch kurz gesprochen.

Rechnungsprüfer von der Brocke wiederum nennt als Grund für die Zusendung des Berichts weniger als zwölf Stunden vor Beginn der Delegiertenversammlung: „Aufgrund der nicht so guten Erfahrung, die wir im letzten Jahr gemacht haben, haben wir unsere Rechnungsprüfung von mehreren Rechtsanwälten überprüfen lassen, das hat so lange gedauert.“

Hitzige Argumentation

Anschließend kam es noch zu einem kurzen Austausch von Argumenten zwischen Hendrik Hüsker, der als Rechnungsprüfer zurückgetreten war. Ihm sei, so Hüsker, im vergangenen Jahr vom für den Verband tätigen Rechtsanwalt Dr. Fischer mit einer Klage gedroht worden, solle er die Unterlagen nicht rechtzeitig senden. Dr. Fischer entgegnete er habe lediglich gesagt, so etwas könne man auch erzwingen. Konstruktive Zusammenarbeit sieht anders aus. Schließlich deutete der erste Vorsitzende Hans Henning von der Decken an, er wisse, dass Inhalte der Kassenprüfung schon vorher bei anderen Mitgliedern des Gesamtvorstands gelandet seien.

Auf den Kritikpunkt „Auktionsbedingungen“ angesprochen, nahm Rechtsanwalt Dr. Sascha Münch Stellung. Da die Kanzlei „den Bericht seit sehr, sehr kurzer Zeit“ kenne, „heute morgen um halb neun lag er bei uns auf dem Schreibtisch“, könne der gesamte Sachverhalt noch nicht kommentiert werden. Abweichung zu den Auktionsbedingungen (Ausgabe der Pferde vor Bezahlung) seien aber durchaus im vergangenen Jahr neu geregelt worden. Bei „Abweichungen bei Kaufpreis von mehr als 100.000 Euro pro Käufer ist ein Mitglied des geschäftsführenden Vorstands hinzuzuziehen“, habe man unter anderem beschlossen. Sein Statement beschloss der Jurist mit dem Statement, wonach der „Bericht der Kassenprüfer nicht rechtlich korrekt ist, die Abweichung von den Auktionsbedingungen aber sehr wohl.“

Bei der Abstimmung gaben 155 Delegierte ihre Stimme ab. 86 stimmten für die Entlastung des Vorstands, 67 dagegen, zwei stimmberechtigte Delegierte enthielten sich.

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