Olympia: Tönjes‘ Trip to Tokio, Episode 2: Seetang zum Frühstück und … Kokain

Tönjes-Trip-Tokio-Episode-2

Diese rote Pflaume sieht süß aus. Ist sie aber nicht. (© www.st-georg.de)

Seetang, Kokain und Geburtstagskuchen – der zweite Tag von St.GEORG Chefredakteur Jan Tönjes bei den Olympischen Spielen in Tokio begann mit einer besonderen Frühstückerfahrung.

Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich es nicht weiter verwunderlich finden würde, wenn ich mir Seetangreste nach dem Frühstück mittels Zahnbürste entferne, ich hätte es nicht geglaubt. Nach dem Frühstück japanischer Art weiß ich nun: Seetang ist ein prima Salat und zusammen mit einer Gemüsesuppe, Reis und Tofu sowie einem Kohlgemüse ein super Start in den japanischen Tag.

Der Kaffee im Hotel ist trinkbar, so dass ich mir den Tee verkniffen habe. Aber ein Becher reichte auch. Stilechter wäre Tee wohl gewesen. Morgen ist auch noch ein Tag bei Olympia. Vorm Frühstück habe ich – pardon, das muss man so sagen und es ist auch so offiziell gewünscht – richtig gerotzt. Also gespuckt. Der obligatorische PCR-Test ist an den ersten vier Tagen gefordert. Dafür gibt es Röhrchen und Strohhalm, einen Code zum Aufkleben und ein Tütchen um die Probe dann an Sammelstellen abzugeben. Beinahe hätte ich vergessen, meine Temperatur anzugeben. Zack – die Aufforderung dazu kam per E-Mail prompt. Nachgetragen, fertig.

Olympia: Fachjournalisten unter sich

Im Hotel, dessen Zimmer tatsächlich voll sind, sobald man nicht nur selbst, sondern auch noch das eigene Gepäck drin steht, sind auch US-Kollegen. Edwin und Paul aus Denver arbeiten für die internationale Agentur AP (Associated Press). Ihr Thema bei Olympia: Leichtathletik. Ihrer Frühstückskonversation zu lauschen, war aufschlussreich. Nicht, dass ich auf Anhieb die Bestzeiten des amtierenden nigerianischen Landesmeisters wüsste (die beiden stritten sich da um ein paar Hundertstelsekunden), aber eines habe ich gelernt: So wie unsereins sich ereifern kann, wie man eine Piaffe, „die doch eindeutig zu Beginn eine Rückwärtstendenz aufwies“ noch mit einer Sieben beurteilt, „das Coffin echt schlecht anzureiten ist“ oder man sich die „Dreifache doch etwas weniger luftig gebaut“ gewünscht hätte, kann man auch in der Leichtathletik offensichtlich leidenschaftlich diskutieren. Lange und ausführlich.

Scharfe Überraschung

Während ich so zuhörte, gab es dann doch etwas, das meinen Fokus schlagartig wieder auf mich selbst richten lies. „Pickled Plums“, also „eingelegte Pflaumen“, standen auf dem Büffet. Das probiert man doch mal. Lerne: Diese „saure Pflaume“ hat es in sich. Weniger den Kern/Stein als vielmehr den Essig, in den dieses zarte, unschuldig rötlich schimmernde Stück Obst einst eingelegt worden ist. Frage: Gibt es Wasabi-Essig? Das werde ich recherchieren. Meine Vermutung: JA! Auf jeden Fall habe ich in dem Moment so geguckt, wie meine Pferde mich anschauen, nachdem sie bei der Wurmkurvergabe sich haben übertölpeln lassen.

Kokain bei Australiens Springreitern

Während die Covid-Zahlen im Olympischen Dorf unter Journalisten und im MPC am Rande ein Thema sind, 67 sind es derzeit, hat der Reitsport ein anderes Thema. Jamie Kermond, 36, Springreiter aus Australien hat ein Test-Problem. Nicht Covid, sondern Cocaine, sprich Kokain. Das wurde bei ihm nachgewiesen. Sein Aus für Olympia. Er sei „extrem aufgewühlt und reumütig“, sagte Kermond. Dass man bei ihm Kokain hat nachweisen können, habe möglicherweise mit einem einmaligen „Freizeit-Gebrauch bei einer Zusammenkunft“ zu tun. Es täte ihm leid, dass er Menschen und seine Familie enttäuscht hätte. Außerdem hofft er, dass man ihm eines Tages verzeihen könnte. Um im Bild zu bleiben: Da möchte jemand, dass Gras über die Sache wächst, bzw. da hatte also wohl jemand die Nase voll. Selbiges kann man vom australischen Reiterverband nun auch vermuten. Nüchtern (!) wird auf den Verstoß gegen die Dopingvorschriften verwiesen. Kein Wort des Mitgefühls. Das wäre ja auch irgendwie seltsam, zumal es schon um die Nominierung von Kermond Diskussionen in Down Under gegeben hatte.

So – nun geht’s gleich das erste Mal zum Reitstadion. Heute wird erstmals das Dressurviereck mit allem Blumenschmuck aufgebaut und unser Team darf ab 18.40 Uhr Ortszeit dort reiten. Auch das Geburtstagskind Isabell Werth, für die es heute mehrerer Kuchen gab. Nur gesungen werden durfte nicht – eine der Covid-Verhaltensregeln. Im Stall – mit Abstand – gab es dann aber doch noch ein Ständchen.


  1. Birgit Strunck-Rodríguez

    Hatte mal so zufällig reingeklickt, macht aber zunehmend Spaß zu lesen.
    Danke für die Infos abseits der offiziellen Nachrichten 👍🏽

  2. Henriette

    Schön, dass man auf diese Weise ein bisschen olympisches Flair auf japanisch schnuppern kann. Ich bin gespannt auf die nächsten News


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