Spanischer Schritt: Hoch das Bein!

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Beim korrekten Spanischen Schritt werden die koordinativen Fähigkeiten gefördert. (© www.maresamader.com)

Koordinative Höchstleistungen vollbringt das Pferd beim Spanischen Schritt und verbessert damit zudem seine Körperwahrnehmung. Wie Sie die Lektion beibringen können und was es dabei zu beachten gibt, erläutert Anja Beran, Ausbilderin der klassischen Dressur.

Zunächst sollte man das Gangwerk seines Pferdes kritisch beurteilen: Steht das Pferd vorne sehr eng und hat keinen guten Schritt, dann ist der Spanische Schritt keine wertvolle Lektion für Ihr Pferd. Pferde, die vorne und hinten eng stehen, werden bei der Ausführung des Spanischen Schritts leicht ins Schwanken geraten. Auch hier sollte man von der Ausführung der Lektion absehen. Für alle anderen Pferde ist der Spanische Schritt eine wertvolle Lektion. Er verbessert Koordination und Konzentration des Pferdes und fördert quasi nebenbei die Schulterfreiheit.

Spanischer Schritt beim Pferd: So geht’s

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Im ersten Schritt muss das Pferd lernen, auf das Touchieren mit dem Anheben des inneren Vorderbeins
zu reagieren. (© www.toffi-images.de)

Bevor es losgeht, muss das Pferd das korrekte Halten und Stehen beherrschen und dabei aufmerksam auf weitere Hilfen warten, ohne Unarten wie Scharren zu zeigen. Das Pferd soll geschlossen stehen und sein Gewicht gleichmäßig auf alle vier Beine verteilen. Ausgerüstet mit einem Kappzaum, einem langen Strick oder einer Longe geht es mit dem Pferd an die Bande in der Reithalle oder auf dem Platz. Das Pferd wird zum Halten gebracht und sollte geschlossen stehen. Dann beginnt man damit, das innere Vorderbein mit der Gerte zu touchieren. An welcher Stelle des Beines reagiert Ihr Pferd am besten? Das müssen Sie zunächst herausfinden, denn es kann von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich sein, berichtet Anja Beran: „Das kann am Oberarm, am Karpalgelenk, am Röhrbein oder an der Fessel sein, und zwar von vorne oder von hinten.“

Spanischer Schritt: Bei der Hilfengebung auf das richtige Timing achten!

Wenn das Pferd daraufhin das Bein anhebt, sollte man es überschwänglich loben. Indem es auf die Hilfe reagiert, demonstriert das Pferd laut PFERGO, der Akademie für Pferdeergotherapie, seine Reaktionsfähigkeit. Sie zählt zu den koordinativen Fähigkeiten.

Nochmaliges Touchieren soll erreichen, dass das Pferd das innere Vorderbein nicht nur anhebt, sondern auch streckt. Wenn die gewünschte Reaktion erfolgt, loben Sie das Pferd erneut und bringen Sie es bestenfalls direkt zurück in die Box. Dadurch soll das Pferd die positive Erfahrung speichern und dazu motiviert werden, bei der nächsten Einheit direkt und korrekt auf das Touchieren mit der Gerte zu reagieren.

Achten Sie auch auf die Kopf- und Halshaltung des Pferdes! Ist der Kopf zu hoch, wird das Pferd den Rücken durchdrücken. Dadurch wird es ihm später schwerfallen, mit den Hinterbeinen flüssig mitzugehen. Der gymnastizierende Effekt der Lektion verschwindet dadurch. Kommt das Pferd hingegen zu tief mit Kopf und Hals, dann kann es nicht frei aus der Schulter heraus nach vorne treten. Das Pferd muss außerdem Kopf und Hals gerade (also ohne Stellung) halten, damit sich sein Gewicht gleichmäßig verteilt. Nur so ist die korrekte Streckung der Vorderbeine möglich.

Dem Pferd spanischen Schritt beibringen: erstmal im Stehen!

Wenn das Anheben und Strecken der Vorderbeine auf beiden Händen gut gelingt, kann man es im Gehen einfordern. Dabei schult das Pferd seine Fähigkeit, einzelne Körperteile zu einem bestimmten Handlungsziel räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abzustimmen (sog. Kopplungsfähigkeit). Das gute Timing des Reiters ist beim Spanischen Schritt im Gehen unabdinglich – das jeweils innere innere Vorderbein sollte immer kurz vor dem Augenblick des Abfußens touchiert werden.

Wenn das auf jeder Hand klappt, kann man ergänzend das äußere Bein touchieren. Wenn Sie beide Vorderbeine einzeln abrufen können, dann beginnen Sie damit, erst das äußere und beim nächsten Schritt sofort das innere Vorderbein zu touchieren. Wenn das Pferd diesen direkten Wechsel ausführt, sollten Sie es überschwänglich loben. Das Erlernte gilt es dann, allmählich zu steigern und über längere Schrittfolgen zu üben. Geht das Pferd einen ausbalancierten Spanischen Schritt an der Hand, dann fördert die Lektion die Rhythmisierungsfähigkeit. Dabei erfasst das Pferd einen von extern vorgegebenen Rhythmus und setzt diesen in seiner eigenen Bewegung um. Schließlich verbessert das Pferd dadurch auch seine Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen (die sogenannte kinästhetische Differenzierungsfähigkeit).

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