Die Vor- und Nachteile einer Longierhilfe

longierhilfe

Die Longierhilfe ermöglicht lockeres, entspanntes Longieren, birgt aber auch ein Verletzungsrisiko. (© www.toffi-images.de)

Die Longierhilfe ist praktisch, schnell angebracht und zeigt dem Pferd den Weg in die Tiefe. Auch die Pessoa Trainingshilfe findet häufig den Einsatz als Longierhilfe und soll die Hinterhand zusätzlich aktivieren.

Aus Ausbildersicht kann es durchaus ratsam sein, die Pferde je nach Alter und Ausbildungsstand mehr oder weniger regelmäßig zu longieren. Wichtig dabei: die Frage nach dem geeigneten Ausbinder. Hier scheiden sich die Geister. Der eine schwört auf den Dreieckszügel, der andere aufs Chambon und wieder andere greifen zum Gogue. Ein weiterer Tipp: die Longierhilfe. Aber was hat es damit auf sich? Welche eignet sich am besten und worauf sollte man unbedingt achten?

Welche Hilfszügel man bei der Longenarbeit verwendet, ob nun den klassischen Ausbindezügel, eine Longierhilfe oder doch beispielsweise einen Laufferzügel, hängt davon ab, welches Ziel man beim Longieren verfolgt. Soll das Pferd nur locker bewegt werden oder dient die Longenarbeit gezielt der Förderung der Durchlässigkeit und dem Aufbau von Muskulatur? Zunächst sollte man sich also Gedanken darum machen, was man bei der Longenarbeit erreichen möchte, denn jeder Hilfszügel hat seine Vor- und Nachteile und genauso auch die Longierhilfen.

Die Longierhilfe (Strickausbinder)

Die typische Longierhilfe wird oft auch einfach Strickausbinder genannt. Sie besteht aus einem langen, meist recht dünnen Seil, das direkt über die Sattellage (ohne Gurt, Sattel oder Unterlage) läuft, zwischen den Vorderbeinen hindurchführt und an den Trensenringen eingeschnallt wird. Über eine Schlaufe mittig im Rückenteil, lässt sich die Länge der Longierhilfe regulieren.

Diese Longierhilfe gibt es auch als dickere Baumwoll-Ausführung und sogar mit elastischen Einsätzen im vorderen Bereich. Diese Baumwoll-Longierhilfe soll ein Wundscheuern zwischen Vorderbeinen verhindern.

Die Longierhilfe ist grundsätzlich einfach einzustellen und schnell anzulegen und zu verschnallen. Sie zeigt dem Pferd jedoch lediglich den Weg in die Tiefe und begrenzt es aber weder seitlich, noch gibt es ihm eine konstante Anlehnung. Das liegt daran, dass das Seil nicht fixiert ist, sondern sich über den Rücken bewegen kann.

Außerdem besteht hier Verletzungsgefahr: Wenn das Pferd die Nase zu tief nimmt, kann es auf das Seil der Longierhilfe treten. Dr. Norbert Promberger ist Tierarzt und war bei einem Veterinäramt am Bodensee tätig. Er findet diese Strickausbinder an sich zwar nicht verkehrt: „Die Idee, dem Pferd mit möglichst wenig Aufwand den Weg in die Tiefe zu zeigen, ist sinnvoll.“ Allerdings habe er in seiner Zeit als Amtstierarzt ein Pferd begutachtet, dass wiederholt mit der Longierhilfe übertrieben und rücksichtslos trainiert wurde und sich tiefe Hautverletzungen zwischen den Vorderbeinen zugezogen hat, erzählt er. „Der dünne, raue Strick der Longierhilfe hat bei jeder Bewegung des Pferdes zwischen den Vorderbeinen gescheuert. Hat es dann vor Schmerzen den Kopf hochgerissen, scheuerte das Seil noch stärker – ein richtiger Teufelskreis. Die Strickoberfläche wirkte dadurch wie eine Säge. An den betroffenen Stellen hatte sich schon Narbengewebe gebildet.“

Vor- und Nachteile der Longierhilfe

Zusammenfassend können als Pluspunkte festgehalten werden: Die Longierhilfe ist schnell und einfach zu handhaben und drückt bei tiefer Halshaltung nicht auf den Pferderücken. Sie ist somit eine Einladung, den Hals fallen zu lassen und zeigt den Weg in die Tiefe.
Als Nachteile stehen dem gegenüber: Die fehlende, seitliche Begrenzung und die nicht konstante Anlehnung, da das Seil nicht fixiert ist. Dazu birgt sie Verletzungsrisiken, weil das Seil der Longierhilfe zwischen den Vorderbeinen die Haut aufreiben und Verbrennungen verursachen kann und das Pferd bei zu tiefer Nase auf die Strickausbinder treten kann.

Pessoa-Longierhilfe (Pessoa-Trainingshilfe)

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Die Pessoa-Trainingshilfe rahmt die Hinterhand ein, übt jedoch Zug auf das Pferdemaul aus. (© www.toffi-images.de)

Bei der Pessoa-Longierhilfe läuft ein Seil über den Rücken des Pferdes und ein gepolsterter Strang geht um die Hinterhand herum. Zum Pferdekopf hin wird die Trainingshilfe in einem seitlichen Dreieck oder als Dreiecksausbinder verschnallt.

Die Idee dieser Trainingshilfe liegt darin, dass das Seil an der Hinterhand das Pferd zum vermehrten Untertreten ermuntern soll. Professor Holger Preuschoft von der Ruhr-Universität Bochum hält sie entgegen dieser Idee für ein „tierquälerisches Instrument“.

Er erklärt: „Das Pferd bewegt sein Körpergewicht von etwa einer halben Tonne mit einer enormen Kraft nach vorne. Die Hinterbeine bewegen sich dabei allerdings nach hinten. Und der Zug, der dabei von dem Seil der Trainingshilfe im Maul ankommt, ist mit weit über einer Tonne erbarmungslos. Das Pferd wird versuchen, dem Druck im Maul zu entgehen, es rollt sich ein und vermeidet den Kontakt zum Gebiss.“

Vor- und Nachteile der Pessoa-Trainingshilfe

So kann man sagen, dass die Idee dieser Longierhilfe zwar gut ist, sie aber in der Umsetzung schlecht abschneidet.

Sie übt enormen Zug auf das Gebiss aus und bewirkt, dass manche Pferde wegen der Mechanik des gepolsterten Seils die Hinterhand eher einklemmen und sich im Rücken verkrampfen, anstatt aktiver unterzutreten. Einen Pluspunkt liefert die Pessoa Longierhilfe aber damit, dass sie die Hinterhand seitlich einrahmt.

Die bessere Alternative: Um die Hinterhand gezielt zu aktivieren, bieten sich insbesondere auch die Cavalettiarbeit an der einfachen Longe oder die Arbeit mit der Doppellonge an.

Der DIPO-Trainer

Der DIPO-Trainer ist eine Longierhilfe, die am Bauchgurt befestigt wird und über einen „Halsriegel“ im unteren Teil des Halses, zum Longiergurt läuft. Von dort aus führt er zu einem Genick-Stirn-Stück. Durch den „Halsriegel“, der einen Reiz auf die Luftröhre ausübt, wenn das Pferd seinen Kopf hebt, arbeitet der DIPO-Trainer mit der Belohnen-Entlasten-Funktion.

Das soll heißen: Nimmt das Pferd seinen Hals und Kopf herunter, wird es belohnt, indem der Druck des „Halsriegels“ nachlässt. Das Pferd wölbt den Hals und gleichzeitig den Rücken auf. Was allerdings fehlt, ist die seitliche Begrenzung, wenn das Pferd den Hals fallengelassen hat und fleißig nach vorne tritt. Der Trainer ist als ergonomisches Hilfsmittel für die Entlastungsarbeit nicht bewegungsblockierter Pferde und für den Aufbau der Pferde nach einer osteotherapeutischen Behandlung geeignet.

Die Handhabung des DIPO Trainers ist komplex und Bedarf einer genauen Anleitung durch geschultes Fachpersonal.

 

© Info zur Verwendung von Texten der Autorin Laura Becker

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