Blog 6 aus Aachen: Bettenwechsel in den Ställen

Kristina Bröring-Sprehe und Desperados im Training mit Monica Theodorescu (© von Hardenberg)

Die Europameisterschaften in der Soers gehen in die zweite Woche. Die Dressur- und Westernpferde sind wieder zuhause oder zumindest auf dem Weg, die Boxen werden hergerichtet und neu belegt. Zeit für ein EM-Zwischenfazit.

Auf riesigen LKW werden Mist und Späne von Dressur- und Westernpferden weggeschafft. Das temporär überdachte Dressurstadion wird für die Voltis präpariert und das Shopping-Dorf ist wie ausgestorben. Der Regen läuft in kleinen Bächen die Planen herunter und tropft traurig auf den Asphalt. Auch die Fressbuden sind dicht! Zu essen gibt es nur in der Pflegerkantine neben den Ställen. Der Dressurtross ist schon wieder zuhause. Zeit, um Bilanz zu ziehen.

Bundestrainerin Monica Theodorescu kann die Totilas-Nummer endlich abhaken. Ich denke, alle haben ein bisschen gelernt aus dem unrühmlichen Auftritt. Etwa, dass man mit Pferden anders umgehen muss, als mit Formel 1-Boliden. Man kann nicht ohne weiteres auf ein Erfolgspferd einen anderen Reiter setzen wie einen neuen Fahrer ins Cockpit. Die Bundestrainerin betont, dass man nicht beide Augen zugedrückt hätte, sondern dass er im Trainingslager soweit in Ordnung gewesen sei, dass man ihn mitnehmen konnte. „Aber hinterher ist man immer schlauer“, sagt sie.
“ Wenn Totilas schon auf dem Abreiteplatz so gegangen wäre, wie später in der Prüfung, hätte ich ihn nicht starten lassen,“ sagt Monika Theodorescu. „Da ging er dann lahm, vor allem beim letzten starken Trab, da konnte er nicht mehr.“ Sowas wird es wohl nicht mehr geben, der Schock sitzt immer noch tief. Der Sport verdankt Totilas viel, nicht nur eine bis dahin nicht gekannte Aufmerksamkeit, auch die Erkenntnis, dass man den Erfolg eben doch nicht kaufen kann, jedenfalls nicht immer.

Zufrieden war Monica auch gestern nach der Kür nicht: „Kristina hätte gewinnen müssen, das war für mich klar.“ Damit stand sie nicht alleine, die Liste der SMS auf ihrem Handy, die genau das auch fanden, ist lang. Eine, von einem früheren O-Richter, sprach sogar von „krasser Fehlentscheidung“. Schließlich war Valegro nicht im Bestform und Desperados so gut wie nie! „Sie hätte es verdient gehabt“ sagt Monica
Doch jetzt geht der Blick nach vorne. Das Gold-Abo der deutschen Dressurreiter ist ja schon seit längerem aufgekündigt und das Augenmerk richtet sich jetzt schon auf Rio 2016. Die Hoffnung ruht auf Isabell Werth und Bella Rose . „Sie kriegt jetzt alle Zeit, die sie braucht, zur Rekonvaleszenz“, sagt Monica Theodorescu.

Das wären dann schon zwei Pferde, die sicher 80 Prozent gehen können. Und auch Jessica von Bredow -Werndl steht auf ihrer Liste. „Auch wenn sie selbst nicht ganz zufrieden war, hat sie ein tolles Championat geritten“, findet die Bundestrainerin. Hoffen können Anabel Balkenhol mit Dablino, Hubertus Schmidt mit Imperio und Dorothee Scheider mit St. Emilion. Aber die Luft sei dünn, sagt Monica. Kleine Fehler können, wie man in Aachen sah, große Folgen haben!