Wie man sich bettet, so liegt man – Einstreu für Pferde

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Die Basis guten Schlafes: Die perfekte Einstreu für Pferde. (© www.slawik.com)

Goldgelb, weich und knisternd – Studien belegen: Am liebsten schlafen Pferde auf Stroh. Doch was tun, wenn die Getreideernte buchstäblich ins Wassergefallen ist? Ein Überblick über die Vor- und Nachteile altbewährter und neuer Einstreu für Pferde.

Die Einstreu für Pferde stellt einen wesentlichen Faktor für Wohlbefinden und Gesundheit dar. Je staubiger sie ist, desto größer ist die Belastung für die empfindlichen Atemwege der Pferde. Die Folgen reichen von leichtem Husten bis hin zur chronischen Bronchitis. Auch das Liegeverhalten der Pferde hängt von der Einstreu ab. Pferde können zwar im Stehen dösen, aber nur im Liegen erreichen sie den sogenannten REM-Schlaf, der wichtig ist für die vollständige Erholung. Wenn ein Pferd sich im Stall nicht gerne hinlegt, wirkt sich das auf seinen Schlaf und somit auch auf sein Wohlbefinden und seine Leistungsfähigkeit aus.

Heutzutage gibt es Vielzahl verschiedenster Einstreumaterialien. Bei der Auswahl gilt es, sowohl die Interessen des Pferdes als auch betriebswirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Aus Sicht des Pferdes sollte Einstreu gesundheitlich unbedenklich und so saugfähig sein, dass das Pferd stets trocken steht bzw. liegt. Denn eine nasse Box ist ein exzellenter Nährboden für Fäulnisbakterien, die den Pferdehuf angreifen können und Strahlfäule bzw. Mauke verursachen. Zudem sollte sie weich sein, nach unten hin isolieren und vor allem Rutschsicherheit gewährleisten.

Betriebswirtschaftlich betrachtet, ist es zum einen wichtig, dass das Material möglichst leicht verfügbar ist. Hinzu kommen Faktoren wie Lagermöglichkeiten, die Handhabung und der Aufwand beim Misten. Ein wesentliches Kriterium stellt zudem die anschließende Entsorgung des Mists dar.

Wechsel- und Dauereinstreu

Man unterscheidet zwischen Wechsel- und Dauereinstreu. Bei der Wechseleinstreu wird die gesamte Einstreu täglich erneut. Anders als man vielleicht denken könnte, ist dabei die Ammoniakkonzentration im Stall höher als bei Dauereinstreu mit Matratzenbildung. Das liegt daran, dass durch die tägliche Stallarbeit die Ammoniakpartikel immer wieder aufgewirbelt werden. Weitere Nachteile: großer Arbeitsaufwand, hoher Materialverbrauch, somit mehr Nachschub, der gelagert und mehr Mist, der entsorgt werden muss.

Beim Dauereinstreu-Verfahren wird nur abgeäppelt und übergestreut. Wobei sich manche Pferdehalter auch das Abäppeln sparen. So bildet sich eine Mistmatratze, die isoliert und den Ammoniak bindet, wenn sie nicht „verletzt“ wird. Dadurch ist die gesamte Ammoniakkonzentration im Stall niedriger. Wichtig ist, dass reichlich nachgestreut wird, damit die Pferde sauber und trocken stehen.

Die Klassiker – Stroh und Späne

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Neben Stroh gilt Späne als klassische Einstreu. (© www.slawik.com)

Weizenstroh ist, besonders in ländlichen Regionen, die am weitesten verbreitete Einstreu. Der Hintergrund: Stroh ist als Nebenprodukt des Getreideanbaus meist günstig zu erwerben. Zudem belegen Studien, dass Pferde lieber auf Stroh als auf allen anderen Materialien liegen. Auch bietet Stroh ihnen Beschäftigung und eine zusätzliche Raufutterquelle (die bei allzu gierigen Pferden allerdings zum Nachteil werden kann).

Dem gegenüber stehen einige Nachteile des Strohs: Stärker als jedes andere Material ist Stroh mit Schimmelpilzen und Pilzsporen verunreinigt. Und je nach Ernteertrag kann der Preis steigen und die Qualität des Strohs stark schwanken. Zudem nimmt es Flüssigkeit nicht allzu gut auf und sorgt für eine hohe Staubkonzentration in der Stallluft. Außerdem beansprucht Stroh viel Platz bei der (trockenen!) Lagerung und bedeutet großen Aufwand bei der täglichen Stallarbeit. Auch fällt eine sehr hohe Mistmenge an – wobei die Entsorgung in der Regel unproblematisch ist.

Hobelspäne sind eine beliebte Einstreu-Alternative. Die meisten Produkte sind aus unbehandeltem Weichholz hergestellt, getrocknet und entstaubt. Späne enthalten deutlich weniger Pilze und Bakterien als Stroh und eignen sich somit z.B. für Hustenpatienten und Allergiker. Ställe, die mit Spänen eingestreut sind, haben eine geringere Staubpartikelkonzentration in der Stallluft, allerdings ist die Ammoniakbelastung höher als bei Langstroh. Außerdem isolieren Späne nicht so gut, da sie nach unten hin kein Luftpolster bilden. Zudem sind sie teurer und verrotten auch langsamer. Die Entsorgung des Mists kann problematisch werden, da viele Landwirte mit Spänen vermengten Mist nicht gerne abnehmen. Sie fürchten, dass ihre Äcker übersäuern. Firma Allspan hat den pH-Wert von Pferdemist mit ihren Spänen testen lassen und kamen zu dem Ergebnis, dass die Entsorgung für die Bodenqualität unbedenklich ist. Den Testbericht kann man sich hier herunterladen. Manche Hersteller bieten auch an, den Spänemist kostenlos wieder abzuholen.

ALTERNATIVEN zu Stroh und Späne

Kompost in der Pferdebox

Was zunächst unhygienisch klingt, ist eigentlich das Gegenteil. Denn Kompostierung oder „Rotte“ ist ein biologischer Prozess, bei dem Mikroorganismen unter Sauerstoffeinfluss organisches Material wie z.B. Urin und Kot abbauen. Das Pferd steht also nicht auf einem faulenden Untergrund – Rotte und Fäulnis sind nicht dasselbe – sondern auf einem „arbeitenden“ Boden.

Einige Hersteller haben diesen natürlichen Abbauprozess in ihre Produkte integriert. So gibt es etwa Späne von Allspan, die mit Mikroorganismen versetzt sind, oder Pellets aus Miscanthus oder Weichholz (sieh unten), die mit einem Rotte-Mittel oder einem mineralischen Katalysator versehen werden. Der Mist verrottet schneller zu Kompost und ist so wertvoller Dünger – auch für die eigenen Weideflächen.

Strohhäcksel

Entstaubt und entkeimt die Strohhäcksel für die Pferdebox.

Der Klassiker in aufbereiteter Form: Das Stroh wird gehäckselt, entstaubt und entkeimt und macht so fast alle Nachteile von herkömmlichem Stroh wett. Während Langstroh nur wenig Flüssigkeit aufnehmen kann, sind die Häcksel wesentlich saugstärker. Die kleinen Häcksel fallen durch die Mistgabel, so werden Arbeitsaufwand und Mistvolumen reduziert. Die Ballen sind teurer als normales Stroh, aber der Verbrauch der Einstreu fällt deutlich geringer aus. Dazu sparen die Ballen Lagerplatz. Die Häcksel sind biologisch schnell abbaubar und der hochwertige Mist eignet sich als Dünger und kann auch in Biogaskraftwerken verwertet werden. Zum Beispiel von hippo gold.
www.hippogold.com

Flachs-/ Leinstroh

Auch Flachseinstreu genannt, ist diese Einstreu, genau wie Stroh, rein pflanzlich.

Diese Einstreu besteht zu 100% aus pflanzlichen Fasern, ist also ein reines Naturprodukt. In der Produktion werden die Flachsstengel zerkleinert gereinigt, entstaubt und in handliche Ballen verpackt. Leinstroh soll saugfähiger als herkömmliches Weizenstroh sein. Es erzeugt zudem ein geringeres Mistvolumen, weniger Aufwand bei der täglichen Stallarbeit und verrottet schneller. Pferde fressen die Einstreu meistens nicht, darum muss ausreichend Raufutter zur Verfügung stehen.

Für die Einstreu mit Leinstroh empfiehlt sich die Dauereinstreu, wobei mit etwa drei bis vier Ballen für die Grundeinstreu und je nachdem wie viel das Pferd im Stall steht und wie sehr es die Box durchwühlt, mit ein bis zwei Ballen pro Woche zum Nachstreuen gerechnet wird. Der Preis für Leinstroh liegt bei etwa 9 Euro pro Ballen, je nach Anbieter kann er variieren. Leinstroh gibt es zum Beispiel von Ecoflax www.ecoflax.be oder Euro-Lin www.vetripharm.de

Weichholzpellets

Wärmebehandelt und dadurch quasi staubfrei.

Durch Wärmebehandlung sind die Pellets nahezu keimfrei, staubarm und sorgen so für ein sauberes Stallklima. Sie sind aus nachwachsendem Rohstoff produziert, verrotten schnell und sind dadurch gut kompostierbar. Bei der täglichen Stallarbeit sparen Pferdehalter erheblich Zeit, da sie nur abäppeln müssen. Weil die Bollen meist auf der Oberfläche liegen bleiben, geht dies rasch von der Hand. Kostenpunkt: ca. 8,00 Euro pro Sack. Zudem braucht das Pferd ausreichend zusätzliches Raufutter. Gibt es z.B. von German Horse Pellets.
www.german-horse-pellets.de

Kiefernspäne

Die Kiefer ist von Natur aus antibakteriell. Das enthaltene Kiefernöl hat antioxidative Eigenschaften, was die Stallluft verbessert. Die Späne haben verschiedene Schnittgrößen und bilden so eine hohe und federnde Einstreu, die die Gelenke schont. Kiefernspäne stammen aus nachhaltig bewirtschafteten, nachwachsenden Kiefernwäldern in Norwegen und sind kein Abfallprodukt, da sie nur für den Zweck des Einstreuens hergestellt werden. Staubfreiheit und wenig anfallender Mist sind genau wie bei normalen Hobelspänen Vorteile dieser neuen Einstreu. Preislich liegen Kiefernspäne etwas über den handelsüblichen Hobelspänen. Z.B.: HippoBED.
www.hippobed.se

Miscanthus-Einstreu

Miscanthus ist ein schilfähnliches Gras, das gehäckselt oder pelletiert zum Einsatz kommt.

Miscanthus ist ein schilfähnlichen Gras, das in Form von Häckseln oder Pellets als Einstreu dienen kann. Das Material soll saugfähiger und staubärmer sein als herkömmliches Stroh. Für die Produktion von Pellets werden die Gräser stark zerkleinert und lose in Pelletform gepresst, wodurch sie in Verbindung mit Flüssigkeit zerfallen und eine Matratze bilden. Der Arbeitsaufwand und das Mistvolumen sollen sich stark reduzieren, da nur die Pferdeäpfel entfernt werden müssen, feuchte Stellen kann man einfach unter die trockene Einstreu mischen. Nasse Einstreu kann zum Trocknen an die Seite gelegt und dann wiederverwendet werden. Die Grundeinstreu mit etwa zwölf Säcken für eine Box von zwölf Quadratmetern geht etwas mehr ins Geld, für die Nachstreu rechnen die meisten Hersteller mit ein bis zwei Säcken pro Woche. Miscanthus-Pellets gibt es ab 7 Euro pro Sack. Der Hersteller DatPeerConcept wartet mit einer Besonderheit auf: Der Miscanthus wird nicht nur gehäckselt sondern auch gemahlen, bevor er in Pellets gepresst wird. Diese mit einem Wasser-Rotte-Gemisch (die Rotte wird vom Hersteller mitgeliefert) wässern. Dadurch setzt keine Fäulnis sondern Rotte ein. In der Rotte wird der Urin zu Wasser verstoffwechselt und verdunstet.
www.einstreu-für-pferde.de

Waldboden im Pferdestall

Hackschnitzel aus dem Wald bieten die Basis der Einstreu.

Waldbodeneinstreu – zum Beispiel aus Waldhackschnitzelaufbereitung – verspricht gute Saugfähigkeit und eine weiche Matratze, auf der Pferde gerne liegen. Der Arbeitsaufwand reduziert sich auf das tägliche Abäppeln. Feuchte Stellen können unter die trockene Einstreu gemischt werden. Die biologischen Eigenschaften der Waldbodeneinstreu neutralisieren den Ammoniakgeruch und verarbeiten den Mist rasch zu Kompost, der auch für die eigenen Weiden ein wertvoller Dünger ist. Nachteilig ist die dunkle Farbe der Einstreu, die helle Pferde verfärben kann. Zudem kann sich die Handhabung der Einstreu schwierig gestalten. Die Firma Käßmeyer bietet das Produkt HorseFlakes zum Beispiel nicht in handlichen Ballen sondern in Big Bags (1,5 Kubikmeter) oder als loses Schüttgut an. www.biomassezentrum.de

Papier als Einstreu

Eine Studie von 1987 untersucht die Haltung von Rennpferden in England. Knapp 52% der Pferde standen auf Stroh, 34% auf Späne und 14% auf Papierschnitzeln. Papier bindet Feuchtigkeit und Ammoniak besser als zum Beispiel Stroh, allerdings ist es nur in geringen Mengen verfügbar.

Gut zu wissen: Das ist der REM-Schlaf

englisch für rapid-eye-movement

Diese Schlafphase zeichnet sich durch schnelle Augenbewegungen hinter geschlossenen Lidern aus. Die Muskeln sind völlig entspannt, das Gehirn dagegen hochaktiv. Über die genaue Funktion gibt es unterschiedliche Meinungen. Fest steht dagegen, dass sehr jungen Menschen und Tieren sehr lange REM-Schlaf-Phasen haben, die sich zum Erwachsenenalter hin verkürzen. Wahrscheinlich ist REM-Schlaf deshalb für die Verarbeitung von Informationen und somit für die Entwicklung wichtig.

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  1. Andreas

    Sehr interessanter Artikel.
    Leider geht es einigen Stallbesitzern nur darum, bei der Einstreu und beim Futter, so viel wie möglich zu sparen.


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