Wie sehen die Körungen der Zukunft aus?

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Hannoveraner Hengstkörung 2019 (© www.st-georg.de)

Bei der Jahrestagung des Beirats Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) stand ein Thema ganz besonders im Fokus: die Körungen. Vier mögliche Varianten für zukünftige Körungen wurden in diesem Rahmen vorgestellt, eine Entscheidung steht aber noch aus.

Da die Jahrestagung des FN-Beirats Zucht aufgrund der aktuellen Corona-Situation nur per Videokonferenz stattfinden konnte, wurden bisher noch kein Beschlüsse verabschiedet. Die Abstimmung soll im Nachgang schriftlich erfolgen. Neben dem Status quo auf den deutschen Körplätzen, waren bei der Sitzung auch die „Leitlinien Tierschutz im Pferdesport“ ein Thema, die das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) im Oktober veröffentlicht hat.

Auch die Körungen sind von diesen Leitlinien direkt betroffen. Darin steht unter anderem geschrieben, dass „die zielgerichtete Ausbildung zum vorgesehenen Nutzungszweck“ erst ab dem  30. Lebensmonat eines Pferdes erfolgen soll. Wenn man bedenkt, dass aktuell in Deutschland viele Hengste schon vor ihrem 30. Lebensmonat gekört werden – und den Körplatz ja auch erst nach entsprechender Vorbereitung betreten – wird die Problematik deutlich. In einer Pressemitteilung der FN heißt es dazu: „Insofern gilt es, die traditionelle Herbstkörung hinsichtlich Anforderungsumfang, Vorbereitungsintensität und Art der Präsentation zu hinterfragen.“

Vier mögliche Szenarien

Dr. Thomas Nissen, langjähriger Geschäftsführer und Zuchtleiter beim Holsteiner Verband, sagt:  „Die Hengstkörung befindet sich in einem Spannungsfeld von züchterischer Selektion, Tierschutz und Vermarktung.“ Ebenso wie Ulrich Hahne, Zuchtleiter des Hannoveraner Verbands, gehört er zu einem Arbeitskreis, bestehend aus Praktikern, Vertretern der Verbände sowie Tierärzten und der Tierschutzbeauftragten der FN, der sich mit der Überarbeitung des bestehenden Kör- und Vorbereitungssystems beschäftigt hat. Man habe dieses gerade mit Blick auf die neuen Leitlinien und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse kritischt überprüft, schreibt die FN.

Das Ergebnis: vier mögliche neue Körszenarien, die sich hinsichtlich Zeitpunkt und Anforderungen voneinander unterscheiden. Bei allen vier Varianten würde sich nicht nur das Körprozedere selbst, sondern auch die Dauer und Art der Vorbereitung ändern. Gleiches gilt für den Termin der Vorauswahl.

 

  • Variante 1: Herbstkörung für zweieinhalbjährige Hengste, Vorstellung an der Hand
  • Variante 2: Frühjahrskörung für dreijährige Hengste, Vorstellung an der Hand
  • Variante 3: Frühjahrskörung (frühstens im April) für dreijährige Hengste, Vorstellung unter dem Sattel
  • Variante 4: Herbstkörung für dreieinhalbjährige Hengste, Vorstellung unter dem Sattel

Wie geht es weiter?

„Die Zuchtverbände haben jetzt die Aufgabe in ihren Gremien und mit ihren Züchtern darüber zu diskutieren, welchen Weg sie beschreiten wollen“, so Theodor Leuchten, Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht. „Ziel ist es, diese Änderungen im kommenden Jahr in der Zuchtverbandsordnung als Rahmenbestimmung für alle Zuchtverbände zu verankern.“

Der Arbeitskreis legte dem FN-Beirat Zucht außerdem nah, entsprechende Leitfäden und ggf. auch Sanktionen zu erarbeiten, um die Vorbereitung der Hengste besser regulieren zu können. „Das Wohl der Pferde muss immer Priorität haben, auch wenn es um viel Geld geht“, betonte Leuchten. „Die Vorbereiter müssen hier in die Pflicht genommen werden, wenn wir nicht wegen einzelner schwarzer Schafe die Körung insgesamt aufs Spiel setzen wollen. Deswegen sollten sich die Zuchtverbände auf gemeinsame Sanktionsmaßnahmen bei Verstößen verständigen.“

Die Körungen sind auch Thema in der St.GEORG Dezember-Ausgabe, die ab dem 18. November im Handel erhältlich ist. Im Dossier geht es um die Maßnahmen, die einzelne Zuchtverbände bereits ergriffen haben, um eine Manipulation der Junghengste zu verhindern. Die Ausgabe können Sie in Kürze auch in unserem Shop bequem und versandkostenfrei direkt nach Hause bestellen.

Quelle: fn-press

 

 

  1. Carmen Fischer

    Einen Junghengst über den Winter langsam anreiten, ihm noch ein paar Monate Erfahrung unter dem Sattel zu bieten würde dem Nervenkostüm der Jungpferde sehr entgegenkommen.
    Hier kann man dann schon ein wenig mehr über Grundgangarten, Charakter, Durchlässigkeit und Sprungablauf unter dem Reiter sagen als bei der Sattelkörung im Frühjahr, wo gerade hochgeschossene Jungsters noch Balanceprobleme und Überforderung zeigen.
    Wenn eine Körung unbedingt im Winter stattfinden muss, dann nur an der Hand.
    Ich finde es gut bit 3 jährigen die Ausbildung zu beginnen, aber kein Pferd sollte vor Publikum laufen müssen, bis es nicht Takt, Losgelassenheit und Anlehnung (wenigstens in der Vorbereitung) umsetzen kann.
    Und wenn man schon dabei ist, warum macht man Körung und 14 Tage Test nicht zusammen.
    Spart dem Junghenst ne Menge Stress und sagt deutlich mehr aus als die 2-3 Tage Körung allein.
    Für Züchter ohne eigenen Ausbildungsstall wäre auch ein 100 Tage Test ab dem Frühjahr wie früher interessant. Da können dann auch Hengste aus Amateuraufzucht professionell gefördert und beurteilt werden, ohne das der Züchter Kredit für den Ausbildungsstall aufnehmen muss.

  2. M. Bach

    Stimme Carmen Fischer voll und ganz zu.
    Die Zeit, die man den jungen Pferden zur Reifung lässt, bekommt man später vielfach wieder zurück.
    Die Hengste sollten auch nicht schon, oft genug allein aufgrund ihrer Abstammung, in Richtung Dressur oder Springen einseitig ausgebildet werden. Eine solide, klassische Grundausbildung sollten alle bekommen.


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