Wenn Wasserleitungen einfrieren – frostfreie Pferdetränken

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Wenn die Wasserleitungen einfrieren wird die Wasserversorgung zum Problem. (© www.slawik.com)

Alle Jahre wieder wird die Wasserversorgung der Vierbeiner im Winter zum Problem. Durch das Einfrieren der Pferdetränken kann sie zu einer echten Herausforderung werden. So können Sie Ihre Leitungen im Stall schützen und frostfreie Pferdetränken selbst bei eisigsten Temperaturen genießen.

Sobald die Temperaturen unter den Nullpunkt sinken, fängt das Wasser in den Leitungen an zu gefrieren und die Tränkvorrichtungen im Stall sind lahmgelegt. Ein großes Problem – nicht nur für den Stallbesitzer, sondern vor allem für die Pferde.

Frostfreie Tränken sind wichtig

Stallbauexperte und Sachverständiger für Reitanlagen und Stallbau Georg W. Fink weiß, wie wichtig es ist, Wasserleitungen frostsicher zu machen. Ein Rohrbruch kann zum einen teuer werden, zum anderen gefährlich für das Pferd: Bei trocknen und kalten Temperaturen benötigen Pferde sehr viel Wasser, andernfalls kommt es schnell zu einem Flüssigkeitsmangel. Im schlimmsten Fall endet dieser in einer Kolik.

Kanister- oder Wassereimer-Schleppen ist keine Dauerlösung. „Pferde müssen ganztägig die Möglichkeit haben, frisches Wasser zu saufen“, sagt Georg Fink. „Deswegen ist es wichtig, dass in jedem Stall trotz niedriger Temperaturen die Tränken funktionieren.“

Wer seine Wasserleitung vor dem Einfrieren schützen möchte, hat nicht nur die Möglichkeit, frostsichere Wasserleitungen zu verlegen, sondern kann auch vorhandene Leitungen nachrüsten. Bei beiden Methoden ist jedoch einiges zu berücksichtigen.

Die frostsichere Tränke im Stall

Leitungen, die auf der Wand verlaufen, können prinzipiell gut nachgerüstet werden. Eine Möglichkeit ist die Isolation der Rohre mit Dämmmaterialien, wie zum Beispiel Schaumstoff. Die Ummantelung schützt die Leitungen vor Frost und Kälte.

Wer sich für diese unkomplizierte Methode entscheidet, sollte jedoch beachten: „Freiliegender Schaumstoff ist ein idealer Nistplatz und Material für Vögel und Mäuse“, so der Experte. Er rät, Rohre mit einer Kunststoffschale und einer weiteren Schutzhülle zu versehen. „Liegen die Leitungen so, dass die Pferde sie erreichen können, ist ein weiterer Schutz notwendig, um Verbiss vorzubeugen.“

Von herkömmlichen, dünnwandigen Edelstahlrohren rät Fink ab, da „dünne Bleche meist zu weich sind und schließlich doch von den Pferden angekaut werden.“ Geeignet sind hingegen hutförmig gebogene Schutzbleche aus Ein-Millimeter starkem Edelstahl oder verzinktem Blech, die allerdings keine scharfkantigen Bereiche aufweisen dürfen, an denen sich Mensch oder Tier verletzen können.

Für kompliziertere Stellen, wie Bögen oder auch Abzweigungen gibt es Formstücke, sogenannte Fittings, die die Isolation gewährleisten.

Eine weitere Möglichkeit, das Wasser im Stall am Laufen zu halten, ist die Installation von Rohrbegleitheizungen. Dabei erwärmt ein Heizband die Rohre (seltener die Tränkebeckenschalen) und schützt sie so bis zu minus 35 Grad vor dem Einfrieren. Ab einer Temperatur von etwa fünf Grad schaltet ein Frostschutzthermostat das Heizkabel ein, steigen die Temperaturen über zehn Grad, wird das Kabel wieder ausgeschaltet. Um die Wärme zu halten, ist ebenfalls eine Isolierung nötig. Achtung: Zusätzliche Stromkosten fallen an.

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Schaumstoff schützt die Leitung vor dem Einfrieren, sollte aber mit Kunststoff umhüllt werden. (© www.slawik.com)

Statt Tränkenheizung: Wasser in Gang halten

Für einen Betrieb mit mehreren Pferden lohnt es sich, eine Umwälzpumpe einzubauen. Gemeinsam mit einer Ringleitung sorgt sie dafür, dass das Wasser zirkuliert. Die gleichbleibende Zirkulation mit erwärmtem Wasser schützt die Leitungen vor dem Einfrieren.

So ist der Stall – je nach Ausführung der Pumpe und der Wasserleitungen – bis zu Temperaturen von minus zehn bis minus 20 Grad gewappnet. Die Installation der Pumpe ist technisch zwar aufwendig, „lohnt sich für den Stallbesitzer jedoch fast immer“, weiß Georg W. Fink. Auch vorhandene Leitungen und Tränken können auf diese Art umgerüstet werden. Vor allem bei Leitungen, die unter dem Putz verlaufen und somit nur schwer zugänglich sind, ist die Umwälzpumpe die richtige Entscheidung.

Man müsse aber beachten, „dass jedes Nachrüsten nur eine Übergangslösung ist“, so Fink. Eine Isolation der Rohre ist auch bei diesem System wichtig, um Frost zu vermeiden. Wer also bereit ist, einmalig mehr Geld zu investieren, „trifft mit fachgerecht isolierten Wasserleitungen und einer Umwälzpumpe eine gute Entscheidung“.

Das Verlegen neuer Leitungen kann zusätzlich dem Gefrieren entgegenwirken. Die Lage der Wasserleitungen ist nämlich ebenfalls entscheidend. „Am besten verläuft die Wasserleitung über dem Fenster“, erklärt der Experte. Der Grund ist einfach: „Kalte Lu strömt nach unten und fällt auf die Leitungen.“

Falsch ist es, zu glauben, den Stall warm halten zu müssen. „Das Schließen der Türen führt allenfalls dazu, dass die Stallluft schlechter wird. Ein Stall hat kalt und trocken zu sein.“

Beheizbare Tränke im Außenbereich?

Rohre, die im Außenbereich liegen, sollten in jedem Fall unterirdisch verlaufen – in welcher Tiefe, hängt von den Temperaturen in der Region ab. In wärmeren Gegenden kann bereits eine Tiefe von einem Meter ausreichen, um Rohre vor Frost zu schützen, in kälteren Gebieten sind eineinhalb Meter notwendig.

Die Verbindung zwischen der Wasserleitung im Boden und der Tränke ist eine Steigleitung. Diese verläuft in einem senkrechten Rohr, am besten einem handelsüblichen Thermorohr. Die Leitung selbst muss nicht gesondert isoliert werden. Lediglich die Tränke muss vor dem Einfrieren geschützt werden.

Es bietet sich beispielsweise an, eine Rinnentränke aus Metall von unten mit einem Heizband zu isolieren. Wasserleitungen sollten fachgerecht verlegt und isoliert werden – dies gilt natürlich für alle Tränkesysteme. Wer sich in diesem Bereich nicht auskennt, sollte einen Pro hinzuziehen, der beraten und installieren kann.

Weniger Durst im Winter?

Im Winter trinken Pferde nur ungern. Das liegt nicht da- ran, dass Pferde bei niedrigeren Temperaturen weniger Wasser brauchen, die Ursache ist die Temperatur des Wassers. Im Winter ist das Wasser auf Paddock und Koppel kalt, und zu kaltes Wasser schmeckt Pferden einfach nicht. Deswegen schränken die Pferde die Aufnahme von kaltem Wasser instinktiv ein.

Wichtig: In den Wintermonaten ändert sich zwar das Trinkverhalten, jedoch nicht der Flüssigkeitsbedarf des Pferdes. Achten Sie deshalb darauf, dass ihr Pferd auch in den Wintermonaten ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt.

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