Moment Mal! Gabriele Pochhammer: Auf dem Weg nach Strzegom, Krieg der Sterne und Erkenntnisse über Scheich Mos Kinderstube

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Gabriele Pochhammer, Herausgeberin St.GEORG (© Foto: Bugtrup, Montage: st-georg.de)

Das Unternehmen Titelverteidigung – in Mannschafts- und Einzelwertung – ist angelaufen! Am kommenden Wochenende geht es für die Buschis um die EM-Titel 2017. Derweil hat man bei der FEI ein neues Sterne-System für die Vielseitigkeit ersonnen und in der Distanzwelt fragt man sich einmal mehr, wo eigentlich die Prioritäten liegen.

Pferde und Reiter sind schon da, morgen folgt der Tross der Journalisten und Fans, nach Strzegom zur Europameisterschaft der Buschis. Der Platz hat sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Namen bei den Vielseitigkeitsreitern gemacht. Jedes Jahr gibt es dort mehrere Turniere für alle verschiedenen Sterne-Stufen. Früher hieß das übrigens Striegau und das dazugehörige Schloss gehörte der Familie Wietersheim. Christoph v. Wietersheim-Kramsta gewann 1925 das Hamburger Springderby auf dem Vollblüter Kreon xx. Die Verbindung zur alten Heimat hält die Familie ohne Groll, stiftete sogar einen Preis, der heißt – natürlich – der „Kreon-Preis“.

 Foto Menzendorf, Leihgabe Nds. Sparkassenstiftung u. KSK Verden im Fotoarchiv Deutsches Pferdemuseum

Christoph von Wietersheim-Kramsta mit dem Vollblüter Kreon xx, Sieger im Deutschen Spring-Derby 1925. (© Menzendorf)

Den deutschen Reitern geht es prächtig in Polen, wie wir aus FN-aktuell erfahren, Bundestrainer Hans Melzer kennt auch schon die Mannschaftsaufstellung, in der Reihenfolge Julia Krajewski/Samourai du Thot, Bettina Hoy/Seigneur Medicott, Ingrid Klimke/Hale Bob und Titelverteidiger Michael Jung mit der dreimaligen Kentucky-Siegerin Rocana. Die Einzelreiter werden auf die Startplätze dazwischen gelost. Endgültig entscheiden muss sich Melzer übrigens erst nach der Verfassungsprüfung am Mittwoch. Dann dürfen die Reiter auch erstmals den Kurs von Parcourschef Rüdiger Schwarz besichtigen. Seine Handschrift kennen sie ja schon, unter anderem vom CICO Aachen. Wir werden natürlich auf der SG-Website aktuell ausführlich berichten, nachrichtlich und mit Blogs.

Krieg der Sterne

Europameisterschaften, also das Championat, werden nicht auf Vier- sondern auf Dreisterne-Niveau ausgetragen. Was die Sterne angeht, hat sich die FEI eine Neuregelung für 2018 ausgedacht, deren Sinn sich dem unbedarften Laien mal wieder erst auf den zweiten Blick erschließt. Es wird eine neue Einsterne-Kategorie geben bis 1,05 Meter im Gelände. Die bisherigen CCI* und CIC* sollen als CI** firmieren, ohne Unterscheidung. Die bisherigen Zweisterne-Prüfungen, ob kurz oder lang, werden zu Dreisterneprüfungen befördert, auch die CCI*** bekommen einen Stern dazu. Neu sind CIC5*, bei denen Dressur und Springen auf Viersterne-Niveau rangiert, das Gelände bleibt auf Dreisterne-Level. Läuft hinaus auf eine weitere Entwertung des Geländes und soll Nationenpreise und Weltcupserien unterstützen. Olympische Spiele und Weltreiterspiele nennen sich künftig CCI5*. Damit kann man dem IOC weismachen, dass der Sport dort tatsächlich auf höchstem Niveau stattfindet, obwohl das höchste Niveau nach wie vor den bisherigen Viersterne-Prüfungen vorbehalten bleibt, von denen es weltweit nur sechs gibt: Kentucky, Badminton, Luhmühlen, Burghley, Pau und Adelaide.

Sie finden im vorgeschlagenen neuen System gar nicht statt. Sie sollen erhalten bleiben als Prüfungen mit „maximaler technischer Schwierigkeit“, ein Name soll noch gefunden werden, im Gespräch ist „Iron Horse“. Wirklich! Sie sollen auch nicht mehr im Qualifikationsweg für Olympische Spiele und Weltreiterspiele vorgeschrieben sein. Alles verstanden? Ich auch nicht. Bis Mitte September sollen die FNs ihre Meinung abgeben.

Aus der Kinderstube des Scheichs

Es gibt Neues aus der Endurance-Ecke. Mir tun immer die Distanzreiter leid, die wirklich einen ehrlichen Sport betreiben, in dem der Reiter die Gesundheit und das Leistungsvermögen des Pferdes nie aus den Augen verliert. Die Schlagzeilen werden leider von den anderen beherrscht. Der belgische Distanzreiter Pierre Arnould, bekannt dafür, dass er die tierquälerischen Auswüchse vor allem bei Reitern aus den arabischen Ländern offen anprangert, richtet vom 16. bis 19. August die Europameisterschaft in Brüssel aus, also ein offizieller FEI-Termin, der allerdings laut Reglement nicht geschützt ist. Warum nicht? So kam es dem Dubai-Herrscher Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum in den Sinn, an just jenem Wochenende im britischen Euston einen Distanzritt auszuschreiben, in dem es ein siebenstelliges Gewinngeld plus Anreisekosten gibt. Man konzentriere sich dabei auf die beste Kondition der Pferde, um das Wohl des Pferdes in den Mittelpunkt zu stellen, heißt es aus den Kreisen des verurteilten Dopingsünders Maktoum. Jeder, der den Ritt beendet, kriegt Geld. Arnault hat jetzt Mühe, seine Veranstaltung zu finanzieren. Eine Reihe europäischer Reiter hat angekündigt, dem Ruf des Scheichs-Geldes zu folgen und ihre Nennung in Brüssel zurückgezogen, um nach Euston zu eilen. Zwar sei es nicht verboten, ein anderes Turnier zeitgleich zu veranstalten, „aber ist es auch fair“?, wird der Viersterne-Richter Francois Kerboul in der britischen Pferdezeitschrift Horse and Hound zitiert. Da hat er wohl was falsch verstanden. Fairness und Rücksichtnahme sind wohl keine Tugenden, die in den Kinderstuben morgenländischer Potentaten gelehrt werden. Und die FEI? Schaut zu, und kassiert. Denn auch sie verdient an den Millionengewinngeldern aus Scheiches Portemonnaie.

 


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