Phlegmone: Der Einschuss beim Pferd

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Bei einem akuten Einschuss hilft unterstützend ein Angussverband. (© www.slawik.com)

Viele Beulen und Schwellungen sind auf Verletzungen von außen zurückzuführen. 
Besonders häufig ist hierunter auch der Einschuss beim Pferd zu finden.

Das Ergebnis ist nicht zu übersehen, während man die Ursache meistens gar nicht mitbekommen hat. Ein unbemerkter Tritt auf der Weide von einem anderen Pferd hinterlässt einen riesigen Bluterguss, eine nur kleine Hautverletzung führt beim Einschuss zu einer Schwellung, die an ein Elefantenbein erinnert.

Entstehung eines Einschuss

Sie sind so winzig klein,
 dass man sie meist gar nicht wahrnimmt – und das macht kleine Wunden so gefährlich.

Denn diese kleinen Wunden verschließen sich sehr schnell wieder. Sind Bakterien in der kurzen Zeit in die Wunde eingedrungen, haben sie nun optimale Bedingungen: Unter Luftabschluss wachsen und vermehren sie sich noch besser.

Es bildet sich eine großflächige und oft eitrige Entzündung des Bindegewebes und der Lymphgefäße um die Eintrittsstelle herum. Dieses Ergebnis ist der umgangssprachliche „Einschuss“ oder im tierärztlichen Sprachgebrauch auch „Phlegmone“ genannt.

Besonders gefährdet sind kleine Schürf- und Stichwunden, die nicht oder nur kaum bluten und bei denen Bakterien nicht über den Blutfluss weggespült werden.

Ein dickes Pferdebein aus dem Nichts

Die Schwellung kommt häufig plötzlich und ohne Vorwarnung, da die Eintrittswunde an der betroffenen Stelle meistens nicht zu erkennen oder gar vorher auffällig ist. Die Schwellung tritt nicht nur innerhalb weniger Stunden auf, sie ist dazu schmerzhaft, außerdem haben die Pferde oft Fieber, weniger Appetit und sind angeschlagen.

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Blutet die Wunde leicht, werden viele Bakterien weggespült. Auch hier ist natürlich eine Wundversorgung wichtig. (© www.slawik.com)

Für Phlegmone besonders anfällig

Betroffen sind vor allem häufig Pferde, deren Schutzmechanismen der Haut nicht richtig funktionieren und die beispielsweise auch anfällig für Mauke sind. Durch den bereits beeinträchtigen Selbstschutz der Haut können die Bakterien leichter eindringen und sich schneller ausbreiten.

Aber auch gesunde Pferde werden durch Hufritte, Stichverletzungen mit einer Mistgabel, scharfe Kanten, Stacheldraht oder Dornen zum Opfer der Einschuss auslösenden Bakterien. Darum immer regelmäßig Stall, Weide und Pferdebox auf Problemstellen überprüfen und Verletzungen vorbeugen.

Einschuss: Entzündung der Lymphgefäße

Die Lymphgefäße sind eine Art Zwischenglied zwischen Gewebe und Blutplasma und führen von den Beinen über Lymphknoten bis zum Herz.

Die Lymphe ist eine Flüssigkeit, die dem Blut sehr ähnlich ist, allerdings keine roten Blutkörperchen enthält. Dafür werden über 
das Lymphsystem Nähr- und Abfallstoffe transportiert und in den Lymphknoten Krankheitserreger entsorgt – daher sind bei einer Entzündung oft die Lymphknoten geschwollen.

Die Bakterien, die für den Einschuss verantwortlich sind, wandern entlang der Lymphgefäße und zerstören dort weiteres Gewebe. Eine schnelle Behandlung ist daher unbedingt zu empfehlen!

Behandlung von Phlegmonen

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Bei einem Einschuss kann das ganze Pferdebein anschwellen. (© www.slawik.com)

Behandelt wird ein Einschuss meistens über mehrere Tage mit Antibiotika, die gegen Streptokokken und Staphylokokken wirken – hier gibt es unterschiedliche Medikamente, die eine variable Karenzzeit haben.

Beraten Sie sich daher vor der Behandlung mit Ihrem Tierarzt und weisen Sie auf eventuell geplante Turniere hin.

Zusätzlich können begleitende Maßnahmen wie entsprechende Salben oder Angussverbände die Heilung beschleunigen.

Wärme statt Kühlende Salben

Während bei vielen anderen Problemen Kühlen das beste Mittel ist, ist es bei einem Einschuss Wärme. Die Gefäße weiten sich bei Wärme und das Gewebe wird besser durchblutet, wodurch die Entzündungsprodukte abgebaut werden. Wärme wirkt außerdem schmerzstillend. Entweder das Bein mit warmem Wasser lange abspritzen oder ganz klassisch einen gut gepolsterten Verband anlegen.

Klassisch: Der Rivanol-Verband

Den angelegten Verband alle zwei bis drei Stunden mit warmem Wasser (ca. 45 Grad) angießen, am besten zusammen mit antiseptischen Mitteln wie Rivanol. Das wirkt oberflächendesinfizierend. Aber Achtung: Rivanol färbt alles sehr stark gelb ein: Einmalhandschuhe schützen zumindest die Hände.

Ist das Bein allerdings bereits sehr dick und bis oben hin angeschwollen, ist das Anbringen eines Verbands kaum möglich und auch nicht besonders sinnvoll.

Sprechen Sie begleitende Therapien immer mit Ihrem Tierarzt ab!

Einschuss (akute Phlegmone): Symptome, Ursache, Behandlung

Symptome

● Kann überall im Bindegewebe auftreten.

● mittel- bis hochgradige Schwellung, warm, schmerzempfindlich

● Allgemeinbild gestört, Appetitlosigkeit, evt. erhöhte Körpertemperatur (über 38,2 Grad)

Ursache

● Wundinfektion (bei kleinsten Hautschürfungen möglich)

● Häufigster Erreger: Streptococcus

● Schwellungen (Nährboden für Keime), Entzündung kann sich weiter ausbreiten.

Therapie

● Pferd mit Fieber: Sofort tierärztlich behandeln

● Antibiotikum

● keine Manuelle Lymphdrainage, da sonst Keimverschleppung über das Lymphsystem droht

● Ist das Pferd fieberfrei, ist eine Manuelle Lyphdrainagen-Therapie möglich.

Vorsicht: Elefantenbein statt Pferdebein

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Begleitende Maßnahmen wie z.B. die manuelle Lymphdrainage immer mit dem Tierarzt absprechen. (© St.GEORG)

Meistens heilt eine Phlegmone innerhalb von zehn bis 14 Tagen ab. Dauert der Zustand jedoch mehrere Wochen an, ist also chronisch geworden, spricht man von einer Elephantiasis – der Lymphfluss ist nachhaltig gestört, das Bein bleibt dick.

Bewegung, Lymphdrainagen oder spezielle Stützstrümpfe sind unterstützende Therapien, um dem vorzubeugen.

Chronische Phlegmone: Symptome, Ursache, Behandlung

Symptome

● Geringe oder deutlich erkennbare Umfangsvermehrung der Gliedmaße. Schwellung greift häufig von einem auf das andere Bein über, weil sich die Lymphbahnen der Hinterbeine in der Beckenhöhle treffen (Rückstau). Geringgradige Umfangsvermehrung ist schwer zu unterscheiden von angelaufenen Beinen.

●  Haut ist verdickt, Haare stehen ab und fallen aus.

●  Typisch: starke, wulstige Falten beginnend in der Fesselbeuge, verbreiten sich. Diese Faltenbildung beeinträchtigt die Durchblutung des Kronsaums → schlechtes Hornwachstum und Ringbildung.

●  Temperatur des Beins ist normal, kein Schmerz, Allgemeinzustand ungestört, in der Regel keine Lahmheit

●  Je länger die Erkrankung andauert, desto härter ist das Gewebe (aufgrund eingelagerter Eiweiße); Gewebekonsistenz verändert sich fühlbar.

Ursache

● oft Folge einer unterlassenen oder fehlerhaften Therapie einer eitrigen Entzündung mit bakterieller Infektion (Einschuss); Bewegungsmangel fördert die Krankheit

●  große Mengen Eiweiße und Entzündungsprodukte liegen im Gewebe, das führt zu Bildung von Bindegewebe.

●  Erkrankte Gliedmaßen sind sehr anfällig für erneuten Phlegmon-Schub.

Therapie

● Die Therapiemöglichkeit ist die Manuelle Lymphdrainage. Die dadurch hervorgerufene Sogwirkung der aktivierten Lymphgefäße vermindert Lymphstau, Schwellung nimmt ab und Lymphgefäße beginnen wieder zu arbeiten, Abtransport von Proteinen, Toxinen und Gewebsflüssigkeiten, Umfang des Beines wird reduziert.

● Wichtig: anschließend lymphologischen Kompressionsverband anlegen, um den Behandlungserfolg zu optimieren und zu erhalten.

● Gefäßschäden lassen sich nicht vollständig rückgängig machen, deshalb ist es wichtig, der Krankheit so früh wie möglich entgegenzuwirken.

● Nicht anwenden: Antibiotika, Entwässerungstherapie, reiterliche oder tierärztliche Verbände, Kompressionsstrümpfe (dadurch können sich die Eiweiße im Gewebe konzentrieren, das Bein wird dünner, aber die Haut auch härter. Entscheidend ist aber zunächst nicht die Umfangsvermehrung zu reduzieren, sondern der Gewebeverhärtung entgegenzuwirken.)

Phlegmone nicht nur am Bein

Die meisten Pferdebesitzer kennen Phlegmone am Bein, aber sie können grundsätzlich an allen Stellen des Körpers auftreten. Am Kopf droht sie lebensgefährlich zu werden, wenn sich die Entzündung auf das Nervensystem ausbreitet.

Achtung auch bei Phlegmonen am Rachen: Das Pferd kann massive Atemprobleme bekommen!

 

© Info: Verwendung von Texten der Autoren Kerstin Wackermann und Dominique Wehrmann

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